Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Dezember 2020

Lesedauer: 7 Minuten

Vahrenholt verbreitet Panik

11. Dezember: „Uns droht dramatischer Wohlstandsverlust“

Fritz Vahrenholt, hochrangiger Mitarbeiter bei RWE und Shell, verbreitet Panik mit dem Schreckgespenst der Deindustrialisierung und Dunkelflaute und will mit einem leichten Grünanstrich in Form einer teilweisen Einräumung des menschengemachten Klimawandels glauben machen, dass wir entgegen der Einschätzung von 97 Prozent aller Wissenschaftler noch Zeit hätten. Eben jene Zeit, die die fossile Energiewirtschaft sich mit Lobbyismus und Meinungsmache zu erkämpfen versucht, um das alte Geschäftsmodell auf Kosten der kommenden Generationen weiter auszuquetschen. Vahrenholt verstrickt sich dabei selbst in Widersprüche mit regionalen Klimaphänomenen und vergangenen Warmzeiten. Am Ende steht das absehbare Plädoyer für die weltweite Fortführung der Atomkraft. Dabei erzeugt eine Einfamilienhaus-Photovoltaikanlage inzwischen günstiger sauberen Strom als ein Atomkraftwerk, das nicht über unsere Stromrechnung, sondern über unsere Steuerabgaben subventioniert wird. Wir stehen inzwischen bei 50 Prozent regenerativer Energie im Netz und haben weniger Stromausfälle als je zuvor. Panik ist ein schlechter Wegbegleiter für die Energiewende. Aber ein konsequenter Ausbau der Erneuerbaren ohne permanente Behinderungen durch die alte Energiewirtschaft ist notwendig.

Martin Oster

Beachtliche Denkanstöße

Dieses Interview mit Herrn Fritz Vahrenholt sollte zur Pflichtlektüre für Politiker aller Parteien mit anschließender Diskussion und Auseinandersetzung gemacht werden! Beachtliche Denkanstöße!

Horst Ruppert

Wo liegt das Tor zur Stadt?

11. Dezember: „Was wird aus dem Elbtower?“

Vielleicht wacht man im Senat doch noch auf. Der Elbtower passt doch in seiner brutalen Größe überhaupt nicht ins Stadtbild. In der Vergangenheit war auch immer wieder die Rede davon, der Tower bilde das Tor zur Stadt, wenn man aus dem Süden kommt. Nördlich der Elbe mag man das nicht gerne hören, aber der Hamburger Süden – Harburg – ist auch ein Teil von Hamburg. Das Tor zur Stadt liegt nicht nördlich der Elbbrücken!

Tilman Stein

Zeitnahe Genehmigung, bitte!

10. Dezember: „Worauf warten wir noch? Die Impfstoff-Zulassung dauert zu lange – ein Notfall verlangt rascheres Handeln“

Der Leitartikel bringt es auf den Punkt. Angesichts des durch die Pandemie verursachten Leids ist es schon mehr als dreist, arrogant und ignorant von dieser Behörde, vertreten durch ihre Chefin Emer Cooke, die Sondersitzung zur Beratung über den Impfstoff erst am 29. Dezember stattfinden zu lassen. Angeblich stehen die Bedürfnisse der Patienten im Vordergrund. Und danach dürfen die Impfungen immer noch nicht starten, weil weitere Institutionen zustimmen müssen. Was spricht gegen eine zeitnahe Sitzung innerhalb der nächsten Tage? Die Engländer, Kanadier und Amerikaner machen es richtig. Hier wurde bzw. wird zeitnah die Genehmigung, in welcher Form auch immer, erteilt. Unsere Regierung hat ebenfalls die Möglichkeit, vertreten durch die entsprechenden Behörden und Institutionen, unter Ignorierung der europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), eine derartige Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Je eher desto besser!

Gorm Jordan

Diese Diskussion ist notwendig

10. Dezember: „Rundfunkbeitrag: Sondertreffen der Länder. Medienstaatssekretärin will über weiteres Vorgehen beraten – ARD-Klage noch im Dezember“

Es ist wohlfeil, die Sendebeiträge der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu kritisieren. Gleichwohl erscheint mir die Aussage, dass alle Sparpotenziale ausgeschöpft seien, angesichts der enorm hohen Kosten für die Rechte bei Übertragung von Fußballspielen nicht plausibel. Es ist unstreitig, dass Fußball gesellschaftlich einen hohen Stellenwert besitzt. Aber so hoch, als dass die Menschen unterversorgt wären, wenn privat und damit durch die Zuschauer freiwillig über Werbeeinnahmen finanzierte und weit verbreitete Sender diese Sportveranstaltungen senden, ist die Relevanz wohl nicht. Dazu kommt, dass es nicht nachvollziehbar ist, dass Anstalten mit gesetzlich geregeltem Grundversorgungsauftrag versuchen, diesem mit Blick auf Verbraucherquoten nachzukommen. Die Feuerwehr wird schließlich auch nicht abgeschafft, wenn es weniger brennt. Von daher sehe ich diese Diskussion als sehr notwendig. Leider wird auch in den Print-Medien, denen durch die Öffentlich-Rechtlichen mit deren gebührenfinanziertem Internetangebot das Wasser abgegraben wird, dieser Umstand zu wenig thematisiert. Weil die AfD in diesem Wasser fischt? Da sollte man doch angesichts deren substanzlosen Holzhackerargumenten drüber stehen. Es gibt genügend echte Sachargumente, die man ARD und ZDF in ihrer Geldverschwendungsmentalität vorhalten kann.

Andreas Kaluzny

Letzter Anklang von Advent

9. Dezember: „Glühweinverbot ab sofort in der ganzen Stadt“

Wenn es nun überhaupt keinerlei Möglichkeit mehr gibt, im Café, Restaurant oder auch nur am Getränkestand mit Einkaufstüten nach dem Stadt-Bummel ein wenig Ruhe zu genießen und sich etwas aufzuwärmen, wird mit dem Verbot des allerletzten Anklangs einer Adventszeit in Hamburgs Stadtgebiet, weitere Menschen davon abhalten, Weihnachtsgeschenke dort zu kaufen und stattdessen das Internet zu nutzen. Es sei die Frage erlaubt: Sind diese und andere Verbote durch direkte wissenschaftliche Untersuchungen zu belegen, z.B. dass Glühweintrinken auf der Straße zu Corona-Ausbrüchen geführt hat oder ist es vielleicht nur auf die Angst politischer Entscheider zurückzuführen, irgend eine Maßnahme nicht rechtzeitig ergriffen zu haben und dafür evtl. gerade stehen zu müssen?

Gerhard Klußmeier

Grün-alternative Lebenslüge

10. Dezember: „Moorburg – ein Scheitern mit Ansage. Ist die Abschaltung eines der modernsten Kohlekraftwerke Europas wirklich richtig? Viermal Ja!“

Wäre Rechthaberei eine olympische Disziplin, Herrn Braasch vom BUND wäre mit seinem Triumph-Kommentar eine Goldmedaille sicher. Er verschweigt nämlich, was klügere Köpfe (Frank Drieschner in ZEIT-ONLINE) deutlich benannt haben: Moorburg und alle modernen Steinkohlekraftwerke bundesweit verdanken ihre Existenz dem Ausstieg aus der CO2-freien Kernenergie, für den der BUND und die Anti-AKW-Bewegung jahrelang erfolgreich getrommelt haben. Auch verschweigt er, dass die von den Grünen forcierte Auskoppelung der Fernwärme den Wirkungsgrad und damit die Rentabilität von Moorburg massiv gesenkt und damit die Lebensdauer des uralten Heizkraftwerks Wedel verlängert haben. Dem triumphierenden Jubel über das Moorburg-Ende ist somit die Erleichterung über die Abschaltung dieses Mahnmals einer grün-alternativen Lebenslüge deutlich anzumerken.

Dr. Gerhard Winneke, Pinneberg

Klimaneutral in die Klimakrise

Man ist ja immer wieder versucht Herrn Braasch und seinesgleichen einen Globus auf den Schreibtisch zu stellen, damit diesen Leuten endlich mal klar wird, wie viel Einfluss Deutschland oder gar Europa auf die „Klimakrise“ überhaupt haben. Auch der NABU sollte wissen das derzeit weltweit über 1.380 neue Kohlekraftwerke in Bau befindlich sind. Es ist also geradezu absurd unsere Steuer-Milliarden für derart medienwirksame Kraftwerksschließungen zu verpulvern. Aber das ist diesen Leuten mit zweifelhafter Selbstfinanzierung stets egal. Hauptsache Deutschland geht verarmt und arbeitslos dafür aber „Klimaneutral“ in die „Klimakrise“. Und die Welt wird mal wieder in Hamburg gerettet, einfach lächerlich.

Armin Dreier