Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. Juli 2020

In bewährter Arroganz...

24. Juli: ,Senat hat Kontrolle über die HPA verloren‘

Im Sommerloch lässt sich’s gut austeilen. Herr Bonz, oberster Lobbyist der Hafenwirtschaft tut dies in bewährter Zuspitzung und Arroganz. Sicher, bei der HPA läuft es nicht gut. Aber an den Problemen, deren die HPA nicht Herr wird, hat die Hafenwirtschaft einen maßgeblichen Anteil. Der Hafenschlick ist deshalb ein Problem, weil die Hafenwirtschaft nicht eingestehen will, dass sich die Tideelbe nicht beliebig manipulieren lässt. Und die nächste Elbvertiefung wird die Schlickmengen weiter nach oben treiben, auch eine besser aufgestellte HPA wird daran nichts ändern. Mit Rotterdam wird der Hafen nicht mithalten können, da genügt ein Blick auf die Landkarte. Die Hafenwirtschaft fordert nun auch noch geringere Mieten und Pachten (Pacht: unter sechs Euro pro qm� im Jahr!). Der Hamburger Steuerzahler soll aber die Kosten der ständigen Baggerei – immerhin 100 Millionen Euro in 2019 – klaglos zahlen. Dazu hört man von Herrn Bonz nichts und es interessiert ihn offenbar auch nicht, dass es unserer Elbe immer schlechter geht. Trübung, Stint-Sterben und Dauerbaggerstress nehmen weiter zu.

Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer BUND Hamburg

Fahrrad: kein Ersatz für’s Auto

22. Juli: ,Dürfen uns nicht mehr an Autos orientieren‘. Wie wird Radfahren in Hamburg attraktiver? HCU-Stadtentwicklungsprofessor Prof. Jörg Knieling hält radikalen Kulturwechsel für notwendig

Ein radikaler Kulturwechsel ist tatsächlich nötig und zwar weg von dem Dogma die Fahrradstadt könne die Lösung für die Hamburger Verkehrsprobleme sein. Das Fahrrad kann das Auto nicht ersetzen, es ist kein Allwetterfahrzeug, nicht für alle Bevölkerungsgruppen geeignet und auch nicht familienfreundlich. Anstatt an einer gleichwertigen oder besseren Alternative zu arbeiten, die wie das Auto schnelle Verfügbarkeit, hohe Flexibilität, Allwettertauglichkeit, Eignung für Kurz- und Langstrecken und ein hohes Maß an Bequemlichkeit bietet, wird der Autoverkehr systematisch behindert. In immer mehr Wohngebieten werden Autofahrer durch ersatzlose Wegnahme von ohnehin zu wenig Parkplätzen zur Abschaffung ihrer Autos gezwungen. Gleichzeitig fördert die Bundesregierung massiv den Kauf von E-Autos. Projekte wie der von Wirtschaftsministerium geförderte upBUS der RWTH Aachen oder die Ottobahn von Marc Schindler wären wesentlich bessere Ansätze als die Fokussierung auf den Fahrradverkehr. Aber dazu gehören Mut und Phantasie. In Hamburg setzt man lieber auf stille intransparente Umwidmungen von Autofahrspuren zu Fahrradspuren inklusive Beseitigung von Parkplätzen ohne Bürgerbeteiligung.

Gerd Weldert

Subventionen für E-Autos

23. Juli: Leserbrief: Mehr Fragen als Antworten

Dem Beitrag des Abendblattlesers zur Verkehrspolitik unseres derzeitigen Verkehrssenators kann man nur voll zustimmen. Ich frage mich auch, wie diese Verkehrspolitik eigentlich zusammenpasst mit der Tatsache, dass unsere Bundesregierung Millionenbeträge aus Steuermitteln bereitstellt zur Subventionierung des Kaufes von E-Autos. Auch die müssen irgendwo fahren und parken können.

Günther Tank, Hamburg

Moderner „Kolonialismus“

18./19. Juli: Hamburger KRITiken: Denkmäler sind zum Denken da

Matthias Ikens Forderung, Denkmäler aus ihrer Zeit heraus zu werten und zu erhalten, könnte ich zustimmen, doch taugt auch dieser Grundsatz nicht zur Regel. Man denke nur an die entsprechenden Hinterlassenschaften des Tausendjährigen Reiches. Bismarck als Reichskanzler war immerhin hauptverantwortlich nicht nur für Hunderttausende Tote auf den Düppeler Schanzen und den Schlachtfeldern von Königgrätz und Sedan, sondern auch für das, was in Deutsch-Südwest und Deutsch-Ostafrika seinerzeit geschah. Trotha, Wissmann, Dominik und Co, die alle in Hamburg ihr Denkmal erhielten, waren von ihm nicht zur Erforschung des afrikanischen Kontinents und „zum Schutz deutscher Kaufleute“ entsandt, wie es die Geschichtsbücher noch vor kurzem erzählten. Allen gemeinsam war, dass sie die Afrikaner verachteten, wie Vieh behandelten und ihnen mit List, Betrug und Gewalt große Territorien raubten. Otto von Bismarck war zudem Gallionsfigur der in Berlin tonangebenden Ostjunker und führender Vertreter des preußischen Militarismus. Der infizierte noch lange nach Bismarcks Ableben nicht nur die kaiserlichen Heere sondern auch Hitlers Generalität, die ihrem Führer fast ohne Ausnahme freudig beim Völkermord zur Hand ging. „Stets sollten wir bedenken, das unser heute moralisch einwandfrei wirkendes Tun schon morgen der Verdammung anheimfallen könnte“, mahnte kürzlich an dieser Stelle Professor Lappenküper, Geschäftsführer der Otto v. Bismarck-Stiftung. Wie wahr! Die kriminelle Ausbeutung und die lebensfeindlichen Verhältnisse, denen osteuropäische Schlachthofarbeiter, Zigtausende Bauarbeiter und Erntehelfer in diesem Lande ausgesetzt sind, sind ebenso kolonial wie die Verächtlichmachung und Abstrafung von Regierungen, die „westlichen Werten“ bzw. Interessen wenig abgewinnen können. Diese gegenwärtigen Verhältnisse sollten besser heute als morgen „der Verdammung anheimfallen“. Sie verdienten jedenfalls weit mehr Beachtung als dieses superhässliche, bombastische Bismarck-Denkmal, das Hamburger Kolonialprofiteure uns hinterließen. Und ihr T-Shirt in Ehren, Herr Iken, aber auch ihre Abhandlung über Che, Marx, Mao und Lenin ist ein wenig „kolonial“ geraten.

Rudi Christian

Mit der Vergangenheit leben

Ein sehr kluger Beitrag von Herrn Iken zu diesem Thema. Wie absurd verhalten sich doch so viele Klugschwätzer, die kein Fünkchen Ahnung von Geschichte haben und sich schon gar nicht mit deren Aufarbeitung und den entsprechenden Zusammenhängen beschäftigt haben! Hier geht es um pure Wichtigtuerei, dass unsere jetzige Bevölkerung doch absolute „Gutmenschen“ sind und deshalb alles verdammt und vernichtet werden muss, was nur den Hauch des Gegenteils zeigen könnte. Jedes Volk, jedes Land hat seine Vergangenheit, ob es einem nun passt oder nicht. Damit müssen wir alle leben.

Renate Hohnhold

Lohnende Herausforderung

Ich begrüße und unterstütze uneingeschränkt die Grundaussagen dieser KRITiken. Das Substantiv „Denkmal“ wo immer dies in Texten möglich ist, durch den Imperativ „denk mal“ zu ersetzen, fände ich eine lohnende journalistische Herausforderung.

Paul Blecher

Ersatz für diesen Zusatz

Wenn wir die Geschichte und die in der Geschichte handelnden Personen nur noch nach den Maßstäben von 2020 beurteilen wollen, dann müssen wir konsequenterweise bei allen historischen Namen den Zusatz „der Große“ durch den Zusatz „der Kriegsverbrecher“ ersetzen, denn beispielsweise was hatte Alexander der Große in Ägypten oder Afghanistan zu suchen? Oder Karl der Große in Spanien oder in Sachsen? Oder Friedrich der Große in Schlesien? Auch die Schriften und Nachlässe (fast) aller Denker und Philosophen müssten wohl verworfen werden, da sie zumindest in Teilen nach 20er-Maßstäben nicht mehr als korrekt anzusehen sind. Schade wäre dabei nur, dass wir die Grundlagen unseres heutigen Denkens und Bewertens damit verlieren würden.

Hellmut Abegg, Osterrönfeld

Kosten trägt der Getestete

24. Juli: Corona-Testpflicht für Heimkehrer?

Die Corona-Tests für Heimkehrer sollten verpflichtend vorgeschrieben werden. Die Kosten hat der Getestete selbst zu tragen nach der Devise: Wer verreisen kann und will und dafür erheblich Geld ausgibt, muß solche Kosten für Tests von vornherein als „Nebenkosten“ einplanen und natürlich im Bedarfsfall bezahlen.

Gisela Harke, Hummelsbüttel