Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 7. Juli 2020

Stadtbild erhalten?

6. Juli: Abriss statt Sanierung: Schon wieder mehrere Altbauvillen vor dem Aus

Die Frage lautet: Was ist uns der Erhalt des Stadtbildes wert? Die gesetzliche Verpflichtung, aus den vielen Häusern die aussagekräftigsten auswählen zu müssen, ist ein Scheinargument. Denkmalschutz, wie es der Bürger versteht, ist die Vielfalt der nebeneinander stehenden Objekte und der Gesamteindruck dieses Häuserensembles. Es gibt Möglichkeiten, sie durch Ensembleschutz oder eine drastische Wohnungszahlbegrenzung für die Investoren uninteressant zu machen. Wir leben alle inzwischen mit Corona und da sollten größere Wohnungen, wie sie der Altbau in der Regel anbietet, mit ausreichend Platz für einen abgeschirmten Arbeitsplatz, zum allgemeinen Wohnungsangebot dazugehören. Dabei darf die wirtschaftliche Situation der Wohnungseigentümer nicht außer acht gelassen werden. Durch erhöhte Abschreibung bei einer denkmalgerechten Sanierung und Modernisierung kann man z.B. den Erhalt dieser schönen Häuser für den Eigentümer wieder interessant machen. Der Gesetzgeber muss es nur wollen.

Bruno Brandi, Architekt

Autobahnpläne ad acta legen

4./5. Juli: Eine Autobahn über dem Isebekkanal. Noch heute machen die Ideen von gestern fassungslos. In einer neuen Serie erzählen wir, was in Hamburg einmal geplant war. Entworfen/Verworfen – Teil 1: Als Experten eine Schnellstraße durch Eppendorf bauen wollten

Man braucht schon viel Fantasie, um sich heute eine Autobahn durch Eppendorf vorzustellen. Dank engagierter Bürger vor knapp 50 Jahren konnte sie verhindert werden. Warum? Diese Bürger haben den verengten Blick einiger Politiker erweitert. Umso absurder mutet es nun an, dass unsere erst kürzlich wiedergewählte rot-grüne Regierung aktuell an ähnlichen Plänen festhält: Die A 26-Ost soll als Autobahn durch Hamburger Stadt- und Wohngebiet gebaut werden. Auch heute wie vor ca. 50 Jahren heißt es fast wortgleich: „Auf die Straßenplanung kann nicht verzichtet werden.“ Und ebenfalls wortgleich: „Autobahnen ziehen den Verkehr von den Stadtstraßen ab und verbessern dadurch die Lebensverhältnisse in den angrenzenden Stadtteilen.“ Seit 50 Jahren sehen wir, dass dies Unsinn ist und haben deshalb nun die Mobilitätswende beschlossen. Richtig so. Gerade weil sich die Zeiten geändert haben, können sich die Politiker nun gesichtswahrend von den aktuellen Autobahnplänen verabschieden. Damit die Mobilität in unserer Stadt zum Traum und nicht zum Albtraum wird.

Barbara Siebenkotten

Noch eine Stadtautobahn...

Sie schreiben, dass der Plan zu grotesk erschien, um überhaupt ernst genommen zu werden. Trotzdem war der damalige Oberbaudirektor ein großer Befürworter einer Stadtautobahn und auch der damalige Bausenator C. Meister sympathisierte mit einer Stadtautobahn. Sie kam damals nicht und wäre heute wahrscheinlich auch undenkbar. Wirklich? Was gerade in Wilhelmsburg mit der A 26-Ost geplant wird, ist genau das Gleiche, eine Stadtautobahn mitten durchs Wohngebiet neben Kirchdorf-Süd mit ca. 6000 Einwohnern. Und die Politik unterstützt trotz des Wegfalls der Voraussetzungen zu Planungsbeginn, wie der Einbruch der Umschlagzahlen im Hafen seit 2008, diesen Wahnsinn. Lernen die da oben denn gar nichts mehr dazu? Es reicht doch, die A 26 an die A 7 in Moorburg anzuschließen und nicht noch Milliarden Euro – die wir nach der Coronakrise sowieso nicht mehr haben – in einer sinnlosen Autobahn zu verbuddeln.

Henry Wiencken

Begrüßenswerter Vorschlag

6. Juli: Kommt die Wehrpflicht zurück? Nach dem Vorstoß der Wehrbeauftragten Eva Högl (SPD) diskutiert Deutschland über die Zukunft der Truppe

Als ehemaliger Wehrpflichtiger begrüße ich den Vorstoß der neuen Wehrbeauftragten zur Wiedereinführung der Wehrpflicht. Drei Aspekte halte ich dabei für besonders positiv: Die Bürger in Uniform halten die Bundeswehr demokratisch und verhindern damit einen Staat im Staat. Der Dienst für den Staat verdeutlicht, dass der Staat nicht selbstverständlich ist, sondern auch verteidigt werden muss. Und schließlich dient die Wehrpflicht für die jungen Menschen auch als Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung und Orientierungshilfe vor der Berufswahl.

Dr. Robert J. Degenhardt

Tolerant durch Wehrdienst

Die Abschaffung des Wehrdienstes war ein großer Fehler. Junge Leute konnten Respekt, sich in eine Gemeinschaft einzuordnen und sich auf andere einzustellen lernen. Mädchen sollten zum verpflichtenden Sozialdienst herangezogen werden, um zu lernen, dass Instagram und Follower keine Lebensinhalte sein können. Es würde in unserer Gesellschaft sehr viel anders aussehen, nämlich sehr viel toleranter und respektvoller.

Klaus-Peter Müller

Viele Fragen zum Ausstieg

4./5. Juli: Deutschland steigt aus. Spätestens 2038 kein Strom mehr aus Kohle. Bundestag und Bundesrat billigen Gesetz. Entschädigung für Betroffene

Geschafft! Der Kohleausstieg kann kommen. Aber ist der Kohleausstieg in trockenen Tüchern? Bis Ende 2022 sollen acht Kohlekraftwerke im Rheinland vom Netz genommen werden, so der beschlossene Kohleausstieg. Zusätzlich sollen 2022 noch die letzten sieben Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Neben dem bereits Ende 2019 abgeschalteten Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg wird bis Ende 2022 die deutsche Stromerzeugung um 20 Prozent reduziert. Aber wie wird die Energieversorgungslücke kompensiert? Durch Windenergie, durch Photovoltaik? Diese erneuerbaren Energien stehen nicht immer zur Verfügung. Kaufen wir dann die benötigte Energie aus dem Ausland ein? Wann kommt endlich das Energiewendekonzept, das in Zukunft die Energieversorgung auch an windarmen Tagen sicherstellt? Viele Fragen, auf die der Wirtschaftsminister noch keine Antworten gegeben hat. „Schaufensterpolitik“ reicht nicht aus. Wir brauchen eine ehrliche, nachhaltige, realistische Energieversorgung.

Peter Kurland, Neu Wulmstorf

Alles Gute für Berufsanfänger

4./5. Juli: Generation Ratlos: Was kommt nach dem Corona-Abitur?

Bereits im Titel werden wieder nur die 9000 Abiturienten erwähnt. Was ist mit den tausenden Abgängern mit einem ESA- und MSA-Abschluss? Bereits in den vergangenen Wochen war nur von den ausgefallenen Abifeiern zu lesen. Sehr bedauerlich, aber auch bei jeder anderen Schulform ist jegliche Feierlichkeit ausgefallen, das stand nur nirgends. Nun ist der Abidurchschnitt sogar besser als in 2019. Das freut mich, aber wie sieht es bei den anderen Abschlüssen aus? Sollte sich das eigenständige Erarbeiten des Prüfungsstoffs bei manch 16-Jährigen altersbedingt als schwierig herausgestellt haben? Ich weiß es nicht, weil es nirgends stand. Nun lese ich, dass es schwierig ist, einen Ausbildungsplatz als „Überbrückung“ bis zum Studium zu bekommen. Kann es sein, dass die Firmen ihre freien Stellen lieber jungen Leuten geben, die voraussichtlich dem Unternehmen erhalten bleiben? Ich wünsche allen Berufsanfängern, dass sich ihre beruflichen Wünsche erfüllen.

Imke Eggers, Schenefeld

Helgoland macht es vor

4./5. Juli: Hand drauf – oder lieber doch nicht mehr? Seit Beginn der Corona-Pandemie verzichten fast alle Menschen auf das uralte Begrüßungs- und Abschiedsritual

Viele Jahre habe ich es auf Helgoland erlebt und als sehr angenehm empfunden, dass Verwandte oder Bekannte sich ausschließlich mit einem freundlichen „Moin“ begrüßen. Es kommt niemand auf die Idee, ohne Handschlag etwas verpasst zu haben. Vermutlich wird die kleine Gruppe der Pferdehändler nach Vertragsabschluss den Handschlag traditionell beibehalten. Ein Schaden wird dadurch ganz sicher nicht verursacht.

Helmut Pommerenck