Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Juni 2020

Risikogruppe bleibt zu Hause

15. Juni: Gastronomen gegen Maskenpflicht. Wirte und Dehoga fordern eine freiwillige Regelung, wie sie auch in Schleswig-Holstein gilt

Wenn das Personal in Gaststätten ohne Maske bedient, würde ich nicht mehr in ein Restaurant gehen. Die ältere Generation wird sich den Restaurantbesuch verkneifen, weil die Sicherung einer Ansteckung nicht mehr gewährleistet ist. Ich gehe bis jetzt sehr gerne essen ins Restaurant, aber ganz ohne Schutz des Personals nicht mehr. Und ich denke, ich spreche hier für die überwiegende Anzahl der älteren Generation.

Birgit Kraft, Bergedorf

Warten bis nach Corona

13./14. Juni: Schranke für Pendler in Ohlsdorf kommt im Herbst

450.000 Euro für die Durchfahrtsschranken auf dem Ohlsdorfer Friedhof stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen dieser Aktion. Zum Einen frage ich mich, wer für sich die Meinung in Anspruch nehmen kann, dass Tote immer nur Ruhe haben möchten? Vielleicht ist das gar nicht so, wer kann das mit Bestimmtheit sagen? Ich fahre täglich mit dem Fahrrad über den Friedhof und kann keinen unerträglichen hohen Pendlerverkehr beobachten. Zum Anderen ist in dieser Zeit, in der durch die Corona-Krise Unterstützung der Arbeitnehmer, Betriebe – eigentlich aller Lebensbereiche – von Nöten ist und unsere finanzielle Situation bedingt durch Kündigungen, Kurzarbeit, Insolvenzen und weniger Steuereinnahmen milliardenschwere Einbußen erlebt, so eine Maßnahme schon beispielhaft verschwenderisch und unwichtig. Egal, was einst beschlossen wurde, man muss in Krisenzeiten auch den Mut haben, von weniger wichtigen Vorhaben Abschied zu nehmen. Ursula Bockelmann

Letzte Ruhe Rummelplatz?

Ein Hohn, wer wie der Behördensprecher Jan Dube dem Ohlsdorfer Friedhof die Worte: „Ein Friedhof soll ein Ort der Trauer, des Gedenkens und der Ruhe sein...“ zuspricht. Mit der Ruhe ist es angesichts der von der Friedhofsleitung angestoßenen Negativentwicklung (Ohlsdorf 2050) seit einigen Jahren vorbei. Nicht nur, dass durch Abholzungen und Auslichtungen bedingt täglich verstärkt akustische Emissionen von Autos, Rasentraktoren, Trimmern, Häckslern, Laubbläsern und Kettensägen wahrgenommen werden. Sportliche Aktivitäten unterschiedlichster Art gehen inzwischen einher mit Picknick auf den Urnenfeldern und Hundeauslauf mit den entsprechenden Hinterlassenschaften. Vielfach wird auf dem Friedhof nicht mehr mit dem Fahrrad geradelt, sondern mit ebensolchen gerast und die vormals heimeligen Friedhofswege sind zu gut ausgebauten Wirtschaftswegen (sog. Sichtachsen) mutiert, die jetzt auch immer häufiger von Pkw genutzt werden. Natürlich hat all dies Auswirkungen, weniger auf die Befindlichkeit von Erholung suchenden Fremdnutzern, da sich diese hier nur vorübergehend aufhalten, als vielmehr auf die zahlenden Friedhofsnutzer, die als Angehörige von Verstorbenen genau diesen Ort der Ruhe suchen. Wer möchte schon seine letzte Ruhe auf einem Rummelplatz haben? Hier hilft auch keine Schranke mehr. Da sind andere Friedhöfe inzwischen zu einer besinnlicheren und preiswerteren Alternative geworden.

Klaus Eckstein, Hamburg

Die Region hat sich verändert

12. Juni: Noch schöner als im Fernsehen. Serie: Die schönsten Urlaubsorte an Nord- und Ostsee. Das Land zwischen Schleswig und Kappeln sowie die Ostseeküste bis zur Geltinger Bucht gelten fast noch als Geheimtipp

Das Gebiet ist kein Geheimtipp mehr, leider. Und ja, es ist eine wunderschöne Region, die ich seit langem kenne und liebe. Leider musste ich feststellen, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles geändert hat. Auch in Kappeln und Umgebung, Stichwort Olpenitz. Massenbebauung und Massentourismus inklusive Zersiedelung einer Landschaft als Renditeobjekte für betuchte Bürger und Geldquelle für die Stadt Kappeln. Auch die Stadt selbst hat sich verändert, nicht immer zu ihrem Vorteil, touristisch geprägt mit Einkehrmöglichkeiten unterschiedlichster Ausprägung, zum Beispiel typischen Touristenklamottenläden. Dafür Verlust alteingesessener Einkaufsmöglichkeiten. Zuletzt der Fleischerladen gegenüber dem Hotel Aurora. Sehr schade, es ist viel ursprüngliches Flair verloren gegangen. Aber sei’s drum, die Umgebung bleibt wunderschön. Ich hoffe, dass dies nicht untergeht durch den Bau- Rendite- Tourismus- und Einnahmenhype der einzelnen Orte und politisch Verantwortlichen. Tourismus als Haupteinnahmequelle hat einen gehörigen Schuss vor den Bug bekommen durch die Coronapandemie. Daraus sollte man lernen. Und wenn etwas erst einmal bebaut oder zugebaut ist, kann man auch nicht mehr mit ursprünglicher Natur werben.

Ona Bosse

„Ich hab’ solche Sehnsucht...“

13./14. Juni: Das Sylt-Gefühl: Ja, es ist Liebe. Serie: Die schönsten Urlaubsorte an Nord- und Ostsee. Zwischen Liebe und Hass – kaum eine Insel polarisiert so stark

Besser als in diesem Artikel können meine Empfindungen für Sylt nicht ausgedrückt werden. Allerdings weiß ich genau, wann (ich war 14) und weshalb diese Liebe begann. Bis heute, bin jetzt 59, ist das so und es wird so bleiben. „Oh, ich hab’ solche Sehnsucht...“

Frank Wulf

Armseliges Trauerspiel

12. Juni: Sendeschluss für das NDR-Kinderradio? ,Mikado‘ und ,Ohrenbär‘ auf NDR Info sollen eingespart werden

Nun wird also die Axt ausgerechnet an die Kinderprogramme gelegt, mit denen man künftige Radiohörer heranziehen könnte. Dafür hat das einzige aus steuerähnlichen Beiträgen finanzierte Medium keine Mittel mehr? Wie viele Stunden Kinderradio könnte man produzieren, wenn man nur eine jener seichten, in pittoresken Weltgegenden spielenden Groschenromanverfilmungen wegließe, nicht jedes Sport„ereignis“ zum Wohle des Berufssports übertragen würde, oder, für den Anfang, die Hälfte der gnadenlos gut gelaunten Doppelmoderationen im Radio wegließe? Ist es wichtiger, immer wieder versichert zu bekommen, wie schön es im Norden ist, wo wir inzwischen aus dem Fernsehen jeden Feldweg zu kennen glauben oder ist es wichtiger, (nur) drei Stunden gut gemachtes Kinderprogramm pro Woche auszustrahlen? Ein vernünftiges Vollprogramm erwarte ich vom NDR-Hörfunk schon lange nicht mehr, aber ausgerechnet die Kindersendungen abzuschaffen ist ein armseliges Trauerspiel!

Peter Moller

Mehr Behindertenparkplätze

12. Juni: ,Ich werde die Bürger von der Verkehrswende begeistern.‘ Der neue grüne Verkehrssenator Anjes Tjarks über seine Vision vom Stadtverkehr der Zukunft

Anjes Tjarks vertritt mit seinen Plänen, die Anzahl der Parkplätze zu vermindern, nur die mobilen, gesunden Menschen, die gerne in Ruhe Einkäufe machen wollen und Restaurants, Museen und andere Sehenswürdigkeiten wie z.B. Kirchen besuchen wollen. Aber denkt er auch an behinderte und schwerbehinderte Menschen, die auch dieses Vergnügen haben möchten und im Einzelhandel und nicht nur online einkaufen möchten? Wie wäre es, lieber Herr Tjarks, wenn Sie im Rahmen Ihrer schwungvollen Pläne, Parkplätze abzuschaffen, mehr Behindertenparkplätze schaffen würden? Denn auch wenn der ÖPNV von Behinderten teilweise genutzt werden kann, soll dieser demnächst ja auch vom City-Kern entfernt verkehren. Auch diese Möglichkeit, in die Innenstadt zu kommen, ist für Behinderte beschwerlich, wenn nicht sogar unmöglich. Dürfen nach Ihren Plänen Behinderte denn mit dem Auto in der Innenstadt für eine bestimmte Zeit parken, wenn sie den blauen Parkausweis besitzen? Auch die Parkhäuser sind nicht gerade sehr geeignet für Behinderte. Übrigens ist Hamburg nach Aussage der Verkehrsbehörde eine Stadt mit viel zu wenig ausgewiesenen Behindertenparkplätzen im Vergleich zu anderen Großstädten, sodass es hier schwerer ist als in anderen Bundesländern, die Genehmigung für einen entsprechenden Ausweis zu bekommen.

Gisela Bomholt