Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. Juli 2020

Wegräumen hilft nicht

4./5. Juli: Bitte keine neuen Bilderstürme! Das Bismarck-Denkmal erinnert an einen Mann, der Deutschland Einheit und Frieden brachte und Hamburg Wohlstand und Weltgeltung

Es ist sehr zu begrüßen, dass es nach Hajo Schumacher auch Ulrich Lappenküper gewagt hat, sich mit den Denkmalstürzern und Bilderstürmern argumentativ auseinanderzusetzen. Eine konstruktive Beschäftigung mit der Problematik sogenannter „Helden“ kann nicht durch Wegräumen und Verschweigen geschehen, sondern nur durch eine bewusste Diskussion und Aufarbeitung. Es gibt praktisch keine vollständig vorbildlichen Persönlichkeiten, und es muss darum gehen, dies zu analysieren und wenn möglich, die richtigen Schlüsse für uns selbst zu ziehen. Kritische begleitende Texte sind hierfür ein Anfang, optimal wäre eine Aufarbeitung beispielsweise über Geschichtswerkstätten verbunden mit einer offenen öffentlichen Diskussion.

Michael Pommerening

Selektiver Blick auf Bismarck

Vielen Dank für den Gastbeitrag von Professor Lappenküper. Hier kommt jemand zu Wort, der offensichtlich nicht nur eine profunde Kenntnis der Person Bismarcks hat, sondern der Geschichtsschreibung auch als eine sachlich, nüchterne Arbeit betrachtet, die unabhängig von ideologischen und/oder Zeitgeist getriebenen Sichtweisen bleiben muss. Ganz anders dagegen die Professoren Zimmerer oder Richter, die Bismarck durch eine selektive Brille auf den Teil seiner Persönlichkeit reduzieren wollen, der gerade dem Zeitgeist folgend in der Kritik steht. Das hat mit seriöser Geschichtsaufarbeitung nichts zu tun. Wer so agiert, betreibt eine Art Gesinnungshistorismus. Solche Art Geschichtsschreibung sollten wir Diktaturen überlassen.

Bernd Plath

Fingerzeige zum Nachdenken

Der Autor betrachtet Bismarcks Hinterlassenschaft differenziert, das kann man (leider) nicht von jedem Mitbürger erwarten. Aber sind Bismarcks Verdienste oder Sünden das einzige Argument für den Erhalt oder das Schleifen des Denkmals? Denkmäler sind Fingerzeige zum Nachdenken über unsere Vergangenheit und Gegenwart – auch Stolpersteine gegen das Vergessen oder gar gegen die Verleugnung. Manche werden Wallfahrtsorte, manche ringen uns Bewunderung ab, manche stimmen nachdenklich, manche erinnern und mahnen uns. Der Himmel bewahre uns vor Historikern, die uns das ersparen wollen. Einen gelungenen Umgang damit finden wir am Dammtor, wo das Ensemble um das sogenannte 76er-Denkmal Lehrmittel zu einer eindringlichen Lehrstunde deutscher Geschichte geworden ist, das uns täglich ermahnen kann, unsere sich wandelnden Wertvorstellungen zu überprüfen. Bei der augenblicklichen Debatte um die scheinbare Auslöschung von unliebsamer Vergangenheit kommen auch mir Bilder von Hitlers Sturm auf entartete Kunst und Literatur oder Maos Kulturrevolution in den Sinn.

Uwe-Carsten Edeler

Mit zweierlei Maß gemessen?

3. Juli: Grote: keine Straftat, aber Fehlverhalten. Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Annahme von VIP-Freikarten des FC St. Pauli

Eher am Rande erfährt der Leser, dass das Verfahren gegen den ehemaligen Bezirksamtsleiter und heutigen Innensenator Grote wegen der Annahme von acht VIP-Freikarten für den FC St. Pauli bereits im Mai 2020 geräuschlos eingestellt wurde. Wenn man bedenkt, wie langatmig, intensiv und medienwirksam dieselbe Staatsanwaltschaft immer noch gegen den ehemaligen Bezirksamtsleiter Harald Rösler wegen der Annahme von Stones-Karten ermittelt, ist das mehr als überraschend. Herrn Rösler hält man vor, dass er – als Dank für die Karten – dem Konzertveranstalter teilweise die Nutzungsgebühren für den Stadtpark erlassen haben soll. Wurde bei Herrn Grote wirklich innerhalb so kurzer Zeit umfassend geprüft, ob dessen Bezirksamt in den Jahren, in denen Herr Grote die Karten bekommen hat, gegenüber dem FC St. Pauli stets maximale Härte gezeigt hat? Oder wurde hier bewusst darauf verzichtet, der Frage nachzugehen, ob nicht Vorteilsnahme, sondern Bestechlichkeit vorliegt? Vor diesem Hintergrund kann man zumindest verstehen, warum Herr Grote seine erneute Ernennung gefeiert hat.

Bernd Emmermann

Klage in Kauf nehmen

2. Juli: Barmbek: Schüler müssen nach Bergedorf pendeln. Anwohner auf der Uhlenhorst lehnten ein Bürogebäude als Ausweichquartier der privaten August-Hermann-Francke-Schule ab

Die Bewohner der Gründerzeitvillen und ansprechenden Geschosswohnungsbauten am Theresienstieg – wie viele mögen es sein? – haben beschlossen, eine zweijährige Nutzung eines Bürogebäudes als Übergangslösung für eine Halbtagsschule in ihrer Nachbarschaft abzulehnen. Sie sind der Meinung, dass es den 300 Schülern und Schülerinnen durchaus zuzumuten sei, täglich eine bis zu zwei Stunden für Hin- und Rückfahrt dauernde Fahrzeit mit dem Schulbus in Kauf zu nehmen, um an einen anderen Standort in Bergedorf zu kommen. Und sie sind der Meinung, dass ihre Sorge, sie könnten in ihrer Ruhe gestört werden, was höchstens in den vormittäglichen Pausen und bei Schulschluss kurzfristig eintreten könnte, höher wiege, als das frühere Aufstehen der Kinder und ihr späteres nach Hause kommen mit entsprechend weniger Freizeit. Dazu kämen noch die Kosten für die anzumietenden Schulbusse, die sich auf ca. 1000 Euro täglich beliefen. Sollte das Bezirksamt doch eine Ausnahmegenehmigung erteilen, besteht die Gefahr einer Klage. Dann nehme man doch die Gefahr einer Klage in Kauf und lasse den Richter entscheiden, ob Kinder in dieser Stadt eine Lobby haben.

Karin Lesser, Hamburg-Rissen

Behörde sollte entscheiden

Ich frage mich, wieso es überhaupt eine Umfrage unter den Bewohnern des Theresienstiegs gegeben hat? Warum kann so etwas nicht einfach von der Behörde entschieden werden? Es geht hier ja nicht um einen Freizeitpark, sondern um eine Schule. Diese Entscheidung sollte ja wohl im öffentlichen Interesse liegen und Bedarf keiner Abstimmung.

Doris Schulze

Mehr Spieler aus Hamburg

2. Juli: Ist der HSV entwicklungsfähig? Der Club will neue Wege gehen, damit sich Spieler nicht konstant verschlechtern

Die Profis haben versagt. Sie konnten nicht beweisen, das sie besser sind. Daher wäre es zu begrüßen, wenn Spieler aus dem Hamburger Bereich den Kader des HSV füllen würden. Vereine wie der NTSV, Victoria, Altona 93, TSV Sasel, Dassendorf, Norderstedt usw. haben eine hohe Ausbildung. Warum schaut man sich diese Spieler nicht einmal an. Es ist doch eine Aufgabe eine Auswahl von Hamburgern Spielern zu formen. Eine Aufgabe für einen guten Trainer und für die sportliche Leitung. Ein Traum wäre eine HSV-Mannschaft nur aus Hamburg, wie 1960, mit Jürgen Kurbjuhn als einzigen Auswärtigen aus Buxtehude. Der Fan-Bereich würde weiter wachsen und die Zustimmung in der Wirtschaft und in der Bevölkerung könnte für eine positive Stimmung sorgen. Nur Mut! Ihr könnt es schaffen.

Jens-Uwe Burmester

Wo war Professor Kuck?

3. Juli: ,Es war ein kapitaler Fehler!‘ Der berühmte Kardiologe Prof. Karl-Heinz Kuck im Gespräch

Herr Professor Kuck ist zweifelsohne ein anerkannter Kardiologe. Aber wo war er als die Virologen, Lungenfachärzte, Internisten, Pfleger und Pflegerinnen Tag und Nacht die Kranken versorgten und zu heilen versuchten? Hat er sich gekränkt versteckt? Was auch immer, hinterher lässt es sich leicht kritisieren. Ich bin im Wohnbeirat einer großen Hamburger Senioreneinrichtung (Hospital zum Heiligen Geist) und bin voller Hochachtung ob der großen Leistungen, die jene Verantwortlichen über Wochen Tag und Nacht geleistet haben. Für die muss der Einwurf von Professor Kuck wie Hohn klingen.

Johanna von der Heyde-Hampel