Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. September 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Mehrheit der Bürger genervt

3. September: „Die erste Elektroräder-Flotte zum Ausleihen. Mit 350 E-Bikes startet das Schweizer Unternehmen Bond mit Free Now in Hamburg“

Mit den neuen Leihfahrrädern kommt eine weitere Firma auf den Markt, die auf Kosten der Allgemeinheit den öffentlichen Raum einnimmt, der den Bürgern dieser Stadt gehört. Natürlich will man damit auch Geld verdienen. Jeder, der einen Imbisswagen, einen Marktstand oder auch nur ein Werbeschild aufstellen will, braucht dafür eine Sondernutzungserlaubnis – er kann dies nicht beliebig überall machen. Doch diese ganzen Roller-, Carsharing- und jetzt auch noch Fahrradfirmen dürfen das ohne Probleme unter dem Deckmantel der Mobilitätswende. Schon jetzt ist die Mehrheit der Bürger davon genervt, permanent im Wege stehende Leihroller umgehen zu müssen.

Holger Karstens, Hamburg-Ottensen

Politiker ohne Erfahrung

3. September: „Generation Greta will an die Macht. Jakob Blasel und weitere Aktivisten der Klimabewegung Fridays for Future kandidieren für den Bundestag“

Nichts gegen junge Menschen, die in die Politik streben, ganz im Gegenteil. Interessant ist jedoch die Aussage von Frau Reemtsma, dass im Parlament Kompromisse geschlossen werden, was sich nicht mit der Bewegung FfF verträgt. Junge Menschen sollten begreifen, dass ein Zusammenleben in einer Demokratie nur mit Kompromissen möglich ist. Und wer sich für den Bundestag bewirbt, sollte nicht nur ein Thema, sondern die Vielschichtigkeit der Wählerthemen vertreten und ein wenig Lebenserfahrung mitbringen. Das Manko des Bundestags besteht doch seit Jahren darin, dass dort überwiegend Politiker ohne praktische Berufserfahrung ihren Platz gefunden haben. Dort wird nicht mehr mit Volkes Stimme gesprochen, und das sorgt dafür, dass die Schere zwischen Politikern und Bürgern größer wird. Die letzten Wochen haben mehr als deutlich gemacht, was das zukünftig bedeuten kann.

Norbert Herzberg, Pronstorf

Weg mit den Dinosauriern

3. September: „Bringt neue S-Klasse die Wende bei Daimler? Der Konzern stellt die elfte Generation seines prestigeträchtigen Spitzenmodells vor“

Das ist das Produkt eines deutschen Spitzentechnikkonzerns? Extrem übermotorisiert, Kraftstoff verschwendend und Ressourcen fressend, mit 600 PS. Wieso wird in der heutigen Zeit einem solchen automobilen Dinosaurier eine Allgemeine Betriebserlaubnis erteilt? Spinnen die alle, die damit zu tun haben? Sowas darf heute auf keinen Fall mehr hingenommen werden.

Manfred Puls

Frau Merkel macht es richtig

2. September: Leitartikel: „Falsche Zahlen. Wir schauen auf Corona-Daten, die nichts sagen – und lassen uns von Emotionen leiten“

Die Unterstellungen, dass Frau Merkel lieber über Lockerungen statt über Verschärfungen nachdenken soll, kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin froh über die Politik, die von Herrn Tschentscher, Herrn Söder und Frau Merkel vertreten wird. Ich fühle mich in dieser Situation sicher und gut vertreten.

Manfred Simman

Nie wieder Straßenbahn

2. September: Leserbrief: „Hamburg bleibt Provinz“

In dem Leserbrief wird der Hamburger ÖPNV als provinziell und schlecht bezeichnet. Dem kann ich so nicht zustimmen. Seit vielen Jahren nutzen immer mehr Menschen den ÖPNV, das Netz erstreckt sich weit nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein hinein. In Wochenendnächten gibt es einen durchgehenden Verkehr bei S- und U-Bahnen und auf den meisten Buslinien. Das S- und U-Bahnnetz ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig ausgebaut worden und wird noch weiter ausgebaut. Abgesehen von einem coronabedingten Rückgang in den letzten Monaten ist über viele Jahre lang ein stetiger Anstieg der Fahrgastzahlen zu verzeichnen. Dass man die Straßenbahn nach und nach eingestellt hat, statt ein leistungsfähiges Kernnetz zu erhalten, halte ich auch für einen Fehler, aber es ist geschehen. Es wäre völlig unvertretbar, jetzt über viele Jahre für gewaltige Kosten ein neues Straßenbahnnetz quer durch die Stadt zu bauen, mit den Baustellen ein andauerndes Verkehrschaos zu erzeugen und dann dem Autoverkehr ganz erhebliche Teile des Straßenraums auf Dauer zu entziehen, was zu noch mehr Staus führen würde. Bezahlbare Preise und ein weiterer Ausbau des U-Bahn-, S-Bahn- und Busnetzes muss das Programm der Zukunft sein; die Straßenbahn ist eingestellt und kommt nicht wieder. Das sollte man einfach mal akzeptieren.

Marc Eichenherr

Musik bei Sonnenaufgang

2. September: „,Es wird nicht der Fischmarkt, den wir kennen‘. Die Hamburgensie darf voraussichtlich im Oktober öffnen, aber erst mittags und mit weniger Händlern“

Bei der Diskussion über den Fischmarkt wird einer der schönsten Höhepunkte des Wochenendes immer vergessen: die von der Familie Stacklies bewirtschaftete wunderschöne Fischauktionshalle mit der sonntäglichen Musik. Wenn die Sonne über der Elbe aufgeht, werden die Türen geöffnet, und die Bands spielen vor heiterem Publikum jeder Art. Vor allem Touristen waren immer wieder begeistert. Der Ruf dieser frühsonntäglichen Attraktion schließt natürlich den Fischmarkt mit ein, der sein Flair sicher verliert, wenn er zu einem normalen Tagesmarkt degradiert wird. Also bitte den Fischmarkt in der alten Form unbedingt weiterleben lassen.

Curt Dabbert

Radfahrer dürfen das

1. September: „Radler überholen? Nur mit Abstand. Mindestens 1,5 Meter müssen es sein. Neuauflage der ,8samkeits‘-Kampagne“ und diverse Leserbriefe

Einige Leserbriefschreiber lassen erkennen, dass ihnen selbst die Verkehrsregeln nicht bekannt sind, denn sie bemängeln ein Verhalten, das in der Straßenverkehrsordnung ausdrücklich so vorgesehen ist. Nach Paragraf 5 Abs. 8 StVO dürfen Radfahrende ausdrücklich Autos, die an der Ampel warten, rechts überholen. Und das Nebeneinanderfahren von Radfahrenden ist nach Paragraf 2 Abs. 4 StVO ausdrücklich erlaubt, wenn andere nicht behindert werden. Viele Autofahrer kennen diese Regeln ebenso wenig wie die Pflicht, mit mindestens 1,5 Meter Abstand zu überholen. Dies zeigt, wie wichtig Aufklärungen wie die jetzige „8samkeits“-Kampagne sind. Zum Abstandsgebot: Wenn jeder Autofahrer sich an die Abstandsregel halten würde, bräuchte man nicht einmal Radwege, weil dann jeder Radfahrende ungefährdet und entspannt auf der Fahrbahn fahren könnte.

Florian Roloff

Sie würden den Kopf schütteln

27. August: „Wissen wir eigentlich, wie gut es uns geht? Ein Freund in Melbourne darf wegen Corona täglich nur eine Stunde ins Freie. Und viele Deutsche regen sich über die Masken auf!“

Sie sprechen mir aus der Seele! Es ist frustrierend zu sehen, wie Menschen trotz der Freiheit, die wir hier auch mit Corona genießen können (Urlaub, Sportaktivitäten, im Freien ohne Maskenpflicht, Unterricht ohne Maskenpflicht), regelmäßig die Regeln kritisieren und dabei völlig außer Acht zu lassen scheinen, dass es in vielen Ländern dieser Welt deutlich mehr Alltagseinschränkungen gibt. Leute etwa in südamerikanischen Ländern würden den Kopf schütteln, wenn sie wüssten, wie vergleichbar wenig Einschränkungen wir hier haben und dass hier trotzdem schützende Maßnahmen wie eine Maskenpflicht teilweise rigoros ablehnt werden. Auch ich überlege mir zweimal, ob ich meinen internationalen Bekannten solche Dinge schreibe – diese Verhaltensweisen lassen sich schwer in Ländern vermitteln, die sich so sehr bemühen, dem Anstieg der Pandemie zu trotzen. Müssen die Krankheitsfälle bei uns erst wieder enorm ansteigen, bevor einige Menschen wieder einsichtiger werden?

Kerstin Ahlers-Stylianou

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