Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. November 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Vom Islamismus distanzieren

14./15. November: „Kuscheln mit Islamisten. Fanatiker terrorisieren Frankreich und morden auch in Deutschland – wir schauen lieber weg oder schweigen verlegen“

Leider gibt es viel zu wenige Muslime, die sich aktiv gegen die unübersehbaren menschenverachtenden Exzesse wenden, die im Namen ihrer Religion ausgeübt werden. Die wenigen liberalen Gruppierungen werden deshalb offensichtlich vom Senat auch nicht in Verhandlungen über die Einbindung dieser Religion in unser auf dem Prinzip des säkularen Staates beruhenden gesellschaftlichen Gefüges einbezogen. Wenn im Namen meiner Religion derartige Grausamkeiten begangen würden, die ja nicht nur im Terrorismus, sondern in der von Aufklärung weitgehend unberührten Grundstruktur bestehen, die in nahezu allen islamisch geprägten Staaten zu finden ist, würde ich mich fragen, woran das liegt.

Jürgen Schmidt

Auf den Punkt gebracht

Der Artikel von Matthias Iken hat die Sache auf den Punkt gebracht. Das insbesondere von Linken und Grünen vernachlässigte Thema wird, wie zum Beispiel auch das Problem „Gewalt gegen Polizisten“, von der AfD aufgegriffen und in ihrem Sinne instrumentalisiert. Danke, dass Sie nicht schweigen zu religiösem Hass und Intoleranz!

Marianne Reichert

Kein Wort zur U-Bahn

14./15. November: „Weniger Pendler, neue Konzepte für die City: Die Krise als Chance. Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing im Abendblatt-Interview“

Die Vorstellungen und Aussagen von Oberbaudirektor Franz-Josef Höing sind in der Summe dürftig und beinhalten wenig Neues. Mehr als auffällig ist z.B. der Bereich Verkehr, der eigentlich nur „am Rande“ erwähnt wird. Zum Thema Bus, Straßenbahn oder U-Bahn kein Wort. Dabei spielen gerade diese Verkehrsträger für die Entwicklung einer Stadt eine wesentliche Rolle. In Frankreich z.B. erleben Städte, die wieder moderne Straßenbahnen eingeführt haben, einen kaum für möglich gehaltenen urbanen Aufschwung. Wo früher Autos und Busse dominierten, Hamburg lässt grüßen, hat sich die Lebens- und Aufenthaltsqualität deutlich erhöht, verbunden mit einer Verbessrung von Architektur und der sogenannten „Stadtmöblierung“. Dass Herr Höing wie sein Vorgänger Walter diese Themen immer wieder ausblendet, ist schon mehr als merkwürdig.

Jens Ode

Die USA ist nicht mehr weit

13. November: Dohnanyi am Freitag: „,Richter sind keine Götter‘ Hamburgs Altbürgermeister im Gespräch mit Matthias Iken. Heute über die Demo in Leipzig“

Klaus von Dohnanyi hat sicherlich Recht: Richter sind keine Götter. Sie können auch besten Gewissens Fehlentscheidungen treffen. Anders als in der Politik, die mit ihren Entscheidungen steuert und gestaltet, haben sich Richter aber an den vorhandenen Gesetzen und deren Rahmen zu halten. Die werden von den Parlamenten gemacht. Sind sie nicht mehr zeitgemäß, steht es der Politik frei, die Gesetze entsprechend anzupassen. Für fehlerhafte Gesetzesanwendung oder -auslegung eines Gerichts gibt es den Instanzenweg. Wer sonst kann und darf entscheiden, ob ein Urteil falsch oder richtig ist? Etwa einzelne Politiker? Kritik an Entscheidungen, die nicht in ihrem Sinne sind, steht der Politik nicht zu. Sonst wird der Grundkonsens – die Akzeptanz von Gerichtsentscheidungen – ohne den eine Demokratie nicht leben kann – in Frage gestellt. Mit seiner Kritik und der anderer Politiker in jüngster Vergangenheit legt von Dohnanyi Feuer an eine Lunte, an deren Ende Bürger dann selbst für sich festlegen, welche Entscheidung richtig oder falsch sind und entsprechend willkürlich handeln. Der wahre Fehler liegt darin, dass sich die Legislative zu wenig Mühe gibt, Gesetze durchdacht zu verabschieden und die Exekutive nur zu gern ausprobiert, wie weit sie bei der Auslegung und Anwendung gehen darf. Dafür gibt es auch in Hamburg Beispiele. Der Weg zur beliebigen Nicht-Anerkennung von Gesetzen und Wahlen ist – wie wir heute schon in den USA beobachten können – nicht mehr weit.

Malte C. Dönselmann, Hamburg

Hilfe vom Weißen Ring

10. November: „Häusliche Gewalt nimmt weiter zu. 149 Todesopfer im vergangenen Jahr. Ministerin Giffey pocht weiter auf Schutzanspruch“

Bundesfamilienministerin Giffey drängt auf einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung bei Gewalt. Das ist zu unterstützen. Dazu sei bemerkt, dass seit 42 Jahren die gemeinnützige Opferhilfe Organisation „Weißer Ring“ Betroffenen von Straftaten umfassende kostenlose Hilfe anbietet – auch anonym. Über 3200 professionell geschulte Ehrenamtliche kümmern sich bundesweit um Opfer, beraten und begleiten zu Behörden. Opfer sind nicht nur die unmittelbar Betroffenen, sondern auch z.B. traumatisierte Kinder und Zeugen. Allein in Hamburg bieten etwa 80 ehrenamtliche Mitarbeiter Hilfe an. Kontakt ist auch möglich über das bundesweit kostenlose Opfer-Telefon 116 006 und über die Homepage www.weisser-ring.de. Dort kann man sich online melden oder nach Eintrag der eigenen Postleitzahl einen Opferhelfer in der Nähe finden.

Lutz Jaffé, Weißer Ring Hamburg

S-Bahn-Ring nach Altona

13. November: „Zweiter Citytunnel für S-Bahn: Was der Bund plant?“

Die S 3 nach Harburg hat die meisten Fahrgäste und ist oft schon in Wilhelmsburg so voll, dass niemand mehr einsteigen kann. Hier braucht es dringend Entlastung, zumal der Bezirk absehbar auf ca. 180.000 Einwohner anwachsen wird. Da ist der Zweite Citytunnel zwischen Hauptbahnhof und Altona zu kurz gegriffen: Der Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi dagegen, einen zweiten S-Bahn-Ring von Harburg direkt nach Altona und dann über Dammtor zum Hauptbahnhof zu führen, schafft für Hamburg insgesamt eine zukunftsfähige Lösung und sollte dringend geplant und gebaut werden.

Michael Dose, Heimfeld

S-Bahn-Verkehr verbessern

Schon wieder ein Wolkenkuckucksheim, das vielleicht in Jahrzehnten realisiert wird. Meine Version ist einfacher, aber wohl unendlich viel schwieriger zu realisieren: Ein pünktlicher, reibungsloser Fünf-Minuten-Verkehr auf den vorhandenen S-Bahn-Strecken. Für die Nutzer, die westlich von Blankenese wohnen, ein unerreichbarer Traum. Überwiegend 20-Minuten-Verkehr, bei eingleisiger Verkehrsführung mit erheblichem Verspätungspotenzial. Sollte auch noch die S-Bahn auf der Verbindungsbahn eingestellt werden, können die Einwohner die westlich von Altona wohnen, nur noch zum Hauptbahnhof fahren. Dammtor, Holstenstraße und Sternschanze sind mir der S-Bahn nicht mehr erreichbar. Politisch gewollt wird in S 1-Nähe Wohnraum geschaffen. Die Konsequenz: Die zunehmende Zahl von Bewohnern nutzt den privaten Pkw. Um schneller voranzukommen, überwiegend durch die Wohngebiete, da die B 431 und bald auch die Elbchaussee durch Dauerbaustellen versperrt sind.

Edgar E. Mangelsdorff, Hamburg

Exklusivauftritt in Leipzig

12. November: „,Berühmtsein ist kein Lebensziel‘. Ein Gespräch mit Anne-Sophie Mutter über Corona, ihre Karriere und die Frage, welches Popcorn im Kino es unbedingt sein muss“

Während wir mit den Absagen aller Veranstaltungen im November schon wieder mit Berufsverbot gestraft sind, hat Anne Sophie Mutter in Leipzig einen Exklusivauftritt. Gottesdienst oder Benefizveranstaltung als Ausnahme? Wir mussten uns belehren lassen, es ginge um Kontaktvermeidung im Allgemeinen, auch bezüglich der Anreise als Risiko für Ansteckung. Die Regeln zur Eindämmung der Pandemie gelten offensichtlich nicht für alle. Ein schlechtes Signal in dieser Zeit seitens Frau Mutter, die – wie wir alle – einen „löchrigen Terminkalender“ beklagt. Diese Haltung ist alles andere als solidarisch mit der Kulturszene. Ein wunderbares Schlupfloch, aber leider nur für Prominente, deren Existenz nicht gefährdet ist.

Simone Eckert, Hamburger Ratsmusik

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