Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. November 2020

Geschmack von vorgestern

20. November: „Zeit für etwas Schönes!“

Wir freuten uns gestern über die Titel-Zeile „Zeit für etwas Schönes!“ Vielen Dank für die guten Ideen im Blatt! Dass der Kultur-Aufmacher aber ausgerechnet dazu eine Ausstellung über Porsche zeigte, hinterließ einen leichten Geschmack von vorgestern. Soll es uns in Krisenzeiten glücklicher machen, Fotos von Menschen zu betrachten, die teure Autos sammeln oder optisch in Szene setzen? Mir erschien das doch sehr fern von den Problemen und Sehnsüchten, die viele Leute hier im Moment bewegen.

Nicole Heißmann

Ohne klare Aussagen

20. November: „Die CDU ist ein Scheinriese“. Grünen-Chef Robert Habeck vor dem Parteitag über Corona, Steuererhöhungen und die Kanzlerkandidatur“

Leider ein Interview ohne klare Aussagen. Habeck antwortet nicht auf die Frage, wie er die Corona-Krise meistern würde, ebenso wenig was reich für ihn bedeutet. Am schlimmsten finde ich die Aussage, dass die Quote für ihn selbstverständlich sei. Das impliziert für mich, ohne Quote gäbe es gar keine Doppelspitze. Hoffen wir auf Gegenwehr von Frau Baerbock.

Stefan Kruse, Aukrug / Holstein

Ursachen liegen im Privatleben

20. November: „ 78 Prozent der Schüler mit Corona infizierten sich außerhalb der Schule. Das zeigt eine erste Hamburger Studie. Senator Ties Rabe sagt: ,Das Ergebnis hat uns selbst überrascht‘“

Meine Frau ist Schulsekretärin. Mir ist bekannt, was in Schulen an Maßnahmen unternommen wird, um Infektionen in diesem Bereich zu verhindern. Insofern hat mich das Ergebnis der „Hamburger Studie“, dass sich 78 Prozent der Schüler „außerhalb der Schule infizieren“, im Gegensatz zu Herrn Rabe überhaupt nicht überrascht. Mit den strikten Regeln des Schulbereichs kann der Privatbereich mit seinen Nachlässigkeiten, nenn es Leben, auch beim besten Willen nicht konkurrieren. Das ist auch gegenüber den zur Zeit geschlossenen Bereichen mit seinen ausgetüftelten Hygienekonzepten der Fall: Wir können die Gastronomie, die Fitnessstudios, die Kinos, Stadien, Theater, Museen mit ihren äußerst durchdachten Regelungen geflissentlich öffnen. Der Schwerpunkt der Aufklärung und der Durchsetzung muss sich auf das Privatleben konzentrieren. Dort liegen, wie wir täglich beobachten können, die Ursachen. Der Einzelne hat es meist selbst in der Hand.

Norbert Richter, Henstedt-Ulzburg

Argumentation trägt gar nicht

20. November: Sportplatz: „ Leistungssportler sollten sich nicht impfen lassen. Michael Tank, Mannschaftsarzt der deutschen Beachvolleyballer, über Sinn und Unsinn der Austragung Olympischer Spiele 2021“

Nun rät ein promovierter Arzt im Abendblatt jungen gesunden Sportlern vom Impfen ab. Viele, die das lesen, werden es vernünftig finden. Man sollte aber wissen, dass Dr. Tank, der ein Anhänger obskurer Heilmethoden ist (z. B. Kinesiologie), ein Buch über das Impfen geschrieben hat, mit dem er sich sehr klar gegen die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission stellt, gerade auch, wenn es um wichtige Impfungen für Kinder geht (er nennt das Buch „Entscheidungshilfe“ – ich empfehle nicht, darin zu blättern). Seine Argumentation trägt übrigens gar nicht. Es geht eben nicht darum, ob COVID-19 für den einzelnen gefährlich ist, sondern um die Eindämmung einer Pandemie durch den kollektiven Immunschutz der Bevölkerung. Das müsste sich doch inzwischen herumgesprochen haben. Das Abendblatt sollte, so wie Twitter, derartige Beiträge mit einem Warnhinweis versehen oder erst gar nicht veröffentlichen.

Prof. Dr. med. Jan Sperhake, Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin, Hamburg

Das beunruhigt mich

19. November: „Geschichte für Ignoranten. Die AfD instrumentalisiert das Infektionsschutzgesetz“

Nicht die Verabschiedung dieses Gesetzes im Deutschen Bundestag erinnert mich – wie die AfD Glauben machen will – an den Nationalsozialismus, sondern der Umstand, dass offensichtlich Abgeordnete der AfD dafür verantwortlich sind, dass eine Gruppe von Pöblern ihr Unwesen im Reichstagsgebäude treiben konnte. Dies beunruhigt mich doch sehr. Was kommt als nächstes?

Dieter Buchholz

Fußball ohne Qualitätsarbeit

19. November: „ Löws Zeit ist abgelaufen. Der starrsinnige Bundestrainer hat das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt“

Bei den ganzen kritischen Darlegungen über den Bundestrainer nach der Niederlage vermisse ich eins: Die eigentlichen Akteure sind die Spieler. Das sind alles gut bezahlte Profis. Von solchen Leuten muss man entsprechend ihrer Entlohnung unbedingt jederzeit Qualitätsarbeit verlangen können. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, sollen sie nicht spielen, denn es zwingt sie ja wohl keiner dazu. Davon war in vielen Fällen gegen Spanien, aber auch schon in den vorangegangenen Spielen wenig bis gar nichts zu sehen. Ballabgaben, Pässe kamen nicht an mit der Folge ständiger Ballverluste. Deutsche Spieler standen im Spiel gerne hinter ihren Gegenspielern, um deren Spiel offenbar nicht unnötig zu stören. Im Spanienspiel konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Spanier Fußball spielten und die Deutschen „maukten“. Was soll da ein Bundestrainer viel ausrichten. Wenn er Spieler für die Nationalmannschaft nominiert und diese wollen spielen, muss er selbstverständlich Qualitätsarbeit erwarten können. Friedrich Thiem, Quickborn

Kleiner Hüpfer bis Grasbrook

17. November: „Stadt setzt zum ,Sprung über die Elbe‘ an. Hochbahn beginnt Planung für Verlängerung der U 4“

Wieder mal ist vom „Sprung über die Elbe“ die Rede. Aber die aktuelle Planung kann man höchstens als „Kleinen Hüpfer“ bezeichnen. Denn sie reicht gerade mal bis zur Station „Moldauhafen“ auf dem Grasbrook. Offenbar haben die Planer das andere Elbufer noch nicht wirklich im Blick. Denn das liegt auf der Wilhelmsburger Seite. Und dort, in der Wilhelmsburger Mitte, sind die Planungen für über 5000 Wohneinheiten und über 100000 Quadratmeter Gewerbeflächen schon sehr weit fortgeschritten. Insgesamt als Projekt fast die doppelte Dimension wie der Kleine Grasbrook. Wie soll die Verkehrswende gelingen, wenn nicht auch diese Projekte einen U-Bahn-Anschluss erhalten? Deshalb ist jetzt auch die U-Bahn-Planung mindestens bis zu einem Brückenkopf auf Wilhelmsburger Seite, südlich vom Spreehafen unabdingbar! Von dort muss dann die ganze Elbinsel in den Blick genommen werden: Von der Anbindung des Reiherstiegviertels bis nach Kirchdorf-Süd. Und die Nutzung der alten Trasse der Wilhelmsburger Reichsstraße für eine Verbindung bis nach Harburg liegt doch auf der Hand. Zum Sprung über die Elbe gehört eigentlich ja auch der Sprung über die Süderelbe. Mit kleinen Hüpfern kann die Verkehrswende nicht gelingen. Da bräuchte es schon einen mutigen Sprung nach vorne!

Manuel Humburg

Für den positiven Tagesanfang

18. November: Karikatur auf Seite zwei

Genau wie die Leserin Frau Köster wollte ich Ihnen schon längst einmal schreiben, wie die Karikaturen von Herrn Lars mir jedes Mal große Freude bereiten. Sie ist mir gerade zuvorgekommen. Und ich bin sicher, dass die Leser noch viele Male gleich morgens durch diese intelligent witzigen Karikaturen einen positiven Tagesanfang haben werden. Danke.

Elke Michel

Es macht mich fassungslos

19. November: „Hamburger Islamisten begrüßen Mord an Lehrer“

Wie kann es sein, dass mit dem Wissen über den Personenkreis, der zu immer mehr Gewalt und Terror aufruft, auch noch eine Demonstration genehmigt wird? Es macht mich fassungslos.

Susanne Collenburg