Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. September 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Einzelplätze sind sofort weg

15. September: „Traut euch! Sorgen bei Hamburger Künstlern: Obwohl Theater und auch die Elbphilharmonie wegen Corona viele Plätze nicht besetzen dürfen, sind Vorstellungen und Konzerte oft nicht ausverkauft“

Warum ich mich noch zurückhalte, kann ich Ihnen ganz genau sagen: Ich würde begeistert in jede Menge Konzerte gehen, wenn mehr Einzelplätze angeboten werden würden. Man bekommt ja sogar für der Elbphilharmonie wieder Karten, aber eben fast nur für zwei oder mehr Personen, die auch gemeinsam abgenommen werden müssen. Die Einzelplätze sind sofort weg. Und als Einzelperson das Doppelte zu bezahlen (weil ich beide Plätze kaufe) sehe ich nicht ein.

Birgit Kurz

Maske verdirbt Kulturgenuss

Ich traue mich schon, ins Theater bzw. Konzert zu gehen und habe keine Angst vor einer Infektion. Der entscheidende Grund für meine momentane Enthaltsamkeit ist die völlig überbewertete Maske, die mir jeglichen Kulturgenuss verdirbt. Bin ich der Einzige, der so empfindet?

Stefan Wilke, Eidelstedt

Angst und Kontrolle

Zu dem Bericht über die mangelnde Nachfrage nach Kulturveranstaltungen möchte ich eine in meinem Umfeld weit verbreitete Einstellung zur Sprache bringen, wonach ein Gang ins Konzert, Kino oder Theater erst wieder in Frage kommt, wenn alle Einschränkungen aufgehoben worden sind, und ein normales, entspanntes Kulturerlebnis wieder möglich ist. Der öffentliche Raum hat sich durch die Vorgaben zu einem sehr unangenehmen Pflaster entwickelt, den ich seither meide. Ein wie auch immer geartetes Risiko einer Infektion durch die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen nehme ich dabei selbstverständlich wie all die Jahre davor in Kauf. Aber in der Atmosphäre von Angst und Kontrolle ist keine Freiheit möglich, die für mich untrennbar mit diesen Institutionen verbunden ist.

Georg Landweh

Noch ein Projekt...

15. September: „Neuer Vorstoß: Werden die Straßen im Stadtpark für Autos gesperrt?“

„Noch’n Projekt“, könnte man in Anlehnung an Heinz Erhard sagen, ein weitgehend überflüssiges allerdings. Von teuren Gutachten, über behördliche Planungsgruppen, Ausschüsse, Bürgerschaftsabstimmungen, Gartenarchitekten, Gärtnern und sonstigen „Experten“ bis hin zu einer ach so bürgernahen digitalen „Bürgerbefragung“ soll alles dabei sein. Kosten? Nebensache! Und natürlich wird wieder gefordert, endlich die Otto-Wels-Straße und die Hindenburgstraße, die als einziger Straßenzug den Stadtpark durchquert, zu sperren und dazu gleich noch den vielbefahrenen Ring 2, der kaum mehr ist als Begleitgrün im City-Nord-Bürogebäude-Areal, mit dem Stadtpark zu verbinden. Da fehlt dann nur noch eine neue breite Veloroute – wenn man denn schon mal plant. Zur Begründung wird herangezogen, dass immer mehr Bürger den Stadtpark besuchen würden und an seinem Rande ein Neubaugebiet entstanden sei. Die Mär von „Wegen Überfüllung geschlossen“ wird aus dem Hut gezaubert, aber selbst an den insgesamt wenigen Hitzetagen oder während der Mobilitätseinschränkungen wegen Covid-19 war daran überhaupt nicht zu denken. Daran dürften auch eine zunehmende Wohnbebauung oder coronabedingter „Urlaub zu Hause“ nichts ändern.

Ulrich Reppenhagen

Gelassen mit größter Vorsicht

14. September: „Gelassen durch den Winter. Hamburgs Ärzte-Chef fordert: Wir müssen die Corona-Pandemie endlich richtig einordnen

Es ist löblich, dass Herr Plassmann einen gelasseneren Umgang mit der Pandemie empfiehlt. Es wird darauf hingewiesen, dass in den meisten Fällen eine Infektion harmlos verläuft, und die Möglichkeit, sich zu infizieren gering sei. Wenn ich aber wissenschaftlichen Berichten glauben schenken darf, kann eine Virusinfektion sehr unterschiedlich verlaufen. Und hier liegt genau das Problem. Niemand kann wissen, wie der eigene Körper reagieren würde. Ein wochenlanger Geschmacksverlust wäre mir persönlich schon ein zu hoher Preis. Darum habe ich mehr Vertrauen in die wissenschaftlich gestützten Worst-Case-Szenarien, da sie den Appell zur großen Vorsicht für mich überzeugend zum Ausdruck bringen. Gelassenheit mit größter Vorsicht und Selbstverantwortung sehe ich als den Weg, um mit der Pandemie zu leben.

Wolfgang Schydlo

Ohne Panik durch den Winter

Darauf habe ich schon lange gewartet. Endlich mal jemand, der nicht Angst und Panik schürt wie unsere Politiker, allen voran Herr Lauterbach und Herr Söder. Man kann es einfach nicht mehr hören, was alles im Herbst und Winter auf uns zukommen wird. Genau die Gelassenheit, die Herr Plassmann einfordert, ist angebracht. Also weiterhin Abstand halten, und wo es nicht geht, Masken tragen. Dann kommen wir alle gut durch die dunkle Jahreszeit.

Lilly Brocks

Eine wichtige Stimme

Tausend Dank an Walter Plassmann und das Hamburger Abendblatt für diesen Artikel. Solchen Stimmen Gehör zu verschaffen, ist extrem wichtig und hilfreich, um der unverantwortlichen Panikmache, z. B. eines Herrn Söders, etwas entgegenzusetzen. Die Politik sollte sich mehr mit solchen Meinungen beschäftigen und nicht nur auf Drosten und Lauterbach hören.

Thomas Patitz, Ahrensburg

Flexibilität erhalten

14. September: „,Reisen Sie freitags nicht mit der Bahn‘. Horrortrip ohne Abstand und mit dicker Luft im überfüllten ICE. Was eine Bahnsprecherin empfiehlt“

Es ist doch wohl völlig klar, dass man weder im Zug noch im Flugzeug ein Abstandsgebot garantiert lückenlos einhalten kann. Genauso wenig wie im ÖPNV, Supermarkt, Restaurant oder im Fahrstuhl. Nachweislich sind aber die Züge der DB kein Ansteckungshotspot. Wenn man der Bahn etwas vorwerfen will, dann höchstens die weitgehende Abschaffung der Abteile. Eine Maximalbelegung von 50 Prozent wäre ein neuer Lockdown, weil man gerade an Freitagen nicht noch mehr Züge auf die Schiene bringen kann. Wer sich nicht der Gefahr eines Stehplatzes oder Bodenplatzes aussetzen will, kann ja reservieren. Aber zu vermitteln, dass in Zügen die Überfüllung der Regelfall wäre, ist einfach Unsinn. Die Flexibilität des Reisens per Bahn muss selbstverständlich ohne Reservierung erhalten bleiben. Das Leben bringt genug Beschränkungen mit sich.

Axel Jürgens, Hamburg

Ohlsdorf Charme erhalten

12./13. September: „Umbau des Friedhofs Ohlsdorf kostet fast 100 Millionen Euro. Teile des Geländes sollen zu Parkflächen werden. Die Wege und Straßen müssen erneuert werden. Jetzt liegt ein genauer Plan vor““

Was ist das für ein Schildbürgerstreich der Friedhofsverwaltung? Erst sollen viele tausend Euro für den Bau von Schranken in der Mitte des Friedhofs ausgegeben werden, um den Durchgangsverkehr zu reduzieren und dem Friedhof seine Ruhe zu erhalten. Nun die Nachricht, es sollen in den nächsten Jahren 100 Millionen Euro investiert werden für die Umgestaltung und Öffnung des Friedhofs in parkähnliche Mitmachräume und für kulturelle Veranstaltungszwecke. Der Ohlsdorfer Friedhof hat sowie er ist einen ganz besonderen Charme. Viele Hamburger lieben es, dort spazieren zu gehen oder erfreuen sich an der Durchfahrt genauso wie beim Anblick der Außenalster oder des Hafens. Der Friedhof ist so wie er ist schützenswert. Wo ist der Hamburger Mäzen oder die Stiftung, die eine Erhaltung ohne Umgestaltung möglich machen können. Nicht jeder trauernde Grabbesucher wird sich darüber freuen, wenn direkt nebenan für eine Aufführung geprobt wird, wie wir es neulich erlebt haben. Es wäre sehr schade, wenn dieser größte Parkfriedhof der Welt seinen Charakter verliert, der ihn so besonders macht.

Stefanie Schäffer

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