Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Oktober 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Mehr Geld für wichtige Arbeit

20. Oktober: „Ver.di bestreikt heute Kitas und Kliniken im Norden

Ich finde den Streik auch in der momentanen Situation sehr gerechtfertigt. Seit wir Covid-19 haben, ist angeblich sowohl den Arbeitgebern als auch allen anderen Bürgern aufgefallen, wie wichtig unser gut ausgebildetes Krankenhauspersonal ist. Belohnt worden ist dies bisher allerdings nur verbal. Wenn die Vergütung dieser „systemrelevanten“ Arbeit und die Arbeitsbedingungen nicht endlich wesentlich verbessert werden, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir im Krankenhaus nicht mehr ausreichend und gut behandelt werden.

Gabriele Gawronski

Applaus allein reicht nicht

Gerade eben sind viele Krankenhausbeschäftigte an meinem Fenster vorbeigekommen. Sie streiken. Für fairere Arbeitsbedingungen und für mehr Gehalt. Ganz ehrlich: Ich verstehe einfach nicht, warum das in unserem Land nicht möglich ist. Ein Trauerspiel! Gerade in dieser Krise haben wir alle mitbekommen, wie wichtig gerade Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen sind. Da hilft nicht nur Applaus von der Bevölkerung. Ich finde es sehr wichtig, dass sie streiken und hoffe, es bewirkt endlich mal was.

Pia Richter

Mehr Gehalt redlich verdient

Früh am Morgen vor meiner Haustür im Grindelviertel dröhnt es aus einem Lautsprecher. Krankenhausmitarbeiter demonstrieren für bessere Bezahlung und die Corona-Prämie, die bisher nicht bezahlt wurde. Wenn es eine Berufsgruppe gibt, die eine hervorragende Bezahlung verdient, dann sind es diese Krankenhausmitarbeiter. Ich selbst habe im Krankenhaus erfahren, was für einen tollen Job diese Menschen ausüben und unter welchen schweren Bedingungen sie sich um Patienten kümmern. Dabei sind sie permanent einem eigenen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Es sollte keine Diskussion darüber geben, ob diese Mitarbeiter zu Recht demonstrieren. Vielmehr sollte es eine saftige Gehaltserhöhung geben. Es kann nicht sein, das Krankenhausmitarbeiter weniger verdienen als zum Beispiel ein Busfahrer des HVV.

Bee Sievers, Hamburg

Viele Fragen bleiben offen

20. Oktober: „,Die App ist ein zahnloser Tiger‘. Ministerpräsident Söder will digitale Möglichkeiten im Kampf gegen Corona weiterentwickeln“

Es wird damit in den Medien geprahlt, dass die Corona-App millionenfach runtergeladen wurde. Ja, und? Hat dies irgendetwas Nützliches zur Folge? Wie viele Personen haben Bluetooth und die App vor der Zusammenkunft mit anderen Menschen tatsächlich eingeschaltet? Wie viele davon haben in die App eingetragen, dass sie positiv getestet wurden? Und wie viele Personen hat die – hoffentlich eingeschaltete – App gewarnt, dass sie durch zu engen Kontakt mit positiv Getesteten eventuell infiziert wurden? Und wie viele haben daraus die Konsequenz gezogen in Quarantäne zu gehen und sich auf Corona testen zu lassen? Alles Fragen, die die Nutzlosigkeit der App unterstreichen, meiner Meinung nach aufgrund des falschen Konzepts, aber wohl für immer unbeantwortet bleiben.

Heinz Joschko

Weniger Radler im Winter

20. Oktober: „Zahl der Radfahrer steigt weiter – neues Messnetz vor dem Start. Erhebungen zeigen deutliche Zunahme gegenüber dem Vorjahr. Automatisches Zählsystem soll im November stadtweit den Betrieb aufnehmen“

Die Erfolgskontrolle beim Thema „Das Fahrrad als Verkehrsmittel“ zeigt ja durchaus positive Werte. Da klingt es ja sehr gut, dass die Anzahl der Messstationen ausgebaut werden soll. Ich hoffe nur, dass die dann auch ganzjährig betrieben und ausgewertet werden, damit man auch mal einen Eindruck davon bekommt, wie die Rolle des Fahrrads als Transportmittel in der kalten Jahreszeit ist. In den vergangenen Jahren wurden diese Zahlen ja leider nur für die warme Jahreszeit erhoben.

Wilfried Schlag

Partys können Leben kosten

19. Oktober: „Polizei sprengt illegale Party auf dem Kiez “

Hamburg gehört nun zu den Corona-Risikogebieten. Welche Einschränkungen uns das bringen wird, hängt sehr von der weiteren Entwicklung des Ansteckungsgrades ab. Menschen ohne Gewissen feiern trotzdem geheime Massenpartys oder ignorieren Hygiene- und Abstandsregeln. Bei dieser Art Renitenz geht es nicht um heimliches Rauchen, weil die Mama es verboten hat. Dieses verantwortungslose Verhalten ist auch nicht nur saublöd, es ist grob fahrlässig und kann Leben kosten. Deshalb kann es nicht als Vergehen abgetan werden. Es ist ein Verbrechen und müsste auch dementsprechend bestraft werden.

Karin Brose

Gestillte Kinder sind gesünder

17./18. Oktober: „Stillen – reine Privatsache? Viele Menschen stören sich am Anblick einer Mutter, die ihrem Kind die Brust gibt“

Als Stillberaterin freute ich mich besonders über ein so wichtiges Thema wie das Stillen in der Öffentlichkeit. Jedoch hielt die Freude beim Lesen nicht lange an. Zunächst finde ich, dass die Bedeutung von Muttermilch nicht korrekt dargestellt wurde, denn es gibt tatsächlich Hinweise, dass gestillte Kinder gesünder sind als nicht gestillte. Besonders auffällig ist es z.B. bei Frühgeborenen, die unter der Ernährung mit Muttermilch signifikant seltener an nekrotisierender Enterokolitis (schwere Entzündung der Darmwand, Anm. d. Red.) erkranken. Auch haben gestillte Kinder weniger Mittelohrentzündung. Zudem ist das Darmmikrobiom besser und und kann somit wahrscheinlich auch präventiv vor Erkrankungen schützen. Wobei dies nur Beispiele sind und es noch sehr viel mehr gibt, was Stillen zur physiologischen Entwicklung beiträgt. Zudem haben nachweislich Frauen, die stillen, ein geringes Risiko für Brust- & Eierstockkrebs sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, es geht also nicht nur um die Kinder. Worüber ich aber sehr erschrocken bin, ist die Aussage, dass sogenannte Pre-Nahrung durchaus ein äquivalenter Ersatz für Muttermilch sei. Laut Duden bedeutet äquivalent gleichwertig. Pre-Nahrung ist aber in keiner Weise gleichwertig mit Muttermilch. Es fängt schon damit an, dass Pre-Nahrung auf Kuhmilch basiert. (Frauen-) bzw. Muttermilch dagegen ist eine lebendige und individuell auf das gestillte Kind und die Physiologie des Menschen abgestimmte Flüssigkeit. Allein die Inhaltsstoffe sind in Qualität, Anzahl und Bioverfügbarkeit nicht zu vergleichen. Natürlich ist es wichtig, dass es Pre-Nahrung gibt, aber es ist nicht die normale Ernährung eines Babys.

Lina Mazzoni

Freie Fahrt für Fahrradfahrer?

16. Oktober: „Jungfernstieg jetzt für Autos gesperrt. Umbau aber erst im Frühjahr 2022. Straßen für Taxis, Busse, Lieferanten weiter offen“

Die einen finden die Sperrung gut, die anderen nicht. Ich könnte mir vorstellen, der Handel zählt zu den Letzteren, auch wenn uns die Medien häufig durch erfolgte Umfragen glaubhaft machen wollen, der Handel unterstütze die vom Senat getroffenen Maßnahmen. Die schon schwer gebeutelten Geschäfte, Institutionen, Restaurants etc. werden weitere Einschnitte verkraften müssen, wenn der Autoverkehr weiterhin massiv eingeschränkt wird. Als wenn alle Autofahrer nun mit dem Fahrrad kämen, weil sich Herr Tjarks das so vorstellt. Das wird aber nicht passieren. Und nicht jeder wird – gerade jetzt zu Coronazeiten – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, nur um auf dem Jungfernstieg spazieren zu gehen. Nein, unserem grünen Verkehrssenator geht es nicht allein um den Neuen Wall und Jungfernstieg – es geht ihm um den Autoverkehr insgesamt, den er möglichst komplett aus der Stadt herauskatapultieren will. Nach dem Motto: Das sind nur Luftverschmutzer und freie Fahrt für Radfahrer (nebenbei gesagt: ich bin ebenfalls häufiger Radfahrer). Ob die massiven Investitionen für den erneuten Umbau nötig sind, ist zumindest fragwürdig.

Johan Peter Schryver

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