Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. Juli 2020

Das sehen wir nicht mehr ein!

3. Juli: Hamburgs breitester Radweg

Es ist schon seltsam, der Ballindamm wird mit Millionen zum Radweg ausgebaut. Ich bin Vorsitzender eines Kleingartenvereines „Westende 520“ in Tonndorf. Unser Gelände ist privat verwaltet und durch die SAGA weitervermietet. Durch unseren Verein führt ein ausgeschilderter Radfahrweg, wer das gemacht hat und mit wessen Genehmigung entzieht sich meiner Kenntnis. Das Problem ist, das wir selbst für die Wegeunterhaltung verantwortlich sind. Das heißt, der durch die Radfahrer kaputt gefahrene Weg muss auf unsere Kosten instand gesetzt werden. Das sehen wir nicht mehr ein und sehen uns gezwungen, den Weg so herzurichten, dass er von Radfahrern nur noch schwer genutzt werden kann. Ich habe bei der Stadt schon etliche Stellen angeschrieben, jetzt sogar den Bürgermeister. Nichts geschieht! So toll wird das Radwegenetz unterhalten und ebenso wird eine gewisse Partei hochgelobt.

Uwe Zimmermann, Hamburg

Mit Remis für Klassenerhalt

2. Juli: Das Duell der Gegensätze. Selten waren bei einem Relegationsspiel die Voraussetzungen so ungleich wie in der Konstellation Werder Bremen gegen 1. FC Heidenheim

Sollten die Relegationsspiele 0:0 und 1:1 ausgehen, wäre Werder durch, auch ohne Sieg gegen den David aus der Ostalb. Schon bei den Relegationsspielen des HSV gegen die Underdogs aus Fürth 2013/2014 (0:0 und 1:1) habe ich mich sehr darüber gewundert, dass in diesen Spielen die sogenannte Europapokal-Arithmetik greift. Im Fall der Relegationsspiele ist es einfach armselig für den höherklassigen Club, mit einem aggregierten Remis die Klasse halten zu können.

Chris Dreyer

Gemeinnutz vor Eigennutz

2. Juli: Barmbek: Schüler müssen nach Bergedorf pendeln. Anwohner auf der Uhlenhorst lehnten ein Bürogebäude als Ausweichquartier der privaten August-Hermann-Francke-Schule ab

Ich frage mich seit Jahren, wann setzen Behörden und Gerichte die Bedeutung des Satzes: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ auch einmal gegen die Interessen der zu bedauernden Anwohner und Nachbarn durch. In diesem Fall ist die vorherige gewerbliche Nutzung durch die Firma Otto Wulff m. E. durch die Behörden in keiner Weise gewürdigt. Das Gebäude Theresienstieg 11 und 13 ist eine Gewerbeimmobilie. Wenn ich über diesen und andere Fälle wie Kinderlärm, Nutzung von Fußballplätzen etc. nachdenke, frage ich mich – was ist aus dieser Gesellschaft geworden und wo geht es noch hin. Meine Kinder sind Gott sei Dank erwachsen.

Wolfgang G. von Bargen

Keine Menschenfreundlichkeit

Jeder Vater, jede Mutter und auch engagierte Großeltern eines Schulkindes können sich vorstellen, was es für eine Katastrophe bedeutet, wenn ein Kind einen Schulweg von mindestens zwei Stunden pro Tag hat. Was das noch nach sich zieht für jedes einzelne Kind, (berufstätige) Eltern, Geschwisterkinder und Termine innerhalb der Familie kann man sich nur ausmalen, ohne dies selber erleben zu wollen. Und all das, weil die Anwohner einer privilegierten Wohngegend anscheinend ihre Ruhe haben möchten? Oder warum sonst haben anscheinend fast ausnahmslos alle Anwohner des Theresienstieges gegen den zeitlich begrenzten Schulbetrieb der August-Hermann-Francke-Schule gestimmt? Jeder weiß, dass die kommenden Generationen unsere Rente finanzieren. Ihnen gebühren dafür wenigstens die richtigen Voraussetzungen, um dieses Ziel auch erreichen zu können. Nichts anderes wäre es gewesen: Eine Investition in unsere Zukunft und schlicht Menschenfreundlichkeit gegenüber den Schwächsten im System. Und wer von den Anwohnen hätte eigentlich selbst gern einen beruflichen Fahrtweg von zwei Stunden täglich?

Simone Stahn

Sieht so Solidarität aus?

Mit wachsender Empörung habe ich den Artikel gelesen. Ich habe gehofft,dass die gemeinsam durchlebte Zeit der Corona Pandemie zu einer nachhaltigen Veränderung des Miteinanders führen würde. Anscheinend ist das bei den Bewohnern „auf der Uhlenhorst“ nicht der Fall. Gerade unsere Schulkinder, die besonders unter dem Lockdown zu leiden hatten, brauchen jetzt jegliche Unterstützung. Aber wie angenehm ist doch dagegen das ruhige Leben im Theresienstieg, wo man sicherlich nicht allzu sehr von den Einschränkungen existenziell betroffen war. Sollen doch die Kinder für das eigene Ruhebedürfnis einen längeren Schulweg hinnehmen. Sieht so die Solidarität in einer Krise aus?

Rüdiger von Schmude

Spielzeug auf dem Abstellgleis

1. Juli: Bahn soll in Zukunft im Halbstunden-Takt fahren. ,Schienenpakt‘ will die Fahrgastzahl bis 2030 verdoppeln

Wer von Takt spricht, muss zunächst richtig ticken, wie so ein Takt aussehen soll. Schließlich geht es nicht um die Bahnhofsuhr, sondern um Bahnkunden die rechtzeitig ankommen oder umsteigen wollen. Ich bin doch nicht, wie angedacht, bescheuert und verlasse mich auf planlose Fahrpläne. Und was den Güterverkehr angeht, da fährt die Bahn dem Lkw schon seit Dürr’s Zeiten hinterher. Angefangen mit diesem Mann von Adenauers Gnaden, wechselte man(n) die Bahnchefs von einem Politikum nach dem anderen: Ludewig aus dem Wirtschaftsministerium gab eine Gastrolle und wurde „verlobt“ als Lobbyist der Autoindustrie, dann folgte Mehdorn – Allzweckwaffe für Pleiten, Pech und Pannen – und mit Grube holte man sich auch einen Straßenkehrer ins Haus, der von Bahn so viel Ahnung hatte, wie ein Hahn vom Eier legen. Als Volksvermögen hat die Bahn schon lange aufgehört dem Volk zu gehören. Heute ist die Bahn nicht nur ein Spielzeug der Verkehrsminister, nein auch als Abstellgleis für verdiente Politiker, die mit Kelle, Trillerpfeife und Vorstands-/Aufsichtsrat-Schirmmützen den Bahntower in Berlin besetzen. Und wer da glaubt, die Bahn ist ein Wirtschaftsunternehmen, der sollte wissen, dass der Schienenverkehr in Deutschland seit der Bahnreform Jahr für Jahr durch staatliche Unterstützungszahlungen – Steuergelder in Höhe von zehn bis 15 Milliarden Euro – kofinanziert wird. Da ist es auch absurd, wenn die DB AG von „Gewinnen“ spricht, da bis zu einem Drittel des Umsatzes dieses Konzerns aus ebensolchen staatlichen Zuzahlungen bestehen. Und dann will ein Verkehrsminister, der bereits die Straße „vermaut“, ein Schienenpaket schnüren, ohne die Knotenpunkte zu kennen. Eine Revolution wäre, wenn mal Bahn-Fachleute und Logistikexperten die Schalthebel übernehmen.

Peter B. Sanden, Oldenburg

Was steht im Staatsvertrag?

1. Juli: Kürzungen beim NDR: ,Es wird schmerzhaft‘. ,Entscheider treffen Haider‘ mit Joachim Knuth, dem neuen Intendanten des Norddeutschen Rundfunks

In dem langen Gespräch fehlt ein wichtiger Aspekt. Das von uns allen finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen hat in den letzten zehn Jahren viele, viele Milliarden Euro allein für Sportrechte rausgehauen. Die angeblich ach so wichtigen Sportereignisse konnten leider nicht z.B. bei RTL oder Pro Sieben gezeigt werden, weil diese und andere beim Preispoker damals nicht hatten mithalten können. Jetzt wird dafür angekündigt, allein beim NDR 200 Stellen zu streichen und bei den freien Mitarbeitern empfindlich sparen zu wollen. Man sollte mal im Staatsvertrag nachsehen, ob der Erwerb von Sportrechten überhaupt vorgesehen ist. Meines Wissens geht es da nur um Bildung, Information und Unterhaltung. Und zwar in genau der Reihenfolge.

Dr. Roman Landau

Mindestpreis für Fleischwaren

27./28. Juni: Der Kampf gegen Billigfleisch

Wie wäre es, über einen Mindestpreis für Fleischwaren nachzudenken? Was im Buchhandel über die Buchpreisbindung möglich ist, sollte doch auch für Fleischprodukte möglich sein.

Horst Kock, Geesthacht