Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. Juli 2020

Diese Fragen bleiben offen

29. Juli: Was passiert mit den Kontaktdaten beim Restaurantbesuch?

Leider beantwortet Ihr Artikel nicht die Frage in der Überschrift. Was passiert mit den Daten, den Zetteln? Verbleiben die beim Gastwirt? Was macht er damit vor und vor allem nach der Aufbewahrungsfrist? Vernichtet er sie? Oder wirft er sie einfach weg? Oder verkauft er die Daten? Diese Fragen bleiben offen. Die Regelung ist genau so wenig durchdacht wie die Regelung zur Corona-Warn-App. Die Warn-App nützt wenig, wenn die Infizierten sich nicht dort eintragen. Und die Restaurantlisten nützen ebenfalls wenig, wenn die Gäste falsche Angaben machen.

Bernd Schwiers, Norderstedt

Ist das fair?

28. Juli: Jetzt kommt das Alkohol-Verkaufsverbot. Senat und Bezirke einigen sich auf strikteres Vorgehen gegen Corona-Partys. Noch kein Termin für den Start des Testzentrums am Flughafen

Aus der Sicht der niedergelassenen Ärzte und Pfleger ist die Entwicklung bezüglich der Kosten für die Corona-Tests nicht zu akzeptieren. Frisch erholte Urlaubsrückkehrer werden belohnt mit kostenlosen Corona-Tests. Schon vor vier Monaten gingen die ersten Extrazahlungen für die Rückholung los. Das ist leichtsinnig und gefährdet andere, die sich nach wie vor an die Regeln halten. Sind die vor Monaten beklatschten „Helden der Pflege“ nun vergessen? Sie gehen tagtäglich das Risiko des Patientenkontaktes ein und sollen bitte auch noch aus eigener Tasche zahlen. Ist das fair?

Dr. Christa Wilcke

So neu war die Idee auch nicht

25./26. Juli: Noch heute sorgen Ideen von gestern für Erstaunen. Entworfen/Verworfen – Teil 4: Ende des 19 Jahrhunderts diskutierte Hamburg den Bau einer Schwebefähre über die Elbe. Rund 120 Jahre später sollte es dann eine Seilbahn sein

Vielen Dank für Ihren Bericht. Über die Elbquerungen im letzten Jahrhundert berichten Sie über den bei Oevelgönne bereits ausgeführten Probepfeiler der von Gutschow geplanten Hochbrücke. Nach meinen Kindheitserinnerungen stand er am Strand/Vorgarten der Lotsenhäuser. Die Planungen im Gelände (heutige Trasse der A 7) waren aber schon weiter fortgeschritten. Auch nördlich der S-Bahnlinie Bahrenfeld/Othmarschen waren zwei Probepfeiler bereits Ende der 30er-Jahre vorhanden. In Verlängerung der Bahnbrücke Bauerstraße Richtung Norden stand ein Pfeiler auf der sogenannten „Kuhweide“ zwischen Pfitznerstraße/Bauerstraße in der Nähe eines kleinen Sees, der die Quelle der Flottbek sein sollte. Die „Kuhweide“ war mein Schulweg von 1949 bis 1957 zur Schlee-Schule (Realgymnasium Altona, Königstraße), die nach der Zerstörung der Schulgebäude im Altonaer Zentrum zusammen mit dem Christianeum in dem für die „Pädagogische Hochschule Altona“ an der Behringstraße gebauten Gebäude (heute A-7-Trasse) untergebracht worden waren. Ein zweiter Pfeiler stand am nördlichen Rand der „Kuhweide“ in Höhe der Verbindung Mendelssohnstraße (ehemals Adickesstraße)/ Adickesstraße. Die Adickesstraße begann in den 20er-Jahren an der Bahrenfelder Chaussee und endete am Bahnhof Othmarschen. Nur das Stück „Kuhweide“ war noch nicht bebaut worden. Vielleicht auch aus Gründen der geplanten Elbbrücke, die ja schon in den 20er-Jahren angedacht worden war. So neu war nun Gutschows Idee auch wieder nicht. Letztlich war es für den Bau des Elbtunnels in den 60er-Jahren eine Zeitersparnis, dass die Trasse einer Elbquerung bereits seit den 20er-Jahren geplant wurde und die Grundstücksangelegenheiten zwischenzeitlich dementsprechend geordnet worden waren.

Uwe Holler, Architekt, Wedel

Lieber spät als gar nicht!

25./26. Juli: Börsenbetrug? Hamburger Firma unter Verdacht. Kriminalpolizei durchsucht Büroräume in Poppenbüttel

Aus meiner Kenntnis der in diese Angelegenheit verwickelten Unternehmen und deren maßgebliche Persönlichkeiten, die aus einer jahrelangen beruflichen Beschäftigung mit der Entwicklung von Nebenwerten des deutschen Aktienmarktes resultiert, hätte ich Ihrem Artikel die Überschrift „Die Katzen lassen das Mausen nicht“ gegeben. Verdienstvollerweise haben Sie sich mit den dunklen Seiten in den Lebensgeschichten der drei Herren befasst, wobei es sich in den beiden erstgenannten Fällen um bereits einmal verurteilte Betrüger handelt. Bei der Firma Maier + Partner handelt es sich um eine 2011 in Konkurs gegangene Gesellschaft, die seit 2018 um einen Neuanfang bemüht ist, als Netcoin AG sich schon einmal mit Kryptowährungen beschäftigen wollte und nun wohl auf die Idee gekommen ist, von der Corona-Krise zu profitieren. Das Vermögen der Deutsche Cannabis AG besteht fast ausschließlich aus immateriellen Werten (Goodwill), die man nur als heiße Luft bezeichnen kann. Die Aktien der Beuttenmüller-Wertpapieranlagen-Vermögen AG haben nach der Pleite nur noch einen Sammlerwert. So kann man es nur begrüßen, dass sich jetzt die Bafin um diese Angelegenheit kümmert. Aber wie im Falle wirecard, der eine ganz andere Dimension hat, kann man auch hier konstatieren: Warum erst jetzt? Immerhin: Lieber spät als gar nicht! Zwar gilt auch hier zunächst die Unschuldsvermutung, aber nach der Vorgeschichte kann man daran berechtigte Zweifel haben.

Claus Müller, Hamburg

Regeln sollten für Alle gelten

27. Juli: Deutschland stemmt sich gegen zweite Welle. Das Coronavirus breitet sich weiter rasant aus, auch in Deutschland steigen die Fallzahlen besorglich an. Sollten alle Bundesbürger getestet werden?

Wir sollten alles tun, um die Neuinfektionen einzugrenzen und zu stoppen. Zweifellos sind die Tests (z.B. bei Rückkehr aus dem Ausland) ein gutes Mittel, aber natürlich nicht umfassend, wenn sie freiwillig sind. In dem Zusammenhang wird immer wieder von einem schweren Eingriff in die Freiheit gesprochen. Aber Eingriffen in die Freiheit begegnet man doch immer wieder. Wir müssen alle Steuern zahlen, für alle Kinder besteht Schulpflicht, wir müssen jeden Wohnungswechsel melden usw. Eine große Gemeinschaft funktioniert nur, wenn wichtige Regeln für alle gelten. Die eigene Freiheit ist auch immer die Freiheit des anderen.

Rüdiger Schulz, Ellerau

Zeitzeugen werden gehört

24. Juli: ,Sie waren einer der Gehilfen dieser Hölle‘. Hamburger Landgericht spricht den als KZ-Wachmannangeklagten Bruno D. (93) der Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen schuldig – und verurteilt ihn zu zwei Jahren auf Bewährung

Ich war bei Kriegsende neun Jahre alt, mein Bruder war 15 Jahre alt und in Sorge, dass er bald mit 16 Jahren an der Front sterben würde. Wir waren Kinder, spürten die düstere Atmosphäre um uns herum, erlebten unsere Eltern in ihrem ängstlichen Versuch, sich anzupassen, ihre Abwehr gegen die Maßgaben um sie herum nicht zu sehr zu offenbaren. Wie erwachsen ist man mit 17, wie mutig, sich gegen einen Befehl zu stellen, den jemand anderes ausführen würde, wenn man sich weigerte? Woher sollte ein so junger unfertiger Mensch den Durchblick, das Wissen und den Mut nehmen, sich gegen die entsetzlichen Machenschaften aufzulehnen? Ich frage mich, ob z.B. Herr Mahnke und Frau Maier-Göring Kinder haben und sich vor allem klar machen, dass sie ein Rechtssystemvertreten, das es damals nicht gab. Ich lese Bemerkungen wie: „Ein Ort, wo man nicht mitmachen darf“, „dennoch hat er mitgemacht“. „Wie konnten Sie sich an das Grauen gewöhnen?“ Der Skandal ist, dass die unzähligen Deutschen, die in dem damaligen Unrechtsstaat die Ungeheuerlichkeiten ausführten, unbehelligt in unserem Land weiterleben konnten. Es ist gut, dass die Zeitzeugen gehört wurden, ansonsten sind diese wochenlangen Verhandlungen eine Farce.

Edit Johnson

Eine tolle Aktion!

29. Juli: Hamburger picken Müll von St. Paulis Straßen auf

Eine tolle Aktion! Wenn alle Feiernden aus der Großen Freiheit und der Schanze mitmachen, sollte das schnell erledigt sein.

Karin Campbell