Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Juli 2020

Defizite im politischen Handeln

17. Juli: Schäuble lobt Spahn: ,Er hat den Willen zur Macht‘

Laut der Aussage von Herrn Schäuble hat Herr Spahn den Willen zur Macht. Aus meiner Perspektive reicht dies allerdings nicht. Man muss auch die Fähigkeit besitzen aus Fehlern zu lernen! Während England sich von der Firma Dräger eine autarke Maskenversorgung für den Ernstfall aufbauen lässt, setzen wir immer noch auf die Lieferketten aus China. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dies in der Krise nicht funktioniert und kennen die weitreichenden Folgen, trotzdem sind wir nicht in der Lage, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Tut mir leid, hier sehe ich Defizite in der politischen Wahrnehmung und in der Fähigkeit zum planvollen Handeln, und genau dies wäre die Aufgabe eines Bundesministers für Gesundheit!

Christiane Dornecker

Ohne Maske am Strand

17. Juli: Wie war’s im Urlaub? Reisen oder nicht - Sommerpläne zu schmieden war in diesem Jahr eine besondere Herausforderung

Schon wieder! Es ist jetzt schon das zweite Mal, dass das Abendblatt eine Person mit Mundschutz am Strand in Spanien zeigt. Das erzeugt eine völlig falsche Vorstellung von einem Strandurlaub auf Mallorca. Es ist explizit erlaubt, sich am Strand ohne Maske zu bewegen. Ich komme gerade aus dieser Region und – es war der beste Mallorca-Urlaub, den ich je hatte!

Gerald Staschke

Auch im nächsten Jahr wieder

Lieber Daniel Herder, Sie waren einfach zur falschen Zeit da. Ich hatte Ende Juni einen traumhaften Kurzurlaub auf Sylt, in einem preiswerten Appartement mit Terrasse und Strandkorb in Wenningstedt, direkt hinterm Deich. Strandentfernung: 400 Meter. Nachmittags und abends abends in Kampen, alles ohne Maske und bezahlbar. Zurück mit dem Autozug ohne Wartestau und für sogenanntes kleines Geld. Das mache ich nächstes Jahr wieder.

Karl Jacobsgaard

Und die Freiwillige Feuerwehr?

16. Juli: Feuerwehr feiert Rekord – und plant zehn neue Wachen. Exklusiv: So wenige Brandtote und Verletzte wie noch nie. Aber Retter treffen oft spät ein. Wo weitere Standorte nun helfen sollen

Herzlichen Glückwunsch, Herr Christian Schwarz, zu den positiven Zahlen der Feuerwehr Hamburg aus 2019. Mich irritiert nur, warum wird in dem sehr ausführlichen Bericht die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr kaum erwähnt, weder von Ihnen noch dem Feuerwehrsprecher, Herrn Schneider. Ohne die Freiwilligen Feuerwehren in den Randgebieten, z. B. Vier- und Marschlanden, sind die acht Minuten am Einsatzort gar nicht durch die Berufsfeuerwehr zu leisten. Auch die Erstversorgung wird hier nur durch die Freiwilligen Feuerwehren gewährleistet. Reanimation bei Notfallpatienten wurde in der Mehrzahl von den Freiwilligen Feuerwehren durchgeführt.

Michael Kaul

Hilfe für Amerika

14. Juli: In Lateinamerika wird die Lage immer dramatischer. Zahl der Corona-Toten in der Region steigt an. In Deutschland sinken die Neuinfektionen leicht

Wir jammern hier wegen einiger wenigen Neuinfizierten. Wäre es nicht angebracht, Amerika, speziell südamerikanischen Ländern, Hilfe anzubieten? Nur wenn auch da die Lage unter Kontrolle ist, normalisiert sich auch unser Leben wirklich weiter!

Thomas Schendel

Regierung sollte sich beraten

16. Juli: Mittelständische Wirtschaft gegen Lieferketten-Gesetz

Will der zahnlose Tiger Deutschland jetzt mit Hilfe eines Gesetzes die Welt heilen? Ich bin entsetzt über die Pläne der Bundesregierung. Deutschland bezieht sehr viele Waren aus Ländern und Regionen, die von dem Gesetz betroffen wären, u. a. Russland (Gas, Öl), China (Rohmaterialien, unendlich viele Fertigprodukte), Kasachstan (Öl), Afrika (Rohmaterialien), usw. Die Importeure können doch nicht dafür haften, was dort vor sich geht. Sollte Deutschland tatsächlich alle betroffenen Importe stoppen, geht die Wirtschaft hier binnen sechs Monaten kaputt. „Saubere“ Länder und Regionen sind nicht so kurzfristig in der Lage als vollwertige Ersatzlieferanten einzuspringen, schon gar nicht zu annähernd so günstigen Preisen. Die Bundesregierung täte gut daran, sich mit echten Experten aus der Praxis zu beraten (wie in der Corona-Krise), anstatt im Alleingang mit Hilfe der Importeure weltweit Menschenrechte und Naturschutz durchsetzen zu wollen.

Rüdiger Scholz

Frappierende Ähnlichkeit

16. Juli: Anonymer Brief ,besorgter Bürger‘ führte zu Jatta-Verfahren. Zwei Indizien sollen HSV-Profi belasten. Anwälte halten die Vorwürfe für haltlos und kritisieren, dass die ,Bild‘ bei der Durchsuchung vor Ort war

Die Ausweispapiere wurden von gambischen Behörden als echt bescheinigt. Wer hat etwas anders erwartet? Beim Vergleich von Fotos des jungen Daffeh und des älteren Jatta ist eine frappierende Ähnlichkeit festzustellen. Wer braucht dafür einen Gutachter? Die Fußballkarriere des Daffeh endet 2015. Die Fußballkarriere des Jatta beginnt nach einer Flucht in 2015. Es gibt keine nachweisbare Spur des älteren Daffeh nach 2015 und keine „Vergangenheit“ des jungen Jatta in Gambia vor 2015. Bin gespannt auf die Reaktionen der HSV-Verantwortlichen, wenn die Legende des Bakery Jatta zusammenbricht.

Peter Meyer

Kein Verantwortungsgefühl

16. Juli: Mallorca macht Kneipen dicht. Nach Feierexzessen greift die Inselregierung durch und ordnet eine Zwangsschließung am Ballermann an

Es ist ja schön, dass bei den ankommenden Passagieren auf dem Flughafen von Palma die Temperatur automatisch mit Wärmebildkameras gemessen wird. Wie wäre es denn, wenn man auch die aus Mallorca nach Deutschland einreisenden Passagiere gleich am Flughafen automatisch messen würde oder noch besser, gleich 14 Tage in Quarantäne schicken würde? Wenn eine Vielzahl von Touristen an Trinkgelagen ohne Schutzvorrichtung teilnehmen und keinerlei Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Mitmenschen zeigen, wäre dies sicher die richtige Maßnahme. Schon traurig genug, dass solche „Veranstaltungen“ überhaupt stattfinden. Kann man nur hoffen, dass die deutschen Behörden diesmal rechtzeitig handeln und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Michael Commentz, Hamburg

Nicht ohne Bußgeld

Wenn die Spanier reichlich Bußgeld verhängen würden, könnte die Lage sich verbessern. Bei einigen Zeitgenossen geht es nicht anders.

Mark Gudow

Reichweite ist zu gering

14. Juli: Autohändler haben Krise fast überwunden. In Hamburger Unternehmen liegen die Verkaufszahlen nahezu auf Vor-Corona-Niveau. Die neue E-Wagen-Prämie hilft dabei nur wenig

Es ist kein Wunder, dass die Nachfrage nach E-Autos weit hinter den Erwartungen der Autoindustrie und der Politik zurückbleibt. So lange die Reichweite im Schnitt nur ca. 300 Kilometer beträgt, wird sich daran wohl kaum etwas ändern. Diese Autos sind für lange Strecken nicht geeignet – wer will schon auf dem Weg nach München dreimal zum Aufladen für mindestens je 30 Minuten pausieren? Außerdem stimmt die Infrastruktur der Ladestationen hinten und vorne nicht: Unterschiedliche Stecker, keine einheitlichen Bezahlsysteme und fehlende Preisangaben. Wer will sich darauf einlassen? Hier besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. Bis diese Unzulänglichkeiten nicht beseitigt sind, wird der Verkauf von E-Autos trotz Prämien weit hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Helmut Jung, Hamburg