Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. Juli 2020

Intakte Gebiete schützen

28. Juli: Expedition ins Wattenmeer. Aufbruchstimmung – Wie Reedereien mit kreativen Kreuzfahrtideen im eigenen Land frischen Wind in die Corona-Flaute bringen wollen

Ja, sind jetzt alle verrückt geworden: die Anbieter dieser Touren, die Umweltverbände, die Wasser- und Schifffahrtsämter und alle Verbände, die für Genehmigungen dieser Art Verantwortung tragen. Sollten wir nicht Gebiete schützen, die noch einigermaßen intakt sind und in denen Umweltschäden noch nicht unbedingt erkennbar sind? Es ist nicht zu spät, diese einzigartige Landschaft und die Tierwelt vor Schäden zu bewahren.

Jürgen Glissmann, Hamburg

Bedrohlicher Klotz

28. Juli: Klage gegen Grünbunker auf St. Pauli abgewiesen

Hundertwasser hätte aus diesem Bunker eine sehenswerte, heitere und charmante Rarität gemacht. Jetzt wird es ein dunkler, bedrohlich wirkender Klotz. Christian Fischer

Nur Augenwischerei

27. Juli: 100 Boote bei Protest für die Dove Elbe Initiative demonstriert vor den Landungsbrücken gegen eine Öffnung des Seitenarms für Tide und Hafenschlick

Seit Jahren verfolge ich die Nachrichten um das Ausbaggern der Elbe, das uns ca. 100 Millionen Euro jedes Jahr kostet, und nach der Elbvertiefung werden die Kosten noch erheblich steigen. Also eine dauerhafte zuverlässige Einnahmequelle für die Baggerfirmen. Das Baggergut wird verladen und überwiegend noch vor der Elbmündung wieder verklappt, also in den Fluss gekippt. Einige der immer wiederkehrenden Berichte der letzten Jahre deuten darauf hin. Warum verschlicken die Hafenbecken immer wieder nach kurzer Zeit? Wie zuverlässig sind die Strömungsmodelle auf denen die Planungen beruhen? Was bedeutet das für die Dove Elbe? Aus meiner Sicht ist die Öffnung der Dove Elbe nur Augenwischerei, weil diese nach kurzer Zeit total verschlickt sein wird. Die Anhörung hatte speziell darauf nur ausweichende Antworten. Die Aussage, dass die Öffnung der Dove Elbe für den Sediment- transport „positiv“ sind, heißt doch im Klartext: die Dove Elbe wird durch die Tide mit Schlick aufgefüllt. Wo sind die Lösungen für eine sinnvolle dauerhafte Entsorgung geblieben? Ich weiß, dass es in Altenwerder eine Anlage zur Reinigung des Hafenschlicks mit dem Namen „Metha“ gab, was ist daraus geworden? Warum wird dieses Konzept nicht weiter verfolgt, wenn hierbei gleichzeitig Sand gewonnen wird? Warum müssen unberührte Naturbereiche geopfert werden, welche Rolle spielt der Nabu dabei? Warum unterstützt der Nabu die Zerstörung von intakten Biotopen? Als Hamburger haben wir die Möglichkeit aus den Vier- und Marschlanden frisches, weitgehend unbelastetes Obst und Gemüse zu bekommen, das wollen wir gerade in Corona Zeiten nicht aufgeben, um dafür noch mehr Container aus Asien zu bekommen.

Dieter Fries, Hamburg

Elbe braucht mehr Flutraum

Die Frage, welche tidedämpfende Maßnahme am Ende umgesetzt wird, muss das Forum Tideelbe treffen. Schwierig genug, denn überall gibt es sehr unterschiedliche legitime Interessen. Interessant ist aber für die diskutierten Standorte (u. a. Dove-Elbe, Alte Süderelbe oder Haseldorf) zu beobachten, wer durchaus verständliche Partikularinteressen mit ökologischen Aspekten camoufliert. Das passt nicht immer, denn es gäbe bei jedem der Vorhaben tatsächlich gute ökologische Argumente für und gegen eine Umsetzung der jeweiligen Maßnahme. Es bleibt eine Abwägung auf Basis der Einschätzung von Fachleuten. Einzig unstrittig ist: Die Elbe braucht dringend mehr Flutraum.

Malte Siegert, Hamburg

Am besten zu Fuß erkunden

25./26. Juli: Im Westen was Neues. Hamburg durchlebt einen Wandel und verändert radikal sein Gesicht: Der Bahnhof zieht um, Teile der A 7 werden überdeckelt, und überall entstehen neue Wohngebiete

Ich bin im Westen Hamburgs aufgewachsen, und ich finde Herr Iken hat in seiner Reportage die Gegend gut eingefangen. Mir sind die beschriebenen, teilweise tristen Ecken nur zu gut bekannt. Die Stadtwanderreportagen des Herrn Iken, auch mit seiner Architekturkritik im Hamburg Magazin, finde ich immer sehr lesenswert. Die eigene Stadt sollte man am Besten zu Fuß erkunden, dann sieht man die Details und auch die Ecken die nicht so chic sind. Und erschrickt zuweilen über die fragwürdige Welt, die wir Menschen uns manchmal kreieren.

Andreas Geisler

Verfehlungen einer Epoche

Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel, in dem Herr Iken uns sehr anschaulich den Westen nahebringt. Es verlockt sehr, diese Wanderung selbst einmal zu unternehmen. Erschreckend fand ich die Einfallslosigkeit der Bauten in den Neubaugebieten – ganz schlimm. Kann es sein, dass sich die Architekten ein CAD-Programm kaufen und dann ein Einheitsprogramm abspulen. Ich bin gespannt, in wie vielen Jahren diese Gebäude abgerissen werden, weil sie keiner mehr sehen mag. Oder sollte man sie unter Denkmalschutz stellen als Beweis für die Verfehlungen einer Epoche.

Klaus Albers

Merkel trägt Mitschuld

25./26. Juli: Hamburger KRITiken: Das Verstummen der Konservativen. Die Sprachlosigkeit der alten CDU ist gefährlich – und könnte den Rechten am Ende nützen

Leider ist jedes Wort der Analyse von Matthias Iken zutreffend. Vor der geballten Definitionsmacht der vereinigten links-grünen Meinungsmacher in Politik, Medien, NGOs und „sozialen“ Netzwerken haben sich die konservativen und bürgerlich-liberalen Teile der Gesellschaft immer weiter in die Defensive drängen lassen, so dass inzwischen kaum noch etwas von ihnen wahrzunehmen ist. Eine besonders schädliche Rolle dabei hat die CDU unter Angela Merkel gespielt, die ohne jedes Rückgrat und nur aus dem kurzsichtigen Kalkül des Machterhalts eine wertkonservative Position nach der anderen geräumt hat. Sie ist daher mitschuldig an der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft und an der immer tiefer werdenden Kluft zwischen den politischen Eliten und weiten Teilen des Volkes.

Dr. Hans Kaufmann

Lieber spät als gar nicht!

25./26. Juli: Börsenbetrug? Hamburger Firma unter Verdacht. Kriminalpolizei durchsucht Büroräume in Poppenbüttel. Finanzaufsicht Bafin prüft sehr auffällige Kursentwicklung bei der Maier + Partner AG

Aus meiner Kenntnis der in diese Angelegenheit verwickelten Unternehmen und deren maßgebliche Persönlichkeiten, die aus einer jahrelangen beruflichen Beschäftigung mit der Entwicklung von Nebenwerten des deutschen Aktienmarktes resultiert, hätte ich Ihrem Artikel die Überschrift „Die Katzen lassen das Mausen nicht“ gegeben. Verdienstvollerweise haben Sie sich mit den dunklen Seiten in den Lebensgeschichten der Herren Beuttenmüller, Petrowsky und Arndt befasst, wobei es sich in den beiden erstgenannten Fällen um bereits einmal verurteilte Betrüger handelt. Bei der Firma Maier + Partner handelt es sich um eine 2011 in Konkurs gegangene Gesellschaft, die seit 2018 um einen Neuanfang bemüht ist, als Netcoin AG sich schon einmal mit Kryptowährungen beschäftigen wollte und nun wohl auf die Idee gekommen ist, von der Corona-Krise zu profitieren. Das Vermögen der Deutsche Cannabis AG besteht fast ausschließlich aus immateriellen Werten (Goodwill), die man nur als heiße Luft bezeichnen kann. Die Aktien der Beuttenmüller-Wertpapieranlagen-Vermögen AG haben nach der Pleite nur noch einen Sammlerwert. So kann man es nur begrüßen, dass sich jetzt die Bafin um diese Angelegenheit kümmert. Aber wie im Falle wirecard, der eine ganz andere Dimension hat, kann man auch hier konstatieren: Warum erst jetzt? Immerhin: Lieber spät als gar nicht! Zwar gilt auch hier zunächst die Unschuldsvermutung, aber nach der Vorgeschichte kann man daran berechtigte Zweifel haben. Claus Müller, Hamburg