Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. Juli 2020

Das gilt nicht nur für Lehrer

23. Juli: Rückkehr aus Risikogebiet: Lehrern droht Bußgeld. Personalamt mahnt: Wer seinen Sommerurlaub eigenmächtig verlängert, um die Corona-Regeln einzuhalten, riskiert Gehaltsverlust

Mir erschließt sich nicht, warum ein Bericht über Regelungen zu Rückkehrern aus Risikogebieten, die sich auf alle städtischen Bediensteten beziehen, mit der Überschrift „Lehrern drohen Gehaltseinbußen“ versehen ist. Nicht zum ersten Mal vermittelt das Abendblatt in letzter Zeit den Eindruck, dass es sich insbesondere bei Lehrerinnen und Lehrern um eine Berufsgruppe handelt, die hier problematische Verhaltensweisen an den Tag legt. So etwa kürzlich auch mit einem umfangreichen Artikel, der behauptet, dass es in Hamburg im Zusammenhang mit Corona bei Lehrkräften besonders hohe Zahlen fragwürdiger Krankschreibungen gebe – das Ganze allerdings lediglich basierend auf dem persönlichen Eindruck zweier Ärzte. Mit meinen Erfahrungen der letzten Monate deckt sich dies alles nicht. Wenn das Abendblatt über entsprechende empirische Daten verfügt, werde ich Artikel, Analysen und Kommentare sicher mit großem Interesse lesen. Für verzichtbar halte ich dagegen eine derart tendenziöse Berichterstattung, die in Teilen dann auch noch auf Hörensagen beruht.

Thomas Melzer

Verzicht wäre bessere Wahl

Warum können die Leute eigentlich nicht ein Jahr mal verzichten, mir ist es völlig unverständlich, wie man in dieser Zeit in Risikogebiete fahren kann. Das ist purer Egoismus und seinen Mitbürgern gegenüber rücksichtslos.

Gitta Uther, Seevetal

Jeans zum Schnäppchenpreis

23. Juli: Kaufhof – der große Ausverkauf beginnt. Warenhaus an der Mönckebergstraße schließt nach mehr als 50 Jahren. 150 Mitarbeiter sind betroffen. Jetzt kommen Schnäppchenjäger

Ich stehe vor dem Eingang zum Kaufhaus. Plakate weisen auf „Alles muss raus“. Eine neue Jeans zum Schnäppchenpreis? Das wäre doch reizvoll! Ich glaube nicht, dass mein Einkauf die Situation der ca. 300 Mitarbeiter der gefährdeten Karstadt/Kaufhof-Mitarbeiter in Hamburg verbessern kann, abgesehen vom Portemonnaie des Herrn René Benko.

Klaus-Peter Kahle, Hummelsbüttel

...zur Belebung der Innenstadt

Das Beste, was man aus so einem traurigen Ausverkauf machen kann ist, diese großartige Lage den BürgerInnen Hamburgs in den Dienst zu stellen. Die Mönckebergstraße ist eine gute Lage für das „Haus der digitalen Welt“ und es wäre ein prima Beitrag zur Belebung der Innenstadt. Die Größenordnung passt auch. Eine grundlegende Modernisierung ist freilich nötig.

Helena Peltonen, Hamburg

So leidet Hamburg-Tourismus

21. Juli: Was die Absage der Sport-Großevents bedeutet

Die Gesundheit steht an erster Stelle. Das ist nachvollziehbar. Und trotzdem und im Wissen darum, dass ein Impfstoff wohl nicht vor Mitte 2021 zur Verfügung stehen wird, werden drei von fünf Terminen 2021 in die erste Jahreshälfte verlegt? Davon einmal abgesehen, dass ein Impfstoff wahrscheinlich nur zielführend ist im Falle einer Impfpflicht. Das ist nach jetzigem Stand jedoch eher unwahrscheinlich und nachvollziehbar. Und wie lange dauert es bis genügend Menschen geimpft sind? Bei allem wird leider vergessen, dass der Virus gerade in Hamburg, trotz Feierlichkeiten und Demonstrationen, nachweisbar kaum noch vorhanden ist. Das dieses nicht als Chance für die „Active-City“ und die Tourismusbranche genutzt wird, sondern wieder einmal mit Sorge vor Neuinfektionen eher von Ängsten beherrscht wird, ist sehr bitter. Hamburg verliert meines Erachtens aufgrund dieser ängstlichen politischen Vorgehensweise sehr viel an Ruf und die Tourismusbranche dieser Weltstadt leidet immer weiter. Es müssen keine Tribünen aufgebaut werden, aber zuschauende Menschen am Straßenrand werden sich eigenverantwortlich verhalten und sind in keiner Weise vergleichbar mit Feierlichkeiten auf der Reeperbahn. Genau diese Übertragung der Verantwortung auf die sportbegeisterten Menschen in unserer Stadt hätte ich mir als Zeichen aus der Politik gewünscht. Und es muss nicht immer von einer zweiten Welle gesprochen und geschrieben werden, das schürt nur unnötige Ängste und schafft kein Vertrauen. Vorgelebtes Vertrauen ist die Grundvoraussetzung, um positiv mit dem Virus leben zu können.

Stefan Halstenbach, Quickborn

Höhe des Bedarfs ermitteln

22. Juli: ,Dürfen uns nicht mehr an Autos orientieren‘. Wie wird Radfahren in Hamburg attraktiver? HCU-Stadtentwicklungsprofessor Jörg Knieling hält einen radikalen Kulturwechsel für notwendig

Es ist ja nun wahrlich genug darüber geschrieben und auch von den Lesern dieser Zeitung das Für und Wider zum und fürs Fahrrad ausgiebig diskutiert worden. Doch etwas Entscheidendes ist nicht einmal in einem Nebensatz zu finden, bei allem Verständnis gegenüber den ganz gewiss berechtigten Forderungen radfahrender Bürger: Wird eigentlich irgendwo, wenn bei ganzen Straßenzügen die Autofahrspuren eingeschränkt oder neue, bessere Fahrradwege eingerichtet werden, Stadtteile „autofrei“ gemacht werden, der tatsächliche Bedarf ermittelt, Radfahrer gezählt, gibt es dazu Statistiken, Umfragen oder wird nur gehofft, dass sich durch verbesserte Wege der Radverkehr – dann auch bei Regen und Winterwetter – von selbst erhöht? Wie belegt die Politik eigentlich außer mit dem überbordenden Autoverkehr und der damit verbundenen Umweltbelastung ihren Einsatz für das Fahrrad?

Gerhard Klußmeier, Rosengarten

Risse im EU-Fundament

22. Juli: Das bedeutet der Deal für Deutschland. Nach tagelangem Ringen einigten sich die Länder auf ein 1,8-Billionen-Euro-Finanzpaket gegen die Corona-Krise

Es ist nicht zu verstehen, dass ein Viktor Orbán es in Brüssel verhindern konnte, dass den Mitgliedstaaten bei Rechtsstaatsverstößen die EU-Gelder gekürzt werden können. Seit mehreren Jahren schaut die EU dem Treiben dieses Diktators nur zu. Jetzt, beim Gipfel in Brüssel, war ich voller Hoffnung, aber wieder ist nichts passiert. Die Europäische Union, die doch eine Wertegemeinschaft sein will, hat zugelassen, dass mitten in Europa eine Diktatur entsteht. Das System Orbán hat in der EU nichts zu suchen. Im EU-Vertrag muss doch verankert sein, wie man gegen so einen Demokratieverstoß vorgeht. Eine EU, die Demokratie und Rechtsstaat nicht durchsetzen kann, ist keine Wertegemeinschaft, sondern nur ein Geldgeber. Allein Ungarn bekam 2018, als Nettoempfänger, von der EU fünf Milliarden Euro. Dieses Geld sollten die Staaten bekommen, die auch bereit sind Flüchtlinge aufzunehmen, wozu sich dieser Mensch ja auch nicht bereit erklärt hat. Das EU-Fundament hat sehr große Risse bekommen, und die Frage ist doch, wieviel Staaten müssen Orbán noch folgen, bis die EU endlich was unternimmt?

Michael Kummer, Ahrensburg

Das ist Demokratie

21. Juli: ,Für Jatta ist es eine schlimme Situation‘

Nicht jeder Kleingärtner ist ein Rassist und ja, jeder hat eine Meinung zu allem. Das ist Demokratie, und wir müssen auch Aussagen aushalten, die wir nicht mögen. Zu Jatta: Es muss auch mal gut sein. Lasst den jungen Menschen Fußball spielen. Vielmehr sollten „die besorgten Bürger“ und deren Beweggründe hinterfragt werden.

Maria Pohl

Nicht sehr glücklich gewählt

Das Engagement von Herrn Philipps gegen Ausgrenzung finde ich gut und richtig. Er wäre aber gut beraten, nicht selbst dieser Versuchung zu erliegen. Den von ihm verwendeten Begriff „Kleingartenrassist“ finde ich in diesem Zusammenhang nicht gerade sehr glücklich gewählt.

Dieter Buchholz, Hamburg