Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. September 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Auf den Punkt gebracht

12./13. September: „Politische Geisterfahrer. Die Automobilindustrie war die tragende Säule der deutschen Industrie. Manager, Kunden und die Regierung gefährden sie“

Matthias Iken hat mit diesem Beitrag in außerordentlicher Weise Probleme auf den Punkt gebracht, denen sich die Autoindustrie in dieser Zeit stellen muss, weil die Umweltbelastung durch das Auto erheblich vermindert werden muss. Die bisher von der Autoindustrie und der sogenannten helfenden Hand, dem Staat und dem Autofahrer ergriffenen Maßnahmen genügen nicht. Das Elektroauto für sich hilft der Autoindustrie nur bedingt. Messerscharf zeigt der Autor, in welche Richtung sich der Autobau verändern muss, um dessen starke Umweltbelastung zurückzufahren. Dazu muss die mögliche Förderung durch den Staat viel sinnvoller eingesetzt werden.

Manfred Hübner

Welchen Sinn hat die EU noch?

12./13. September: „Die Hilflosigkeit der Helfer auf Lesbos. In Moria herrscht Chaos. Nach dem Brand im Flüchtlingscamp kämpfen Freiwillige gegen die Not. Doch auch sie stoßen an ihre Grenzen“

Man muss sich angesichts des Elends, dass sich auf Lesbos abspielt, erneut fragen, welchen Sinn die EU noch hat? Das U stand einmal für „Union“, also eine Vereinigung von Ländern, die in einer Gemeinschaft leben und wirken wollen. Aber mit jedem neuen Mitgliedsstaat wurde aus dieser Union ein Zweckbündnis, in dem jeder Staat nur seine Rechte wahrnimmt, aber die Pflichten ignoriert. Dazu gehört in diesen Tagen vor allem die Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland. Man kann Länder wie Polen, die Slowakei, Ungarn usw. nicht zwingen, Menschen in Not aufzunehmen. Aber weshalb werden diesen Ländern nicht längst die Wirtschaftshilfen aus den EU-Töpfen gestrichen und an die Länder verteilt, die Flüchtlinge aufnehmen, versorgen und integrieren?

Martin Wucherpfennig

EU-Parlament ohne Lösung

Seit Jahren ist mir das Asylsystem der EU unverständlich. Wie kann es sein, dass die Länder, die zufällig Grenzländer der EU sind, allein mit dem Ansturm von Flüchtlingen und Asylbewerbern fertig werden sollen, zumal gerade diese Länder u. a. die wirtschaftlich schwächsten sind. Wozu haben wir ein EU-Parlament, das seit 2015 aber auch gar nichts zur Lösung dieses Problems unternommen hat. Ein Asylcheck vor Ort z.B., wie Christoph Schwennicke vorschlägt, hätte die Menschen auf Lesbos nicht über Jahre dort festgehalten. So ist ein Chaos entstanden, dem die EU schon wieder hilflos gegenüber steht. Mit den spontanen und gut gemeinten Hilfsangeboten einiger weniger EU-Staaten ist das Problem nicht gelöst. Wenn sich in dieser Hinsicht nicht bald etwas ändert, wird die Spaltung in der Gesellschaft wachsen.

Kriemhild Padberg

Gastronomen unterstützen

12./13. September: „Retter der Gastronomie oder Klimakiller: Der große Streit um Heizpilze“

Die Funktionäre vom BUND sitzen warm und trocken in gesicherter Anstellung, bezahlt von Spenden und Beiträgen und führen hier große Worte über „Klimakiller“? Das kann nicht wahr sein. Den in ihrer Existenz bedrohten Gastronomen hier Knüppel zwischen die Beine zu werfen, ist verwerflich. Diese Branche hat es wahrlich schwer genug mit dem Lockdown. Das bisschen CO2 kann nun wirklich nicht den Unterschied fürs Klima machen. Gibt es keine größeren Probleme?

Herbert Nölting

Infrarot mit Ökostrom

Mein Vorschlag wären Infrarot-Heizstrahler. Bedingung an die Gastronomie: Abschluss eines Vertrages mit einem Stromanbieter, der zu 100 Prozent Ökostrom anbietet. Dieser Nachweis wäre von den Behörden leicht zu kontrollieren. Charmanter Nebeneffekt: Die Ökostromanbieter rücken weiter ins Blickfeld der Verbraucher. Dies könnten diese auch nutzen, indem Sie den Gastronomen Sonderkonditionen einräumen. Natürlich wird es am Ende teurer werden, doch wenn es die Gastronomie ernst meint, muss sie auch ein Zeichen setzen. Ich glaube auch, dass viele Gäste bereit wären, einen „Stromcent“ extra zu bezahlen.

Thomas Lüthje

Kinder sind notwendig

11. September: Leserbrief: „Kinder sind keine Götter“ und 9. September: „Viele Kinderlose fühlen sich diskriminiert. Eine Studie des Familienministeriums zu Frauen und Männern mit unerfülltem Kinderwunsch kommt zu einem alarmierenden Ergebnis“

Kinder sind keine Götter, da stimme ich zu, aber es macht keinen Sinn, dieses Thema emotional zu betrachten. Das kann jeder halten, wie er will. Nüchtern betrachtet, sind Kinder aber notwendig, da sie in der Zukunft das Bruttosozialprodukt erwirtschaften müssen und Ideen für künftige Errungenschaften in Technik und Umwelt entwickeln müssen. Darüber hinaus müssen sie für die Ansprüche der Alten geradestehen, wenn diese den Ruhestand antreten möchten und sie werden auch die Pflege übernehmen müssen, wenn die aktuellen Generationen ihre Mobilität verlieren. Wer soll in Zukunft die Verteilungsspielräume erwirtschaften? Die Seniorenresidenzen? Die Pole dieser Diskussion liegen daher auch zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und individuellem Egoismus. Wer wen lieb haben möchte, ist eher eine Gespensterdiskussion. In der Realität ruht man sich doch auf der Gewissheit aus, dass andere es schon reißen werden und das System aufrecht erhalten, damit die Töpfe gefüllt bleiben.

Christiane Dornecker

Musik braucht Raum

11. September: „Wie viele neue Büros braucht Hamburg noch? Experten erwarten mehr Leerstand und rapide sinkende Mieten wegen Corona-Pandemie. Gewerbemakler glauben weiter an goldene Zukunft“

Die Situation des Gewerberaums für Kreativschaffende in Hamburg, insbesondere für freiberufliche Musiker und Instrumentalpädagogen sieht dagegen ganz anders aus. Natürlicherweise kollidiert das Musizieren und der Instrumentalunterricht mit Büroarbeit, weshalb es für freischaffende Musikerzieher in Hamburg extrem schwierig ist, Räume zum Unterrichten zu finden. Wenn es Hamburg mit der Kultur ernst meint, müssten in jedem Bezirk mehrere Häuser ausschließlich für Proberäume/Musikerateliers errichtet werden, am Besten unter zentraler Schirmherrschaft der Kulturbehörde. Gebt endlich Raum für die Musik!

Stefan Bötel

Die Bäume erhalten

10. September: „U-5-Bau – eine Gefahr für Planten un Blomen? Kritiker befürchten massive Eingriffe durch das Großprojekt. Alle Planungsdetails müssten jetzt offengelegt werden“

Mein Herz füllt sich mit großer Trauer, wenn ich lese, dass sowohl Planten un Blomen als auch der Alte Botanische Garten mit größter Wahrscheinlichkeit unter dem Bau der Haltestelle am Stephansplatz leiden werden. Ich bin mit 76 Jahren schon eine ältere Person, die vielleicht das alles nicht mehr miterleben wird, aber was ist mit unseren Nachkommen? Ist es nicht von allergrößter Wichtigkeit, die dort stehenden alten Bäume und Pflanzen für sie zu erhalten? Eine andere Frage, die sich mir stellt, ist: Müsste die U 5 unbedingt in die Innenstadt und zum Hauptbahnhof geführt werden? Dort treffen sich doch schon alle anderen U- und S-Bahnen und es wäre leicht, von dort in eine U- oder S-Bahn umzusteigen, die die Fahrgäste zur U 5 bringt. Ich denke, es wäre sinnvoller, wenn die U-Bahn direkt vom Nordosten zum Nordwesten führe, d. h. Bramfeld - City Nord - Arenen, dann würde man sich auch den Ausbau des Stephansplatz ersparen. Andererseits verstehe ich nicht, warum sich der Hamburger Senat und der HVV so konsequent und vehement gegen eine moderne Stadtbahn wehren, die schneller, billiger und ohne einen großen Teil der Stadt in eine Baustelle zu verwandeln, gebaut werden könnte?

Karin Schramm

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