Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. September 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Ischgl in Hamburg

22. September: „Weiterer Corona-Ausbruch in Schanzenviertel-Bar“ und „Reißt euch zusammen! Nicht Gastronomen, sondern Partygänger sollten durchzechte Nächte verantworten“

Wie haben wir uns empört über die Vorgänge in Ischgl. Aber auch über ein halbes Jahr später läuft hier immer noch Ähnliches ab. Infizierte bedienen in überfüllten Bars die ebenfalls demaskierten Gäste. Hoffnungslos überfüllte Bars. Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher schauen dem Treiben fassungslos zu und quälen sich maskenhaft durch ihre neue Alltagsnormalität und hoffen, dass sie damit das Treiben der Anderen kompensieren können.

Joachim Beier

Einsamkeit im Homeoffice

21. September: „Wirtschaftsforscherin: Homeoffice macht zufriedener und produktiver. Hamburger Ökonomin: Beschäftigte arbeiten fünf Stunden mehr als im Büro, Unternehmen attraktiv für Fachkräfte“

Ich habe Ihren Artikel zum Homeoffice mit Interesse gelesen. Der Inhalt ist auch sehr gut dargestellt. Mir ist vor allem aufgefallen, dass die höhere Produktivität und die längere Arbeitszeit als positiv dargestellt wird. Ich habe sofort an Arbeitszeiten, ergonomische Schreibtische und Mitarbeitergesundheit gedacht. Klar ist es wichtig, dass Betriebe profitieren und Mitarbeiter zufrieden sind. Was ist jedoch mit denjenigen, die immer nur zu Hause sitzen und kaum Kontakt zur Außenwelt haben? Die freuen sich, dass sie noch mehr zu Hause sein dürfen, vereinsamen aber immer weiter. Das soziale Miteinander wird doch immer wichtiger. Gelebte, auch innerbetriebliche Demokratie, wird vollkommen weggeschoben. Stattdessen züchten wir uns einsame Menschen, die in ihrer kleinen Welt anfällig für undemokratische Tendenzen werden.

Sonja Koch

Die Ursachen benennen

21. September: Kommentar: „Das peinliche Versagen. Flüchtlingen in Not helfen – warum tun sich alle so schwer?“

Ich verstehe die Empörung über das europäische Versagen im Zusammenhang mit der Zerstörung des Flüchtlingslagers Moria, das Herr Haider beschreibt, vollkommen. Ja, die Europäer haben seit 2015 scheinbar nichts gelernt und nichts unternommen, um diese Flüchtlingsproblematik gemeinsam zu bewältigen. Ja, es wäre ein Leichtes gewesen, diese wenigen tausend Menschen aufzunehmen und ja, das Angebot von Herrn Seehofer 150 unbegleitete Jugendliche aufzunehmen, war beschämend. Aber was mich seit Jahren umtreibt, ist die Tatsache, dass es niemand wagt, den Finger in die Wunde zu legen, wo denn die Ursache dieser Katastrophe zu suchen ist. Keine Redaktion, kein Journalist wagt es auszusprechen, dass der Grund dafür bei der amerikanischen Politik unter George W. Bush zu finden ist, dessen Irakkrieg dazu geführt hat, dass der ganze vordere Orient in Flammen steht, dass Millionen von Menschen getötet, ihre Heimat verloren, dass ganze Regionen/Länder und Städte zerstört wurden und es infolgedessen zu diesem menschlichen Elend gekommen ist. Warum wird von den Europäern erwartet, die Konsequenzen und Lasten verfehlter amerikanischer Politik ganz allein zu schultern? Wo bleibt die Solidarität der arabischen Länder, die doch auch einen Teil ihrer Glaubensbrüder aufnehmen könnten?

Ekkehard Below

Zu wenig Selbstreflexion

21. September: Gastbeitrag: „Gute Nacht, liebe Handelskammer. An dieser Stelle riefen Handelskammer-Präses Norbert Aust und der neue Geschäftsführer Malte Heyne in einem Gastbeitrag zu ,Lust auf Visionen‘ auf. Nun antworten die Kammerrebellen Annett Nack-Warenycia und Torsten Teichert“

Es ist schon amüsant, im Abendblatt von zwei der so grandios gescheiterten, selbst ernannten Rebellen über aktuelle Projekte der Handelskammer zu lesen. Schon merkwürdig, warum hier Personen, die sich nicht einmal mehr der Wahl der Handelskammer gestellt haben, ihre Meinung äußern. Da gäbe es Berufenere. Die beiden sind nicht einmal schlechte Verlierer, sondern haben sich dem Risiko einer Wahl-Niederlage gar nicht erst ausgesetzt. Was sie zu sagen haben, überrascht nicht und zeigt zugleich, mit wie wenig Selbstreflexionsvermögen der Elbvorort-Sozialist Teichert und die Büromöbelhändlerin Nack-Warenycia ausgestattet sind. Sie hatten mit ihren Rebellen drei Jahre alle Fäden der Handelskammer in der Hand. Eine hundertprozentige Mehrheit im Präsidium und 95 Prozent im Plenum. Wer es mit diesen Mehrheitsverhältnissen nicht schafft, etwas Vernünftiges auf die Beine zu stellen, braucht sich über eine Klatsche durch die Kammer-Wähler nicht zu wundern. Die Gnade für diese Menschen ist, dass sie die Realität nie wirklich erreicht. Sie kommen aus ihrer Blase nicht heraus und müssen so die Einsicht in das eigene Scheitern und Versagen nicht ertragen.

Bernd A. Hansen

Kein Wort der Selbstkritik

Dieser Beitrag macht einmal mehr deutlich, dass es den einstigen Kammerrebellen nie darum ging, die Handelskammer in ihrer Arbeit weiter voranzubringen, sondern allein um die Zerstörung dieser traditionsreichen Einrichtung. Kein Wort über die katastrophalen Jahre, in denen das Ehrenamt nur mit sich selbst beschäftigt war, weil völlig uneins. Kein Wort der Selbstkritik zur dadurch ausgebliebenen Sacharbeit. Was besonders anstößig ist, ist der verbale Angriff auf die amtierende Führungsspitze, Präses und Hauptgeschäftsführer. Sie werden diskreditiert, bevor sie überhaupt mit ihrer Arbeit richtig angefangen haben. Konstruktive Kritik geht anders. Das werden auch die Mitgliedsunternehmen so sehen.

Günter Dorigoni

Hamburgerin des Monats

21. September: „Kaufhof an der Mö schließt endgültig am 17. Oktober“

Für mich ist die Betriebsrätin Ines Reinhardt die Hamburgerin des Monats. Denn sie hat wie David den Mut und die Energie aufgebracht, noch für ihre Mitarbeiter gegen Goliath (den Vermieter) zu kämpfen, obwohl schon feststand, Kaufhof Mö zu schließen. Auch wenn sie den Kampf nicht gewinnen konnte, ist ihr höchster Respekt zu zollen!

Annegret Krol

Bodenloser Skandal

19./20. September: Hamburger KRIT-iken: „,Mehr Zukunft geht nicht‘. Wie dem Steuerzahler ein zweifelhafter Deal mit dem HSV als großartiges Geschäft untergejubelt wird“

Der Kauf des Grundstücks des Volksparkstadions durch die Stadt ist ein bodenloser Skandal. Welchen Vorteil hat die Stadt durch den Kauf? Bei einem Kaufpreis von 23,5 Millionen Euro beträgt der Erbbauzins 423.000 Euro im Jahr. Was soll das? Das Grundstück ist für die Stadt fast 100 Jahre nicht verwertbar. Gibt es wenigstens Anpassungsklauseln im Erbbauvertrag? Wieso hat der HSV das Grundstück nicht einfach beliehen? Eine Grundschuld wäre billiger als die Erbpacht und schneller abbezahlt. War das Grundstück etwa nicht beleihbar, weil noch Schulden drauf liegen, die die Stadt vielleicht übernommen hat?

Claudius Zieber

Einschienenbahn für Stadtpark

15. September: „Gesucht: Visionen für den Stadtpark. Befragung soll Zukunft von Hamburgs grüner Oase mitprägen. Straßensperrungen geplant“

In Zeiten von Klimawandel und Verkehrswende halte ich einen autofreien Stadtpark für eine gute Option, nur sollte es eine Ersatzmobilität geben. Vor einigen Jahren hatten wir eine Monorail-Bahn zur Internationalen Gartenschau in Wilhelmsburg zu Gast, die sich gut bewährt hat. Wir denken in Hamburg schon seit ober 100 Jahren über eine Schwebebahn nach und wäre der Stadtpark nicht endlich eine gute Gelegenheit, die erste Strecke zu bauen und Orte wie das Planetarium, die Stadtparkbühne, das Stadtparkbad und Landhaus Walter mit den Bahnhöfen Borgweg, Saarlandstraße und Barmbek zu verbinden?

Ernst Günther Josefowsky

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