Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 3. Juni 2020

Schockierendes Foto

2. Juni: Pfingsten in Berlin – Corona, war da was?

Das Foto vom Landwehrkanal in Berlin, mit vielen hundert Schlauchbooten dicht an dicht, hat mich geschockt! Ich wohne in einem Dorf im Kreis Pinneberg. Wenn mir auf der Dorfstraße zwei Personen entgegenkommen, wechseln sie die Straßenseite. Man könnte sich ja anstecken. Wieso können die Berliner tun, was sie wollen und keiner sagt was? Mein Dorf ist Virusfrei. Für Berlin sehe ich schwarz.

Heinz Koopmann

Statt Salmi Dauerlutscher

2. Juni: Sprechen Sie hamburgisch? ,Salmi‘

Das „Sprechen Sie hamburgisch?“ hat bei mir nette Erinnerungen an die Endfünfziger geweckt. Bei mir waren es jedoch keine Salmi, sondern bunte Dauerlutscher. Die lagen in einem Glashafen im oberen Regal des Krämers „Pröve“ an der Ecke Eimsbütteler Straße/Paulinenallee in Altona. Ich verlangte nach fünf für fünf Pfennige. Dieter wollte dann auch fünf. Da Herr Pröve uns „Banditen“ schon kannte, und Peter schon vor dem Laden entdeckt hatte, verschwand der Glashafen griffbereit unter dem Tresen. Als Peter dann auch fünf Lutscher verlangte, grinste Herr Pröve nur. Natürlich erinnere ich mich auch an den Stern von Salmi auf dem Handrücken. Wir hatten allerdings eine weitere Variante. Salmi wurden in eine leere Krebsschere gestopft, die wurde dann im Mundwinkel getragen und mit der Zunge die Salmi herausgeschleckt. Das war dann, heute würde man sagen, megacool. Die ausgekochten Krebsscheren besorgten wir uns übrigens von einem Fischgeschäft in der Langenfelder Straße/Ecke Arnkielstraße. Der Fischmann hatte eben erkannt, was Kinder wünschten.

Jürgen Sibbert

Verkehrspolitik ohne Vernunft

29. Mai: Bürger sollen Bahnausbau mitfinanzieren. Rot-Grün einigt sich in Koalitionsverhandlungen auf ,Green Bonds‘ der Hochbahn und neue Förderprogramme gegen die Corona-Krise

Auch wenn über die von SPD und Grüne geplante und von der Hochbahn auszugebende Ausleihe „Green Bonds“ keine Einzelheiten bekannt sind, ist festzustellen, dass die Hamburger Hochbahn AG seit 100 Jahren Gestaltungswerkzeug der Senatspolitik ist. Nun sollen die Hamburger der Hochbahn Geld leihen, vermutlich gut verzinst, um so Vorgaben des Senats mitzufinanzieren. Das könnte vielleicht Sinn machen, wenn der Senat bestehende Kapazitätsprobleme im Nahverkehr in ganz Hamburg mit Vernunft und wirtschaftlichen Lösungen angehen würde. Dazu zähle ich nicht die U5, mit Kosten, die ein leistungsfähiges Stadtbahnnetz für große Teile von Hamburg erlauben. Es scheint so, dass die mit einem starken Wählermandat ausgestatteten Grünen nicht in der Lage sind, diese Vernunft in die Hamburger Verkehrspolitik einzubringen. Radfahrwege und keine Busse in der Mönckebergstraße sind dieser Partei offensichtlich wichtiger.

Lutz Achilles

Angst vor Italiens Staatspleite

30./31. Mai/1. Juni: Willkommen in der Schuldenrepublik. Die Corona-Krise ruiniert den Haushalt – und könnte langfristig den Deutschen eine rot-rot-grüne Mehrheit bringen

Matthias Iken übertreibt ein bisschen mit seiner Sorge vor der deutschen Überschuldung. Viel mehr Sorge müssen wir Deutschen und muss ganz Europa vor etwas anderem haben: vor der Staatspleite Italiens! Eine zu große Zahl der Einwohner meines Lieblingsurlaubslandes ist recht weit entfernt von dem, was man ein „Staatsvolk“ nennt. Für die meisten Norditaliener beginnt südlich von Rom Nordafrika. Also überlässt man die Förderung des Südens eher der EU. Da werden dann schon mal auf Sizilien, wo Wälder selten sind, fünf Außendienst-Forstbeamte von 30-40 Verwaltungsbeamten betreut. Die Subventionen für die Renten mit 62 Jahren für Männer und 58 Jahren für Frauen fressen die gesamten Einnahmen des Staates auf. Italien muss schnellstens heraus aus dem Euro. Alle haben Sorge vor Eurobonds. Die Schuldenvergemeinschaftung erfolgt aber längst mittelbar über die Finanzierung der Pleite-Staaten durch die Europäische Zentralbank. Alle Europäer bezahlen das schon seit Jahren mit Nullzinsen für ihre Sparguthaben. Die EU kann ein 6o Millionen Volk wie Italien nicht retten, ohne selbst daran zu zerbrechen!

Bernd Wenzel, Buchholz

Zu kurz gesprungen

30./31. Mai/1. Juni: Die vergessene Generation. Auf den ersten Blick scheinen die Alten und Hochbetagten besonders vom tückischen Corona­virus betroffen zu sein. Doch auch die Jungen leiden extrem – das fällt nur kaum jemandem auf

Die älteren Mitmenschen sind, zunächst scheint es so, von dem Corona-Virus stärker betroffen. Bis heute sind mögliche Folgewirkungen des Virus auf die körperliche Gesundheit, auch junger Menschen, nach überstandener Infektion, jedoch nicht vollständig bekannt. Die bisherigen Maßnahmen gelten damit auch dem Schutz junger Menschen und ihrer Zukunft. Wenn die bisherigen Folgen der Corona-Pandemie geringer als bei vorhergegangenen Pandemien (z. B. Hongkong-Grippe) sind, sollten wir uns freuen und die Abwehrmaßnahmen als erfolgreich betrachten. Wenn nun der CDU-Abgeordnete Herr Ploß mehr Generationengerechtigkeit einfordert, ist dieses durchaus berechtigt. Die Rentenkassen müssen vermutlich künftig durch zusätzliche Steuergelder aufgefüllt werden. Daraus zu schließen, dass dadurch die Generationengerechtigkeit verletzt würde, ist allerdings „zu kurz gesprungen“. So könnten die künftigen Zuschüsse z. B. durch die Erhöhung der Mindesteinkommen (Mindestlohn) bereits erheblich verringert werden.

Peter Böttcher, Glinde

Paranoide Diskussion

30./31. Mai/1. Juni: ,Kinder sind keine Virenschleudern‘. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann über neue Lockerungen, Geld für die Autoindustrie und seinen Parteifreund Boris Palmer

Ich habe immer schon gewusst, dass Kinder in erster Linie Kinder und keine „Virenschleudern“ sind. Diese und ähnlich geführte Diskussionen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie haben in meinen Augen regelrecht paranoide Züge. Ein Kind kommt als „Virenschleuder“ doch wohl nur in dem Moment in Betracht, in dem es mit dem Corona-Virus tatsächlich infiziert ist. Hinzu kommt, dass auch ein infiziertes Kind nur über einen bestimmten Zeitraum hinweg hochgradig ansteckend sein dürfte. Die Diskussion darüber, ob infizierte Kinder für andere Kontaktpersonen eine relevante Gefahr darstellen und wie dieser Gefahr begegnet werden kann, muss selbstverständlich geführt werden. Aber die Frage der „Berechtigung“ dieser Diskussion, vor allem im Hinblick auf ihre Heftigkeit, muss doch wohl entscheidend davon abhängig gemacht werden, wie sich die wissenschaftliche Erkenntnislage darstellt. Damit stehen m. E. diese Fragen im Raum: Wie viele Kinder und Jugendliche haben sich in Deutschland bisher überhaupt mit dem Virus infiziert und was lässt sich über die Übertragungswege sagen? Haben sich die infizierten Kinder bei anderen Kindern angesteckt? Wie sieht die Altersverteilung unter den infizierten Kindern aus? In wie viel Fällen haben infizierte Kinder Erwachsene nachweislich angesteckt?

Matthias Teichner

Leistungsprämien einführen

2. Juni: Das Spiel mit den Nerven. Das 3:2 gegen Wehen Wiesbaden war noch nicht der erhoffte Befreiungsschlag

Wieder einmal konnte die Mannschaft des HSV beim Spiel nur knapp einer Katastrophe entgehen. Mit Sehnsucht erinnere ich die Zeiten, als ich mein Taschengeld für einen Stehplatz im Volksparkstadium ausgegeben habe. Spieler wie Uwe Seeler, Beckenbauer, Netzer, Bierhoff usw. waren immer Garanten für tolle Spiele und Siege. Bei der jetzigen Situation gibt es nur einen Weg. Festgehälter drastisch kürzen und Leistungsprämien einführen. Vielleicht begreifen die Jungmillionäre dann, worum es geht. In der freien Wirtschaft wird ein derartiges System schon ewig praktiziert.

Günter Pooch