Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. Oktober 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Sinnloser Kahlschlag

13. Oktober: „Reiterstaffel: Erst umstritten, jetzt ein Erfolg. Seit zehn Jahren ist Polizei in Hamburg wieder hoch zu Ross im Einsatz. Das Konzept hat sich bewährt. Was Mensch und Tier mitbringen müssen“

Dinge überhastet abzuschaffen, um sie Jahrzehnte später wieder einzuführen, zeigt einmal mehr die Inkompetenz der verantwortlichen Politiker. Im Bereich ÖPNV wird dies noch deutlicher, es gibt keine Alsterdampfer im Linienbetrieb mehr, das zweitgrößte Straßenbahn-Netz Deutschlands wurde quasi vernichtet, bis heute ein sinnloser Kahlschlag ohne Gleichen. Die Wiedereinführung ist im Hinblick auf die armselige CO2-Bilanz Hamburgs überfällig.

Jens Ode

Das kann mir keiner erklären

13. Oktober: „Wie lange gilt das Beherbergungsverbot?“

Ich selber bin ein Risikopatient, aber so langsam kann ich die Coronaregeln nicht mehr nachvollziehen. Das Beherbergungsverbot ist so realitätsfremd, dass ich mich wundere, warum man nicht mal den gesunden Menschenverstand einschalten kann. Ich habe einige Jahre in Hamburg gewohnt und in Schleswig- Holstein als Krankenschwester gearbeitet. Ich hatte in Pinneberg mehr Kontakte mit Menschen als in Hamburg, durfte aber dort in keinem Hotel übernachten. Diese Logik kann mir niemand erklären. Und so geht es vielen Menschen, denn viele arbeiten und wohnen in verschiedenen Bundesländern. Beim Friseur muss ich einen Handschuh überziehen, damit ich meine Pin eingeben kann, im Supermarkt nicht. Mit solchen nicht durchdachten und unlogischen Regeln befeuert man nur die Coronagegner, Reichsbürger und Verschwörungsanhänger.

Sonja Starke

Unsinnige Anordnung

12. Oktober: „Wir kommen in eine kritische Phase“

Corona fordert uns allen ja wirklich viel ab. Was sich aber der Senat nun hat einfallen lassen, grenzt – Entschuldigung – an totales Versagen bei der Maskenpflicht. Warum nicht einfach an den nun nach Straßen, Hausnummern und Uhrzeiten genannten Orten eine Maskenpflicht anordnen und fertig. Soll jetzt jeder Bürger einen Zettel in der Tasche mitführen? Anders kann man sich die Einteilung nach Straßen, Hausnummern und Uhrzeiten doch nicht mehr merken. Ich habe für solche unsinnigen Anordnungen keinerlei Verständnis mehr. Und nicht nur ich, wie ich vermute. Die Anordnungen sind sicher gut gemeint, aber einfach dilettantisch umgesetzt. Hier fehlt mir einfach der gesunde Menschenverstand. Die Maskenpflicht ist nun mal der anscheinend einzige Schutz. Aber im Freien? Bei unseren mit über 300 „Wind-tagen“ pro Jahr. Wir leben in einer Stadt, die bekannt für diese Tage ist. Wenn nun doch auch im Freien eine Maske zu tragen ist, dann bitte konsequent und sinnvoll und nicht nach Hausnummern und Uhrzeiten. Früher hätte man gesagt: typisch Beamte, die sich so etwas ausdenken. Dagegen verwahre ich mich aber. Warum? Ich war bis zu meiner Pensionierung 47 Jahre „Beamter beim Zoll“.

Detlef Riedel

Wer denkt sich so etwas aus?

Soll ich jetzt mit dem Abendblatt unter dem Arm, auf der Suche nach Straßennamen und Hausnummern und den Blick auf die Uhr durch Hamburg laufen? So ist die Maskenpflicht weder erfüllbar noch kontrollierbar. Wer denkt sich so etwas aus?

Horst Möhlmann, Rosengarten

Bahnhöfe sind Superspreader

Die jetzt beschlossene Verschärfung der Corona-Maßnahmen ist noch lange nicht ausreichend und umfassend genug. Ein wichtiger Bereich der erhöhten Ansteckungsgefahr wird ganz außer Acht gelassen: der ÖPNV und die Bahnhöfe. Hier werden keinerlei Abstandsregeln befolgt (und leider auch nicht kontrolliert), die Menschen stehen und sitzen dicht gedrängt im Zug und auf dem Bahnsteig, drängeln und stoßen beim Ein- und Aussteigen, überholen in Millimeter-Abständen auf den Rolltreppen oder stehen im Zentimeter-Abstand hinter mir und pöbeln, wenn sie gebeten werden, auf den Abstand zu achten. Die Rücksichtslosigkeit-, Disziplin- und Sorglosigkeit vieler Menschen ist bedenklich und besorgniserregend, gerade in Bezug auf Corona. Es wäre sicherlich eine Erleichterung, wenn in den Zügen (Regional-, S- und U-Bahnen) eine Mitfahrbegrenzung und dafür dichtere Taktung und z.B. ein geordneter Ausstieg nach Wagen o. ä. eingeführt würde (ähnlich der Regelung im Flugzeug) sowie eine koordinierte Abstandsregelung beim Betreten und Verlassen der Bahnsteige. So sind Bahnhöfe und Züge potenzielle „Superspreader“.

Roland Hampe

Wo bleibt die Lebensqualität?

10./11. Oktober: „Baustopp: Was bedeutet die Klage für die S-4-Pläne? Solange das Gericht nicht über den Eilantrag entscheidet, darf nicht gebaut werden“

Die Überschrift des Artikels müsste heißen: „Was bedeuten die S-4-Pläne für die Umwelt und die Anwohner?“ Die Planung für den Ausbau der Bahnstrecke ist ein weiteres Beispiel für nicht erfolgte Bürgerbeteiligung bei einem einschneidenden innerstädtischen Bauprojekt. Es geht den Initiativen nicht darum, den Ausbau der S 4 zu verhindern, sondern um die Erweiterung der Bahntrassen zu Lasten von Umwelt und Mensch. Hierfür sollen z.B. im Wandsbeker Gehölz diverse Jahrhunderte alte Bäume gefällt werden, die das Stadtbild prägen. Die dann dort geplante sechs Meter hohe Lärmschutzmauer ist im innerstädtischen Bereich schlichtweg eine optische Katastrophe. Die zusätzlich geplanten 120 Güterzüge in 24 Stunden werden die Lärmbelastung im Stadtteil insbesondere nachts weiter erhöhen, da der Schall über die Lärmschutzwand hinweg in die weitere Umgebung getragen wird. Wie man der Simulation entnehmen kann, werden darüber hinaus im weiteren Verlauf große Flächen jetzt naturnahen Raumes kahl geschlagen und versiegelt. Ich vermisse bei diesem Thema das Engagement der Umweltschutzverbände. Hier geht es um den Erhalt des so wichtigen Grüns und der Lebensqualität in unserer (noch) grünen und schönen Stadt.

Susanne Grabler

Ein Stück Tradition verloren

10./11. Oktober: „Möhring – das Aus für ein Traditionsgeschäft. 1802 gegründetes Wäschehaus schließt Ende Februar für immer. Der neue Standort und das veränderte Kaufverhalten machen zu schaffen“

Wieder geht ein Stück Tradition im Einzelhandel aus der Hamburger City. Danke an Herrn Arno Schmidt, dass er überhaupt so lange durchgehalten und das Geschäft am Leben gehalten hat. Dafür gilt ihm großer Respekt. Insbesondere die schweren Umstände, die die Einzelhändler in der Hamburger City erleiden müssen, machen es immer aussichtsloser, hier weiterhin zu bestehen. Siehe auch Umbau des Jungfernstiegs, der Mönckebergstraße und der Esplanade. Wie oft sollen diese Straßen denn noch umgestaltet werden? Wie viel Millionen Steuergeld sollen noch für die arrogante und selbstherrliche Stadt- und Straßenplanung draufgehen? Wann werden auch mal die Gehwege und vorhandenen Radwege in den „Außenbezirken“, wie z. B. Barmbek, Ohlsdorf oder Billstedt instand oder zumindest in einen verkehrssicheren Zustand versetzt?

Claudia Polefka

Endlich wieder Handball

12. Oktober: „Handballer schütteln Quarantäne ab“

Endlich konnte wieder Handball gespielt werden. Die „Jungs“ haben eindrucksvoll gezeigt, dass es trotz aller Widrigkeiten im Vorwege möglich ist, ein tolles Spiel zu absolvieren. Die Fans wiederum haben gezeigt, so eine „Großveranstaltung“ in dieser schwierigen Zeit, durchführen zu können. Der Senat sollte dieses Verhalten unterstützen, in dem er noch einige Zuschauer mehr zulässt. Platz genug wäre, auch unter Berücksichtigung der AHA-Regeln, gewesen. Die Handballer (und viele Sportarten jenseits des Fußballs) benötigen zum finanziellen überleben ihre Fans in der Halle, Sponsoren und auch mehr Berichterstattung von den Medien wäre hilfreich.

Kirsten Schönhoff

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