Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Juni 2020

Risiko Falschparker

4. Juni: Nach tödlichem Unfall: Sind Radfahrer geschützt? Neuer Senat will Sicherheit erhöhen

Ich bin sowohl als Auto- als auch als Radfahrer viel in Hamburg unterwegs. Meiner Ansicht nach besteht ein Hauptrisiko für Radler in zugestellten Radwegen, vornehmlich durch Lieferwagen wie Paketdienste. Diese blockieren häufig aufgrund ihrer Breite zugleich Rad- und Gehweg, so dass dem Radfahrer nur das Ausweichen auf die Straße bleibt, oft mit Überwindung einer hohen Bordsteinkante. Eine weitere Gefahr stellen Radwege dar, die plötzlich und ohne Vorwarnschild im Nichts enden, oft auch ohne Weiterführung des Gehweges, so dass wieder nur das Ausweichen auf die Straße bleibt. In beiden Situationen hilft dem Radfahrer auch eine defensive und vorausschauende Fahrweise nichts, ohne die er im „Großstadtdschungel“ ohnehin keinen Tag überleben würde.

Michael Sturhan, Schenefeld

Überzogene Reaktion

4. Juni: Volle Strände: Ostseebäder wollen mehr Polizei

Ist das nicht alles ein wenig überzogen? Die Schleswig-Holsteiner Ostseeküste war doch nur so übervoll, weil die Nordseeküste ebenso wie Mecklenburg-Vorpommern für Tagesbesucher dicht gemacht hatte. Was blieb denn allen Meersüchtigen übrig als Richtung Lübecker Bucht zu fahren? Wenn alle Verantwortlichen mal eins und eins zusammengezählt hätten – ein gemeinsames Vorgehen hätte die Situation sicher entspannt. Diese Situation aber als Voraussetzung für mehr Polizeipräsenz zu nehmen, ist nicht angemessen.

Solveig Binroth, Norderstedt

Die Ehrenamtlichen fehlen

3. Juni: ,Therapeuten muss man in die Heime lassen‘. Klaus Schäfer, ehemaliger Vorstand der Ärztekammer, sieht Betreiber in der Pflicht

Es sind nicht nur die ausgebildeten Therapeuten die fehlen, sondern auch die ehrenamtlich Tätigen, die vorlesen, spazieren gehen, sich unterhalten oder mit den Heimbewohnern spielen. Da auch diese teilweise nicht mehr in die Pflegeeinrichtungen durften, wurde den ohnehin schon alleingelassenen Menschen, die vor Corona zwei bis drei mal in der Woche Besuch bekamen und auch Gemeinschaftsveranstaltungen besuchen konnten, die Möglichkeit genommen, mit einem Menschen persönlich (außer Pflegepersonal und Ärzte) zu kommunizieren. Durch die teils strengen Auflagen war es zeitweise auch nur erlaubt, auf den Zimmern zu essen, so dass es auch unter den Heimbewohnern keine Unterhaltung mehr gab, und die Einsamkeit noch größer wurde. Telefonate können keinen persönlichen Kontakt ersetzen. In unserer Familie endete die Besuchersperre (sechs Wochen) leider mit dem Verlust eines geliebten Menschen, der eine Familie hinterlässt, die den plötzlichen Verlust nur schwer begreifen/fassen kann. Unsere Familie wünscht allen in einer ähnlichen Situation, dass es für alle anderen Betroffenen einen besseren Ausgang nimmt. Zu überlegen wäre es, Videotelefonie oder einen Besucherraum einzurichten, damit auch wieder der visuelle Kontakt zur Familie da ist.

Familie Braitmaier, Hamburg

Vorgezogenes Wahlgeschenk?

3. Juni: Zwei Halbzeiten für ein Programm

Dass im Rahmen der Corona-Krise eine weitgehende Unterstützung der Wirtschaft angebracht und insbesondere die Forderung nach einem höherem Verdienst von Pflegekräften von allen Seiten erhoben wird, ist nachvollziehbar und sinnvoll. Nicht nachvollziehbar erscheint jedoch die unterschiedslose Unterstützung von Familien, die im Rahmen des geplanten Konjunkturprogramms pro Kind einen einmaligen monatlichen Betrag von 300 Euro, nach Ansicht von Herrn Laschet sogar 600 Euro, erhalten sollen. Mit welcher Berechtigung sollen eigentlich begüterte Familien und insbesondere Millionäre auch von dieser Wohltat des Staates profitieren? Die Regierungskoalition scheint jedes Augenmaß verloren zu haben, nach dem Motto, auf ein paar Milliarden Schulden mehr oder weniger komme es auch nicht mehr an. Leben wir eigentlich in einem Schlaraffenland? Oder handelt es sich bereits jetzt um ein vorgezogenes Wahlgeschenk? Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls auf.

Dr. Claus Rabe

Mehr Eigenverantwortung

3. Juni: Corona: Keine Neuinfektionen am Dienstag

Laut der aktuellen Infektionszahlen zirkuliert der Corona-Virus fast gar nicht in Hamburg, auch nicht in anderen Bundesländern. Weiterhin werden Kontaktbeschränkungen verhängt. Weiterhin wird mit Angst vor Neuinfektionen und mit Sanktionen für alle Bürger des Landes reagiert. Ich denke, dass von Seiten der Regierung eine realistische Einschätzung in Bezug auf die Wirkungsweise des Corona-Virus verloren gegangen ist. Meinem Demokratieverständnis widerspricht es, mit Einschränkungen, Verboten und Kontrollen zu verfahren und nicht auf das eigene Denkvermögen der Menschen und deren Verantwortlichkeit zu setzen. Demokratie lebt von Mündigkeit und Eigenverantwortung. Sie lebt von einem offen geführten Dialog. Das gilt besonders auch für Zeiten der Krise. Sibylle Wilcken

Radwege sanieren

2. Juni: Koalition steht – wer sich wo durchgesetzt hat. Nach rund sechswöchigen Verhandlungen haben sich SPD und Grüne geeinigt, weitere fünf Jahre zusammenzuarbeiten. Eine Analyse

Es wäre sehr zu begrüßen, wenn das bestehende Radwegesystem nicht nur weiter ausgebaut wird, sondern vor allem auch saniert würde. Die Radwege auf den Gehsteigen sind vielerorts in einem katastrophalen Zustand mit Schlaglöchern und Baumwurzeln, so dass eine tatsächlich große Gefahr für Radfahrer und Fußgänger besteht. Andere Radwege, z.B. an der Alster und am Rondeel wurden ohne Not entfernt. Fahren denn die Entscheider nie die vielen Wege ab und kontrollieren, wo dringend etwas getan werden muss? Auch die Verkehrsschilder sind in ganz Hamburg nach einer halbherzigen Propaganda-Aktion in vielen Straßen weiterhin vollkommen ausgeblichen oder verdreckt und beklebt, manche kaum lesbar. Wenn wir uns beim zuständigen Amt beschweren, rät man uns, die Stellen zu fotografieren und zu lokalisieren. Aber dafür sind es inzwischen zu viele – leider!

Annelie Kirchner

ÖPNV für alle kostenfrei

2. Juni: ,Wir müssen die Autohalde leer bekommen‘. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) über die Bahn, Investitionen in Milliardenhöhe und die umstrittene Autoprämie

28 Milliarden für „Autoländer“? Die Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen empfehlen eine Kaufprämie für Autos und Herr Scheuer will als Investition in die Zukunft 28 Milliarden Euro dafür locker machen. Ich empfehle nach dem Vorbild von Luxemburg die kostenlose Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs oder zumindest eine Halbierung der Fahrpreise. Ich empfehle nach dem Vorbild von Frankreich eine Kostenerstattung von Fahrradreparaturen, um denjenigen, die aufs Fahrrad umsteigen möchten, den Umstieg zu erleichtern. Ich empfehle eine Mobilitätsprämie für alle diejenigen, die ihren Arbeitsplatz zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, da haben alle Menschen etwas davon. Mit meinen Steuern will ich keine Autofirmen subventionieren.

Rainer Löbel

Auf Dividenden verzichten

Das fehlt jetzt noch: Beschaffungsprämien für Pkw jeglicher Bauart zu fördern. Kleinwagen, auch mit Verbrenner, sind in Ordnung. Aber großvolumige SUV? Nein. Die Großaktionäre sollten zunächst mal auf ihre Dividenden zur Aufrechterhaltung der Arbeitsplätze verzichten, bevor nach dem Staat gerufen wird. Das Motto „Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen“ sollte als als unmoralisch und unsozial gebrandmarkt werden.

Dr. Jürgen Koch, Holm