Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. November 2020

Positiv in die Zukunft schauen

19. November: „ Die Sorge vor der dritten Corona-Welle. Patienten jetzt besser therapierbar, so Intensivmediziner Stefan Kluge“

Seit Monaten versuchen wir, unser Leben unter Coronabedingungen einigermaßen normal weiterzuführen und alle Ein- und Beschränkungen und Vorschriften einzuhalten. Wir bekämpfen unsere Trauer, dass wir mit unseren Kindern und Enkelkindern nicht so zusammen sein können, wie wir wollen und wie es in einer großen Familie selbstverständlich wäre. Wir schauen mit Sorge auf unser Alter, das auch durch andere Krankheiten jederzeit beendet werden kann. Trotzdem versuchen wir irgendwie Hoffnung und Zuversicht auf bessere Zeiten zu bewahren, aber doch immer unterbrochen von depressiven, und verzagten Gedanken. Mitten in der Bekämpfung der zweiten Welle, noch bevor diese überhaupt richtig bewältigt ist, warnt nun ein Arzt schon vor der dritten Welle und fordert „monatelange Disziplin“. Das ist zutiefst verstörend und trägt nicht dazu bei, dass die Menschen mit Hoffnung positiv in die Zukunft schauen. Hoffnung machen, beruhigen und Zuversicht verbreiten, gehört nämlich meiner Meinung nach auch zur Aufgabe eines Arztes. Und das brauchen die Menschen im Augenblick mehr denn je.

Bettina Schaper-Poser

Wirklich witzige Karikaturen

18. November: Karikatur auf Seite zwei

Ich möchte mich mal sehr für die Karikaturen von Mario Lars bedanken. Auch, wenn man derzeit nicht so viel zu lachen hat, hört man mich oft, wenigstens einmal am Tag, schallend lachen, nämlich dann, wenn ich das Abendblatt aufschlage und wieder einmal eine nicht nur treffende, sondern auch wirklich witzige Karikatur sehe.

Irene Köster

Wir fühlen uns allein gelassen

18. November: „Wenn ich ein Kind wäre … Wissen wir Erwachsene, ahnen unsere Politiker, wie die ,Generation Corona‘ leidet?

Vielen herzlichen Dank, dass Sie an die Kinder denken und manches gerade rücken. Die Zeiten sind für uns als Familie mit fünf Kindern jeder Altersgruppe extrem schwierig, und wir verfolgen mit Angst und Ohnmacht die ständigen Diskussionen um Schulschließungen, Hybridunterricht, für Kinder völlig ungeeignete Quarantäneregeln und Kontaktbeschränkungen und deren Durchsetzung. Diese Maßnahmen treffen Kinder und Jugendliche unvergleichbar härter und haben das Potenzial, große persönliche und gesellschaftliche Folgeschäden anzurichten. Unser Leben steht momentan Kopf. Wir fühlen uns als Familie alleine gelassen. Wir vermissen stark die viel beschworene Solidarität mit den schwächsten, empfindlichsten und von der Gemeinschaft stark abhängigen Mitbürgern, unseren Kindern, die doch unsere Basis sind und unsere Zukunft.

Martina Schimmer

Schule ja, aber überlegt

So sehr ich Ihnen beipflichte, dass die Regelungen sehr verbesserungswürdig sind, so sehr vermisse ich in Ihrem Artikel Hinweise sowohl auf die Unklarheit über Langfristfolgen auch bei den Kleinen als auch auf die Ansteckung der Familie durch die Kinder. Wenn ich als Kind meiner Familie die Krankheit brächte, wäre ich wahrscheinlich ziemlich belastet. Beim derzeitigen Testverhalten der Gesundheitsämter ist die Behauptung von Herrn Rabe, dass von den Schulen keine Infektionen ausgehen, leider überhaupt nicht belegbar, da die Gesundheitsämter hier in die Arbeitsverweigerung gehen (oder wegen mangelnder politischer Vorbereitung überlastet sind). Der Vorschlag von Herrn Rabe, eine Inzidenzzahl von 200 als Maßstab für weitere Maßnahmen zu nehmen, entbehrt jeglicher Grundlage und passt bei den derzeitigen Zahlen einfach nur bequem ins Bild. Dass er sich erst dann Gedanken über Musik- und Sportunterricht machen will, halte ich für grob fahrlässig. Und wenn er mit Kindern zu tun hätte, wüsste er, dass Grundschulkinder leichter zum Tragen einer Maske zu motivieren sind als renitente Pubertierende in der Mittelstufe. Wieso muss an dem vollen Kanon festgehalten werden? Die Bildung unserer Kinder scheitert nicht daran, wenn der Unterricht für ein halbes Jahr auf die Kernfächer reduziert wird. Damit könnte sowohl eine räumliche Trennung erzielt werden als auch eine Überlastung der Lehrer vermieden werden. Wenn die Eltern krank werden, ist den Kindern auch nicht geholfen. Damit hier kein Missverständnis entsteht: Ich bin sehr für die Offenhaltung der Schulen, aber bitte intelligent und nicht leichtfertig zu Lasten aller.

Gerhard Wernecke

Weg mit dem Daten-Unsinn

18. November: „Wärmebildkameras zählen Radfahrer in Hamburg“

91 Wärmebildkameras sollen bis Jahresende im Betrieb sein, um vorbeifahrende Radler zu zählen. Verkehrssenator Tjarks fühlt sich durch den Anstieg des Radverkehrs gegenüber dem Vorjahr bereits extrem motiviert. Wir alle könnten uns freuen, wenn ein zunehmender Radverkehr die schwierigen Hamburger Verkehrsverhältnisse verbessern würde. Nur sollten wir realistisch bleiben: Die 33 Prozent Steigerung des Radverkehrs gegenüber dem Vorjahr könnte in erheblichem Maß auch durch Corona beeinflusst sein, vom Wettereinfluss einmal abgesehen. Nur, was sollen die vielen Zahlen aussagen? Werden wir dadurch die erhoffte, „hinreichend genaue empirische Datengrundlage“ erhalten? Warum muss die Verkehrsbehörde wissen, wie viele Radfahrer auf dem Eppendorfer Baum fahren und schließlich in die Eppendorfer Landstraße abbiegen? Nein, diese Datenfantasie wird uns kein Stück weiterbringen. Wir brauchen mehr und bessere Radwege überall dort, wo das technisch überhaupt möglich ist. Dafür brauchen wir Fachleute, die sich vor Ort orientieren und Planungen erstellen. Wir brauchen auch die heute noch überwiegend fehlende Klarheit über Kennzeichnung und Verlauf der Radwege. Mein Plädoyer: weg mit dem Daten-Unsinn. Her mit einem Verkehrssenator, der nicht nur bei neuen Radwegen auf seinem Rad vor der Kamera erscheint, sondern der sich auch mal als Fußgänger das Geschehen in Ruhe und mit Distanz ansieht. Aktuell sehe ich nicht im geringsten eine Fahrradstadt Hamburg, sondern nur eine Fahrrad-Chaos-Stadt Hamburg, fortentwickelt durch Millionen von Daten. Denken und Ausprobieren statt Algorithmen hieße die Devise.

Dieter Brandes, Hamburg

Falsche Wortwahl, Herr Haider

17. November: „Das Kalkül des Friedrich Merz. Warum der CDU-Kandidat provoziert und polarisiert“

Warum, Herr Haider, ist denn Herr Merz, wenn Sie bestimmte Argumente von ihm nicht teilen, gleich ein „alter weißer Mann“ mit Ansichten von gestern? Warum begeben Sie sich mit derartigen Formulierungen in den Kreis jener, die Andersdenkende sofort menschlich und moralisch verdammen und diskreditieren? Möchten Sie in 15-20 Jahren, wenn Sie Ihre Lebenserfahrung zu etwas anderen Einsichten als heute geführt hat, von dann entsprechend jüngeren Menschen so genannt werden?

Klaus W. Ziegenbein

Die Innenstadt verödet weiter

14./15. November: „Weniger Pendler, neue Konzepte für die City: Die Krise als Chance. Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing im Abendblatt-Interview“

Corona beschleunigt, was sowieso gekommen wäre. Die Innenstadt wird weiter veröden, selbst wenn man noch soviel Kultur hinein holt. Hamburg ist durch weltweiten Handel und Wandel groß geworden, nicht aber durch Freizeit und Latte macchiato. Die wenigen erhaltenen Baudenkmäler zeugen davon. Leuchtturmprojekte wie der Elbtower basieren eher auf Kapitalinteressen als auf städtebaulichen Notwendigkeiten. Unter gleichem Aspekt muss man auch den überzogenen Wohnungsbau sehen. Nur wo genügend Kapital ist, kann man so etwas machen. Da es keine Zinsen am Kapitalmarkt mehr gibt, geht das Geld in Beton. Gleichwohl sind fantasielose Wohnblocks der Verdichtungsplanung an Hässlichkeit kaum zu überbieten. Und es muss nicht jeder Student ein Luxusappartement haben. Freie und Hansestadt Hamburg, von frei und Hanse ist nicht mehr viel übrig.

Dietrich Teudt