Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 26. Juni 2020

Aus der Seele gesprochen

25. Juni: Mein Leben in den wilden Zwanzigern: … und plötzlich diese K-Frage. Ja, ich werde bald 28. Zeit, endlich an Kinder zu denken? In vielen Mädelsrunden geht es nur noch um das eine

Sie haben mir (wieder einmal) so aus der Seele gesprochen, denn die K-Frage ist auch im Jahr 2020 leider noch immer der Dreh- und Angelpunkt in den Biographien vieler Frauen. Diese Frage ist innerhalb einer Partnerschaft als gemeinsame Entscheidung von Frau und Mann zu treffen. Wann wird es endlich möglich sein, dass die Kinderbetreuung von beiden auf Dauer gemeinsam durchgezogen und täglich organisiert wird, auch wenn das Teilzeitarbeit für den Mann bedeutet? Und wann hören junge Frauen und deren Mütter endlich damit auf, die althergebrachten Rollen anzunehmen und bunte Hochzeitsshows etc. zu idealisieren? Das habe ich (62) mir früher schon anhören müssen und kann einfach nicht glauben, dass wir da noch nicht herausgewachsen sind, Mädels!

Ulrike Hartmann, Wedel

Seehofer hat recht

24. Juni: Der Minister mit dem Dickschädel. Eine Journalistin verunglimpft die Polizei als ,Müll‘. Das will Horst Seehofer nicht hinnehmen – und streitet mal wieder mit der Kanzlerin

Auch eine Bundeskanzlerin kann sich falsch entscheiden. Wer in dieser angeheizten Situation die Polizei im Müll entsorgen will und das in einer allen zugänglichen Tageszeitung sagt, macht nicht vom Recht auf „freie Meinungsäußerung“ Gebrauch, sondern heizt die Lage weiter an und beleidigt diejenigen, die uns schützen sollen und heutzutage selbst vor pubertierenden Randalieren geschützt werden müssen. Seehofer hat recht.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Auch Lehrkräfte sind betroffen

23. Juni: Woher kommt die Gewalt gegen die Polizei?

Wenn die Frage aufgeworfen wird, ob es rassistisch geprägte Verhaltensweisen in der deutschen Polizei gibt, dann wird von verantwortlichen Politikern schon die Fragestellung als Generalverdacht aufgebauscht und entschieden zurückgewiesen. Dabei geht es aus meiner Sicht nur um eine Sensibilisierung dafür, ob polizeiliches Handeln vorurteilsfrei erfolgt. In Ausbilderkreisen der Polizei wird das mögliche Problem durchaus gesehen und eher sachlich betrachtet im Hinblick auf mögliche Veränderungen in den Ausbildungscurricula. Die Ermittlungen im Fall der NSU-Morde dürften noch nicht vergessen sein. Auch der missglückte Artikel in der „taz“ kann nicht ursächlich sein. Die Akteure der Krawalle in Stuttgart schätze ich eher nicht als „taz“-Leser ein und auch nicht als differenzierte Kritiker von möglichen Fehlern bei praktischer Polizeiarbeit. Von Rücksichtslosigkeit, fehlendem Respekt bis hin zu körperlichen Attacken sind im Übrigen auch Rettungskräfte, Behördenmitarbeiter und Lehrkräfte an Schulen betroffen. Die letztgenannten Gruppen werden eher selten in Frage gestellt und trotzdem Zielscheibe von Aggressionen. Die Ursachen für aggressives Verhalten in unserer Gesellschaft sind vielfältig. Bei der gründlichen Ursachenforschung darf man nichts ausblenden. Vor allem darf man keine Ereignisse in verkürzter Form für seine politischen Interessen nutzen, wenn man an positiven Veränderungen interessiert ist.

Per Lorenz

Seelische Unterstützung fehlt

24. Juni: Feiern, Schule, Veranstaltungen: Was Hamburg wieder möglich macht. Senat will Corona-Beschränkungen zum 1. Juli umfassend lockern

Lockerungen wohin man sieht: Schwimmbäder sind geöffnet, Kitas und Schulen gehen in den Regelbetrieb. Feiern und Theaterbesuche sollen ab 1. Juli möglich sein. In Pflegeheimen sind Besuche glücklicherweise zum Wohle der Bewohnerinnen und Bewohner wieder möglich, ebenso wie in den Krankenhäusern. Vergessen werden wir: Die Patientinnen und Patienten der onkologischen Stationen des UKE. Seit ich vor acht Wochen meine Diagnose erhalten und von jetzt auf gleich mitten aus meinem Leben und dem Kreis meiner Familie gerissen wurde, liege ich nun hier im UKE auf der Leukämiestation und hoffe auf Heilung. Durch das strikte Besuchsverbot gibt es keinerlei persönlichen Kontakt zu Angehörigen, auch nicht zu einer einzelnen ausgewählten Person. Ich bin nicht sicher, ob jemand, der sich nicht in dieser Situation befindet, ermessen kann, welche psychische Belastung das darstellt. Der Verdacht liegt nahe, dass das Besuchsverbot nur deshalb bis auf unbestimmte Zeit aufrecht erhalten wird, weil just auf dieser Station im April der Coronaausbruch stattgefunden hat. Das UKE und das Gesundheitsamt wollen offensichtlich um jeden Preis verhindern, noch einmal in negative Schlagzeilen zu geraten. Zum Gesundwerden gehört aber auch, neben der hier wirklich herausragenden medizinischen und pflegerischen Versorgung, die seelische Unterstützung, die man nur durch den persönlichen Kontakt mit seinen Liebsten bekommen kann. Leider scheinen wir Schwerkranke keine Lobby zu haben. Anders ist es nicht nachzuvollziehen, dass ein Besuch unter ähnlichen Schutzbedingungen, wie in den Pflegeheimen, nicht möglich sein soll. Zumal wir in manchen Fällen nicht einmal wissen, wie viel Lebenszeit uns überhaupt bleibt. Es ist eine unmenschliche Entscheidung!

Silke Keller, Station C5a, UKE Hamburg

Dummheit ersten Grades

24. Juni: SPD-Abgeordnete feierten mit Grote. Affäre nach Umtrunk mit 30 Gästen und Nutzung einer „Regelungslücke“ weitet sich aus. Gastronomen prüfen Klage

Natürlich lässt sich der Umtrunk von Andy Grote auch als Bagatelle bewerten, nur wenn man dann rückwirkend an die Corona-Einschränkungen der letzten Wochen denkt, besonders an die kleinen Wohnungen in den Hochhäusern, dann war dieser Umtrunk schon eine Dummheit ersten Grades. In einem Senat wünsche ich mir nachdenklichere Mitglieder.

Siegfried Meyn

Falsches Handeln erkennen

Von einem Innensenator darf man erwarten, dass er besonders in schweren Zeiten richtiges von falschem Handeln unterscheiden kann. So eine Einladung zur Stehparty rutscht einem nicht raus wie eine unbedachte Bemerkung. Dazu gehört eine gewisse Überlegung und Planung. Egal ob Herrn Grote bei dieser Planung einfach die Arroganz des Mächtigen geleitet hat oder ob er intellektuell nicht in der Lage war, die Folgen vorauszusehen, in beiden Fällen hat er sich damit disqualifiziert für das Amt des Innensenators. Wenn Herr Tschentscher nicht die eigene Glaubwürdigkeit verspielen will, hat er keine andere Wahl, als Grote zu entlassen.

Dirk Hasenkox, Quickborn

Leichtsinnig, nicht mutig

24. Juni: Schwimmen in Alster und Elbe – das sind die Gefahren

Als Ruderer habe ich seit einigen Jahren bei „schönem Wetter“ ein mulmiges Gefühl, wenn wir mit unseren Booten den Winterhuder Kai passieren. Dort gibt es eine anwachsende Menge an Leuten, die ahnungslos bis in die Mitte des Teiches schwimmen. Unsere Ruderboote haben die Geschwindigkeit eines Joggers, ihre Ruderblätter kommen beim Vorrollen auf mehr als 20 km/h. Ein scharfes Abstoppen ist nicht möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ruderer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und der Steuermann hinten im Boot sitzt. Da kann man den Kopf eines Schwimmers schon mal mit einer Ente verwechseln (die wegfliegen kann). Außerdem hat der Alsterlauf genau dort eine schlecht einsehbare Biegung. Den Schwimmer am Winterhuder Kai, der auf dem Titelfoto abgebildet ist, würde ich nicht als mutig, sondern als leichtsinnig bezeichnen.

Jürgen Beeck

Fachkundige Rezension

22. Juni: Das neue und großartige Album Bob Dylans

Vielen Dank für den kenntnisreichen Text über Bob Dylan und die fachkundige, sehr positive Rezension über „Rough and Rowdy Days“, die neue CD des Meisters.

Thomas Hahn, Norderstedt