Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Juni 2020

Besucherzahl beschränken

11. Juni: Fischmarkt – Ende einer Legende? Keiner weiß, wann und wie es weitergehen kann. Währenddessen wächst die Angst der Marktbeschicker

Wie kann man von den Marktbeschickern und den vielen anderen Selbstständigen, deren Existenzen bedroht (oder bereits zerstört) sind noch Verständnis für die Schutzmaßnahmen erwarten, wenn gleichzeitig in deutschen Großstädten Demonstrationen mit vielen zehntausend Menschen stattfinden – größtenteils ohne Sicherheitsabstand und ohne Maskenschutz – und eine Kritik für dieses Fehlverhalten seitens der Politik und der meisten Medien ausbleibt? Hier stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht mehr. Ich würde mir für den Hamburger Fischmarkt eine für alle Seiten befriedigende Lösung wünschen. Sei es durch eine Teilnehmer- und Besucherbeschränkung oder durch einen freundlichen Appell an die zur Risikogruppe gehörenden Bürger, der Veranstaltung fernzubleiben.

Sebastian-Jakob Bauer, Hamburg

Kreative Ideen statt Protest

10. Juni: Hamburger Lehrer sollen in den Sommerferien unterrichten. Kinder sollen so Lernrückstände aufholen. Schulleiter protestieren: ,An Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten‘

Die Idee, für Schüler mit Lernschwierigkeiten Maßnahmen zu ergreifen, die diesen Schülern helfen könnten, wieder den Anschluss zu finden, ist mit Sicherheit vernünftig. Darüber nachzudenken, in welcher Form dies möglich sein könnte, wäre für mein Empfinden sowohl für die Lehrer als auch für den Landesschulrat bereits seit Schließung der Schulen berufsbedingte Pflicht gewesen. Überstürzte Maßnahmen sind dagegen wenig sinnvoll und werden bei der Mehrzahl der Lehrer auf wenig Begeisterung stoßen. Diese Lehrer sollten jedoch ihre Energie nicht ausschließlich in lautstarken Protest fließen lassen, sondern lieber mit kreativen Ideen versuchen, eine Lösung zu finden. Es sei denn, ihre Schüler sind ihnen egal. Dann haben sie in diesem Beruf nichts verloren.

Regine Ulbrich, Buchholz i.d.N.

Das Klein-Klein muss aufhören

10. Juni: Hamburger müssen nach Schweden-Urlaub in Quarantäne

Wie passt das zusammen? Die Bundesregierung hebt die Reisewarnungen einschließlich Schweden auf, und gleichzeitig verfügen die Landesfürsten eine 14-tägige Quarantäne für Reiserückkehrer? Verdrehter geht Politik nicht mehr. Das Klein-Klein muss endlich aufhören. Wenn wir uns nur noch mit Verordnungen auf Landesebene oder noch kleinteiliger mit Verordnungen von Bürgermeistern beschäftigen müssen, wird der Weg zu einem geeinten Europa zerbrechen.

Johann-Matthias Andreae

Was ist schon ein Jahr Strafe?

10. Juni: Niemand darf wegschauen. Beim Kampf gegen Kindesmissbrauch ist die ganze Gesellschaft gefragt

Es ist schon empörend, dass Kindesmissbrauch bisher als „Vergehen“ angesehen wurde. Was ist schon ein Jahr Strafe? Das sitzen die Täter doch auf einer Pobacke ab. Die Opfer aber haben ein Leben lang damit zu kämpfen, wenn sie es überhaupt verkraften können. Ich frage mich nur, was sind das für „Menschen“, die diese abscheulichen Verbrechen begehen?

Danica Hubrich

Der Blick auf die Opfer fehlt

Die auch gegenüber der Politik immer lauter werdenden Forderungen nach höheren Strafen und mehr Sensibilisierung der Bevölkerung sind richtig und wichtig. Was mir als persönlich Betroffene aber immer noch fehlt, ist der Blick auf die Opfer. Nicht umsonst wird sexueller Kindesmissbrauch auch als „Seelenmord“ umschrieben. In den allermeisten Fällen bilden die Opfer schwerste psychische Störungen aus (komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, Borderlinestörung, Depression, dissoziative Identitätsstörung). Oftmals verhindern zusätzlich Amnesien (ein uns allen immanenter Schutzmechanismus vor einer Bewusstwerdung unaushaltbarer Qualen) die kognitive Erinnerung an den Missbrauch. Die Betroffenen leiden unter unkontrollierbarem Emotionsdruck, doch so lange ihnen der bewusste Zugang zum Trauma fehlt, fehlt die Erklärbarkeit ihres „so Seins“. So scheitern sie immer wieder in sozialen Beziehungen und an sich selbst. Um all dies freizulegen, zu verstehen und aufzuarbeiten braucht es empathische und langjährige Begleitung speziell ausgebildeter Psychotherapeuten im ambulanten ebenso wie im klinischen Setting. Die bisher von den Krankenkassen hierfür zur Verfügung gestellten Kontingente reichen bei weitem nicht aus. So kämpfen Betroffene nicht selten über viele Jahre oder gar Jahrzehnte nicht nur mit sich selbst, sondern auch um ihr Recht auf Anerkennung und angemessene Therapiemöglichkeiten. Dieser Kampf geht oftmals mit weiteren Demütigungen einher. Die Betroffenen brauchen Mut, Kraft, Ausdauer und die richtigen Begleiter an ihrer Seite, um eines Tages von Opfern zu Überlebenden werden zu können. Liebe Politiker, helft ihnen dabei!

Maike Lunna

Verschwendung von Geldern

10. Juni: Hamburg gibt Tom Tailor Millionen-Bürgschaft. Senat begründet das finanzielle Engagement mit der Sicherung von Arbeitsplätzen bei dem Modekonzern. CDU reagiert mit Unverständnis

Wie kann es sein, dass der Senat Tom Tailor mit einer Bürgschaft von 37,6 Millionen Euro unterstützt, ohne den chinesischen 75 Prozent Hauptgesellschafter Fosun mit in die Verantwortung zu nehmen? Dieser verlängert nur sein bestehendes Darlehen, das im Falle einer Insolvenz ohnehin verloren wäre. Fosun ist das größte in Privatbesitz befindliche Konglomerat in der Volksrepublik China mit einem Umsatz von ca. acht Milliarden Euro. Fosun gehört u.a. das Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Offensichtlich glaubt dieser höchst liquide Gesellschafter im Gegensatz zum Senat nicht an eine Rettung, sonst hätte er sich jetzt ebenfalls finanziell engagiert. Tom Tailor ist aufgrund von schwerwiegenden Managementfehlern in eine bedrohliche Schieflage geraten und nicht aufgrund von Corona. Andere Hamburger Modeunternehmen zeigen, dass es auch anders geht. Eine unglaubliche Verschwendung von Steuergeldern. Das Geld ist in spätestens vier Jahren weg, sollen wir wetten?

Eckbrecht von Grone

Fehler korrigieren

10. Juni: Dramaqueen HSV. Im Volkspark gehört das Spektakel zum Programm. Nach dem 3:3 gegen Kiel und dem dritten Last-Minute-K.-o. stellt sich wieder die Frage: Ist dieser Club reif für die Couch?

Seit Jahren ist offensichtlich, dass es weniger an körperlicher Fitness, technischem Können oder der Taktik liegt, sicher geglaubte Partien den häufig entschlosseneren Gegnern zu schenken. Ja, die Zusammenarbeit mit Sportpsychologen ist sicher ein langfristiges Projekt, aber als genau das haben sich nun Abstiegskampf und vermeintlich schneller Wiederaufstieg herausgestellt, weil der HSV selbstgefällig meint, auf Profis auch für diese Aufgabe verzichten zu können. Da diese Problematik sich auch nach einem Aufstieg nicht von selbst auflöst, bleibt dem Hamburger Sport Verein weiter die Chance, diesen Fehler zu korrigieren.

Michael Scholz

Da überlebt keine Raupe...

11. Juni: Leserbrief: Verbot für Laubbläser und 11. Juni: Was jeder für Schmetterlinge im Garten tun kann

Lärmbelästigung der Laubbläser ist das eine. Aber sehr viel schlimmer zeigt sich die Zerstörung von Pflanzen und Kleinstlebewesen durch diese Geräte. Wann werden diese Dinger, die zur „Pflege“ der Pflanzbeete und Rasenränder das gesamte Jahr über unverändert im Einsatz sind, endlich verboten. Ich kann es nicht mehr hören, der Umweltsenator beklagt aktuell das Sterben der Schmetterlinge (Bienen und Vögel), aber wo sollen die auch herkommen/wachsen, wenn alles „sauber“ geputzt wird, da überlebt keine Raupe, keine Laus, kein Würmchen.

Antje May