Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. August 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Auf keinen Fall Kanzler Scholz

11. August: ,Ich will gewinnen‘. Paukenschlag in der SPD. Die Parteiführung hat sich überraschend früh festgelegt: Sie zieht mit Olaf Scholz als Spitzenkandidaten in den Bundestags-Wahlkampf 2021

Gott bewahre uns vor einem Kanzler Scholz. Dieser Mann hat nicht annähernd das Format einer Frau Merkel. Er kann ihr nicht das Wasser reichen. Es grenzt schon fast an Größenwahn, als Mitglied einer 12-Prozent-Partei auch nur im Traum daran zu denken, als Kandidat für die Kanzlerschaft anzutreten. Schon als Bürgermeister hat Herr Scholz eine Bauchlandung hingelegt, als er unsere schöne Stadt den Chaoten zum Fraß vorgeworfen hat und den Bürgern Hamburgs den G20 als „Hafengeburtstag“ verkaufen wollte.

Horst Ruppert

Praktikum bei Merkel

Herr Scholz macht ja schon eine ganze Weile ein Praktikum bei Frau Merkel. Ich hoffe, das hilft. Die Chance ist da, noch ist Zeit. Einer muss ja die Weiche stellen. Viel Glück.

Heinz Koopmann, Seester

G20 war keine Glanzleistung

11. August: Der einzig Richtige. Nur mit Olaf Scholz kann die SPD den nächsten Kanzler stellen. Die Chancen sind da

Geprägt durch mein Elternhaus hätte ich mir nie vorstellen können, bei einer Bundestagswahl, mein Kreuz woanders zu setzen als bei der SPD. Olaf Scholz hat es aber geschafft. Die SPD wird auf meine Stimme verzichten müssen. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie man ihn zum Kanzlerkandidaten küren konnte. Den G20-Gipfel nach Hamburg zu holen, war nun sicherlich keine Glanzleistung. Wie die verantwortlichen Politiker, ganz vorne Olaf Scholz und Andy Grote, dann mit den verängstigen Bürgern auf der einen Seite und den linken Chaoten auf der anderen Seite umgegangen sind, schreit zum Himmel. Dass keiner dieser Politiker die Verantwortung für das Desaster übernommen hat, ist bezeichnend. Die großspurigen Sprüche unseres damaligen Bürgermeisters/Innensenators klingen mir noch heute wie Hohn in den Ohren. Ungeklärt zum jetzigen Zeitpunkt sind die Verwicklungen von Olaf Scholz in den Cum-Ex-Skandal um die Warburg Bank sowie seine Verantwortung in dem Wirecard-Desaster. Dass Olaf Scholz in der Corona-Krise bisher einen guten Job gemacht hat, will ich nicht bestreiten. Aber seien wir mal ehrlich, welcher Finanzminister hätte in dieser Krise nicht ebenso die Finanzhilfen locker gemacht? Also ein so großartiges Krisenmanagement war das nun auch nicht. Aber einen Grund zur Freude in Hamburg hat uns unser geliebter Bürgermeister ja zum Glück hinterlassen: diesen tollen Elbtower oder auch „Olaf-Scholz-Gedächtnisturm“, den kein Mensch wirklich gebrauchen kann. Ich bin nur froh, dass eine Kandidatur ja noch nicht bedeutet, dass er auch wirklich Kanzler wird. Dass die SPD es wirklich schaffen wird, ist nach meiner Einschätzung im Gegensatz zu Herrn Haider eher unwahrscheinlich.

Horst Wanzek, Groß-Borstel

Die SPD hat nichts zu bieten

Das darf ja wohl nicht wahr sein: Olaf Scholz, der Kanzlerkandidat! Der, der schon in Hamburg beim G20-Gipfel versagt hat und jetzt mitten im Wirecard-Skandal steckt. Schade, dass die SPD nicht mehr zu bieten hat.

Lilly Brocks

Mehr Züge, mehr Abstand

11. August: Ohne Maske in Bus und Bahn – jetzt Strafe. Wer Mund und Nase nicht oder nicht korrekt bedeckt, muss künftig 40 Euro bezahlen. Bei Stichproben waren dies 37 Prozent der Fahrgäste

Mit einer Vertragsstrafe für „Maskenmuffel“ wird das Corona-Problem falsch angegangen. Es mag ja sein, dass der Virus in mancher korrekt getragenen Maske hängen bleibt, wenn man hindurch atmet. Nur wer atmet denn durch die Maske? Oft bleiben Lücken zwischen Haut und Maske. Dass die Maske dann massiv an Wirkung verliert, obwohl Mund und Nase korrekt bedeckt sind, stand sogar schon im Abendblatt. Aber es kommt noch schlimmer: Alltagsmasken sind nicht zertifiziert und wären auch kaum zertifizierbar, weil ihre Wirkung beim Durchatmen zwischen Null und 90 Prozent liegt, wie eine Studie zeigt, über die das Ärzteblatt kürzlich berichtete. Es soll sogar Masken geben, die Tröpfchen, deren begrenzte Reichweite bekannt ist, in (die inzwischen als besonders gefährlich eingeschätzten) Aerosole umwandeln und die Teilchenzahl beim Ausatmen deutlich erhöhen. Richtig wäre es, wenn der HVV seine Vertragspartner streng in die Pflicht nähme, keine Züge und Busse ausfallen zu lassen, auf geplante Bauarbeiten und Schienenersatzverkehre zu verzichten und Züge immer in voller Länge bereitzustellen, um genügend Abstand zu ermöglichen. Genau daran mangelt es inzwischen aber doch erheblich.

Frank Bokelmann

Erholung für kurze Zeit

8./9. August: Das Leid der Kinder in den Kurheimen. Millionen Mädchen und Jungen wurden von den 1950er- bis Anfang der 1990er-Jahre zur Erholung an die Küste oder in die Berge geschickt. Betroffene, die Gewalt und Unterdrückung erlebten, arbeiten jetzt ihre Geschichte auf

Ihr Artikel über die „Verschickungskinder“ hat mich doch sehr überrascht. Ich bin jetzt 81 Jahre alt und Ende der Vierziger-Jahre zweimal verschickt worden. Davon einmal in das Hamburger Haus in Wyk auf Föhr. Ich habe diese beiden Heimaufenthalte in ausgesprochen guter Erinnerung. Ich vergesse dabei auch nicht, aus welchen elenden Lebensverhältnissen man uns damals für kurze Zeit herausgeholt hat, und dass wir uns einmal richtig erholen konnten. Von zehn bis 12 Millionen verschickter Kinder melden sich jetzt einige hundert Personen, denen es im Heim nicht gut gegangen ist. Dieser Anteil ist derart gering, dass es meiner Meinung nicht angemessen ist, das Thema so hoch aufzuhängen.

Fred Sommer

Qualität durch Koexistenz

7. August: Die Rettung des Jungfernstiegs. Weniger Verkehr bedeutet mehr Aufenthaltsqualität

Die Aufenthaltsqualität im innerstädtischen Bereich von der Abwesenheit des „motorisierten Individualverkehrs“ abhängig zu machen, erscheint etwas durchsichtig kurzsichtig. Das permanente Wiederholen des „Autos-raus“-Dogmas hilft keinem – bringt vielleicht die eine oder andere Wählerstimme, aber keine Kunden in die Innenstadt. Es spaltet die Gesellschaft in Trump-Manier und wird weder den Jungfernstieg noch den Rest der Innenstadt retten. Gefragt ist eine vernünftige Koexistenz aller Verkehrsteilnehmer und -systeme. Niemand braucht V8-bewehrte PS-Protze, genauso wenig wie radelnde Rambos oder Scootermieter, die Fußwege im Doppelpack nutzen. Was wir brauchen ist etwas mehr Toleranz und Rücksichtnahme. Vielleicht lohnt der Blick zu den europäischen Nachbarn – in Städten wie Amsterdam oder Kopenhagen ist das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer wesentlich entspannter möglich. Dazu tragen moderne Systeme wie zum Beispiel eine Straßenbahn bei, sicher aber auch ein Stück Mentalität – Leben und Leben lassen.

Detlef Schulze, Elmshorn

Fußgängerzone Jungfernstieg

Ich vermisse zum Thema „Umgestaltung des Jungfernstiegs eine für mich nur logische Konsequenz: Warum soll diese Prachtstraße Hamburgs nicht gleich eine Fußgängerzone werden? Jeder Verkehr durch Busse, Taxis und Fahrräder birgt doch immer noch eine Gefahr für die schwächsten Verkehrsteilnehmern: Die Fußgänger, die dort einfach nur entspannt die schöne Umgebung genießen möchten, ohne ständig auf andere Verkehrsteilnehmer achten zu müssen. Und die Kunden des Einzelhandels können doch auch schon heute nicht direkt vor den Geschäften parken. In vielen anderen deutschen und auch internationalen Städten funktioniert das doch auch. Die Situation in der Mönckebergstraße zeigt, dass die Konflikte mit den dort ja auch herrschenden Gefährdungen der Fußgänger nicht die Lösung sein kann. Also: Nur etwas mehr Mut bei unseren Städteplanern.

Wilfried Schlag, Alt-Osdorf

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