Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. November 2020

Fußgängerzone Neuer Wall

23. November: „Jungfernstieg: Autofahrer missachten Verbot. Auch einen Monat nach der Sperrung für Privatwagen sind immer noch viele Pkw auf dem Boulevard unterwegs – 112 Verstöße in nur 30 Minuten

Die vielen Missachtungen des Durchfahrtsverbotes am Jungfernstieg wundern mich nicht. Ich bin sehr für eine autoarme Innenstadt, aber eine autofreie Innenstadt halte ich für eine Illusion und ein typisches Ziel der Grünen. In der Mönckebergstraße lässt sich das ja erfreulicherweise noch realisieren, auch weil man dort die Ausweichmöglichkeit über die Steinstraße hat, aber nicht beim Jungfernstieg. Die jetzige Lösung müsste doch auch negative Auswirkungen auf die umliegenden Geschäfte am Jungfernstieg selbst und den Nebenstraßen haben. Platz für die Fußgänger ist am Ufer der Binnenalster und auf den Fußgängerwegen absolut genug vorhanden. Warum reduziert man die Straße nicht auf eine Fahrspur pro Richtung und reduziert auch so den Verkehr. Außerdem ist natürlich ein Ausbau und die Verbesserung der Radwege absolut sinnvoll. Es wäre aus meiner Sicht insgesamt deutlich besser gewesen, die Große Bleichen und den Neuen Wall zu Fußgängerzonen zu machen, dann hätte man die Möglichkeit, in diesen schönen Einkaufsstraßen wunderbar zu flanieren.

Reinhard Kappelhoff, Buchholz

Kulturorte bald wieder öffnen

21./22. November: „,Wir brauchen Kultur – gerade in Krisenzeiten‘. ​Mehr als ein Dutzend Hamburger Chefdirigenten, Intendanten und Direktoren stellen in einem offenen Brief Forderungen an den Bürgermeister“

Ich bin dankbar, dass die Redaktion dem Thema Kulturanspruch im Lockdown eine ganze Seite gewidmet hat. Es geht mal nicht um die finanzielle Notlage der Kulturschaffenden, sondern um unser aller Grundrecht auf Kunst, Kultur und Bildung. Da möchte ich mich dem offenen Brief der Verantwortlichen unserer Kultureinrichtungen aus vollem Herzen anschließen. Kulturorte müssen zu unser aller Wohl bald wieder geöffnet werden. Gesellschaftliche Entwicklung braucht wieder lebendiges Theater, sobald wie möglich!

Bernd Rickert, Hamburger Volksbühne

Musik trotz Belagerung

Vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 dauerte die Blockade von Leningrad durch die deutsche Wehrmacht. Viele Zivilisten starben an Hunger und anderen Folgen der Belagerung. In dieser Zeit komponierte Dmitri Schostakowitsch die 7. Sinfonie in C-Dur, op. 60, die „Leningrader Symphonie“. Sie wurde im Frühjahr 1942 in Moskau uraufgeführt, ca. 150 Kilometer von den deutschen Truppen entfernt. Hatte man nichts Besseres zu tun? „Ich widme meine Siebente Sinfonie unserem Kampf gegen den Faschismus, unserem unabwendbaren Sieg über den Feind, und Leningrad, meiner Heimatstadt ...“ hatte Schostakowitsch am 29. März 1942 der Prawda gesagt. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (5. Mose 8. 3.), sondern auch von der Kultur. Oper, Kino oder Kleinkunst haben auch in schwierigen Zeiten ihre Berechtigung.

Jürgen Beeck

Frauen an den Rand gerückt

21./22. November: Lesermeinung zum Foto auf Seite eins

Mich hat das Bild auf der ersten Seite der Wochenendausgabe sehr gestört. Wie kann man im Jahr 2020 auf die Idee kommen, drei Männer in der Mitte zu positionieren und die beiden Frauen an die Ränder und in den Hintergrund zu rücken? Ich gehe davon aus, dass das keine Absicht war, aber das müsste doch jemandem auffallen. Warum nicht alphabetisch, wenn man nicht nach Bedeutung gewichten will?

Irina Nebocat

Datenschutz einschränken

21./22. November: „Supergrundrecht Datenschutz? Überall werden wegen der Corona-Pandemie Grundrechte eingeschränkt – mit einer Ausnahme“

Vielen Dank, Herr Iken, für den überfälligen Artikel. Ex-Kulturstaatssekretär Nida-Rümelin hatte schon kürzlich in einer Talkshow gefragt, ob nicht angesichts Corona der Datenschutz vorübergehend einzuschränken sei. Eine schnelle Entdeckung von Infektionen und leichtere Nachverfolgung der Infektionsketten kann die Pandemie effektiv bekämpfen und Gesundheitsämter wie Krankenhäuser entlasten. Somit werden sowohl Leben gerettet als auch die Wirtschaft durch kürzere, weniger strenge Einschränkungen geschont. Die strengen, aber effektiven Maßnahmen in asiatischen Ländern zeigen beides, wirtschaftliche Erholung und geringeres Leiden: Südkorea 503, Taiwan 7 Tote insgesamt (lt. Johns-Hopkins). Übrigens, ich bin ziemlich sicher, dass der überwiegende Teil unserer Gesellschaft großes Vertrauen in die volle Wiederherstellung aller Grundrechte hat - trotz einiger lauter Anhänger von Verschwörungstheorien.

Jan D. Ramien

Überfällige Kritik

Die überfällige und begründete Kritik kann ich voll und ganz nachvollziehen. Überzogener Datenschutz muss sich der Prüfung stellen und darf kein Eigenleben zum Nachteil z.B. des gesundheitlichen Wohlergehens führen.

Dieter. F. Duwe

Das macht fassungslos!

Sie sprechen mir aus der Seele! Das Grundrecht auf Datenschutz scheint in unserem Land deutlich wichtiger zu sein als alle anderen Grundrechte zusammen. Es macht fassungslos!

Ute Stork

Mitspracherecht ermöglichen

21./22. November: „Bartke: ,Entwurf ganz furchtbar‘. Sternbrücke: SPD-Bundestagsabgeordneter kritisiert die Pläne von Bahn und Senat“

Der Konflikt um die Erneuerung der Sternbrücke ist bei unserem Volksvertreter und damit bei der richtigen Zielgruppe angekommen. Die Kritik am Brückenentwurf durch den Bundestagsabgeordneten Matthias Bartke zeigt überdeutlich, dass die Kompetenzen bei großen Projekten oder denkmalgeschützten Bauwerken falsch verteilt sind. Unser Bundestagsabgeordneter müsste wissen, dass nur der Gesetzgeber diese Kompetenz den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern zurückgeben kann, indem er auf Bundesebene die Planungshoheit der Bahn in solchen Fällen beschränkt und auf Landesebene z.B. das „An-sich-ziehen“ (Evozieren) großer Projekte, wie z.B. den Elbtower durch den Senat verbietet. Bei einer Überplanung des Entwurfs der Sternbrücke trüge der Steuerzahler die voraussichtlichen Mehrkosten ohnehin. Also dann bitte das Mitspracherecht, und die empörten Bürger sparen sich eine aufwendige Petition mit 11.000 Unterschriften.

Bruno Brandi

Löws innere Kündigung

19. November: „Ein Desaster und die Folgen. Nach dem 0:6 in Spanien hat die Nationalelf unruhige Wochen vor sich“

Den Fußballspielern wird endlich einmal gezeigt, wo sie stehen, nämlich im Mittelmaß des internationalen Fußballs. Der Niedergang hatte sich doch längst angedeutet. Das frühe Ausscheiden 2018 wird wohl immer noch unterbewertet. Ein Vergleich zur Entwicklung des HSV der letzten fünf bis sieben Jahre sei erlaubt. Das Festhalten an den Verantwortlichen kann nicht das Ergebnis der Misserfolge sein. Man hatte sich abgesprochen und ist sich wohl einig. Schnell noch ein Pöstchen hier, schnell noch eine Weiterverpflichtung da, damit der Geldbeutel gut gefüllt bleibt. Bemerkenswert war die – mein Empfinden – fehlende Anteilnahme, mit der Herr Löw das Treiben seiner desolaten Mannschaft begleitete. Im Berufsumfeld nennt man das „innere Kündigung“. Zu hoffen ist, dass die Bezahlung aller Beteiligten angepasst wird. Das wird aber wohl nur dann geschehen, wenn die Sender ihre Angebote für Übertragungsrechte drastisch kürzen. Vielleicht hilft es, wenn sich die Menschen, die momentan andere Sorgen haben, gründlich über die Wertigkeit des Fußballs Gedanken machen. Das sollte dann zu einer „Abstimmung mit den Füßen“ führen.

Detlef Lange, Hamburg