Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. August 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Risiko vernünftig abschätzen

19. August: „Wider die Panik. Corona ist eine sehr große Herausforderung, aber nicht der Weltuntergang

Der Kommentar von Herrn Iken spricht mir aus der Seele. Schon lange vermisse ich in den – auch öffentlich-rechtlichen – Medien ein sachlichere Darstellung und von den Politikern eine nüchterne Bewertung der Situation. Nicht die Zahl der auf Sars-CoV-2 getesteten Personen ist entscheidend, sondern die Zahl der Betroffenen mit Symptomen und die Zahl der behandlungsbedürftigen Patienten – und wie viele bedürfen überhaupt einer Klinikaufnahme? Nur diese Zahlen lassen eine vernünftige Risikoabschätzung der Erkrankung Covid-19 zu. Das zurzeit gerade stattfindende „Bashing“ von Urlaubsrückkehrern und Gästen von Familienfeiern ist unverständlich und beschämend – und überhaupt nicht zielführend.

Simone Presto

Das richtige Maß finden

Matthias Iken hat sicher recht, wenn er darauf verweist, dass permanenter Alarmismus nicht nur nichts bringt, sondern kontraproduktiv ist. Andererseits haben die letzten Wochen gezeigt, dass ein Teil der Bevölkerung offensichtlich die Pandemie nicht mehr so ganz ernst nimmt und daher ein ständiges Ermahnen zum Einhalten der Verhaltensregeln wohl unumgänglich ist. Hier das richtige Maß zu finden, ist für Politik wie für Medien ein Balanceakt. Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist der Verweis auf das „Vorbild“ Schweden. Ist denen, die diesen Verweis anbringen, eigentlich bewusst, dass der schwedische Weg zu zehnmal mehr Todesopfern geführt hat als bei uns, wenn man das in Relation zur Bevölkerungszahl setzt? Was ist daran beispielhaft? Ich denke, wir haben vieles richtig gemacht in diesem Land und sollten das auch weiterhin konzentriert und konsequent, aber unaufgeregt tun.

Bernd Plath, Hamburg

Das Recht der Polizei

19. August: Polizeieinsatz – nötig oder zu hart? 15-Jähriger von mehreren Beamten zu Boden gebracht

Ein veröffentlichtes Video über die Festnahme eines jungen Mannes hat in den Medien für Aufregung gesorgt. Es wurde gezeigt, wie Polizeibeamte diese Person am Boden fixierten, weil sie sich gewehrt hat. Darauf hatten sich Passanten empört. Es ist doch wohl das Recht der Polizei, Personen zu kontrollieren, die mit einem E-Bike den Bürgersteig befahren. Kein Polizeibeamter hat Interesse daran, Gewalt anzuwenden, wenn die zu überprüfende Person sich einsichtig zeigt und keinen Widerstand leistet. Ich hätte mich empört, wenn Personen Polizeibeamte angreifen, beleidigen und Widerstand leisten.

Jürgen Pohl, Großhansdorf

Der Entwurf ist ein Frechheit

18. August: Kampf um historische Sternbrücke in Altona – Gutachter gegen Abriss

Dieses Wunderwerk deutscher Brückenbaukunst soll also erhalten bleiben, damit das Heimatgefühl der Anwohner nicht verloren geht. Nun denn… Sinn macht es offenbar nicht, sonst wären die Planungen eines Neubaus sicher nicht so weit fortgeschritten. Auch wenn es die gute alte Sternbrücke wohl fast zu einem Unesco-Weltkulturerbe geschafft hat, her mit einem Neubau. Aber dieser Entwurf – eine absolute Frechheit! Dass man sich überhaupt traut, ein dermaßen überdimensioniertes Bauwerk zu entwickeln und der Öffentlichkeit vorzustellen, grenzt an Wahnsinn und hat mit moderater Stadtentwicklung nicht viel zu tun. Hat man denn nicht verstanden, dass falsche Entscheidungen ganze Stadtteile zerreißen können? Hat man nichts aus Projekten wie „Große Bergstraße/Bahnhof Altona“, „Ost-West-Straße“ oder „A7“ gelernt? Eine neue Brücke sollte sich natürlich in das bestehende Stadtbild einfügen, gleichzeitig ihren Zweck erfüllen. Es sind also Kompromisse gefragt. Wie wäre es denn mit einer dem Stadtbild angepassten Brücke? Die muss dann wohl Pfeiler haben, anders scheint es nicht zu gehen. Diese könnte man sicherlich weniger verkehrshinderlich platzieren als bisher, was unabdingbar für den Verkehrsfluss auf dieser wichtigen Ost-West-Verbindung der Stadt wäre. Und die Radfahrer? Vielleicht könnte sich hier der Pabst der Zweiradgemeinde Herr Lau einmal von seiner sonstigen Gewohnheit der maximalen Maximalforderung lösen und nicht etwa den Umbau der Stresemannstraße in einen Radweg fordern, sondern darüber nachdenken, wie man das Radfahren in dieser Gegend besser organisieren könnte. Eine Fahrradstrecke über Oelkersallee, Langenfelder Straße oder auf der anderen Seite durch den Suttnerpark könnte ein Kompromiss sein und für alle Beteiligten einen Gewinn ergeben. Sicherlich gibt es noch viele andere Vorschläge, also, auf zu einem Ideenwettbewerb!

Michael Piplack

Beraten, nicht regieren

19. August: Tschentscher: Fühle mich wie ein Heizungstechniker

So sehr Peter Tschentscher mit seiner Kritik an der aktuellen Praxis der Corona-Tests für Reiserückkehrer Recht hat, so deplatziert ist seine Aussage, als Mediziner habe er im Kreise der Ministerpräsidenten „manchmal das Gefühl gehabt, ein Heizungstechniker muss mit 15 Tischlern darüber reden, wie man eine Heizung repariert“. Mit gleicher Arroganz könnten sich die Juristen unter den Regierungschefs beklagen, über die Einschränkung von Freiheitsrechten der Bürger mit Heizungsbauern diskutieren zu müssen. Tatsächlich sollten wir froh sein, dass unsere demokratisch legitimierten Entscheidungsträger unterschiedliche berufliche Kenntnisse und Erfahrungen in die Debatte einbringen. Virologen und andere Mediziner sollen die Politik in der gegenwärtigen Krise beraten, uns aber bitte nicht regieren.

Dr. Detlef Gottschalck

Zum Glück gibt es Wasserstoff

19. August: Mit dem Elektroauto im Urlaub – ein Abenteuer. Der Unternehmer Thomas Cotterell fährt schon lange mit Batterieantrieb. Was ihn aufregt? Das Tarifchaos an den Ladesäulen

Der Artikel zeigt wieder einmal deutlich die grundsätzliche Massenuntauglichkeit von derzeitigen E-Autos. Wenn das nicht mal beim Vorzeige-Tesla mit seiner angeblich vorbildlichen Ladestruktur klappt, wie soll es denn beim Normal-E-Fahrer aussehen? Entscheidendes steht im Nebensatz: Reichweite – im Winter schon mal 50 Prozent weniger (bei derzeitiger Hitze vermutlich auch) und bis zu 30 Minuten „tanken“ für dreiviertel voll. Wie das wohl aussieht, wenn statt jetzt 0,30 Prozent „nur“ fünf Prozent elektrisch fahren (wollen)? Batterieproduktion und ausreichende Stromversorgung sind weitere Themen. Aber glücklicherweise gibt es ja noch den Wasserstoff.

Holger Schütz

Leinen los? Nein, danke!

15./16. August: Deutlich mehr gefährliche Hunde in Verwahrung

Nach der Beißattacke eines angeleinten Hundes gegen ein kleines Mädchen in Hamburg-Steilshoop, das notoperiert werden musste, das weitere OPs vor sich hat, vermutlich entstellt und traumatisiert bleiben wird, ist eine Forderung nach „Leinen los“ nicht akzeptabel, im Gegenteil, wenn ein angeleinter Hund von mehreren Erwachsenen nicht von dem Kind getrennt werden kann, dann spricht dies für eine Maulkorbpflicht für alle Hunde, die größer als ein Pudel sind. „Artgerechte“ Haltung für ein Tier, das es eigentlich gar nicht gibt und nur zur Befriedigung des Menschen künstlich gezüchtet wurde, ist schon seltsam. Ich wohne in Niedersachsen, wo es außer im Frühjahr leider keinen Leinenzwang gibt, und bin leidenschaftlicher Jogger, wobei mir oft mehr Hunde als Menschen begegnen, denn heute geht der Trend zum Zweit- oder Dritthund. Letzte Woche beim Laufen ging vor mir auf einem zwei Meter breiten Weg eine Frau mit acht Hunden, davon nur drei angeleint. Die Tiere nutzten im Slalom die volle Breite des Weges. Muss ich jetzt als Mensch durchs Gebüsch ausweichen oder stehen bleiben und vorsichtig an den Hunden vorbeigehen, um nicht den Jagdtrieb auszulösen? Wo bleibt der freie, gefahrlose (artgerechte) Auslauf für Menschen? Leinen los? Nein, danke!

Andreas Plümpe

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