Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Juli 2020

Virus ohne Heimatgefühle

15. Juli: ,Hürden für Ausreisesperren hoch‘. Städtetagspräsident Jung fordert flexible Antworten bei Corona-Ausbrüchen

Maßnahmen an Landkreisgrenzen zu orientieren, ist absurd. Das Virus entwickelt keine Heimatgefühle. Bei einem Ausbruch in Neuenfelde macht es keinen Sinn, Hamburger in Bergedorf einzusperren, während die Niedersachsen aus Jork frei reisen dürfen.

Dirk Emmermann, Hamburg

Rabattaktionen helfen nicht

15. Juli: Hamburg-Tourismus in Not – Stadt wirbt für ,Urlaub zu Hause‘. Einwohner erhalten Rabatt für sich und ihre Freunde. Großveranstaltungen wie Marathon und Triathlon vor Absage

Ich bedauere die Situation wirklich sehr und wünsche mir, dass es nicht so schlimm wäre. Doch solche Rabattaktionen, wie „Hamburg Card Local“ werden leider auch nicht viel helfen. Die Situation ist so wie sie ist, da hilft kein Schönreden und Verbreitung guter Laune oder mit Rabattaktionen locken. Alles was den Menschen Spaß macht, ist entweder verboten oder sehr stark eingeschränkt, weshalb sich vieles von dem nur wenige antun. Das gilt auch für das Shoppen in der Innenstadt. Es ist wie mit dem Grillen bei unbeständigem Wetter, keiner hat große Lust darauf.

Norbert Jünge, Hamburg

Wer kann sich das leisten?

15. Juli: Obstbauern: Handel will unsere Kirschen nicht. Im Alten Land ist die Ernte in vollem Gange. Doch in den Obstregalen der Supermärkte liegen zumeist Früchte aus der Türkei

Selbstverständlich müssen sich die kostspieligen Überdachungen der Bäume, der aufwendige Einsatz von Erntehelfern, die Kühlmöglichkeiten usw. in den Produktionskosten der Altländer Kirschen niederschlagen. Aber auf der anderen Seite: ein Kilogramm Kirschen aus dem „Alten Land“ für 10,90 Euro (100 Gramm 1,09 Euro)! Wie viele Konsumenten und Kirschenliebhaber können sich diesen Luxus leisten? Bei diesem Preis werden viele Hausfrauen letztendlich resignieren (müssen) und dann doch eher die türkischen Früchte in die Papiertüte packen. Vielleicht muss die Kalkulation über alle Handelsstufen kritisch hinterfragt werden?

Kurt Wörner, Tangstedt

Jammern auf hohem Niveau

Man liest immer wieder, dass in Deutschland die Lebensmittel preiswerter seien als im übrigen Europa. Dieses Gefühl kann man aufgrund der Preisgestaltung oft nicht haben, weil Einkaufen oft nur teuer ist. Kartoffeln, Tomaten oder Blumenkohl haben Preishöhen erreicht, wo man von Grundnahrungsmitteln nicht mehr reden kann. Äpfel, Birnen und Erdbeeren sind aus deutschen Landen nur zu Luxuspreisen zu kaufen – das Kilo Kirschen für acht Euro ist doch echt viel Geld. Wenn dann die süßen Knackkirschen aus der Türkei oder Griechenland die Hälfte kosten, müssen sich die Obstbauern nicht wundern, wie der Kunde sich entscheidet. Ein Kilo Kirschen ist oft teurer als ein Kilo Schweinefilet – da stimmen doch die Relationen nicht mehr. Ich frage mich oft, wie die vielen Kleinverdiener klarkommen können bei den oft unerschwinglichen Preisen für Obst und Gemüse. Das Stöhnen der Obstbauern findet auf sehr hohem Niveau statt.

Dietmar Johnen-Kluge

Probleme öffentlich benennen

14. Juli: Seehofer verteidigt die Stuttgarter Polizei

Es ist absolut grotesk, was sich im Zusammenhang mit der sogenannten „Stammbaumforschung“ der Stuttgarter Polizei abspielt. Wo ist eigentlich das Problem? Wovor haben die überwiegend linken Kritiker eigentlich Angst? Dass dabei vielleicht herauskommen könnte, dass der Großteil der Randalierer in Stuttgart einen Migrationshintergrund hatte? Das darf natürlich nicht an die Öffentlichkeit, das könnte ja „spalten“. Auch unbequeme Wahrheiten gehören zu einer Demokratie. Es wäre wünschenswert, dieses Problem mal öffentlich zu benennen und effektiv anzupacken, anstatt es konsequent zu leugnen.

Lutz Krüger

Lehren aus dem Inferno

11./12. Juli: Ein zynisches Zeichen. Mit Elbchaussee-Demo zum G-20-Jahrestag entlarven sich radikale Linke selbst

Was haben wir aus dem Inferno der G-20-Nacht gelernt? Nach drei Jahren ist die „Aufarbeitung“ abgeschlossen. Nicht ein Politiker der rot-grünen Koalition hat dafür Verantwortung übernommen. Der Bürgermeister hat sich abgesetzt, alle anderen haben sich weggeduckt. Die wenigen ermittelten Straftäter werden nahezu nicht bestraft. Das, was die verantwortliche Richterin verhängt hat, steht nicht im entferntesten in Relation zur Tat. Die Presse hat überwiegend über die von Autonomen zusammenfantasierte Polizeigewalt berichtet, wenig über die Verhinderung der Bestrafung von Schwerstkriminellen durch die Hamburger Politik. Zusammenfassend: In Hamburg können politisch motivierte Gewalttäter die Stadt anzünden, ohne wirklich eine Strafe befürchten zu müssen. Legislative und Judikative dieser Stadt sind auf dem linken Auge blind. Die Exekutive ist geknebelt und steht unter Generalverdacht. Große Teile der Presse unserer Stadt hat tiefes Verständnis. Wenn überhaupt darüber berichtet wird, dann wird bedauert, dass zu radikale Äußerungen die „gerechte Sache“ schlecht promoten. Zurück zum eigentlichen Thema: Was war da in der Nacht noch mal passiert? Tausende von internationalen und lokalen vermummten Radikalen hatten die Stadt verwüstet, geplündert, das Hab und Gut der Bewohner der betroffen Stadtteile zerstört, Busse angegriffen, und uns alle mit dem Leben bedroht… Das Ergebnis dieser „Aufarbeitung“ macht fassungslos!

Dr. Philip Düwel

Mogelpackung U-Bahn

11./12. Juli: Entworfen/Verworfen – Teil 2: Eine Schwebebahn für Hamburg. Beinahe hätte nach Wuppertal auch die Hansestadt ein ungewöhnliches Nahverkehrsmittel bekommen

Der tolle Bericht über die vor 100 Jahren diskutierte Alternative zur U-Bahn zeigt verblüffende Parallelen zur immer wieder aufkommenden Stadtbahn-Diskussion. Obwohl der Senat sich damals gegen eine Schwebebahn entschieden hat, wurde doch lieber eine „Hochbahn“ gebaut, um das Risiko aufwendiger Tunnelbauten zu vermeiden. Noch heute verlaufen ca. 70 Prozent aller U-Bahn-Strecken in Hamburg auf Viadukten, Dämmen, in Einschnitten oder direkt unter Straßen, es gibt nur wenige „echte Tunnelstrecken“ in Tieflage. Der Begriff U-Bahn ist in Hamburg eigentlich eine Mogelpackung. Im Gegensatz zu Schwebebahnen haben sich allerdings moderne, leistungsfähige Stadtbahnen in Europa durchgesetzt. Sie feiern eine beeindruckende Renaissance, nicht nur als leistungsfähiges, beliebtes Verkehrsmittel, sondern insbesondere als urbanes Aushängeschild einer modernen Verkehrspolitik, die in den Köpfen verantwortlicher Politiker in Hamburg leider immer noch nicht angekommen ist.

Jens Ode

Mensch ist Mensch

10. Juli: Streit um Skulptur bei Hagenbeck. Linke erhebt Rassismus-Vorwürfe

Mann auf Giraffe ist ein Kunstwerk, ist ein Kunstwerk, ist ein Kunstwerk. Überall die Darstellung von „Mohren“, von Botticelli bis Playmobil. Müssen die Gemälde jetzt alle übermalt werden, muss Playmobil „den Mohren“ aus dem Programm nehmen? Übrigens: Der Entwurf des Mannes auf Giraffe zeigte einen Weißen. Der Schwarze Mensch auf der Giraffe hat die Physiognomie eines Europäers, er ist aber schwarz. Für mich zeigt die Figur, das es nicht auf die Hautfarbe ankommt: Mensch ist Mensch.

Dr. Carl C. Hagenbeck, Stellingen

Herrliche Überschrift!

13. Juli: Wetter auf Seite eins

Jeden Morgen freue ich mich über den Bezug zwischen der Überschrift (heute: Rettet den Kiez!) und der Mitteilung über das Wetter (heute: Der Tag ist gerettet!). Herrlich!

Ingrid Eggers