Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Juni 2020

Kinder gehören in die Schule

30./31. Mai/1. Juni: Die vergessene Generation. Auf den ersten Blick scheinen die Alten und Hochbetagten besonders vom tückischen Corona­virus betroffen zu sein. Doch auch die Jungen leiden extrem – das fällt nur kaum jemandem auf

Ich würde mich freuen, wenn die Bedürfnisse von Kindern und jungen Leuten wieder mehr in den Fokus rücken würden. Die psychosoziale Entwicklung kleiner Kinder muss unbedingt wieder vom Staat gefördert werden. Die Vereinsamung im Lockdown hat große Schäden hinterlassen. Genauso wichtig ist es, die Bildungsrückstände der vergangenen Monate aufzuarbeiten. Kinder gehören in die Schule, nur dort können sie gerecht gefördert und ausgebildet werden. Ich mache mir keine Sorgen um den aufgetürmten Schuldenberg der europäischen Staaten. Die jüngere Generation wird diesen niemals zurückzahlen, dafür sind die aufgetürmten Summen zu absurd. Hier kann man erwarten, dass die Staaten in absehbarer Zeit eine Bilanzkorrektur vornehmen werden, indem sie auf beiden Seiten der Bilanz die Nullen wegstreichen werden. Das dies passieren wird, ist eine logische Bestandsaufnahme. Dies wird ein großes Wehklagen auslösen, ist aber unvermeidlich.

Christiane Dornecker

Jammern auf hohem Niveau

Ich kann das Jammern über die aktuelle Situation in Kita und Schule nicht mehr hören. Fragen Sie mal die Ende der 30er-Jahre Geborenen, gegen deren Probleme die der jetzigen Kinder/Jugendlichen komfortabel sind. Väter (und Lehrer) im Krieg, Mutter berufstätig und nebenher Lehrerin, Pflegerin und Erzieherin (meist im Luftschutzkeller) und das ohne Homeoffice, Laptop/PC, Notbetreuung, Familien- und Kurzarbeitergeld. Und wir haben etwas gelernt, weil wir es wollten und unsere Mütter und wir haben nicht gejammert und später das Wirtschaftswunder mit erarbeitet. Vielleicht muss mal das Anspruchsdenken in Deutschland abgeschaltet werden.

Klaus Koch, Hamburg-Othmarschen

Mitarbeiter mitnehmen

30./31. Mai/1. Juni: Rettet den Hafen! Rotterdam und Antwerpen laufen Hamburg den Rang ab. Die Politik schaut nur zu

Die Marktmacht der Reeder-Allianzen darf nicht ignoriert werden, sie erinnert an die Einkaufsmacht eines Herrn Lopez von VW in den späten 90ern. Das ist auch unabhängig von eigenen Reeder-Bilanzen. Siehe Bilanz von Hapag-Lloyd 2019. Darauf müssen die Hamburger Terminals reagieren. Wenn es eine Fusion oder Kooperationen im Containerumschlag geben soll, muss eines immer mit bedacht werden: Die Mitarbeiter müssen auf diesen Weg mitgenommen werden. Auch gerade die Mitarbeiter im hafeneigenen Leiharbeiterpool Gesamthafenbetriebs-GmbH.

Thomas Nahr, Buchholz

Soziale Schere schließen

30./31. Mai/1. Juni: Willkommen in der Schuldenrepublik. Die Corona-Krise ruiniert den Haushalt – und könnte langfristig den Deutschen eine rot-rot-grüne Mehrheit bringen

Matthias Iken hat Recht, sich wegen des in der Corona-Krise entstandenen immensen Schuldenbergs in der Bundesrepublik und dessen Abbau Sorgen zu machen. Allerdings: Kein Wort von ihm darüber, dass es unsere Pflicht ist, den Abbau des Schuldenbergs schon jetzt in Angriff zu nehmen und nicht alles der kommenden Generation zu überlassen. Dass dies geschehen kann, deuten seine Lösungsvorschläge an, denn Investitionen in neue und nachhaltige Technologien und Produkte sind Langzeitprogramme, deren Erträge erst später zum Zuge kommen – wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Es gibt daher keinen Grund, quasi süffisant anzumerken, dass jetzt starken Schultern mehr Belastung zugemutet werden muss als bisher. Das ist keine Idee der SPD, das war stets das Prinzip unseres progressiv angelegten Einkommensteuertarifs. Und gerade die SPD hat vor 2005 dieses Prinzip der Belastungsgerechtigkeit verlassen. Das sollte unter anderem jetzt durch eine Reform der Einkommensteuer, die belastungsgerecht angelegt ist, korrigiert werden. Die soziale Schere muss sich mehr schließen. Statt dessen aber gibt es derzeit Tendenzen, dass dies nicht geschieht, zum Beispiel durch die aberwitzige Forderung, die Einkommensteuer jetzt zu senken. Oder den Soli möglichst sofort zu streichen, um angeblich die Kaufkraft bei den unteren Einkommen zu stärken. Die Politiker, die so argumentieren, haben keinen blassen Schimmer von der Grundtabelle der Einkommensteuer 2020. Dort genügt nur ein kurzer Blick um zu sehen, dass die unteren Einkommen beim Fortfall des Soli lächerlich wenig, ja, zum Teil überhaupt nicht steuerlich entlastet werden. Ja, und was den Versuch betrifft, das Verstaatlichungsgespenst wiederzubeleben, so ist das Schwachsinn und heute schon längst kein Thema mehr, ausgenommen für die Lufthansa.

Werner Meier

Nein zur Sternbrücke!

30./31. Mai/1. Juni: Bezirks-Chefin sagt Ja zur neuen Sternbrücke. Die Grüne Stefanie von Berg spricht sich für den Neubau aus

Nein zur geplanten Sternbrücke! Die Visualisierung zeigt mehr als deutlich die Massivität und für die Situation geradezu brachiale Dimension der geplanten neuen Sternbrücke. Das kann nicht wahr sein! Der Verkehr geht vor, ohne das Umfeld – dicht bebaute, überwiegend gründerzeitliche Wohnquartiere, die an der Sternbrücke eng zusammentreffen – in irgendeiner Weise zu berücksichtigen. Im Gegenteil: Ein großer Teil der Eckbebauung wird abgerissen und mitten in der Stadt brutal eine optische und faktische Schneise in die örtlichen Strukturen geschlagen. Es kann nicht sein, dass die Deutsche Bahn im Alleingang und ohne Berücksichtigung des Denkmalschutzes sowie der städtebaulichen Situation diese Planung umsetzen kann. Falls der Erhalt der denkmalgeschützten Sternbrücke tatsächlich nicht möglich sein sollte: Alternative Vorschläge für einen stadtbildverträglichen Neubau liegen bereits vor. Und: 2020 sollte Bürgerbeteiligung bei einem Projekt dieser Dimension selbstverständlich sein.

Birgit Caumanns

Skandalöser Verkehrsknoten

Warum sich die Bezirksamtsleiterin ohne Not gegen das Votum der Bezirksversammlung Altona stellt, die eine alternative Planung für die Sternbrücke fordert, ist für mich nicht nachvollziehbar. Und wieso eigentlich ist „der Drops .... gelutscht“? Lässt sich die Stadt Hamburg etwa ihre Stadtplanungshoheit von der DB nehmen?Eine solch überdimensionierte Brücke von 108 Meter Spannweite wird dort auch aus verkehrlichen Gründen von niemandem gebraucht. Was aber nicht heißt, dass es mit der vorhandenen Brücke keine Probleme gibt. Der eigentliche Skandal liegt für mich unterhalb der Brücke. Der Verkehrsknoten unter der Sternbrücke ist vom Standpunkt der Verkehrsführung eine Katastrophe. Man kommt als Fußgänger oder Radfahrer nicht ohne Gefährdung und nur mit großen Unsicherheit über die Kreuzung. Wer würde wohl hier einen Viertklässler alleine zur Schule gehen lassen? Warum kann man denn nicht über eine zwar neue – aber stadtbildgerechte – Brücke nachdenken? Denn tatsächlich ist schon jetzt abzusehen, das die heutige Brücke – mit den störenden Mittelpfeilern – nicht geeignet ist, den unübersichtlichen und unsicheren Verkehrsknoten zu entschärfen. Man sollte gleich nach der Senatsbildung von der Stadt Hamburg ein öffentliches Planungsverfahren verlangen, das eine humane Verkehrsführung unter der Brücke bei minimaler Spannweite ermöglicht.

Holger Geißelbrecht

Onlineeinkauf ohne Maske

30./31. Mai/1. Juni: Modeläden verlieren mehr als 70 Prozent Umsatz. Katastrophaler April – und die Aussichten für viele Händler sind weiterhin schlecht

Auch zu diesem Themenbereich wird die Hauptursache diskret ausgeblendet. Kleidung kaufen benötigt Zeit, man kauft Kleidung nicht so nebenbei wie eine Packung Toastbrot. Solange man gezwungen ist, in den Geschäften eine Maske zu tragen, werden die Leute jeden irgendwie vermeidbaren Aufenthalt in den Geschäften vermeiden und ihre Kleidung bei den entsprechenden Onlineanbietern kaufen.

Joachim Willers, Ellerau