Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. Juli 2020

Mindestlohn für Wehrpflicht

9. Juli: Deutsche wollen die Wehrpflicht zurück. Exklusive Umfrage: Der Vorstoß der Wehrbeauftragten Eva Högl trifft in der Bevölkerung mehrheitlich auf Zustimmung

Wenn die „Wehrpflicht“ wieder eingeführt werden sollte, ist dies nur als allgemeines Dienstjahr mit einer Besoldung in Höhe eines Mindestlohns von 12 Euro vorzusehen. Es sollten keine Ausnahmen bezüglich des Geschlechts gelten. Auch die Bürger mit zwei Pässen müssen sich entscheiden, also bei Weigerung den BRD-Pass zurückgeben oder am Dienst teilnehmen. Und die Asylbewerber sollten mit einbezogen werden, natürlich erst nach einem Sprachkurs und nur für nicht militärische Aufgaben, wie z.B. Pflege oder ähnliches. So können sie etwas zurückgeben für unsere Aufnahmebereitschaft und Fürsorge. Dies würde auch einer wirklichen Integration entsprechen.

Michael Möller

Ein bewegender Beitrag

9. Juli: Plötzlich einsam – und keiner kriegt es mit. Nicht alle Corona-Opfer haben eine Lobby. Warum mich das Schicksal geistig behinderter Menschen besonders berührt hat

Ein sehr guter und bewegender Beitrag von Annabell Behrmann. Diese Schilderung trifft umso mehr, wenn man sich vor Augen hält, wie diesen armen Menschen jede kleine Erleichterung unbarmherzig verwehrt wird, während zur gleichen Zeit sich Senator Grote großzügig aus der gemeinsamen Pflicht beurlaubt. Der Bürgermeister sollte über solche Dinge nicht so leicht hinweggehen. Sie sind wichtiger für die Bürger als mancher Fahrradweg.

Alfred Spohr, Norderstedt

Unsinnige Forderung

8. Juli: Innenstadt neu denken! Mietwucher, Onlinehandel und Corona zwingen Hamburg zu innovativen Konzepten

Die Forderung der Handelskammer nach einer Sonntagsöffnung ist in mehrfacher Hinsicht falsch und unsinnig. Erstens würde ein Tag des Massenkonsums mit Hunderttausenden von Besuchern in der City geradezu dazu einladen, das Abstandsgebot nicht einzuhalten, mit der lästigen Maskenpflicht nachlässig umzugehen und damit die Gefahr eines infektiösen Hotspots massiv zu erhöhen. Die leidvollen Erfahrungen in der Schanze sollten nachdenklich machen. Zweitens würde die Infektionsgefahr für die – ach so systemrelevanten – Beschäftigten drastisch gesteigert und ihre Gesundheit bewusst gefährdet. Drittens legt sicher kein Online-Konsument sein Notebook beiseite, um sich am Nachmittag des 6. Dezember in die Einkaufsschlangen des City-Sonntags-Shopping einzureihen. Viertens würde eine Änderung des Hamburger Ladenöffnungsgesetzes gegen das Grundgesetz verstoßen – das haben das Verfassungsgericht am 1.12.2009 und das Bundesverwaltungsgericht am 11.11.2015 in ihren Urteilen ausdrücklich bestätigt und die Bürgerschaft hat es am 14.6.2017 zur Grundlage ihres Beschlusses zur Regelung der Sonntagsöffnung gemacht. Mehr Sonntagsöffnung ist nicht nur verfassungswidrig, sondern auch ein falsches Rezept gegen die Online-Konkurrenz und den drohenden Strukturwandel im Einzelhandel. Oliver Schade hat recht. Die Innenstadt muss neu gedacht werden, aber nicht mit Rezepten von gestern, ohne Gefährdung der Gesundheit von Kunden und Beschäftigten und im Einklang mit unserem Grundgesetz.

Wolfgang Rose

Zieht einfach auf’s Land!

8. Juli: Nabu: Oft „grottenschlechte“ Luft am Hafen

Es ist ja löblich, dass der Nabu sich um eine bessere Hafenluft kümmert. Doch warum werden gleich wieder zuerst Kreuzfahrtschiffe an den Pranger gestellt? Weltweit sind ca. 40.000 Handelsschiffe mit herkömmlichem klimaschädlichen Antrieb unterwegs, hingegen nur höchstens 300 Kreuzfahrtschiffe. Ca. 98 Prozent der Hafenemissionen entfallen somit auf den Frachtverkehr, nur ca. zwei Prozent auf Kreuzfahrtschiffe. Dass Hafenluft nicht optimal ist, wissen Umweltexperten seit langem. Wer sein Domizil am Hafen oder neben einem Industriegebiet aufschlägt, sollte wissen, dass er dort keine reine gesunde Luft erwarten kann. Man denke auch nur an die gesundheitlichen Auswirkungen der Schiffsradare, die in der Diskussion bislang vollkommen vernachlässigt werden. Wer saubere Hafenluft ohne Schiffe, Hafenbahn und Lkw haben will, kann den Hafen gleich ganz schließen und alle Transporte dann mit Lastenfahrrädern erledigen. Oder er zieht einfach auf’s Land und überlässt es anderen, ob sie am Hafen mit all seinen Vor- und Nachteilen leben und arbeiten möchten.

Annelie Kirchner

Frauen fehlt das Interesse

8. Juli: Lebenswichtig für die ganze Partei. Die CDU braucht die Frauenquote

Natürlich würde ein höherer Anteil von Frauen in der CDU allseits gerade auch von den Männern begrüßt werden. In unserem CDU-Ortsverband werden Frauen, die sich beteiligen möchten, mit offenen Armen aufgenommen und in jeder Weise ermutigt. Allein – es gibt bei den Frauen viel weniger Interesse, sich politisch aktiv einzubringen als bei den Männern. Und das fehlende Interesse wird eine Quote nicht verändern und nicht verbessern, deshalb ist sie hier das falsche Mittel.

Olaf E. Wirth

Fassaden: Gesichter der Stadt

6. Juli: Abriss statt Sanierung: Schon wieder mehrere Altbauvillen vor dem Aus

So darf es nicht weitergehen! Die Fassaden der Gründerzeithäuser sind die Gesichter der Stadt. Gehen sie verloren, bleiben austauschbare anonyme Straßenzüge zurück. Hier kollidieren zwei Welten. Das Eigentumsrecht des Besitzers und der Denkmalschutz lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Der Investor kann viel gewinnen, sprich Profitmachen, und der Bürger kann viel verlieren, nämlich die Identität seiner Straße, seines Stadtteils und letztendlich seiner Stadt. Erst Anfang des Jahres bekam ich mit, dass an der Margaretenstraße, Ecke Fettstraße noch eine historische Fassadenwerbung existiert, die unter anderem die Firma „Sverak, Kohl & Eisfeld“ zeigt, die im Heizungsbau bis zum Zweiten Weltkrieg weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus bekannt war. Leider wird die Fassade überhaupt nicht geschützt, obwohl es sich dort um ein denkmalgeschütztes Ensemble handelt. Ein Teil dieser in Hamburg recht seltenen Fassadenwerbung ist bereits unter Graffiti und Übermalungen verschwunden. Erst bei einer Sanierung der Fassade dürfte der Denkmalschutz mitreden. Eine Sanierung lässt sich aber nicht gegen den Willen des Eigentümers erzwingen. Doch eines bleibt klar, will Hamburg eine sehenswerte Stadt bleiben, dann muss der Schutz des historischen Häuserbestands erheblich verbessert werden. Aus dem Grundgesetz wissen wir, dass das Eigentum verpflichtet und daraus leite ich ab, dass Investoren immer auch zum Erhalt der historischen Häuser und ihrer Fassaden beitragen müssen. Andernfalls handelte es sich um ein parasitäres Verhalten, dass durch den Entzug der Eigentümerrechte geahndet werden müsste.

Jochen Kälber, Norderstedt

Nur wenige „schwarze Schafe“

6. Juli: Fahrverbot am Sonntag? Biker auf den Barrikaden

Mit Begeisterung habe ich den Motorradführerschein gemacht, befreundete Biker sind ausnahmslos feine Menschen. Doch wenige rücksichtslose Raser mit manipulierten Auspuffen dominieren das Bild der Biker im Verkehr. Nicht nur in süddeutschen Gebirgsorten mit ihren malerisch geschwungenen Straßen überziehen sie Bewohner und Wanderer mit ihrem Lärmterror. In München setzten sich nun tausende Biker über ein Demonstrationsverbot hinweg. Radikalisiert sich hier eine Minderheit unter den überwiegend friedliebenden Motorradfreunden? Auf Verkehrsminister Scheuer konnten sie sich offenbar verlassen. Was sollen wir von einem Minister halten, der gerade die Erhöhung von Bußgeldern für Raser zurücknahm und nun auch gesetzliche Regeln zur Begrenzung von mutwilliger Lärmbelästigung ablehnt? Seriöse Motorradverbände sind gut beraten, den schwarzen Schafen in ihren Reihen Einhalt zu gebieten.

Johannes Zink, Norderstedt​​