Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Dezember 2020

Bärendienst für den Tierschutz

1. Dezember: „Tierschützer attackieren Hamburger Schüler. Volksdorfer Jugendliche kümmerten sich um artgerechte Haltung des Stiers Goofy. Kampagne erzwingt Abbruch des Projekts

Ist das noch Demokratie, wenn eine kleine Minderheit durch lautstarkes, anonymes Drohen im Internet ein Projekt stoppen kann, das ihnen nicht passt? Wo bleibt der offene, konstruktive und respektvolle Diskurs? Dass die Schule vor dem Shitstorm einknickt, finde ich beschämend. Das ist ein schlechtes Lehrbeispiel für das Funktionieren unserer Demokratie. Das Projekt „Goofy“ ist ein wunderbares Beispiel für engagiertes, fächerübergreifendes und realitätsbezogenes Lehren und Lernen an der Schule. So etwas gibt es viel zu selten, und die Schüler, die das erleben dürfen, haben großes Glück. Eines der Kernelemente des Projektes ist das kritische Hinterfragen der heutigen Lebensmittelproduktion. Wer so etwas torpediert, leistet der Idee des Tierschutzes letztendlich einen Bärendienst, denn eine breite öffentliche Debatte über Fleischproduktion wird unterdrückt, so dass die Massentierhalter ungestört weiter agieren können.

Peter Neitzel, Volksdorf

Die Macht der Minderheiten

Mehrheitsentscheidungen sind ein wichtiges Element der Demokratie. Es ist erschreckend zu sehen, welche Macht Minderheiten in unserem Staat ausüben. Das gilt nicht nur für selbst ernannte Tierschützer, sondern auch für selbst ernannte Umweltschützer oder selbst ernannte Frauenrechtlerinnen.

Dr. Gerhard Diercks

Verblendete Aktivisten

Das „Goofy“-Projekt war eines der besten, die es an Schulen geben kann. Doch die Schüler und wir alle haben noch viel mehr daraus gelernt: Starrsinn, Ideologie und Extremismus dominieren immer mehr die Meinungsbildung, im öffentlichen Stammtisch Internet dominieren zunehmend Rechthaberei und Ignoranz. Themen genug für neue Schulprojekte! Doch das Tierwohl darf nicht aus dem Auge verloren werden, denn die Pöbelgemeinde in den (a)sozialen Medien hat durchaus ein sehr berechtigtes Anliegen. Industrielle Massentierhaltung, großer Transportstress und völlig unzulängliche Tötungseinrichtungen in den Schlachtfabriken bedeuten unsägliches Tierleid. Die verblendeten Aktivisten haben jedoch das falsche „Schwein“ geschlachtet – die Schüler, das waren die Guten. Zurück zum Ursprung: Erstes Ziel war gewesen, das Tier vor der Schlachtung zu retten. Somit haben die Schüler doch noch gegen das widerspenstige Museumsdorf gewonnen und ich beglückwünsche sie zu ihrem Erfolg.

Johannes Zink, Norderstedt

Gesamtstrategie fehlt

1. Dezember: „Container sollen durch den Hafen schweben. Der Bund und das Privatunternehmen Max Bögl finanzieren Teststrecke, die auf der Technik des Transrapid basiert. Start für Herbst 2021 geplant“

Wir haben andere Probleme im Hafen als die Notwendigkeit einer kleinen Teststrecke für eine Magnetschwebebahn aus Bayern. Es fehlt uns eine Gesamtstrategie für die langfristige Zukunft im Hafengebiet. Zu Zeiten von Johannes Kahrs (SPD) wäre dieser Zuschuss des Bundes vermutlich gar nicht erst beantragt worden. Seit Jahren investiert die Hamburger Hafenschifffahrt viel Geld, um die Umfuhr von Containern im Hafen mit umweltfreundlichen Container-Taxis auf dem Wasser von Terminal zu Terminal zu fahren und damit die Umfuhr des Lkw-Verkehrs mit seinen hohen Emissionen im Hafen zu reduzieren und die Köhlbrandbrücke zu entlasten. Nun soll das bald ein Ende haben, was die modernen Hamburger Hafenschifffahrtsbetriebe mit ihren vielen Mitarbeitern überflüssig machen wird. Die sechs Millionen Euro Zuschuss für eine Mini-Teststrecke von Firma Max Bögl wären bei den existierenden mittelständischen Container-Taxi-Betrieben im Hafen besser untergebracht. Sie wären z.B. in der Lage, ihre Schubboote und Schlepper auf Wasserstoffantrieb umzurüsten. Alternativ wäre das Geld z.B. auch besser untergebracht für ein Forschungsprojekt, um den Kreislauf der für die Hansestadt enorm teuren Schlick-Baggerei endlich zu beenden.

Robert M. Eckelmann,

Hafenunternehmer

Vorsicht bei Starklakritze

28./29. Dezember: „Schwarzes Gold. Lakritz: Entweder man liebt die Nascherei aus Süßholz – oder verabscheut sie wie Medizin“

Ein interessanter Beitrag zum Thema Lakritz/Süßholz. Als Facharzt für Allgemeinmedizin erlaube ich mir hierzu jedoch folgenden Hinweis zu potenziell unerwünschten Wirkungen des Hauptinhaltsstoffes der Lakritze, dem Glycyrrhizin, welcher vor allem in der dänischen Starklakritze vorkommt: Ab einem Verzehr von 50 g Starklakritze muss vor allem bei Bluthochdruck-Patienten mit Gesundheitsstörungen gerechnet werden. Der Grenzwert sollte 100 mg Glycyrrhizin nicht überschreiten. Diese Tatsache ist den Verbraucherschützern bekannt.

Wolfgang Sartorius, Facharzt für Allgemeinmedizin, Glücksburg

Und der Umweltschutz?

30. November: „Post transportiert so viele Pakete wie niemals zuvor“

Es ist eine Schande, was da passiert. Der Onlinehandel ist leider nicht mehr aufzuhalten und macht den Einzelhandel kaputt. Denkt da mal irgendjemand an den Umweltschutz? Da werden Pakete kostenlos hin- und her geschickt, kostenlos zurückgeschickte Waren teilweise vernichtet. Dieses kostenlose Hin- und Hergeschicke muss gesetzlich verboten werden. Jedes Paket müsste Geld kosten, dann würde sich mancher das eine oder andere Mal überlegen, ob er sich ein Paket bestellt oder nicht.

Gitta Uther, Seevetal

Dauergast der zweiten Liga

30. November: „HSV verspielt Sieg und Platz 1“

War man gegen Bochum noch über die gesamte Partie die schlechtere Elf und die Niederlage völlig verdient, so hat sich die Mannschaft wohl nach der 2:0 Führung in Heidenheim derart erschrocken, dass man dem Gegner drei Tore schenkte und auch hier als Verlierer vom Platz ging. Alles spricht immer von der hohen Qualität in der Mannschaft. Diese ist seit geraumer Zeit nicht zu erkennen. Stattdessen sieht man Spieler, die nicht bereit sind, an ihre Leistungsgrenze zu gehen. Zweikämpfe werden nicht angenommen und man vermisst die Gier, ein Spiel bis zum Schlusspfiff erfolgreich zu bestreiten. Die Mannschaft hat in der 2. Liga keinerlei positive Entwicklung genommen, egal welcher Trainer die Verantwortung trägt. Beckenbauer sagte schon vor Jahren, der HSV sei untrainierbar. Vermutlich hatte er recht. Und so wird der HSV ein Dauergast in der zweiten Liga bleiben.

Wolfgang Brakmann, Hamburg

Überflüssiges Amt?

28./29. November: „In eigener Sache. Wie der Datenschutzbeauftragte auf kritische Kommentare reagiert“

Wenn Herr Caspar nicht mehr öffentlich kritisiert würde, dann wäre sein Amt überflüssig. Ob ihm das bewusst ist?

Bernd Dammann

Ein Impfzentrum ist zu wenig

27. November: „So läuft die Impfung in den Messehallen ab. Hamburger erhalten Einladungen anhand einer Prioritätenliste. CDU will eigenes Konzept erarbeiten“

Es ist wohl die positivste Nachricht seit langem. Es wird einen Impfstoff geben! Das dieser dann, ob der sehr sehr großen Zahl an Impfwilligen in Impfzentren verabreicht wird, erscheint mehr als logisch. Doch ein Zentrum für knapp zwei Millionen Hamburger? Das erscheint mir gewagt. Hier geht es doch in erster Linie um ein gut auszuführendes Prozessmanagement, um eine möglichst hohe Zahl an Impfwilligen in möglichst kurzer Zeit zu impfen. Für Wirtschaft und Kultur zählt jeder Tag. Also, warum verteilt man nicht kleinere Impfzentren strategisch über die Stadt? Damit könnten mehr Menschen an einem Tag geimpft werden, und das zu erwartende Chaos in der Innenstadt würde beherrschbar bleiben.

Ralf Hübner