Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. Oktober 2020

Eine Aktion für Obdachlose?

21. Oktober: „Übernachten in der Europa Passage. Eine Nacht ab 170 Euro. Kabine des ,Höhle der Löwen‘-Teilnehmers Sleeperoo steht nun im Einkaufszentrum“

Bevor ich unserem Sohn heute Morgen am Frühstückstisch berichten konnte, für wen die Schlafboxen in der Europa Passage aufgestellt sind, kommentierte er diese Idee mit den Worten: „Eine tolle Aktion für Obdachlose!“ Wie gern hätte ich ihn in diesem Glauben gelassen.

Regine Schües

Einreiseverbot vergessen

21. Oktober: „Ferienimmobilien an der Küste immer teurer. Steigerungen um bis zu 50 Prozent. Quadratmeterpreise von bis zu 23.000 Euro auf Sylt. Wo es aktuell noch vergleichsweise günstig ist“

Die Interessenten für Ferienhaus-Immobilien in Deutschland, speziell an Nord- und Ostsee, scheinen ein kurzes Gedächtnis zu haben. Sie haben wohl schlicht vergessen, dass selbst Ferienhausbesitzer mit Zweitwohnungscharakter beim Lockdown im Frühjahr z.B. aus Schleswig-Holstein vertrieben worden sind und Vermietung bei Einreiseverboten auch nicht durchführbar war. Aber die Gier des Kapitals stirbt wohl zuletzt und setzt darauf, dass es solche Beschränkungen zukünftig nicht mehr geben wird. Verlassen kann sich darauf aber wohl niemand.

Hans-Raimund Kinkel

Ein Schlag ins Gesicht

21. Oktober: „Corona-Verstöße: Polizei löst drei Hochzeitsfeiern auf“

Trotz bekannter Verbote heimlich abgehaltene Privatfeiern (die Dunkelziffer dürfte immens sein) mit ausufernden Teilnehmerzahlen, und die Missachtung auferlegter Gebote sind ein derber Schlag ins Gesicht all derer, die sich seit dem ersten Lockdown an die vorgeschriebenen Maßnahmen und Regeln halten! Solidarische Rücksichtnahme scheint gerade bei vielen jungen Partygängern ein Fremdwort zu sein. All diesen empfehle ich ein vierwöchiges Praktikum in einem Krankenhaus oder einem Altersheim mit an Covid-19 erkrankten Menschen, vielleicht findet dann ein Umdenken zur Gesundheitserhaltung aller statt.

Silvia Böker

Kaum Interesse an Billbrook

20. Oktober: „Senat verspricht Hilfen für Billbrook. Nach dem Aufstand der Wirtschaft bringt CDU Antrag in die Bürgerschaft ein“

Mit Interesse habe ich die erneuten Ankündigungen der Wirtschaftsbehörde zur Entwicklung des Industriegebietes Billbrook zur Kenntnis genommen. Wir sind mit unserem Unternehmen seit fast 20 Jahren im Porgesring ansässig und erleben seitdem jeden Tag, welchen Stellenwert Billbrook auf der Senatsagenda genießt. Verwahrloste und kaputte Straßen, mit Unkraut überwuchernde marode Bürgersteige, abgemeldete Pkw- und Lkw-Wracks die monatelang öffentlichen Parkraum blockieren, jahrelange Verzögerung des Breitbandausbaus sowie absolut desolate Fahrradwege, die teilweise lebensgefährlich im Nirgendwo enden. Anstatt z.B. eine Hauptverkehrsachse wie die Moorfleeter Straße endlich in Stand zu setzen und fahrradgerecht auszubauen, werden wegen der Schäden einfach für Jahre Tempo-30-Schilder aufgestellt. Auf Behördenanfragen oder Beschwerden wird gar nicht oder mit Achselzucken geantwortet, auf eine persönlich zugesagte Antwort vom damaligen Wirtschaftssenator Horch warten wir noch immer vergeblich. Da wirken die schönen bunten Prospekte und Versprechungen der letzten Jahre, über die geplante Entwicklung des Hamburger Ostens, wie Hohn.

Klaus Klische

Ihr seid unverzichtbar!

20. Oktober: „Ver.di bestreikt heute Kitas und Kliniken im Norden“

Ich kann nicht verstehen, warum sich so viele über den Streik beschweren. Der erste Gedankenschritt ist ja richtig: Wenn die Krankenhäuser und Kitas bestreikt werden, dann stört das natürlich die gewohnten Abläufe. Vielleicht wird die OP verschoben oder das Kind muss einen Tag zuhause betreut werden. Das ist ärgerlich. Aber der zweite Schritt muss doch sein, sich zu fragen: Wie werde ich betreut, wenn ich nach der OP aufwache? Wie wird mein Kind einen Großteil seiner Wachzeit betreut? Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst – zum Beispiel in den Krankenhäusern und der kommunalen Kinderbetreuung – wollen einen fairen Lohn und Anerkennung für ihre Arbeit. Aber da hören sie nicht auf! Anstatt sich, wie diejenigen, die sich beschweren, nur um sich zu kümmern, sorgen sich die Streikenden auch noch um das Gemeinwohl. Sie wollen mehr Personal und damit mehr Zeit für die einzelne Patientin oder für das Kind. Sie wollen bessere Arbeitsbedingungen, um besser arbeiten zu können. Sie wollen, dass ihre Arbeit nicht Profit für Wenige bedeutet, sondern gute Versorgung für Viele. Wer da nicht solidarisch sein kann, sägt mit seinem egoistischen Verhalten am eigenen Ast. An die Streikenden: Vielen Dank für eure Arbeit – ihr seid unverzichtbar!

Sabrina Arneth

Viel Lärm, keine Argumente

„Macht schon mal ordentlich Lärm“, das waren die ersten Worte der Dame, die die Ver.di-Demo am Gänsemarkt eröffnete und sie wiederholte es regelmäßig. Wer zu Lärm auffordern muss, der hat offenbar keine Argumente. Das wussten wohl auch die erhofften Teilnehmer, denn es waren keine da. Jedenfalls konnte ich vom Fenster im ersten Stock zunächst nicht mehr als 18 Personen zählen. Dafür hatte die Lautsprecheranlage dann aber offenbar ungefähr 1800 Watt. So kann man auch versuchen, mit Lärm fehlende Argumente zu kaschieren. Als die Versammlung um halb zwölf beendet wurde und an unseren Fenstern vorbeizog, zählte ich ohne die Ordnungskräfte überschaubare 34 Teilnehmer. Schade, die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hätten eine bessere Vertretung verdient als „Lärm statt Argumente“.

Berthold Metzger, Hamburg

Akustischer Umweltschmutz

20. Oktober: „Unser Schrei für Island. Tourismus-Kampagne des Inselstaats macht es möglich, sich über das Internet den Frust des Jahres 2020 aus dem Leib zu brüllen“

...und brüllt man via Internet in die fantastische Stille der isländischen Natur, so ist das akustische Umweltverschmutzung. Diese knatschgelben Riesenlautsprecher sind schon optisch ein Ärgernis – vielleicht auch für die Polarfüchse, die wohl vorsorglich die Kabel durchgeknabbert haben, bevor sie von dem Gebrüll einen Herzinfarkt erleiden. Dem Fuchs sei Dank. Oder ist das Gebrüll auf dem weiten Weg über den Atlantik im Meeresboden versickert? Oder ist es der Zielgruppe – den vermeintlichen Brüllern – einfach zu blöd... Jedenfalls habe ich während meines diesjährigen Islandsommers aus keiner dieser gelben Kästen einen Laut gehört. Und war offensichtlich auch nicht die Einzige, die dankbar dem Vogelgezwitscher gelauscht hat, ungestört von künstlichem Gebrüll. Werbekampagnen wie diese werden immer skurriler. Da hat der Eyjafjallajökull mit seinem Ausbruch 2010 bessere Arbeit geleistet.

Roswitha Müllerwiebus

Knochen schwer zu bekommen

17./18. Oktober: „Brühwarm aufgetischt. Knochenbrühe hat es nicht nur geschmacklich in sich. Über ein wiederentdecktes Superfood“

Gerne würden wir häufiger etwas aus und mit Knochenbrühe herstellen, möglichst von natürlich aufgezogenen Rindern. Leider haben uns Bauern, bei denen wir bestellen wollten, mitgeteilt, dass sie die meisten Knochen aus Mangel an Interesse vernichten (lassen) und dafür auch noch Geld bezahlen müssen. Unfassbar! Manche Menschen fahren Hunderte Kilometer und holen bei ihrem Bauern eine Jahresmenge für ihre Kühltruhe ab. Vielleicht hilft Ihre Seite „Zu Tisch“ dazu, dass sich wieder mehr Menschen für dieses gesunde Lebensmittel entscheiden, und dass Quellen im Internet aufgebaut werden, wo man Haushaltsmengen zu bezahlbaren Preisen bestellen kann.

Irene Köster