Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. Oktober 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Einheitliche Lösungen

14. Oktober: „Kampf gegen den Kontrollverlust. Corona-Pandemie: Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten entscheiden an diesem Mittwoch über noch strengere Schutzvorschriften“

Es ist schon sehr auffällig, dass ausgerechnet die Ministerpräsidenten der am stärksten betroffenen Bundesländer nach einer einheitlichen Lösung verlangen. Es ist politisch sicher nicht förderlich, wenn ein Herr Söder in Bayern einen Lockdown ausrufen muss, während bei Frau Schwesig das Leben uneingeschränkt weitergeht.

Stefan Kruse, Aukrug in Holstein

Offenheit der Maßnahmen

Bisher haben die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern uns gut durch diese „Krisenzeit“ geführt. Jetzt, wo die strengeren Maßnahmen Gebiete eingrenzen, die sich einerseits durch stärkere Infektionsausbreitungen, andererseits hauptsächlich große Städte betreffen, möchte man diese strengen Auflagen aufweichen. Doch ist das wirklich der bessere Weg? Es besteht damit die Gefahr, dass Urlaubsgebiete und andere Regionen, die bisher durch Einhaltung der Regeln die Zahlen klein halten konnten, auch zu Hotspots werden. Auf der einen Seite sind die Hygiene-Regeln nicht unbedingt immer logisch (warum sollen die Kunden eines Einkaufsgeschäftes auf Abstand und Masken achten, während die Mitarbeiter dieses nicht tun oder sogar aktiv missachten?), auf der anderen Seite sollten die Gebiete, die die Regeln einhalten, nicht durch Urlauber aus Risikogebieten gefährdet werden. Denn dann würde tatsächlich auch bei den Befürwortern eine Trotz-Reaktion erfolgen: „Wir werden trotz der Einhaltung zum Risikogebiet!“. Offenheit und Durchsichtigkeit der Maßnahmen sollten beachtet werden und auch deren Verhältnismäßigkeit, aber auch die „Belohnung“ für die Befolgung der Regeln.

Rüdiger Ramm

Notfallnummer überlastet

Mein Enkelkind, 18 Jahre alt, hat sich hilfesuchend an mich gewandt mit der Vermutung, sich mit Corona infiziert zu haben. Aufgrund ihres Alters hat sie keinen Hausarzt und versuchte bei mehreren Allgemeinmedizinern und Internisten, einen Test machen zu lassen. Sie wurde von allen abgelehnt mit dem Hinweis, sie möchte ihren Hausarzt aufsuchen oder die Telefonnummer 116117 wählen. Unter dieser Notfallnummer war es den ganzen Tag nicht möglich, einen Ansprechpartner für einen Coronatest zu erreichen. Nach teilweise mehr als 15 Minuten in der Warteschlange wurde die Verbindung immer abgebrochen. Es ist mir vollkommen unverständlich, dass es die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg nicht schafft, eine funktionierende Hotline aufzubauen. Die steigenden Coronazahlen sind seit Wochen bekannt, und sie hätte sich längst darauf vorbereiten müssen. Das von uns kontaktierte Gesundheitsamt fühlte sich nicht zuständig und verwies auf die „Notfallnummer“ 116117. Das Testcenter am Hauptbahnhof ist ausschließlich für symptomlose Patienten zuständig und konnte nicht in Anspruch genommen werden. Für mich ist dieses „Corona-Management“ ein Witz, das die Bevölkerung gefährdet. Wenn noch nicht einmal Patienten mit Symptomen getestet werden können, ist auch kein Management möglich.

Karin Michels, Hamburg

Vernunft vor Egoismus

13. Oktober: „Maskenpflicht – da muss noch geübt werden“ und diverse Leserbriefe

Ach ja, wie verwirrend, überall in der Stadt individuelle Corona-Maßnahmen, und auch noch zeitlich flexibel angepasst. Wie schrecklich, wie dumm von Politik und Polizei finden natürlich wieder die Besserwisser unter der ach so aufgeklärten Bevölkerung. Ja, die beschlossenen Maßnahmen sind auf dem ersten Blick schwer nachvollziehbar. Sie leuchten aber durchaus ein, wenn man den tieferen Sinn solcher Gesetze mit dem nötigen Maß an Vernunft und Weitsicht betrachtet. Es geht hier doch nicht darum, dass plötzlich ein Polizist aus der Hecke springt, um einen Nichtmaskenträger abzustrafen! Vielmehr sollen doch hier die Sinne geschärft werden, Vorsicht an bestimmten Plätzen walten zu lassen, um sich und andere zu schützen. Und das ist eben nur zu bestimmten Zeiten nötig. Wollen die Kritiker also lieber eine klare Ansage, also Lockdown und Maske sobald man das Haus verlässt? Da finde ich doch diese Lösung unseres Senats viel angemessener, und ich trage sogar dann Maske, auch wenn es an dieser Stelle kein Gesetz vorschreibt, sondern tatsächlich nur, weil es in manchen Situationen einfach vernünftig erscheint! Vielleicht wären wir schon viel weiter mit der Bekämpfung der Pandemie, wenn häufiger Vernunft vor Egoismus gestellt würde.

Michael Piplack

So ist es auf Bali

Warum ist das alles so kompliziert mit dem Tragen der Masken? Ich lebe am anderen Ende der Welt – auf Bali, in Indonesien. Dort setzten wir eine Maske auf, sobald wir unser Haus verlassen, auch wenn wir allein sind, zum Schutze von uns, aber mehr noch: zum Schutz des Anderen. Das besondere Wort heißt: Respekt für mein Gegenüber, meinen Mitmenschen. Warum ist es in Hamburg und in Deutschland nicht genau so? Spart Energie und Kraft und lässt uns auf die angenehmen Dinge im Leben fokussieren: Liebe, Sonnenschein, Kastanien, Gesundheit.

Penny Kallmorgen, Bali und Hamburg

Gewinn für mehr Sicherheit

13. Oktober: „4725 Verstöße von Radfahrern in Hamburg geahndet. CDU kritisiert „Ramboradler“, die sich und andere gefährden, weil sie Regeln missachten“

Endlich werden Radfahrer auch mit Schwerpunkteinsätzen konsequent kontrolliert. Waren in der Vergangenheit vorwiegend Verstöße von Autofahrern im Fokus, haben die Überwachungsbehörden mittlerweile erkannt, welche Gefahren von Radfahrern für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer ausgehen. Die aktuellen Zahlen zeigen das Ansteigen von Ordnungswidrigkeiten und liefern so ausreichend Gründe, bei der Kontrolldichte nicht nachzulassen. An manchen Brennpunkten wünschte man sich Blitzanlagen für Fahrradfahrer, wenn sie denn ein Kennzeichen hätten. Vielleicht geht die Entwicklung angesichts der Zunahme des Radverkehrs ja in diese Richtung. Es wäre ein Gewinn für mehr Sicherheit.

Günter Dorigoni, Hamburg

Differenziert zu betrachten

13. Oktober: „Wie lange gilt das Beherbergungsverbot?“

Das Beherbergungsverbot ist in Deutschland umstritten. Meine Frau und ich waren im September im Urlaub in Mecklenburg, jeweils eine Woche in einer Ferienwohnung und im Hotel. Unser eindeutiges Fazit ist: Eine Ferienwohnung ist unter Coronabedingungen unproblematisch, dagegen ist ein Hotelaufenthalt, insbesondere mit zweimaligem Buffet zum Frühstück und Abendessen kaum ohne enge Kontakte zu bewältigen, wobei auch Nasen- und Mundschutz am Buffet kaum nutzt. Das gilt besonders, wenn neben Individualreisenden auch Busgruppen zu den Hotelgästen gehören. Wir haben dieses unter Nennung der besonderen Umstände auch der Hotelgruppe mitgeteilt, aber keine Antwort erhalten. Insofern ist ein generelles Beherbergungsverbot sicher differenziert zu betrachten. Die Zerrissenheit der Politik tut das Übrige um die Bürger zu verunsichern.

Jürgen Schmidt

Das finde ich bedenklich

14. Oktober: „Grippe-Impfung stark nachgefragt. Einen Engpass bei der Versorgung gebe es aber nicht, sagt die Gesundheitsbehörde“

Ich lese im Abendblatt, dass es kein Problem sein soll, eine Grippeschutzimpfung zu bekommen. Dies ist nicht der Fall. Meine Hausärztin hat keinen Impfstoff mehr und kann auch keine Termine vergeben. Mit etwas Glück gebe es im November wieder Impfstoff! Da ich zur Risikogruppe der über 60-Jährigen gehöre und beruflich viel mit älteren Menschen umgehen muss, finde ich das doch bedenklich.

Annette Reimers, Hamburg

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