Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. Mai 2020

Porsche mieten für Sylt

14. Mai: Sylt will am Vatertag alle Tagestouristen aussperren. Sorge vor Corona-Infektionen. Betreuungsverbot für Ausflügler soll bis Juni verlängert werden. Kreis entscheidet

Porsche mieten und die Rolex aus dem letzten Türkeiurlaub anlegen, dann sollte es klappen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht – auch wenn’s schwer fällt!

Manuela Ernd

Steuerverschwendung

14. Mai: Ausbau der U 4 beginnt im Sommer. Verlängerung ab Horner Rennbahn Richtung Horner Geest

Man muss sich die Zahl noch mal auf der Zunge zergehen lassen, 511 Millionen Euro für 1,9 Kilometer U-Bahn. Das ergibt 268 Millionen Euro pro Kilometer. Das betrachte ich als eine Wahnsinnssteuerverschwendung, da ein Kilometer moderne Straßenbahn 20 Millionen Euro kostet. Wäre es nicht in der Politik besser, wenn ideologische Scheuklappen abgelegt würden und sorgsam mit unseren Steuern umgegangen würde?

Matthias Christen, Eimsbüttel

Wo ist die Menschenwürde?

14. Mai: Leserbrief: Isolation macht lebensmüde und 13. Mai: Was in Hamburg wieder erlaubt ist – und was nicht

Ich kann dem Leserbriefschreiber uneingeschränkt zustimmen. Meine Frau ist nach einem Treppensturz mit Hirnblutung seit Ende Februar 2019 in einer Hamburger Pflegeeinrichtung. Seitdem habe ich sie täglich 1,5 bis 2,5 Stunden besucht. Damit war mit dem 13. März 2020 Schluss, Besuchsverbot. Anfangs hatte ich dafür noch Verständnis. Das hat sich allerdings total ins Gegenteil gewandelt. Besonders nachdem mir vor ein paar Tagen von der Stationsleiterin mitgeteilt wurde, dass mein Besuch bei meiner Frau sehr wichtig ist. Sie (meine Frau) hat in besorgniserregender Weise während Corona abgenommen. Wenn jetzt ab Montag gönnerhaft ein einstündiger Besuch pro Woche gestattet wird, natürlich unter den entsprechenden Auflagen (Zelt, Container, Gesichtsschutz, Aufsicht), klingt das für mich und sicher für viele andere Angehörige wie Hohn. Wer glaubt denn allen Ernstes, dass meine Frau mich nach neun Wochen hinter der Maske noch erkennen wird? Gebetsmühlenartig wird wiederholt die Menschenwürde ins Feld geführt, ja, wo ist sie denn? Wir haben uns versprochen füreinander „in guten wie in schlechten Zeiten“ da zu sein. Ja, wann denn sonst ist dieses Versprechen so wertvoll? Wir werden daran massiv gehindert. Das ist grausam und menschenunwürdig.

Eckhard Fiedrich

Bayern hat mehr Kultur

14. Mai: Der Kampf um das ,Bücherjournal‘. Der öffentlich-rechtliche Sender streicht die am längsten laufende Literatursendung Deutschlands. Nun formiert sich ein breiter Protest in der Stadt

Die Streichung des „Bücherjournals“ wundert mich nicht, denn die Kultur spielt im NDR kaum eine Rolle. Die einzige Kultursendung „Kulturjournal“ wurde immer mehr nach hinten verschoben und das „Bücherjournal“ sogar auf Mitternacht. Diesen Sendetermin finde ich eine Unverschämtheit, daran kann man die Wertschätzung von Kultur sehen. Ich empfehle NDR-Intendant Joachim Knuth in Sachen Kultur den Blick zum bayrischen Fernsehen! Die haben nämlich ein reiches Angebot an Kultur, mit Magazinen, Musik, Kabarett und Satire.

Peter Weißbach

Fleisch zum Niedrigpreis

13. Mai: Miese Praktiken in Schlachthöfen. Die Fleischindustrie braucht jetzt eine robuste Belehrung

Die Realität sieht doch so aus, dass der Lebensmitteleinzelhandel schon seit Jahrzehnten den Artikel Fleisch über Niedrigpreise als Lockmittel nutzt, um den Verbraucher erst einmal in den Laden zu bekommen. Das Hackfleisch muss möglichst 2,99 Euro kosten und wie geht das? Natürlich über den Einkauf. Und wie realisiert der Schlachtbetrieb diese möglichst kleinsten Preise? Dem Landwirt noch weniger für sein Produkte zu zahlen, geht gar nicht, der Berufsstand klagt eh schon und deren Lobby sorgt für entsprechende Publicity. Also geht es nur mit knallharten Kostenkalkulationen durch Betriebszusammenlegungen und Lohnkostensenkung. Schlachter will ebenfalls keiner mehr lernen, denn alle müssen Abitur machen und studieren. Und als Schlachter braucht man weder Abitur noch Studium. Wer macht also in Deutschland die Arbeit als Erntehelfer und Schlachthofarbeiter? Es sind die Arbeiter aus Rumänien, Bulgarien, Polen und Albanien. Es ist wünschenswert, diese Hilfskräfte menschenwürdiger unterzubringen, aber dann muss der Verbraucher auch bereit sein, für Lebensmittel mehr Geld zu bezahlen. Mir wird speiübel, wenn die Politik so tut, als ob das ganz neu wäre und Hubertus Heil davon spricht, dass er gründlich aufräumen wird. Vielleicht meint er seinen Schreibtisch, da findet er genügend Unterlagen über das hier Geschilderte.

Karl Georg Imke

Absurde Reaktion

11. Mai: Von der Leyen erwägt Verfahren gegen Deutschland. Kommissionspräsidentin sieht letztes Wort zu Anleihenkäufen beim Europäischen Gerichtshof

Seit Jahren werden von zahlreichen EU-Mitgliedstaaten die sogenannten Maastricht-Kriterien nicht eingehalten. Diese ständigen Vertragsbrüche werden in keiner Weise sanktioniert. Es werden noch nicht einmal entsprechende Verfahren eingeleitet. Dabei sollen die Maastricht-Kriterien dafür sorgen, dass der Euro eine stabile Währung ist und bleibt. Aus dem gleichen Grund war es der Deutschen Bundesbank und ist es jetzt der EZB verboten, zur Staatsfinanzierung die Notenpresse anzuschmeißen. Die Deutschen haben mit der Hyperinflation von 1923 und der Inflation, Bezugsmarken und Schwarzmarkt am Ende des zweiten Weltkrieges leidige Erfahrungen gemacht. Die Finanzkrise 2008 war nur ein Vorgeschmack auf das, was da angesichts der enormen Staatsverschuldungen auf uns zukommen wird. Wenn jetzt endlich mal eine Institution in Form des Bundesverfassungsgerichts in die ungehemmten Staatsanleihen-Käufe reingrätscht, scheint es ja doch noch so etwas wie Vernunft zu geben. Leider kommt dieser Schritt viel zu spät. Und die Reaktion von Frau von der Leyen, die jetzt ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland prüfen will, ist geradezu absurd.

André Counradi

Meinungsvielfalt zulassen

9./10. Mai: Was reitet die SPD? Fraktionschef vertreibt Johannes Kahrs aus der Politik – und die Parteispitze spielt mit dem transatlantischen Bündnis

Im kalten Krieg lebten wir mit der Möglichkeit, das Leben der Menschheit mehrfach auszulöschen, und der Mutual assured destruction (Gleichgewicht des Schreckens, Anm. d. Red.), der gegenseitig garantierten Vernichtung. Dass es nicht zum Atomkrieg kam, verdanken wir nur zum Teil den damaligen klugen Strategen, zum größeren Teil war es – wie wir heute wissen – Glück, bzw. ein Wunder. Der US-amerikanische Professor Noam Chomsky – 36 Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktor-Würde – schätzt auch heute das Risiko eines Nuklearkriegs hoch ein und er hält es nicht für klug, weiterhin auf Wunder zu hoffen. In Büchel lagern amerikanische Atombomben, jede mit der vielfachen Wirkung der Hiroshima-Bombe. Deutsche Piloten sollen sie ins Ziel fliegen. Ist die ‚nukleare Teilhabe‘ wichtig für die BRD, erhöht die Lagerung der amerikanischen Atombomben auf dem Gebiet der BRD unsere Sicherheit? Sind die sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands deckungsgleich mit denen der USA? Fühlen wir uns wohl mit der deutschen Beteiligung am Drohnenkrieg der USA? Wäre eine breite öffentliche Diskussion dieses Themas sinnvoll? Wie steht’s mit unserer Streitkultur? Formulierungen wie „der fromme Wunsch der Ostermarschierer“ und „die alte Bonner Hofgartenseligkeit“ lässt die Frage aufkommen, ob andere Meinungen verteufelt bzw. lächerlich gemacht werden müssen oder ist die Kritik, die kontroverse Diskussion dringend notwendig für eine Demokratie?

Jochen Wörmer