Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. August 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Deutsche Sprache abschaffen?

28. August: ,Masterplan 2025‘ für die CDU. Der künftige Landeschef Christoph Ploß will die Partei ,inhaltlich neu aufstellen‘ und moderne, digitale Formen der Kampagnen einführen

In seinem „Masterplan für die CDU“ erwähnt Herr Ploß einen Punkt nicht ausdrücklich, aber wird durch seine Wortwahl für mich klar: Er möchte schleichend die deutsche Sprache abschaffen und folgt darin seinem Parteigenossen und früherem Ministerpräsidenten und EU-Kommissar Oettinger, der Englisch auch in Deutschland als Amtssprache forderte. Deutsch sollten wir nur noch im familiären Umfeld sprechen.

Erika Reiber

Das wirkt nicht modern

Wen glaubt Herr Ploß mit seinem von Anglizismen strotzenden Artikel zu erreichen? Für „Community organizing“ hat Ihr Redakteur noch eine Übersetzung geliefert. Zu „Storytelling“ und „Infotainment“ leider jedoch nicht. Modern wirkt das Ganze auf mich nicht.

Heinrich J. Drespe, Hamburg

Wenig Bürgerfreundlich

27. August: Grünes Licht für S 4 – Baubeginn noch 2020? Eisenbahnbundesamt genehmigt ersten Planungsabschnitt des Milliardenprojekts. Neues Doppelgleis soll bis Ahrensburg führen

Eine Verbesserung der Nahverkehrsanbindung für den Hamburger Osten ist seit Jahren überfällig, nur ist der Preis dafür sehr hoch. Damit sind nicht nur die extrem hohen Baukosten gemeint, die nach den Erfahrungen mit Kostenschätzungen der DB aus anderen Großprojekten bis zur Fertigstellung noch einmal um 50 Prozent ansteigen dürften, sondern die Zerschneidung des Hamburger Ostens durch eine viergleisige Bahntrasse, hauptsächlich für den Güterverkehr. Ginge es allein um eine Angebotsverbesserung im Nahverkehr, ließe sich diese mit geringem Investitionsaufwand in zusätzliche Stationen und Fahrzeuge schnell erreichen. Hier geht es aber darum, für die noch nicht einmal endgültig planfestgestellte Fehmarnbeltquerung eine Güterverkehrstraße für bis zu 120 Güterzüge pro Tag zu schaffen. Diese führt man dann bequemerweise auf der bestehenden Bahntrasse durch das Hamburger Stadtgebiet, statt eine neue Strecke parallel zur Autobahn zu bauen. Im Westen Hamburgs wird gerade die Stadt zerschneidende Autobahn A 7 kostenaufwendig überdeckelt, im Osten schafft man eine neue Schneise, die durch sechs Meter hohe beidseitige Lärmschutzwände dann noch besonders zerstörerisch wirkt. Ferner hat die „Angebotsverbesserung“ auch noch einen Haken: Die Fahrtzeit von Ahrensburg in die Innenstadt wird sich durch die zusätzlichen Halte um zehn Minuten verlängern. Dass es bis heute keinen abgeschlossenen Finanzierungsvertrag für das fragwürdige Projekt gibt, ist kein gutes Omen. Und mit Sicherheit werden angesichts der Monstrosität des Projekts Klagen kommen. Bürgerfreundliche Nahverkehrsprojekte sehen anders aus.

Jutta Wallmann

Auf Kosten der Steuerzahler

27. August: Retten um jeden Preis? Finanzminister Olaf Scholz lässt Milliarden springen – und die CDU nickt das ab

Danke Herr Iken, Sie haben die wahren Beweggründe der Politiker der SPD auf den Punkt gebracht und dazu auch noch die milliardenschwere Wahlkampfunterstützung der CDU deutlich gemacht. Verbrämt als parteiübergreifend. Alles auf Kosten späterer Steuerzahler.

Giselher Ehrhardt, Glinde

Wahlkampfmanöver der SPD?

In seinem Leitartikel bewertet Herr Iken die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes lediglich als Wahlkampfmanöver von Olaf Scholz und fragt sich am Ende, warum der Koalitionspartner dieser Maßnahme überhaupt zustimmen konnte. Nun, vielleicht weil weite Teile der CDU/CSU diese Regelung ebenso als sinnvoll erachten? Könnte es vielleicht auch darum gehen, einer Steigerung der Arbeitslosenzahlen um Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen zuvorzukommen? Und wie viele dieser sogenannten „Zombiecompanies“ kriechen denn verglichen mit hilfsbedürftigen, aber ansonsten gesunden Unternehmen, unter diesen Schirm? Dieser Leitartikel ist ein Schlag in das Gesicht eines jeden Arbeitnehmers, der zur Zeit in einem coronageschwächten Unternehmen beschäftigt ist und damit um seine berufliche Zukunft und das Wohlergehen seiner Familie bangt.

Klaus-Friedrich Krone

Sand in die Augen der Bürger

Als erstes will ich mal festhalten, dass es nicht das Geld von Scholz ist, dass er gerade mit vollen Händen rausschmeißt. Genauso, als ob es kein Morgen gibt. Es ist natürlich unser Geld, nämlich das Geld der Steuerzahler. Wie Herr Iken schon ganz richtig angemerkt hat, kommt die Rechnung nach der Bundestagswahl. Dann werden wir alle richtig staunen, welche Belastungen auf uns Steuerzahler zukommen. Das Gesamtpaket der Belastungen ist so gut wie gar nicht mehr zu schultern, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Kinder, Enkel und Urenkel werden daran noch zu knabbern haben. Von den verantwortungslosen Verursachern ist dann niemand mehr zur Verantwortung zu ziehen. Herr Iken fragt, warum die CDU dem Finanzminister in die Spendierhosen hilft? Für die CDU gilt das Gleiche wie für die SPD, nämlich die nächste Bundestagswahl. Es macht sich gar nicht gut, wenn man mit Steuererhöhungen in den Wahlkampf ziehen müsste. Also bis zur Wahl, weiterhin Sand in die Augen der Bürger. Leider gibt es immer Menschen, die auf diesen glasklaren Quatsch reinfallen.

Hartmut Arnaszus, Grömitz

Hilfe für heimische Arten

27. August: Hamburgs Bäume in Not: Was Tschentscher plant. In der Baumschule von Ehren erfuhr der Bürgermeister, warum der Gingko einheimischen Arten überlegen sein kann

Das Nachpflanzen oder Pflanzen von Bäumen ist wichtig für die Kohlenstoffdioxid-Bindung und für das Stadtklima, denn Bäume kühlen durch die Verdunstung die Luft ihrer Umgebung. Dass es den Bäumen entlang der Straßen und in der Stadt schlecht geht, liegt nicht allein am Klima, sondern auch in dem Bemühen der Kommunen, Regenwasser möglichst schnell abzuführen. Die Versiegelung der Städte und Landschaft sorgt dafür, dass selbst große Bäume in der Tiefe kein Wasser mehr finden. Dass vielerorts die gefällten Bäumen nicht mehr ersetzt werden, liegt an den Kosten. Ein Baum kostet in der Pflege den Kommunen Geld, Gras ist günstiger. Das Pflanzen von nicht-heimischen Bäumen kann eine Strategie sein, aber dabei sollte bedacht werden, dass ein einheimischer Baum für unsere hiesige Natur einen großen Mehrwert als Futterbaum, Übernachtungsbaum, Schlafbaum und Nistplatz hat, gerade für einheimische Insekten, Vögel und Säugetiere wie Fledermäuse. Diesen Mehrwert haben asiatische Bäume nicht. Tschentscher widerspricht hier der allgemeinen Politik, wenn die Bürger ihren Garten naturnah oder tierfreundlich mit einheimischen Pflanzen gestalten sollen, der Staat aber aus Kostengründen, um Pflegegeld für Bewässerung etc. zu sparen, auf ausländische Arten zurückgreift. Wichtiger wäre es, den einheimischen Arten mit mehr Raum und mehr Regenwasser, das versickern kann, zu helfen.

Rüdiger Ramm

Eine Schande für Hamburg

Die Bürgerinitiative Bramfeld 70 kämpft seit dreieinhalb Jahren um den Erhalt von 160 gesunden Bäumen auf einem Ein-Hektar-großen Grundstück, die für den Bau von 64 Wohnungen gefällt werden sollen. Unsere Anfragen auf Unterstützung wurden von dem NABU, Herrn Braasch und Herrn Kerstan gar nicht beantwortet, Herr Tschentscher hat abgewiegelt. Jetzt soll an einem runden Tisch für den Erhalt der grünen Stadt Hamburg geredet werden. Speziell das Bezirksamt Wandsbek sollte sich dann besonders schämen, welches den Bebauungsplan überschnell „durchgewinkt“ hat. An der Bramfelder Chaussee werden demnächst 1.600 Wohnungen neu entstehen. Reicht das nicht? Für 64 Wohnungen einen kleinen gesunden Wald zu fällen, ist eine Schande für Hamburg. Und das Treffen von Herrn Tschentscher in der Baumschule eine Farce.

Anna Gwildis

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