Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. Juli 2020

Und die Weihnachtsmärkte?

8. Juli: Können Hamburger an Nikolaus einkaufen?

Die Idee von Norbert Aust, einen verkaufsoffenen Sonntag am Nikolaustag zu ermöglichen, ist sicherlich sehr reizvoll. Dieses ist allerdings nicht im Sinne der Mitarbeiter des Einzelhandels, da diese den Nikolaustag wohl auch gern mit ihren Familien genießen möchten. Viel wichtiger wäre für mich ein klares, öffentliches Bekenntnis des Hamburger Senats zur Öffnung der Hamburger Weihnachtsmärkte. Diese sind ein wichtiges Attribut zur weihnachtlichen Untermalung des innerstädtischen Einzelhandels, um den Kaufanreiz zu unterstützen. Ein Beispiel dafür ist der gemütliche „Winterwald“ auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz. Das ist weihnachtliche Atmosphäre pur, sowohl für Hamburger als auch für Touristen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen des Senats zum Gelingen beitragen.

Angelika Schneider, Hamburg

Mehr Auflagen für Katzen

8. Juli: HanseMerkur plant Katzen-Versicherungen

Eine Katze sollte nicht nur haftpflicht-versichert und gechipt sein, der Halter sollte auch ein gültiges Impfbuch und einen Steuernachweis vorweisen können. Eine Katze ist heute kein Nutztier mehr (steuerfrei), sondern ein Familienmitglied wie ein Hund. Ein Hund muss alle o.g. Auflagen erfüllen. Außerdem darf er nicht viel bellen und seine Hinterlassenschaften müssen aufgenommen werden. Er darf nur ohne Leine laufen, wenn der Halter einen Hundeführerschein hat. Eine Katze wiederum darf wildern, fängt Vögel, geht in anderer Leute Häuser und Gärten, bepinkelt Wände und vergräbt die Hinterlassenschaften in Beeten. Auch werden Schäden verursacht. Die Population der Katzen ist groß und könnte durch Auflagen ein wenig eingeschränkt werden.

Gudrun Schuch-Nehrke

Die Menschen brauchen nichts

7. Juli: ,Masken sind unverzichtbar‘. Kanzlerin und Ministerpräsidenten wollen am Mund-Nasen-Schutz festhalten – Wirtschaft warnt vor ,Konsum-Killer‘

Einen Aspekt bei dieser Diskussion vermisse ich immer wieder. Warum sollten die Menschen einkaufen gehen, wenn sie nichts brauchen? Tausende von Feiern sind in den letzten Monaten alleine in Hamburg und Umgebung ausgefallen. Konfirmationen, Hochzeiten, Taufen, Erstkommunionen, Geburtstagsfeiern und darüber hinaus viele Anlässe, die in normalen Zeiten den Konsum anregen. Urlaubsfahrten fallen aus, für die in der Regel neue Kleidung, Sportartikel, oftmals Reisegepäck gekauft werden. Wir bleiben zuhause, gehen nicht aus, nehmen an keinen Veranstaltungen teil und kommen gut mit den Utensilien aus, die unsere Schränke füllen. Wenn wieder vermehrt Veranstaltungen stattfinden, wird sicher auch die Kauflust zurückkehren – wenn nötig, auch mit Maske! Es wird aber noch bis in das nächste Jahr hinein dauern, bis sich das gesellschaftliche Leben in allen Bereichen wieder normalisieren wird, und bis dahin leiden die Händler.

Inga Ohrt, Seevetal

Ungehörige Frage

7. Juli: Jugendstrafe für einen 93-Jährigen? Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft für früheren KZ-Wachmann

Wenn ein damals 17-Jähriger heute verurteilt wird, weil er – im Gegensatz zu rund 80 Millionen Reichsdeutschen? – etwas „wusste“, aber innerhalb eines KZ keinen Widerstand leistete, dann gehört Bismarck, dessen Kolonialpolitik deutschen Völkermord in Afrika erst ermöglichte, schnell vom Sockel geholt statt neu angemalt. Ebenso müsste die moralische Überhöhung von Helmut Schmidt enden, der 1937 freiwillig ein Soldat Hitlers wurde und es acht Jahre lang blieb und von dem genauso wenig Widerstand bekannt ist, wie von wohl allen Hamburger Richtern und Staatsanwälten, die unter Hitler in Amt und Würden waren. Als Oberleutnant der Wehrmacht konnte Schmidt wenige Jahre später sogar nahtlos den nächst höheren Rang Bundeswehr-Hauptmann erwerben. Mein Vater, der im nächsten Monat 94 Jahre alt werden würde, war schon vom Gymnasium geflogen, weil er nicht in die HJ eintreten wollte. Im Februar 1945, als 17-Jähriger, desertierte er von seiner Militäreinheit, wurde in der Lüneburger Heide eingefangen und von einer gnädigen – oder weitsichtigen – Militärpolizeipatrouille nicht direkt standrechtlich erschossen, sondern als Zwangsrekrutierter nach Bergen-Belsen gesteckt. Was er dort in seiner bedrückenden Lage – weder Gefangener noch ordentlicher Soldat – „wusste“, weiß selbst ich nicht wirklich. Als britische Soldaten das KZ drei Monate später befreiten, musste er in belgische Gefangenschaft, denn er war ja in deutscher Uniform. Im Gegensatz zu zig zehn Millionen Deutschen, ob Soldat oder Offizier oder nicht, die vor 1945 frei jeder Gewissensbisse gelebt hatten, hatte ich immer das Gefühl, dass mein Vater das Trauma seiner eher kurzen Zeit im KZ Bergen-Belsen nie ganz überwunden hatte. Er und meine Mutter wanderten nach dem Krieg in die USA aus. Die Frage der Vorsitzenden Richterin vor einigen Wochen im laufenden Verfahren gegen den damals minderjährigen Danziger KZ-Wachmann Bruno D., ob er „sich in die Bequemlichkeit des Gehorsams geflüchtet“ habe, bezeichne ich als überraschend unwissend, trotz aller angehörten Historiker-Gutachter, vor allem aber als ungehörig.

Thomas Martini

Großer Erkenntnisgewinn

In der Strafverfolgung von greisen NS-Tätern sehe ich einen großen Erkenntnisgewinn. Zu den ersten Biographien, denen ich im Rahmen des Stolpersteinprojekts nachging, gehörte die von Marianne Rendsburg, die nach der Auflösung des Ghettos Litzmannstadt/Lodz zunächst nach Auschwitz und im September 1944 in das KZ Stutthof überführt wurde. Dort starb sie laut Todesbescheinigung am 9. Januar 1945 an Entkräftung und wurde im Krematorium verbrannt. Letzteres ist glaubhaft, die Todesursache, sogar das Todesdatum könnten fingiert sein. Die ausführliche Befragung von Bruno D. erlaubt mir, den offiziellen Angaben zu misstrauen. Zugleich hinterlässt die späte Strafverfolgung von NS-Tätern ein schales Gefühl bei mir. Engagierte Staatsanwälte mögen versuchen, die massenhaften Versäumnisse ihrer Vorgänger wiedergutzumachen, was aber ebenso wenig geht wie die der grauenhaften Morde vor zwei bis drei Generationen, was sich in den Entschädigungsgesetzen der Nachkriegszeit spiegelt, die Verlust von Freiheit, aber nicht von Leben entschädigen. Dass greise Täter nach Jugendrecht verurteilt werden, ist richtig, unverständlich ist mir jedoch, dass dabei der Strafzweck der Resozialisierung außen vor bleibt. Alle heute noch in Freiheit lebenden ehemaligen Täter, die nicht straffällig geworden sind, sind offenbar im juristischen Sinne resozialisiert. Was sie heute über sich, ihre Taten und Opfer denken, spielt dabei keine Rolle.

Hildegard Thevs, Hamburg

Sperrstunde einführen

7. Juli: Es geht nur mit klaren Regeln. Wer Wirten helfen will, muss Anwohnerrechte wahren

Nicht nur das „Cornern“ ist – bei allem Verständnis für die coronabedingten Feier-Einschränkungen gerade der jungen Menschen – einzunehmendes Ärgernis für Anwohner und Gastronomen, sondern auch die oftmals ausufernde Partyszene in Parks und Grünanlagen, auf Sportplätzen und Spielplätzen. Speziell für diese zumeist nicht beleuchteten Plätzen stellt sich schon seit langem die Frage, warum es keine Sperrstunde mehr gibt, die auch den Ordnungskräften eine klarere Handhabe zum Einschreiten gäbe.

Edith Aufdembrinke

Weniger Benzin und Parkraum

6. Juli: Fahrverbot am Sonntag? Biker auf den Barrikaden. Mehr als 1000 Motorradfans demonstrieren in Hamburg

Zweiräder müssen nicht laut sein, sie verbrauchen weniger Benzin, sie nutzen den knappen Raum ungleich effizienter, benötigen wenig Parkraum. Stellen wir uns die Städte im Süden ohne die Roller vor… Ich erledige seit Jahrzehnten die meisten Wege per Roller und Motorrad. Ja, das fahre ich nur aus Spaß.

Uwe Heitgres