Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. Juli 2020

Die Quote ist undemokratisch

16. Juli: Frauenquote – nicht elegant, aber notwendig. Die Regelung setzt Parteien unter heilsamen Druck, sich frühzeitig vor Wahlen nach geeigneten Kandidatinnen umzusehen

Wenn Parlamente die Gesellschaft abbilden sollen, dann müsste es nicht nur eine Frauenquote geben, sondern auch Quoten für Berufsgruppen, zum Beispiel Hausfrauen und -männer und Arbeitslose, was ein schwieriges Unterfangen sein dürfte. Ich halte eine Quote aus Wählersicht für undemokratisch. Schließlich werden die Kandidaten für die Bundestagswahl ja nicht bestimmt, sondern auf Parteitagen gewählt. Vorausgesetzt, es gibt hier genügend weibliche Kandidaten, dann können diese ja auf diesen Parteitagen gewählt werden. Falls sich nicht genügend zur Wahl stellen, haben die Frauen eben das gleiche Problem wie alle unterrepräsentierten Berufsgruppen auch, gleich ob Frau oder Mann. Also, bitte keine Quote!

Stephan Brehmer, Norderstedt

Mehrheiten in der Partei bilden

Adenauer, Kohl, Merkel haben die CDU jeweils über viele Jahre hinweggeführt. Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich selbst als „Quotenfrau“ bezeichnet, noch nicht einmal zwei Jahre. Für Spitzenpositionen in Politik, Behörden, Firmen usw. sind Fähigkeiten, Leistungsbereitschaft und Durchsetzungsvermögen unverzichtbare Voraussetzungen. Dadurch hat sich unser Staatswesen (ergänzt durch eine starke soziale Komponente) so erfolgreich entwickeln können. Nun forciert die CDU eine geschlechtsspezifische Quotenregelung. Aber wieso nur eine geschlechtsspezifische? Da können doch selbstverständlich auch andere Gruppen, die sich nicht ausreichend im Verhältnis ihres prozentualen Anteils an der Gesamtbevölkerung vertreten fühlen, zu Recht ihre Ansprüche anmelden und versuchen durchzusetzen. Da werden Gerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht zu tun bekommen. Der Verfassungsgerichtshof in Weimar hat sich bereits für eine Ablehnung eines Paritätsgesetzes entschieden. Das kann man auch für einen gesetzlich festgelegten Anteil in den Parlamenten erwarten. Das lässt das Grundgesetz nicht zu. Es spricht von Chancengleichheit, nicht von Ergebnisgleichheit. Auch Artikel 3 des Grundgesetzes sagt, dass „niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugtwerden darf“. Die Lösung für Frauen kann doch nur sein: Bildet Mehrheiten in den Parteien, zeigt, dass ihr keine Männer braucht, die zurückstecken sollen. Es gibt genug Beispiele von Frauen, die das bravourös geleistet haben und noch leisten, auch Frauen mit Familie.

Udo Bauer

Nahverkehr billiger machen

16. Juli: ,Wir müssen den Autoverkehr zurückdrängen‘. SPD-Bürgerschaftsfraktionschef Dirk Kienscherf über die Fahrrad- und ÖPNV-Stadt Hamburg, die Zukunft der City und das Verhältnis zum grünen Koalitionspartner

Um aus Hamburg eine ÖPNV-Stadt zu machen, sollte man zunächst kleinere Vorhaben verwirklichen. Zunächst müsste der Nahverkehr erheblich billiger sein. Gerade aus dem Hamburger Umland ist es viel zu teuer, die Innenstadt zu erreichen. Es müsste doch möglich sein, die Stationen Kaltenkirchen mit Henstedt-Ulzburg, Elmshorn und Bargteheide an die Tarifzone „B“ anstelle von „C“ anzubinden und damit die Innenstadt um ca. 60 Prozent günstiger zu erreichen. Das wäre ein großer Anreiz auf den Pkw zu verzichten und somit die klimatischen Bedingungen zu verbessern.

Heinz Dieter Welling, Henstedt-Ulzburg

Tragbares Konzept fehlt

5. Juli: ,Der Neubau soll ein Hingucker werden‘. Wie die Messe mit ihren Plänen für das Café Seeterrassen Planten un Blomen attraktiver machen will

Natürlich gibt es einen Sanierungsstau. Dafür hat die Stadt ja in bewährter Manier, seit über zehn Jahren, selbst gesorgt. Dies wurde auch schon in einem Entwicklungskonzept für Planten un Blomen (Auftraggeberin die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) der Stadt in 2010 mitgeteilt. Es ist nichts passiert. Das Problem ist aber nicht das Gebäude, das kann saniert werden. Das Problem ist, dass es kein tragbares Konzept für den ganzjährigen Betrieb gibt. Dieses Manko wird auch nicht durch einen Neubau beseitigt. Ebenso kann ein tragfähiges Konzept auch in sanierten Räumen umgesetzt werden. Es soll ja nicht größer werden, oder? Oder sollten sich ganz andere Interessen hinter der Forderung nach einem Neubau verbergen? Wenn nicht, sparen wir doch Graue Energie und sanieren das Gebäude. Das sollte wohl in Hamburg im Jahre 2020 möglich sein.

Jutta Kodrzynski

Fachwerkhaus mit Strohdach

Das „Seeterrassen“ ist schon lange kein Hingucker für Hamburg mehr und keinesfalls ein zu erhaltener. Hier sollte unbedingt ein schönes Fachwerkhaus mit Strohdach errichtet werden, passt es doch wunderbar zu „Planten un Blomen“. Gleichzeitig erinnert es an die Vier- und Marschlande, die ja auch zu Hamburg gehören. Ich hoffe, die Messe- Betreiber als Eigentümer bedenken es in ihren Plänen.

Bärbel Hamm

Sanierungen verschleppt

Qualifizierte, laufende Instandhaltungen erfolgen nicht bei allen Immobilien im notwendigen Maße. Sanierungen wurden und werden jahrzehntelang verschleppt. Kurzum: Gebäude und Inneneinrichtungen „verrotten“, und irgendwann erscheinen Abriss und Neubau die einzigen, bequemsten und wirtschaftlich vertretbarsten Möglichkeiten. Dafür fanden und finden sich in Hamburg zahllose Beispiele und das gilt für private wie auch für städtische und staatliche Immobilien gleichermaßen. Wer oder was ist eigentlich für den schon seit Jahren erkennbaren recht desolaten Zustand des Café Seeterrassen verantwortlich? Alle bisherigen Pächter, die Sprinkenhof GmbH, der aktuelle Eigentümer, die Hamburg Messe und Congress GmbH, und damit die jeweiligen Senate?

Wolfgang Kirmse

Porträt auf dem Gänsemarkt

16. Juli: Conrad Ekhof: Der Vater der deutschen Schauspielkunst

So „kaum bekannt“ ist der Schauspieler Conrad Ekhof in Hamburg nun doch nicht, gehen doch täglich hunderte von Hamburgern an seinem lebensgroßen Porträtmedaillon vorbei und betrachten es auf Augenhöhe. Seit 1881 gehört es zusammen mit dem Bildnis des Gelehrten Reimarus zu den Assistenzfiguren, die als Bronzetafeln an den Seitenflächen des von Fritz Schaper geschaffenen Denkmals für Gotthold Ephraim Lessing auf dem Gänsemarkt zu sehen sind. Und schon Ende des 19. Jahrhunderts (1899) wurde im Stadtteil Hohenfelde die Ekhofstraße nach diesem berühmten Schauspieler benannt.

Jörg Beleites

Viel Geld für saisonale Früchte

15. Juli: Kirschen aus Asien? Der mündige Bürger ist beim Einkaufen gefragt

Wir haben Ihren Kommentar mit Kopfschütteln gelesen. Hier bei uns in Winsen/Luhe werden die Süßkirschen das Kilo für einen Preis von 13 Euro angeboten. Wer gibt so viel Geld für eine saisonale Frucht aus? Da bleibt nur der Gang zum Discounter. Die Argumentation des Bauern können wir auch nicht nachvollziehen, da unsere Geldbeutel nicht mehr Inhalt haben, eher das Gegenteil ist die bittere Wahrheit.

Kurt und Yvonne Jablonski

Einfluss des Verbrauchers

Werden wir denn niemals klüger? Inzwischen pfeifen es doch die Spatzen von den Dächern, dass wir unsere einheimische Landwirtschaft brauchen, und dass Plastik unseren Planeten verseucht. Es kann doch nicht sein, dass alles ungehört und ungelesen verhallt, und nur die eigene Bequemlichkeit und Ignoranz zählt. Leute, kauft unsere einheimischen Produkte, möglichst bio (und wer muss dauernd Fleisch essen?) und verlangt umweltverträgliche Verpackungen. Ja, es ist die Industrie, die den Reibach macht. Aber es sind wir Verbraucher, die es ihnen ermöglichen.

Peter Wigandt