Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. November 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Neuer Platz für die Synagoge

9. November: „Jüdisches Leben sichtbar machen. Wiederaufbau der Synagoge darf nicht nur Plan bleiben

Zu Recht fordert die Autorin, dass jüdisches Leben in Hamburg gerade angesichts des zunehmenden Antisemitismus sichtbarer werden müsse. Nicht plausibel erscheint mir aber, dass ausgerechnet die Wiedererrichtung der Bornplatz-Synagoge das hierzu geeignete Mittel sein soll. Der leere Platz am Grindelhof mit den knappen Erläuterungen auf wenigen Texttafeln muss als Mahnmal an die Nazi-Barbarei im Zentrum von Hamburgs ehemaligem jüdischen Viertel erhalten bleiben. Es gibt genügend andere Orte in Hamburg, auch in der Neustadt, die Zentrum eines neuen, modernen jüdischen Lebens in Hamburg sein können.

Tomas Unglaube

Unterstützung für Necla Kelek

9. November: „Necla Kelek fordert Kopftuchverbot für Kinder. Die Frauenrechtlerin übt scharfe Kritik an ihrer Heimatstadt. Für ihr Anliegen kassierte sie eine klare Absage von der Hamburger Politik“

Ich möchte Frau Kelek den Rücken stärken in ihrem Bestreben, dass minderjährigen Kindern das Tragen von Kopftüchern in Kita und Schule untersagt wird. Es ist unerträglich, wie das säkulare Hamburg stockkonservativen Islamverbänden auf den Leim kriecht. Die weltanschauliche Neutralität des Staates muss an staatlichen Einrichtungen praktiziert werden.

Dr. Helmut Klingenfeld

Hilft ein Kopftuchverbot?

So sehr der Ansatz eines „säkularen Islams“ in Hamburg zu begrüßen wäre, so sehr ist der Absolutismus mit dem Frau Kelek sich gegen jegliche Kritik verwehrt, bedenklich. Die inhaltliche Kritik der Behörde mit einer „Iranischen Fatwa“ gleichzustellen, ist anmaßend, denn es sind berechtigte Fragen, ob ein Kopftuchverbot für Kinder wirklich helfen würde. Zieht man dadurch nicht Minderjährige in einen gesellschaftlichen Konflikt hinein, für den sie in ihrem Alter noch gar nicht vorbereitet sind? Und wäre ein solches Verbot nicht am Ende kontraproduktiv, wenn diese Kinder nicht mehr in die städtischen Kitas gehen und somit gar nicht erst die Integrationsangebote in unsere Gesellschaft nutzen können? Es bleibt zu bezweifeln, ob ein Verbot hier wirklich Fortschritte bringen kann.

Till Stenzel

Wehret den Anfängen

9. November: „Wer wird der neue Trump? Unser US-Korrespondent über zwei junge Republikaner, die da weitermachen könnten, wo ihr Präsident stehen geblieben ist“

Ein reflektierter Zwischenruf in den betäubten Freudentaumel der Welt. Ja, geschmeidigere Köpfe werden das rückwärtsgewandte und eindimensionale Gedankengut, das Trump befeuert und auf Dauer institutionalisiert hat, pflegen und hegen, damit es bei der nächsten Wahl in smarterem Gewand wieder zur Wahl steht und nachhaltigeren Erfolg zeitigt. Das Publikum wartet schon. Wir haben nur eine Chance: Wehren wir den bösen Anfängen bei uns und finden wir einen unabhängigen europäischen Weg, der diese Gefahren erkennt und bannt. Wir haben Glück, wir haben in den letzten vier Jahren schon gesehen, was auch auf uns zukommen könnte.

Uwe-Carsten Edeler

Angst durch Zensur

7./8. November: „Das gespaltene Land. Der Wahlkrimi aus den USA mit seiner gefährlichen Polarisierung könnte mehr mit uns zu tun haben, als uns lieb ist“

Sie haben mit Ihrem Bericht genau den Kern getroffen, der mittelfristig auch unser Land, bzw. das gesellschaftliche Miteinander hart treffen – und spalten wird. Es geht um Populismus, der immer dann entsteht, wenn Gefühle und Meinungen nicht (mehr) geäußert werden dürfen, ohne dass man Repressalien oder andere unangenehme Konsequenzen fürchten muss. Irgendwann kommen unterdrückte Meinungen dann unter Druck und emotionaler Schärfe raus. Attentate wie in Wien, Paris oder Dresden triggern die Ur-Ängste der Bürger. Mit zunehmender Veränderung der Gesellschaft durch Migration werden aus Ängsten plötzlich reale Bilder und Geschichten, die in unserer Nachbarschaft passieren. Diese Ängste und Vorbehalte sind übrigens kein deutsches Problem, sondern in jedem Land der Welt präsent, in dem sich das Bild der Gesellschaft verändert. Aber nicht nur die barbarischen Taten der Attentäter sind besorgniserregend, sondern auch das Verhalten der jungen Menschen aus anderen Kulturkreisen im Alltag, die viele Bürger erleben. Ich erlebe immer häufiger, dass man darüber nicht frei erzählen kann. Wie Sie richtig anmerken, ist mit den Mitmenschen aus dem linken Lager und der politischen Mitte keine Diskussion möglich. Meinungen und Ängste werden durch die Zensur der vermeintlich richtigen Worte bewertet und herabgesetzt oder mit der Rassismus-Keule niedergeschlagen. So passiert es, dass die Bürgerinnen und Bürger die Ängste und die Wut im Inneren weiter in sich tragen und quasi auf Momente warten, in denen diese Gefühle raus können. Das geht am besten mit dem Sprachrohr der AfD. Deshalb ist es dem ideologisch linken Lager zu verdanken, dass die AfD bei der kommenden Wahl viele Stimmen erhalten – und das Geschehen in unserem Land mit bestimmen wird. Eine offene Diskussion und ein ernst nehmen von Ängsten und Erfahrungen ist absolut notwendig. Dazu gehört allerdings ehrlich gelebte Toleranz und das Aushalten von anderen Standpunkten.

Stefan Sibbertz

Polizisten besser schützen

9. November: „Entsetzen über Ausschreitungen bei Demo in Leipzig“

Die gewalttätigen Ausschreitungen von Demonstranten gegenüber Polizeibeamten und Journalisten in Leipzig lassen die Frage nach der Verantwortlichkeit in den Vordergrund rücken. Haben nicht die Erfahrungen aus Großdemonstrationen in der Vergangenheit, bei denen es zu erheblichen Ausschreitungen gegenüber der Polizei gekommen ist, aufgezeigt, dass derartige Demonstrationen, bei denen regelmäßig Corona-Leugner, Querdenker, Links- und Rechtsradikale aufeinandertreffen, verboten gehören? Sind die Verwaltungsgerichte nicht eines Besseren belehrt worden, dass auch mit strengen Auflagen Demonstrationen, die sich gegen die Corona-Beschränkungen richten, nicht mehr beherrschbar sind und in gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei ausarten? Es ist nicht mehr vertretbar, dass die Polizei auf Grund von genehmigten Demonstrationen mit tausenden von Menschen zu Prügelknaben der Justiz gemacht werden. Das grundgesetzlich verbürgte Recht auf Demonstration muss dort seine Grenze finden, wo das Risiko der Gefährdung von Leib und Leben der Polizeibeamten in einem unvertretbaren Maß erhöht würde. Dieser Grundsatz muss Beachtung finden, da anderenfalls das Vertrauen der Bevölkerung in die Entscheidungen der Gerichte bei der Bewilligung von Demonstrationen schwinden würde – ein Aspekt, der zu einem irreparablen Schaden in das Ansehen der Justiz führen könnte.

Dr. Claus Rabe

Zum Shoppen mit dem Rad

7./8. November: Leserbrief: „Nur ein Prestigeprojekt“ und 5. November: „Hamburgs breitester Radstreifen auf dem Ballindamm ist fertig“

Es ist mir ein Rätsel, worauf die Annahme fußt, dass sämtliche dem stationären Einzelhandel zugeneigte Kundschaft ihre innerstädtischen Einkäufe mit dem Auto erledigt. Ich selbst wohne in Uhlenhorst, fahre viel mit dem Rad und bei der Frage, ob ich „nebenan“ in der Hamburger Meile shoppe oder in die Innenstadt radel, spielen Attraktivität und Sicherheit des Radwegs dorthin eine zweifelsohne ganz entscheidende Rolle. Und aus meinem Umfeld weiß ich, dass dies vielen anderen auch so geht. Ich finde den Ausbau daher nicht nur persönlich begrüßenswert, sondern halte ihn auch für extrem geschäftsfördernd. Zumal es keine besonders große Hürde für die (nun vermehrt in die City strömende) radfahrende Fraktion sein sollte, die durch ein paar wenige Parkplätze am Ballindamm wegfallenden „Pkw-Kunden“ (über-)zu-kompensieren.

Benjamin Krapp

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