Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. August 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Platzverweis für Eugen Block

13. August: Corona: Block klagt gegen den Senat. Steakhaus-Unternehmer bezweifelt Sinn der Maßnahmen und will Schadenersatz. 19 weitere Verfahren

Ein unverständliches Vorhaben, wenn man das große Ganze betrachtet und sehr enttäuschend und entlarvend in der Gesamtbewertung seines bisherigen Schaffens. Welch unsinniges, rückwärts gewandtes Gebaren, in Zeiten, in denen alle schnell dazulernen, sich neu orientieren, abwägen und große Risiken und Entscheidungen tätigen mussten. Politiker, genauso wie Behördenmitarbeiter und alle anderen auch. Welche Abwertung für Familien, Paare und Einzelpersonen – für die meisten Arbeitnehmer und den Großteil aller Selbstständigen! Jeder, absolut jeder ist in Corona-Zeiten gefordert und alle stehen immer noch „an der Front“. Anstatt zielorientiert an Lösungen dieser Krise mitzuarbeiten, bürdet das Vorgehen von Block & Konsorten dem System – und damit uns allen – noch mehr Kosten auf. Herrn Block sind ein schnelles Scheitern und ein Platzverweis zu wünschen.

Christiane Schäfer

Mehr Demut und Augenmaß

An Herrn Block und seinen „Generalbevollmächtigten“ scheiden sich die Geister. Hat man Derartiges von den vielen anderen Fünf-Sterne-Häusern der Stadt jemals gehört? So angespannt die Lage für alle ist: Ein wenig Demut und vor allem Augenmaß wäre dem Herrn zu wünschen, denn nur wenige können auf ein Privatvermögen wie Herr Block zugreifen, wenn es „finanziell eng“ wird. Auch wir Rentner müssen Zugeständnisse machen, die uns gewiss nicht leichtfallen.

Thomas Fuhrhop

Was ist ein Raser?

12. August: Viel mehr Rotlichtfahrer und Raser. Punkte in Flensburg: Laut Bundesregierung stieg Zahl der Verkehrsverstöße in Hamburg seit 2017 um 28 Prozent

Das sind dramatische Entwicklungen. Allerdings – wie so oft – sagen Prozente allein nicht das Wesentliche. Rotlichtübertretungen sind noch leicht zu verstehen. Aber, was ist ein Raser? Abweichungen um 20 km/h oder – wie es immer wieder vorkommt: statt 50 km/h mal eben 120 km/h. Oder mit 200 Sachen über die Köhlbrandbrücke. Eine Notiz in Flensburg oder schon zehn? Was helfen die erwähnten Aufklärungen? Es helfen nur schmerzliche Sanktionen, nicht zwei Monate Führerscheinentzug oder 300 Euro Strafe. Der Führerschein wird ohnehin niemals zufällig kontrolliert. Nur eine Maßnahme würde helfen: das Fahrzeug für ein Jahr in den Autoknast nach Billbrook. Aber eben nur bei extremen Überschreitungen oder auch bei sehr vielen Punkten in Flensburg. Garantiert: Das würde helfen. Da kann es auch nicht der Junior wagen, mal eben Papas Porsche auszutesten.

Dieter Brandes, Hamburg

Vorbild Schweden

12. August: ,Zwangsmaßnahmen für das ganze Volk sind riskant‘. Der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell zieht Bilanz

Ich finde es großartig, dass Sie ein Interview mit dem schwedischen Regierungsepidemiologen Anders Tegnell gebracht haben. In der heutigen Diskussion ist das ein wichtiger Beitrag. Es gab in Schweden nie einen Lockdown und nie eine Maskenpflicht. In Schweden setzt man auf Freiwilligkeit und gegenseitige Rücksichtnahme. In Deutschland immer nur: Zwang, Pflicht, Strafe. Man muss aber den Deutschen eine Möglichkeit geben, sich selbst zu entwickeln. Meiner Meinung nach kann Schweden ein Vorbild für Deutschland sein.

Dr. Jan Henrik Holst

Reichlich Platz vorhanden

12. August: Kunsthallen-Erweiterung für 70 Millionen Euro? Direktor Alexander Klar hat große Pläne, sieht in der Finanzierung kein großes Problem und sagt: ,Die Hamburger müssen das wollen‘

Kaum im Amt, wünscht sich der neue Kunsthallendirektor Alexander Klar eine erhebliche Erweiterung der Ausstellungsfläche und sieht bei der Finanzierung keine großen Probleme. Er beklagt, dass bis zu 75 Prozent der Bestände nicht gezeigt werden können und vermisst die Laufkundschaft von der Straße. Nun, zum Ersten liegen bei großen Museen oft mehr als 90 Prozent der Kunstgegenstände im Depot, und zum Zweiten steuern die Besucher das Museum bewusst und nicht zufällig an, wobei die Zentrumsnähe und der Hauptbahnhof von Vorteil sind. Es sollte nicht vergessen werden, dass die drei Häuser der Kunsthalle samt Untergeschoss vor nicht allzu langer Zeit mit viel Geld von privaten Spendern und der Kulturbehörde rundum erneuert wurden, sich heute attraktiv präsentieren und reichlich Platz für Sonderausstellungen bieten. Ich kann den Direktor nur ermuntern, diese günstigen Voraussetzungen optimal zu nutzen und uns Kunstfreunden Schönes und Spannendes zu bieten. Kultursenator Carsten Brosda hat recht, wenn er Herrn Klar im Bewerbungsgespräch sagte, dass die Hamburger Kunsthalle keine Erweiterungskampagne brauche.

Helmuth Barth

Sport ist nicht mehr möglich

11. August: Das sind Hamburgs schönste SUP-Touren. Raus aufs Brett und Stadt und Natur genießen

Nicht nur am Dienstag Abend war das Wasser von der Alster und den Kanälen auf Grund der vielen Boote kaum noch zu erkennen. Ausgelassene Menschen, chillend und sonnenbadend auf den SUP-Brettern belagerten und durchkreuzten mit ihrem „Spielzeug“ unter anderem eine Segelregatta, machten an den Wendebojen halt und wunderten sich über die vielen Segelboote, die genau an dieser Stelle mit ihren Segelbooten die Fahrtrichtung änderten. Nein, so geht das nicht, Sport ist auf der Alster so nicht möglich. Die Kanäle wie Leinpfad, Langerzug und der Osterbeckkanal verwandeln sich in ein Volksfest losgelassener, rücksichtsloser, teils trunkener Wassersport-Rowdies, die in Kanus, Schlauchbooten, Gummibooten wie Wasserinseln, Tretbooten und SUPs die Wasserstraßen besetzen. Die Durchfahrten der Brücken werden blockiert, die Freizeitsportler kennen keine Regeln auf dem Wasser, es wird auch nicht auf andere geachtet. Hauptsache, man hat selbst Spaß und fährt dabei munter von links nach rechts, oder bleibt einfach für ein Sonnenbad mitten im Kanal als Hindernis liegen. Für Ruderer, mit ihren teils 18 Meter langen Ruderbooten und fünf Meter langen Riemen auf der Backbord- und Steuerbordseite ist rudern und trainieren so nicht mehr möglich, die Gefahr eines Unfalls durch Brückenspringer und Schwimmer, die urplötzlich kollektiv von der Kaimauer bedrohlich an die Seite der Ruderboote springen, ist zu groß, Zusammenstöße mit den Freizeitbooten sind kaum zu mehr vermeiden. Es ist daher dringend nötig, dass die Wassersportkommission des Hamburger Sportbundes und die Wasserschutzpolizei sich schnell zusammensetzen und durch geeignete Maßnahmen diesem unkontrollierten Treiben auf der Alster ein Ende setzen und so wieder Wassersport für alle gefahrlos möglich machen. Auch die Bootsverleiher sind in der Pflicht, auf die Regeln vor der Vermietung hinzuweisen.

Gert-Rüdiger Wüstney,

Steuermann im Achter

Auf einem Auge blind

8./9. August: Kolumne von Matthias Iken. Ach, der Journalismus. Wenn Medienschaffende zu Aktivisten mutieren, machen sie sich selbst überflüssig

Halten Sie weiter beide Augen offen. Ideologisch geprägte Menschen leiden unter einer selbstgewählten Sehstörung, da sie nur auf einem Auge scharf sehen, links oder rechts und damit ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit erhalten. Die Folge: Zuerst ist die Meinung da, erst dann werden die Fakten analysiert, die durch den Filter der Meinung gepresst werden. Gesehen wird also nur das, häufig überscharf, was „passt“. Ihr Seufzer „Ach, der Journalismus“ ist sehr berechtigt, da sich viele Ihrer Kollegen primär als Meinungsmacher und erst sekundär als Berichterstatter verstehen. Die umgekehrte Reihenfolge hingegen definiert guten Journalismus, gepaart mit dem Mut, nicht nur klar zu denken, sondern auch so zu schreiben. Sagen Sie weiter, was ist, Ihre Leser danken es Ihnen.

Jan Hensmann

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