Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. Mai 2020

Parallelwelt Profifußball

12. Mai: HSV verliert acht Millionen Euro. Trotz des Gehaltsverzichts der Mannschaft droht dem Club ein hoher Verlust

Es wirkt wie ein Schlag ins Gesicht aller Betroffenen, die nicht wissen, wie sie ihre Existenz zukünftig sichern sollen, wenn sie hören, dass die Fußballer des HSV auf sage und schreibe zehn Prozent ihres Gehalts verzichten – bravo! Wie wäre es denn mal mit 80 oder 90 Prozent Gehaltsverzicht für die Fußballer ab Stilllegung des Spielbetriebes bis zum Saisonende, dann hätten die Herren immer noch genug zum Leben und dem Verein wäre geholfen. Dann müsste man auch nicht krampfhaft und unter diesen Bedingungen und Wettbewerbsverzerrung durch Ausfälle einzelner Mannschaften die Saison zu Ende spielen. Vielleicht können die TV-Sender auch ohne Spielbetrieb zumindest einen Teil der Fernsehgelder bezahlen. Das Verhalten der Profis und der Verantwortlichen ist erbärmlich, wenn man liest, dass auf Sieg- und Einsatzprämien zuerst verzichtet wird, aber bei Aufstieg in die erste Bundesliga wieder alles plus einer Aufstiegsprämie ausgezahlt werden soll. Dann kann ein Stürmer wie Bobby Wood, der keine Tore schießt, weil er auch nie spielt, ja auch wieder drei Millionen Euro pro Saison verdienen. Wo bleibt hier die Sensibilität, gegenüber denjenigen, die nicht wissen, wie es in der Zeit mit und hoffentlich irgendwann auch nach Corona, wirtschaftlich weitergehen soll? Wer soll sich noch mit dieser Parallelwelt Profifußball identifizieren?

Peter Ramcke

Bonus ist nicht gerecht

11. Mai: Der Wert des Corona-Abiturs. Hochschulvertreter schlagen einen Notenbonus vor

Ich bin der Meinung, dass der jetzige Abiturjahrgang deutlich weniger vom Schulausfall betroffen ist als die folgenden zwei Jahrgänge. Der Stoff, der geprüft wird, sollte zu einem sehr hohen Prozentsatz vermittelt sein. Viele werden mir zustimmen, dass in den letzten Wochen vor dem Abitur keine komplett neuen Inhalte vermittelt werden. Warum sollte der Jahrgang 2020 einen Bonus erhalten? Ein Großteil hat sich sicher schon vor dem Schulstopp gut auf die Prüfung vorbeireitet. Wenn ich als Abiturient schon weiß, dass im Zweifel das bessere Ergebnis von Vorleistung oder Abitur stärker bewertet wird, ist dies schon ein mentaler und inhaltlicher Bonus. Die psychische Belastung als Grund für einen pauschalen Bonus heranzuziehen, halte ich auch für nicht gerecht. In anderen Jahren werden alle Schüler gleich bewertet, auch die, in deren Umfeld sich starke psychische Belastungen ergeben, wie Trennung, Krankheit oder Tod. Es liegt vieles an den Lehrkräften, die jetzt gefordert sind, ihre Abiturienten zu unterstützen.

Stefan Kruse

Panische Maßnahmen

11. Mai: ,Wir fördern die Produktion von Milliarden Schutzmasken‘. Wirtschaftsminister Peter Altmaier kündigt ein ,Sprinterprogramm‘ für Unternehmen an – und spricht über eine Ausweitung der Maskenpflicht

Herr Altmaier hat leider die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Da wird allen Ernstes ein Programm für Maschinen (Höhe unbekannt) ins Leben gerufen, das spätestens nach Entwicklung und Produktion eines Impfstoffs niemand mehr benötigt. Diese Maßnahmen sind panisch und nachdem Millionen an Schutzmasken nicht benötigt, bzw. vernichtet wurden, kann dies in der jetzigen Phase nicht erste Priorität haben. Als Wirtschaftsminister ist seine vorrangige Aufgabe, die Wirtschaft allgemein anzukurbeln und dort besteht sowohl auf der Produktions- als auch auf der Verbraucherseite ein enormer Nachholbedarf. Ludwig Erhardt hat ans Maßhalten appelliert, Peter Altmaier (vielleicht mit Kanzlerin Merkel) sollte allen Beteiligten Mut vor den Kameras machen und nicht Allgemeinplätze verbreiten, so pusht man die Wirtschaft nicht.

Norbert Herzberg, Pronstorf

Schlechter Standard

11. Mai: Nach Corona in Schlachthöfen fordern Politiker Kontrollen

Durch die rasant steigenden Zahlen von Corona-Erkrankten an mehreren deutschen Schlachthöfen rückt ein jahrelang von den Zuständigen vernachlässigtes ernsthaftes Problem wieder in den Focus: Man toleriert fast stillschweigend, dass Betreiber mit dem Einsatz von Subunternehmerketten die Bezahlung und Unterbringung von Schlachthof-Mitarbeitern auf niedrigstem Standard ausbeuterisch gestalten. In ihren Unterkünften werden die Mitarbeiter auf engstem Raum mit minimalem Hygiene-Standard zusammengepfercht. Es kann doch nicht verwundern, dass Corona hier, einmal eingetragen, leichtes Spiel hat. Die Schlachthof-Betreiber verdienen mit diesen Modellen reichlich schnelles Geld. Wann endlich stoppen Politik und Verwaltung diese gefährliche Untätigkeit. Es ist höchste Zeit durch nachdrückliche Unterbindung des Subunternehmer-Unwesens, mit besseren Löhnen und schärfsten Hygienekontrollen in den Betrieben sowie bei der Unterbringung für wirklich menschenwürdige Bedingungen zu sorgen.

Volker Deising

Entspanntes Einkaufen

11. Mai: Kundenzahl halbiert: Dramatische Lage im Hamburger Einzelhandel

Ich habe noch nie so entspannt im Supermarkt eingekauft wie in der jetzigen Zeit. Kein Gedränge, kein Wettlauf zur Kasse, niemand, der seine Einkäufe schon aufs Band legt, während man selbst noch am Ausräumen des Einkaufswagens ist und niemand, dessen Atem man im Nacken spürt, während man am Bezahlen seiner Einkäufe ist. Hoffentlich bleibt dieser Zustand, dieses entspannte Einkaufen, auch nach den Einschränkungen der Corona-Zeit bestehen!

Henryk Joschko, Hamburg

Lieber shoppen ohne Maske

Dass so wenig Umsatz in den Geschäften gemacht wird, liegt nicht an der Angst vor Corona. Es liegt ja wohl eher daran, dass eine Maskenpflicht nicht gerade zum Schoppen einlädt. Wer bummelt denn durch Einkaufszentren mit einer Maske im Gesicht. Daran hat keiner Spaß. Nur deshalb werden verstärkt weiterhin Amazon und Co. frequentiert. Wenn die Maskenpflicht fällt, sind auch die Käufer wieder da.

Carmen Krüger

Eigentor geschossen

6. Mai: Aus Enttäuschung über die SPD: Johannes Kahrs wirft hin. Der Hamburger Bundestagsabgeordnete scheiterte mit Bewerbung als Wehrbeauftragter. Jetzt verlässt er die Politik

Was die SPD-Spitze bewogen hat, statt des beliebten und für das Amt hervorragend geeigneten Hamburgers Johannes Kahrs die von der Materie des Wehrbeauftragten relativ unbeleckte Eva Högl zu präferieren, ist nicht nachvollziehbar und wird wohl auch ihr Geheimnis bleiben. Auf jeden Fall hat die SPD damit wieder einmal ein Eigentor geschossen, das sie weitere Wählerstimmen kosten und gegenüber der aufstrebenden CDU weiter in die Bedeutungslosigkeit fallen lassen wird. Der erste gravierende Fehler war die Wahl der Parteivorsitzenden Borjahns und Eskens statt des sowohl bei der Bevölkerung als auch in der Partei beliebten Finanzministers Olaf Scholz. Aber wie sagt der Volksmund so schön: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Helmut Jung

Bewegender Artikel

8. Mai:Zeit für gemeinsame Werte. Am 8. Mai lohnt es sich, über das Verhältnis zu den Ex-Siegermächten nachzudenken

Der Artikel hat mich sehr bewegt und aufgerüttelt. Herr Quoos weist in großer Klarheit auf die Versäumnisse in der Europapolitik der deutschen Regierung hin. Das Problem ist nicht neu, haben doch alle Vorschläge von Macron aus der Vergangenheit, bei der Kanzlerin zu keiner Reaktion geführt, und wie Herr Quoos ohne Übertreibung schreibt, ist das „katastrophal“! Auch die Auswirkungen von Corona in Europa hätten es verdient, dass die Regierung nicht nur Geld zur Verfügung stellt, sondern auch Mitgefühl zeigt, gerade für die am stärksten betroffenen Länder im Süden.

Klaus Döcke