Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. November 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Wenig Hilfe für Studierende

5. November: „Eine Zwangspause für die Jugend? Junge Leute werden in der Corona-Pandemie von vielen als Haufen feierwütiger Egomanen wahrgenommen. Ein falsches Bild“

Die Autorin hat einen sehr wichtigen Aspekt angesprochen, um den sich auch unsere zweite Bürgermeisterin einmal intensiv kümmern sollte: Die Sorgen der jungen Menschen werden nicht annähernd so wichtig genommen wie die der großen Unternehmen. Es geht unter, dass nur 20 Prozent der Anträge von Studenten auf die großartig veröffentlichte sogenannte Studentennothilfe überhaupt bewilligt wurden. Die Leser sollten sich mal im Internet anschauen, wie diese seitenlangen Anträge mit unzähligen unverständlichen Ausnahmen aussehen: Es ist eine Schande, wie die Bürokratie hier junge Menschen durchs Raster fallen lässt. Vielen Studenten bleibt kein anderer Ausweg, als jetzt einen Studienkredit aufzunehmen und damit später hoch verschuldet ins Berufsleben zu starten. Wer muss denn in den kommenden Jahrzehnten für die Staatsschulden aufkommen, die jetzt durch Corona gemacht werden? Niemand wird im Ernst glauben, dass es diese jungen Menschen sind, die undiszipliniert feiern gehen: Sie haben schlicht kein Geld dafür und sorgen sich eher um die nächste Mahlzeit.

Gabriele Ebert

Null Toleranz für Gejammer

Mehr Empathie für die Jugend? Ja und nein. Als Angehöriger einer Generation (Jahrgang 1960), die nichts zu erleiden hatte als Erziehung durch die kriegsgeprägte Elterngeneration und somit in weiten Teilen ein unbeschwertes Heranwachsen erleben durfte, steht es mir fern, die heutige Jugend mit Sprüchen wie „Euch geht’s doch noch Gold“ oder dergleichen zu belästigen. Die Generation meiner Eltern jedoch, so sie denn noch lebt, die durch die Corona-Situation eventuell durch jugendlichen Leichtsinn um ihre letzten unbeschwerten Jahre gebracht wird und die sich in den letzten Kriegsjahren und den Jahren des Aufbaus mit wirklich existenziellen Sorgen zu plagen hatte, fehlt für das „Gejammer der Kinder“ jedwede Toleranz. Und so leid es mir tut, aber da muss ich „den Alten“ zustimmen. Aus deren Sicht ist das Niveau, von dem aus heute geklagt wird, nahezu überirdisch. Insgesamt denke ich, dass die von Ihnen beschriebene Situation keine Generationenfrage ist, sondern ein generationenübergreifendes und gesamtgesellschaftliches Problem. Es fehlt der Gemeinschaftsgedanke, der aus sehr unterschiedlichen Gründen schon seit Jahren immer weiter auf dem Rückzug ist. Dass sie ausdauernd dagegen anschreiben, sei Ihnen von Herzen gedankt!

Andreas Kaluzny

Vorbereitung kommt zu spät

3. November: „Die größten Ausbrüche in Heimen und Schulen. Neue Daten zeigen, wo es die meisten Infektionen gab“

Wenn ich lese, dass jetzt Schnelltests gemacht werden sollen, frage ich mich ernsthaft, wieso die Vorbereitung hierfür – Verfügbarkeit, Personal für Testungen, Orte (Altenheime, Krankenhäuser) – nicht schon in den entspannten Sommermonaten erfolgt ist. Da wurde der zweite Lockdown doch schon immer erwähnt. Es macht mich wütend, dass man so wenig in die Vorsorge investiert hat. Wir könnten ganz anders dastehen und hätten eine viel bessere Lebensqualität, wenn es Vorbereitungen in diese Richtung schon gegeben hätte. Jetzt stehen weder ausreichende Tests noch Personen zur Verfügung und in den Schulen fehlen die Belüftungsgeräte, die auch sehr vieles einfacher machen würden. So werden die Alten und die Kranken wieder ausgegrenzt, weil sie nicht besucht werden dürfen ohne ausreichende Tests. Ein Trauerspiel.

Elvira Kleinschmidt

Kinder brauchen Bewegung

2. November: „Wo Sport in Hamburg noch möglich ist. Stadt bietet Hilfen bis zu 40.000 Euro pro Verein an. Hand- und Basketballer erwarten Zuschüsse von 400.000 Euro“

Die neuen Auflagen und die Umsetzung des Hamburger Senats zur Eindämmung der Pandemie hinsichtlich des Freizeitsports für Kinder macht mich als Bürgerin dieser Stadt und Mutter traurig und fassungslos zugleich. Erneut sollen die kleinen Kinder, ich meine hiermit Kinder im Grundschulalter, auf den sportlichen Ausgleich verzichten. Und das, obwohl in dieser Altersstruktur das Infektionsgeschehen gen null geht. Als Lehrerin (u.a. Sport) ist es mir unerklärlich, dass ich mit über 20 Kindern 90 Minuten Sportunterricht in einer Sporthalle stattfinden lassen darf, diese Kinder aber nachmittags im Freien sich nicht sportlich betätigen dürfen. Wie enorm wichtig körperliche Betätigung gerade für junge Menschen ist, besonders in diesen Zeiten, setze ich als bekannt voraus. Begleitende Erwachsene könnte man bestens raushalten, indem eben diese das Gelände, wie Fußball-, Tennis- oder Hockeyplatz nicht betreten dürfen. Grundschulkinder schaffen solch einen Weg wunderbar allein. Die Psyche der Kinder ist unter all den Auflagen der letzten Monate belastet worden, wir als Schule und Eltern fangen dies sicherlich häufig sehr gut auf. Aber lassen sie den Kindern ihren Draußensport und die so nötige Bewegung.

Annette v. Kobylinski

Nicht jede Regel macht Sinn

30. Oktober - 1. November: „Ein Riss geht durch das Parlament. Die Kanzlerin wird wegen des neuen Lockdowns vor allem von AfD und FDP heftig angegangen“

Strenge Regeln? Ja, dort wo es Sinn macht und nachvollziehbar ist. Jetzt, mit Beginn des zweiten Lockdowns, wurden Entscheidungen getroffen, die einen Moment gut klingen, aber deren Sinnhaftigkeit zum Teil Kopfschütteln auslösen. Bereits seit dem Frühjahr wissen wir, dass der Aufenthalt in geschlossenen Räumen, wie Gaststätten ohne Hygienekonzepte und Einhaltung der Mindestabstände, Hotspots sind. Wir wissen auch, dass wir um ältere Menschen einen Schutzschirm bilden müssen. Das dort eingesetzte Personal und auch das Kontaktpersonal im Gesundheitswesen müssen eigentlich regelmäßig getestet werden. Aber wird das praktiziert, und wie groß sind die Abstände? Im Frühjahr war die Warn-App der Heilsbringer. Der Beitrag zur Covid-19 Eindämmung stellte sich als überschaubar heraus. Nun soll der Impfstoff der Heilsbringer sein. Auch wenn der Impfstoff die Zulassungshürde in einigen Monaten überwinden wird, welche Nachhaltigkeit wird der Impfstoff haben? Wie wirkt der Impfstoff, besonders bei älteren Menschen, für die er hauptsächlich entwickelt wird? Die Nachverfolgung durch die Gesundheitsämter ist und bleibt wichtig. Aber warum werden die Personen, bei denen ein negatives Corona-Testergebnis vorliegt, weiter „verwaltet“, anstatt die betroffenen Personen sofort aus der Quarantäne zu entlassen? Trauen die dadurch überlasteten Gesundheitsämter den Testergebnissen nicht? Wo sind die Virologen, wo sind die Politiker, die den Ist-Zustand sachlich bewerten, um zielorientierte Maßnahmen festzulegen? Unsere politischen Entscheidungsträger müssen sich schon mit der Materie beschäftigen.

Peter Kurland, Neu Wulmstorf

Eldorado für Straßen„kunst“

4. November: „Neue Sternbrücke: Stadt und Bahn halten an Entwurf fest. Verkehrssenator Anjes Tjarks bekennt sich zur viel kritisierten stützenfreien Konstruktion. Sie schaffe Platz für Fußgänger, Radfahrer und Busse. Denkmalschützer entsetzt“

In der Diskussion wird von den Gegnern der neuen Sternbrücke Stresemannstraße/Max-Brauer-Allee mit falschen Argumenten operiert. Angefangen mit der „Monstrosität“: Die Darstellung in Richtung stadtauswärts mit den beiden kleinen Häusern im Vordergrund ist irreführend. Von der Holstenstraße aus gesehen würde die Brücke vermutlich optisch gleich hoch wie die Bebauung oder sogar kleiner aussehen. Zudem ist zurzeit die Nutzung durch Radfahrer eine Harakiri-Aktion, deren Situation und die der Fußgänger würde die neue Brücke entschieden verbessern. Auch die Lichtverhältnisse würden sich durch den Wegfall der Stützen im Straßenraum positiv verändern. Heute ist der Kreuzungsbereich ein Eldorado für Straßen„kunst“ und Mauerpinkler. Zudem erschließt sich mir nicht, inwiefern die alte Brücke ein Denkmal sein soll. Brücken dieser Bauart gibt es in Deutschland zuhauf, soweit sie nicht ihre Lebensdauer hinter sich haben.

Friedrich Buchsbaum

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