Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Juni 2020

Plastikvisier statt Maske

19. Juni: Leserbrief: Regeln vereinheitlichen

Der Gastronomin Lindenberg ist voll zuzustimmen, bundeseinheitliche Regeln sind dringend überfällig, nicht nur im Gastgewerbe. So ist es z.B. nicht nachvollziehbar, dass Kunden sich in einem Supermarkt mit Stoffmasken quälen, während das Personal an der Fleischtheke ohne entsprechenden Schutz arbeitet. Der Maskenqual als Kunde („so schnell wie möglich wieder hier raus“) kann man übrigens ganz leicht durch ein Plastikvisier entgehen, das freies und gesundes Ein- und Ausatmen ermöglicht und auch dem Bedienungspersonal in Gaststätten Erleichterung geben kann und – nebenbei ein ganzheitliches Lächeln wieder ermöglicht.

Gerhard Klußmeier, Rosengarten

Können wir uns das leisten?

17. Juni: Wo soll die U 5 halten? Reden Sie mit! Hochbahn sammelt Ideen für den Stephansplatz

Auch wenn in Corona- und Konjunkturpaketzeiten selbst sehr fragwürdige Großprojekte plötzlich finanzierbar erscheinen, so sind sie es am Ende leider nicht. Denn nachfolgende Generationen müssen irgendwann die Schulden zurückzahlen. Daher muss man sich vor dem ersten Spatenstich für die U 5 fragen: Können wir uns das leisten, steht der Aufwand in einem realistischen Verhältnis zum Nutzen für die Fahrgäste? Mit 310 Millionen Euro pro Kilometer ist die U 5 eine der teuersten U-Bahnlinien der Welt. Am Ende werden es zehn Milliarden Euro sein oder auch noch mehr – andere Großprojekte mit ihren Kostenexplosionen, wie die Elbphilharmonie, lassen grüßen. Und der Nutzen für die Fahrgäste ist sehr begrenzt. Sie müssen bis zu den Bahnsteigen über 20 Meter, sieben Stockwerke tief unter die Erde steigen, damit oberirdisch Platz für die Autos bleibt. Endlose Rolltreppen – bei Pendlern viermal am Tag – und das wohl für Jahrhunderte baulich unverrückbar festgelegt. Für den Preis eines Kilometers dieser Luxus-U-Bahn bekommt man 15 Kilometer Stadtbahn auf der Straße. Diese ist oberirdisch, leicht zugänglich, hat mehr Haltestellen, ist schnell zu bauen und mit nur einem Zehntel der Kosten einer U-Bahn zu betreiben. Und für die erwarteten Fahrgastzahlen reicht eine moderne Stadtbahn völlig aus. Von der verheerenden Klimabilanz durch die Menge des verbauten Betons in einem U-Bahn-Tunnel will ich ganz schweigen. Also liebe Hochbahn, überdenkt dieses Megaprojekt im Interesse der kommenden Generationen.

Norbert Holtz

Keine Eingriffe in den Park

Leider wird nicht erwähnt, dass die Variante B bedeutet, dass der Japanische Garten in Planten un Blomen (eine der Oasen im Park), zerstört würde. Außerdem stehen in dem Bereich sehr alte und wichtige Bäume, die erhalten werden müssen. Die jetzige Gestaltung, die gerade Richtung Dammtorbahnhof entsteht, müsste dann auch wieder aufgerissen und zerstört werden. Das ist eine Planung, die nicht akzeptabel ist. „Keine Eingriffe in den Park“ sollte als oberste Planungsvorgabe umgesetzt werden. In dem Bereich der Innenstadt gibt es reichlich Stationen zum Umsteigen, da muss nicht der japanische Garten für eine Planung zerstört werden. Auch VerkehrsplanerInnen müssen lernen, über den Tellerrand zu schauen und die Folgen von Planungen in die Überlegungen einbeziehen.

Jutta Kodrzynski

Purifikation als weise Lösung?

16. Juni: Bismarck-Denkmal in Altona mit Farbe beschmiert

Ich freue mich auf die sicherlich folgende Debatte: Was tun mit dem rotbefleckten und m. E. nun endlich wieder interessanten Bismarck-Denkmal an der Königstraße? Ich denke mal, wenn die neue Altonaer Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg jetzt leichtfertig auf die Idee kommen sollte, ihr „Heer-Management des öffentlichen Raumes“ ausrücken zu lassen, um den frisch aufgetragenen roten Lack auf der Bronzeplastik wegzukärchern, könnte dies möglicherweise eine Purifikation (d. h. Stilreinheit auf Teufel komm raus) des Denkmals zur Folge haben – also einen Rückfall in das Jahr 1898, am 9. Juli – drei Wochen vor dem Tod des damaligen Reichskanzlers a. D. Ein große Gefahr besteht nämlich möglicherweise, dass durch die Säuberungsarbeiten die natürlich gewachsene grüne Patinaschicht zerstört wird und uns im Anschluss ein eher „brauner Bismarck“ - á la „Michel nach den Restaurierungsarbeiten“ (2008/2009) – nachhaltig ins Auge sticht. Eventuell können wir ja zum Ergebnis kommen, dass dem Bismarck-Denkmal im Schleepark durch die rote Farbe eine „bedeutende Zutat“ zugefallen ist, diese somit dauerhaft Bestand haben darf und auf der Patina, sofern möglich, konserviert werden kann.

Thomas Rüsch, Hamburg-Winterhude

Kürzungen verhindern Qualität

18. Juni: ,Radio nimmt für Kinder an Bedeutung ab‘. NDR-Hörfunk-Chef Adrian Feuerbacher über den Sparzwang und die Spekulationen über Streichungen bei ,Mikado‘ und dem ,Ohrenbär‘

Hörfunk-Chef Adrian Feuerbach gibt zu, dass das Zusatzangebot „Mikado-Extra“ großen Erfolg hatte. Dort konnten qualitativ hochwertige Kinderhörspiele gehört werden, die aufwendig beim NDR produziert wurden. Ebenso freut sich die Reihe „Hörspiel und Schule“ sehr großer Beliebtheit und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Kulturauftrags. Die Hörspiele, die in diesem Rahmen vorgeführt werden, wurden ebenso aufwendig produziert, obwohl der Etat der kleinen Kinderrundfunkredaktion „Mikado“ schon immer zu gering war. Wie sollen denn bei weiteren Etatkürzungen weiterhin hochwertige Kinderhörspiele produziert werden, wie „Hitlers Kanarienvogel“, „Gespensterjäger“ oder gar Liveorchester-Hörspiele wie „A Christmas Carol“ und „Alice im Wunderland“, die mit dem NDR-Rundfunkorchester in Hannover über Jahre realisiert wurden. Wie sollen die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finanziert werden, die dies alles produzieren und Radio vor Ort in Schulen erlebbar machen? Bei weiteren Etatkürzungen wird ein qualitativ hochwertiges Angebot für Kinder nicht mehr leistbar sein, unabhängig davon, wie viel im Radioprogramm gesendet wird und wie viel online zur Verfügung steht. Dagegen muss etwas unternommen werden!

Margit Kreß

Für die Sicherheit aller Bürger

18. Juni: Der endlose Kampf gegen Einparkunfälle. An der Waitzstraße in Othmarschen krachen regelmäßig Autos in die Läden. Nun soll sie umgestaltet werden – mal wieder. Doch es gibt Streit

Es ist zu befürchten, dass die geschilderten Unfälle auch weiterhin passieren, so lange nicht die Fachkompetenz zu Wort kommt, sondern Politiker, für die die „Schönheit“ der Waitzstraße Vorrang hat gegenüber der Unversehrtheit der Menschen, die sich dort bewegen – Fahrer, aber ebenso Passanten. Das Szenario der Unfälle ähnelt sich frappant: Ein alter Mensch (darf ich sagen, bin selbst einer) fährt vorwärts in eine Schrägparklücke. Kein Problem! Beim Ausparken im Rückwärtsgang wird der Querverkehr erst erkennbar, wenn das Fahrzeug bereits auf dreiviertel seiner Länge in die Straße hineinragt. Die erschrockene, oft panische Reaktion: Vorwärtsgang einlegen und Gas geben, um zurück in die Lücke zu kommen (manchmal leider zuviel des Notwendigen), in der Aufregung das Verwechseln der Pedale, dann ungebremst in eine Schaufensterscheibe. Warum wird die Lösung dieses vermeidbaren Unfallgeschehens dem Parteienstreit im Bezirk Altona anvertraut? Die Aufzählung der selbsternannten Fachleute im Artikel ist entlarvend: Die Fraktionschefs der Grünen, der CDU, der FDP, dazu die Handelskammer, Vertreter des Bezirks und auch der Polizei. Viele vermeintliche Experten, aber wenig erworbene Kompetenz. Das Problem Waitzstraße muss dringend gelöst werden, aber nicht aus ästethischen Gründen, sondern aus Gründen der Sicherheit und Unversehrtheit der Bürger, die diese Straße nutzen. Vorschlag: In die derzeit existierende, aber leider säumige bis untätige Arbeitsgruppe „Ertüchtigung“ sollten wirkliche Experten wie Psychologen, Gerontologen und erfahrene Verkehrspolizisten und ebensolche Fahrlehrer integriert werden. So wie derzeit gehandhabt, kann es jedenfalls nicht weitergehen.

Klaus Meyer, Eidelstedt