Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 26. November 2020

Silvester-Feuerwerk digital?

24. November: „Pro und Kontra: „Soll das Böllern in der Silvesternacht wegen Corona verboten werden?

Ich wünsche mir, dass alle Bundesländer den Mut zum einheitlichen Verbot von Verkauf und Abbrennen von Feuerwerk aufbringen. Nur so kann deutschlandweit ein Superspreader-Event an Silvester vermieden werden. Die Niederländer sind schneller, mutiger und konsequenter mit ihren Beschlüssen. Was sollen die halbherzigen unterschiedlichen Beschlüsse einzelner Bundesländer, wie die Böllerei nur auf belebten Plätzen zu verbieten? Wer soll und kann das kontrollieren? Vieles lief in diesem Corona-Jahr digital ab. Warum nicht auch ein digitales Silvester-Feuerwerk?

Ellen Böhme

Wütend auf Politiker

Inzwischen steht es fest: Es wird kein Verkaufsverbot von Feuerwerk zu Silvester geben. Dabei wäre laut Umfragen eine deutliche Mehrheit der Deutschen mit einem Verzicht von Feuerwerk einverstanden, wie es in den Niederlanden offensichtlich kein Problem darstellt. Na, dann können die Leute hierzulande so richtig Frust und Langeweile mit Böllern abreagieren und damit ihre Mitbürger wieder tagelang nachts nerven. Das ist sehr ärgerlich, aber eigentlich geht es diesmal um mehr: Um Kontaktvermeidung in der Pandemie und – nicht zuletzt – auch um die Klimaziele durch Vermeidung des zu erwartenden gewaltigen CO 2 -Ausstoßes in der Silvesternacht. Wenn die Politik sich nicht einmal in diesen Zeiten dazu durchringen kann, den Verkauf von Feuerwerkskörpern auszusetzen, wie soll der Einzelne dann motiviert sein, Kontaktverbote einzuhalten und außerdem einen kleinen Beitrag für die Umwelt zu leisten? Ich bin wütend auf diejenigen Politiker, die in dieser Hinsicht den Weg des geringeren Widerstands gehen und offensichtlich wieder einmal vor der Industrie kuschen.

Norbert Schelper

Steuergelder verschwendet

24. November: „Waitzstraße: Nun ist das Chaos perfekt. Neue und alte Markierungen verwirren Autofahrer komplett. Trotz neuer Poller drohen weitere Unfälle“

In den letzten Jahren wurden in der Waitzstraße immer wieder Bau- und Umbau-Maßnahmen durchgeführt. Offensichtlich beruhten alle auf Fehlplanungen und kosteten uns Steuerzahler Hunderttausende. Wir Bürger haben das Recht zu erfahren, wie oft und wie viel Steuergelder für die bisher durchgeführten Maßnahmen verwendet worden sind, und wer dafür die Verantwortung trägt.

Mesut Sipahi, Hamburg

Keine Posse mehr

Seit Jahren verfolge ich die Hamburger Posse „Waitzstraße“, teils amüsiert, teils genervt oder mit Kopfschütteln. Nun aber ist eine Grenze erreicht, die nicht nur den guten Geschmack hinter sich lässt, sondern massiv in den Bereich gleichgültiger Verantwortungslosigkeit gerät. Was dort in Hamburgs wohlhabendem Westen passiert, ist eine unheilige Allianz, die sich aus profitorientierten Geschäftsleuten, einer sich vor diesem Profitdenken wegduckenden Bezirksverwaltung und jenen wahrnehmungseingeschränkten älteren Damen und Herren zusammensetzt, die ihrer persönlichen Begrenztheit und Bequemlichkeit jegliche anderen sozialen Interessen auf Achtsamkeit und Sicherheit anderen gegenüber im öffentlichen Raum unterordnen. Wie lange wollen alle Beteiligten noch warten, bis irgendwann der Fall eintritt, dass eine Mutter mit Kinderwagen oder freilaufende Kinder auf dem Bürgersteig vor einem Geschäft überfahren werden? Warum können die Damen und Herren wohlbetuchten Rentner nicht einen Shuttlebetrieb zur Waitzstraße in Anspruch nehmen, wie er hier in Niendorf bereits seit einiger Zeit wunderbar organisiert ist? Oder warum können nicht die ortsansässigen Bünabes endlich mal durchgreifen, wenn sie sehen, dass ältere Verkehrsteilnehmer nicht mehr in der Lage sind, eine gefahrlose Teilnahme am Verkehr zu gewährleisten und diese dann aus dem Verkehr ziehen. Wer für andere eine Gefahr darstellt, sollte auch zu seinem eigenen Schutz zu etwas mehr sozialer Solidarität und Verantwortungsbewusstsein allen anderen gegenüber angeleitet werden.

Dr. Svend F. Sager

Ein Gespräch wurde abgelehnt

24. November: „Autorin Kirsten Boie lehnt Sprachpreis ab. Ehrenbürgerin will den Elbschwanenorden wegen rechtspopulistischer Äußerungen nicht“

Dass Kirsten Boie unseren traditionsreichen Sprachpreis „Elbschwanenorden“ zu einem sehr späten Zeitpunkt abgelehnt hat, ist ein trauriges Lehrstück über den immer enger werdenden Gesinnungs- und Meinungskorridor auch im kulturellen Bereich. In meiner Antwort auf ihre Absage habe ich Frau Boie versucht zu erklären, dass die Hamburger Regionalgruppe des Vereins Deutsche Sprache (VDS) den „Elbschwanenorden“ nicht für politische Gesinnung vergibt, sondern für Verdienste um unsere Sprache. Formulierungen wie „linker Meinungsterror“ stammen nicht von uns, ich habe mich im Gegenteil ausdrücklich davon und von rechtsextremen Positionen distanziert. Allerdings habe ich von einer „politisch links dominierten ,veröffentlichten Meinung‘ in Deutschland“ geschrieben, wonach ein Verein, der sich der Pflege und Förderung der deutschen Sprache widmet, für Rede- und Gedankenfreiheit des mündigen Bürgers eintritt und eigentlich eher defensive Ziele verfolgt, schon als „rechts“, als „reaktionär“ und als Feind bekämpft wird. Ich habe darauf hingewiesen, dass der Verein deutsche Sprache weltweit über 36.000 Freunde unserer Sprache vertritt, mit einem entsprechend breiten Spektrum bei den politischen Überzeugungen seiner Mitglieder. Gemeinsam wenden wir uns allerdings gegen die „von oben“ verordneten Sprachregelungen der „politischen Korrektheit“ und den forcierten Gebrauch des sog. „Gender-Deutsch“ in Politik, Verwaltung und Medien, weil es ohne jeden praktischen Nutzen die Sprachgemeinschaft spaltet, Grammatik und Rechtschreibung beschädigt und die Begriffe verwirrt. Unsere Bitte um ein Gespräch hat Frau Boie zunächst ignoriert und zuletzt mit Hinweis auf bestehende Auffassungsunterschiede abgelehnt.

Dr. Hans Kaufmann, Regionalleiter Verein Deutsche Sprache e.V.

Beispielhaftes Engagement

24. November: „Hamburgs Ritterburg in Poppenbüttel steht vor dem Aus. Das Alsterschlösschen Henneberg ist ein Magnet für Kulturfans. Doch ein Gestrüpp von Vorschriften zermürbt die Eigentümer. Die Entscheidung muss her“

Hier haben zwei mutige Menschen ein Baudenkmal vor dem Abriss bewahrt, es mit enormem Aufwand hergerichtet und es mit einem vielfältigen kreativen Kulturprogramm für ein interessiertes Stadtteil-Publikum erlebbar gemacht. Wir gehen hier gern mit Familie und Freunden hin. Dies ist eine großartige Leistung in der Tradition hamburgischen bürgerschaftlichen Engagements. Hier müssen sich doch alle beteiligten Behörden und Politiker zusammensetzen und eine Lösung erarbeiten, statt immer neue Bedenken ins Feld zu führen. Der Baustufenplan von 1955, in dem die Burg nicht einmal eingetragen ist, kann einer kulturellen Nutzung des Denkmals nicht entgegenstehen.

Elinor Schües

Böse Geister im Amt

Ende der vierziger Jahre tobten wir Jungen in der Ruine des Hennebergschen Schlösschens und gruselten uns, weil uns gesagt wurde, es solle dort spuken. Über siebzig Jahre später spukt es immer noch. Die „bösen Geister“ sind bekannt und kommen aus dem Bezirk im Alstertal, aus dem Liegenschafts- und Denkmalschutzamt und aus den Büros der kommunalen Politiker. Nicht zu fassen, was diese Geister für ein Unwesen im Kampf um den Erhalt der wunderbaren Nutzungskonzeption von Miriam und Jens Helge Hager von 2014 treiben. Ich bin selbst Beamter und habe meine Aufgaben immer als Verpflichtung gegenüber dem Interesse unserer Bürger verstanden. Kleinkarierter als im Falle des Alsterschlösschens geht es nicht mehr. Was der Weiterführung des erfolgreichen Betreiber-Konzeptes entgegensteht, muss beseitigt werden. Wo ist der geeignete Geisterbeschwörer, der dem Unwesen der beamteten Kobolde ein Ende setzt?

Peter Klüver