Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. Oktober 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Ein Vorbild für Juristen

8. Oktober: „Der Richter, der sich nichts bieten lässt. Johann Krieten zeigt in Verhandlungen am Hamburger Amtsgericht stets klare Kante – egal ob eine Kiezgröße, ein Musiker oder ein Immobilientycoon angeklagt ist“

Man mag ihn als „harten Hund“ bezeichnen, Verurteilte sich ihn als Feindbild aussuchen. Was diesen Mann auszeichnet, ist so selten wie notwendig in diesen Zeiten. Er hat einen klaren Kompass und der richtet sich ausschließlich nach der Rechtsstaatlichkeit dieses Gemeinwesens aus. Nicht Selbstinszenierung, nicht persönliche Außenwirkung sondern das soziale Miteinander im Rahmen der selbst gegebenen Regeln sind die Maßstäbe, gepaart mit einer klaren Sprache. Das und einiges mehr unterscheidet ihn bspw. von einem früheren Amtskollegen. Vielen Dank für dieses Porträt. Dieser Mann hat das Zeug zum Vorbild für Juristen, die das Wort Rechtspflege noch ernst nehmen.

Andreas Kaluzny

Alles nur noch Vorschriften

5. Oktober: „24 Tage im Homeoffice. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten schaffen“

Es kann eigentlich nur ein Karnevalsscherz von Herrn Heil (SPD) sein, dass Angestellte 24 Tage im Monat zu Hause arbeiten sollen. Da ja gleiches Recht für „Alle“ besteht, werden dann die Kranken zu den Krankenschwestern nach Hause gebracht oder die Pflegebedürftigen? Man kann doch einer Firma oder einem Geschäft nicht vorschreiben, wie die Chefs bzw. die Geschäftsleitung sie zu führen haben. Die Rechte bestehen doch wohl noch, dass sich Chefs und Angestellte sich über „alles“ persönlich einigen. Man hat das Gefühl, dass bei den ganzen Ideen eine Diktatur aufgebaut wird. Nur noch Vorschriften, wo ein Politiker nichts mit zu tun hat. Ich denke, wir leben angeblich in einer Demokratie. Solche Vorschläge sind einfach nicht zu glauben. Ich hoffe, es war wirklich nur ein Scherz, über den man nur nicht lachen kann.

Ingrid Kinadeter

Medienkompetenz aufwerten

6. Oktober: „Entsetzen und Bestürzung im Rathaus“

Die Analyse von Peter-Ulrich Meyer bringt es treffend auf den Punkt. Denn das entscheidende Problem auch in einer Stadt wie Hamburg besteht vor allem darin, dass Politik und Gesellschaft ein Phänomen wie Antisemitismus seit jeher nicht ernst genug nehmen und eigentlich immer erst dann mit Empörung reagieren, wenn etwas Schlimmes geschieht. Schließlich hat es beispielsweise bereits vor etlichen Jahren in einer großen Universitätsbibliothek anlässlich einer Ausstellung über das 400-jährige Jubiläum des jüdischen Friedhofes in Altona nicht wenige antisemitische Einträge im Gästebuch gegeben, ohne dass dies jemals öffentlich thematisiert wurde. Deshalb hilft hier nur ein echter Paradigmenwechsel aus der Misere, indem insbesondere an den Schulen und Universitäten endlich Fächer wie digitale Medienkompetenz und Geschichte im Rahmen einer guten Allgemeinbildung deutlich aufgewertet werden, um zumindest jüngere Menschen besser vor kruden Verschwörungstheorien aus dem Internet, bei denen es sich nicht selten um clevere Geschäftsmodelle handelt, durch ein wirksames Gegengift zu bewahren.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Formen der Prävention finden

6. Oktober: „Angriff vor Synagoge – ,enthemmter und gewalttätiger Judenhass‘. Mann mit Klappspaten verletzte Studenten schwer – weil dieser eine Kippa trug. Täter stammt aus Kasachstan. Der 29-Jährige mit deutschem Pass war bereits 2019 psychisch auffällig geworden. Jetzt ist er in der Psychiatrie“

Sie schildern kurz das aus der Bahn geratene Leben des Täters. Gewalt, Flucht, Heimatlosigkeit, Orientierungsschwierigkeiten. Diese Verletzungen lassen den Hass entstehen, der dann nach außen projiziert wird. Betroffenheit und der Ruf nach mehr Polizei sind als Antwort zu wenig. Hier sind Jugendämter und Integrationshilfen gefragt. Jeder weiß, dass sich auch in vorteilhaften Lebensumständen aus seelischen und körperlichen Verletzungen Wut und neue Verletzungen entwickeln können. Wenn wir dies in uns erkennen, können wir es vielleicht bei anderen verstehen und Formen der Prävention finden.

Matthias Schroeder, Hamburg

Unehrliches Lamento

7. Oktober: „,Ein Frontalangriff auf den Hafen‘. Kritik von SPD und CDU an Gastbeitrag von Grünen-Fraktionschef Dominik Lorenzen“

Hamburg und der Hafen, was für eine Geschichte! Von der Hammaburg über Barbarossa bis heute spannend zu lesen und über Jahrhunderte eine Chronik von Aufschwung und Wachstum. Das an Erfolg gewohnte Hamburg ist darüber arrogant und träge zugleich geworden. Arrogant den Nachbarländern gegenüber, auf deren Mitwirkung Hamburg bei der Elbvertiefung und beim Verklappen von Schlick angewiesen ist und mit denen man wirtschaftliche Erfolge nicht teilen möchte. Arrogant, weil Hamburg beim Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven nicht mit Bremen und Niedersachsen kooperieren mochte. Träge, weil Hamburg einfach keinen Plan B für seinen Hafen und dessen Wirtschaft entwickelt hat. Schon über Jahre sinkt die Zahl der in Hamburg be- und entladenen Container stetig. Alarmzeichen, die stets ignoriert wurden und werden. So viel verplemperte Zeit! So viele verpasste Chancen! Man sonnt sich im Traumbild der Weltstadt, möchte Metropole sein mit lächerlichen 1,8 Millionen Einwohnern. Auch Helmut Schmidts liebevoll spöttischer Weckruf „Hamburg, Du schlafende Schöne“ wurde natürlich überhört. Am Ende stellen wir fest, dass die Elbe ein Fluss ist. Ja, ein Fluss und kein Kanal! Dieser Fluss ist und bleibt ein Fluss mit Tide, Strömung und Schlick. Da helfen selbst 1000 Bagger nicht. Der Fluss bestimmt über die Hamburger Politik und nicht anders herum. Es braucht den ersten mutigen Politiker, diese Erkenntnis öffentlich kund zu tun. Das öffentliche Lamento um den Beitrag von Dominik Lorenzen ist unehrlich und damit nicht lösungsorientiert.

Christian Stemcke

Karstadt Sports retten

5. Oktober: Gastbeitrag: „Innenstadt neu erfinden – ein Thema für die nächste Stadtwerkstatt“

Hiermit möchte ich mich vehement dafür einsetzen, dass sich die Stadt, Sponsoren oder Vermieter zusammentun und Karstadt Sports vor der Schließung „retten“. Es ist, glaube ich, wichtiger als noch einen weiteren Klamottenladen zu retten. Verglichen mit anderen Großstädten – ich habe 20 Jahre in München gelebt – sind Sportgeschäfte in dieser Art in Hamburg rar. Das bezieht sich auf das Sortiment, die freundliche und professionelle Bedienung und die Lage. Das trifft ebenso zu für den Wander- und Wintersport, den Golfsport und die Fitnessaktivitäten. Ich hoffe, dass jemand vom Senat diese Zeilen liest und was tut, um Karstadt Sports zu erhalten.

Anncatrin Wagner

Wahlkreise neu gestalten

8. Oktober: „CDU verliert 2021 ein Bundestagsmandat. Das ergibt sich aus der Wahlrechtsreform, die die Große Koalition heute beschließen will“

„Viel zu lange hat der Bundestag eine Lösung des Problems der von Wahl zu Wahl steigenden Zahl seiner Abgeordneten vor sich hergeschoben. Einfach, ausgewogen und gerecht ließe sich das Problem lösen, indem die Wahlkreise neu gestaltet werden mit dem Ziel jedem Wahlkreis etwa die gleiche Zahl von Wahlberechtigten zuzuordnen und die Zahl der Wahlkreise zu verringern. Die Zahl der Abgeordneten würde sich verringern, weil sich die Zahl der Direktmandate und auch die Zahl der Überhangmandate verringern würde. Doch das ist leider bis zur nächsten Bundestagswahl nicht mehr zu schaffen. Das darf jedoch nicht daran hindern, schon jetzt mit dem Neuentwurf der Wahlkreiszuschnitte zu beginnen. So könnte der Bundestag auch zeigen, dass er das Allgemeininteresse über die Interessen der Fraktionen und ihrer Mitglieder stellt.

Hans Lafrenz, Hamburg

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