Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. Mai 2020

Inhaltliche Arbeit unterbleibt

9./10. Mai: Was reitet die SPD?Fraktionschef vertreibt Johannes Kahrs aus der Politik – und die Parteispitze spielt mit dem transatlantischen Bündnis

Natürlich ist der eigentliche und größte Gegner der Sozialdemokraten, wie Matthias Iken feststellt, wieder mal die SPD selbst. Die beschriebenen Demontagen und Meuchelattacken der letzten Jahrzehnte an namhaften Sozialdemokraten sprechen Bände. Das gilt auch für die kaum nachvollziehbare Distanz einiger Sozialdemokraten bis in die Führungsebene – wohl auch des Fraktionsvorsitzenden – zu unserer Parlamentsarmee, der Bundeswehr. Seit Godesberg bekennt sich die SPD zur Landesverteidigung und zur Bundeswehr, was andererseits ein Bekenntnis zum Pazifismus Andersdenkender nicht ausschließen darf. Gleichwohl ist Pazifismus nicht die programmatische Grundidee der SPD. Zudem ist in der SPD zu beobachten, dass gerade an der Basis in einigen Ortsvereinen zunehmend nur noch administriert wird und damit die notwendige inhaltliche, gestalterische Arbeit unterbleibt. Ergebnis ist dann zwangsläufig eine Entwicklung zum Mittelmaß. Viele Genossen und Genossinnen dulden dies und machen sich damit mitschuldig an einer Entwicklung, die Leistungsträger zunehmend eliminiert. Gleichwohl ist es erfreulich, festzuhalten und macht Hoffnung, dass es in der SPD sowohl in Berlin als auch in Hamburg durchaus einige gibt – Mahner, Warner und Führungspersonen – denen man zutrauen darf, den Parcours durch die Probleme der Gegenwart mit einem möglichst fehlerfreien Ritt zu absolvieren.

Wolfgang Kaeser

Schulbesuch für Erstklässler

9./10. Mai: Hamburgs Kitas öffnen ab 18. Mai wieder für Fünf- und Sechsjährige

Ich frage mich, warum bald die Kitabetreuung für Fünf- und Sechsjährige wieder möglich ist, aber nicht für die Kinder der ersten Klassen. Diese Kinder wurden mitten aus ihren anfänglichen Lernprozessen wie zum Beispiel dem Erstlese- und Schreibunterricht herausgerissen. Dies in ausreichendem Umfang weiterzuführen, kann man von den Eltern nicht verlangen und es ist auch nicht ihre Aufgabe! Auch der digitale Unterricht, für den ich übrigens alle Lehrerinnen und Lehrer wirklich bewundere, kann das nicht hinreichend leisten. Gerade den Deutschunterricht in meinen vielen ersten Klassen habe ich in meiner aktiven Zeit als Lehrerin jedesmal als besondere Herausforderung und Anstrengung für die Kinder und mich empfunden. Aber auch für die anderen Schulfächer gilt: Es muss ein persönlicher, kontinuierlicher Kontakt mit den Lehrern stattfinden, um erfolgreich lernen zu können. Meines Erachtens ist das erste Schuljahr das wichtigste überhaupt und legt den Grundstein für das gesamte Schulleben. Deshalb plädiere ich dafür, Erstklässlern bald wieder einen einigermaßen regelmäßigen Schulbesuch zu ermöglichen!

Birgit Hahlbrock, Hamburg

Auf Kosten der Kinder

9./10. Mai: Und die Moral von Corona ist … … manchmal ganz schön paradox. Elf Lehren aus der Krise

Herr Schumacher hat seine Gedanken zum Thema Corona in elf Punkten sortiert, ich möchte gern einen 12. Punkt hinzufügen: Wir reden über alles, nur nicht über die Rechte von Kindern! Deshalb ist es uns auch nicht schwer gefallen, die UN-Kinderrechtskonvention in Nullkommanix zu konterkarieren! Wenn wir uns in der Zukunft bei irgendeiner sozialen Gruppe entschuldigen müssen, dann sicherlich bei unseren Kindern und Enkeln, denen wir die Zukunft verbaut haben, weil wir selbst so gern auf allen Töpfen sitzen! Das ist die wirkliche Moral von der Geschichte!

Christiane Dornecker

Auftrag nicht ausgeführt

9./10. Mai: Sparzwang – NDR streicht Programm zusammen. Es geht um 300 Millionen Euro. 200 Stellen werden nicht neu besetzt, ,Tatorte‘ reduziert. Aus für ,Bücherjournal‘ und ,Comedy Contest‘

Bei allem Respekt für die auch für den öffentlich-rechtlichen NDR geltende Unabhängigkeit bei der Programmgestaltung: Dass den geplanten Sparmaßnahmen wichtige Kultursendungen wie „Bücherjournal“ oder „Kulturjournal“ zum Opfer fallen sollen oder durch Verlagerung in den Online-Bereich endgültig zu Insiderformaten wie „ZAPP“ reduziert werden sollen, darf nicht unwidersprochen bleiben. Hier beschädigt der NDR seinen Auftrag, kompetent zu informieren, was sich von Sendungen wie „NDR Talkshow“ und „Inas Nacht“, die primär der Selbstvermarktung von Gästen und Gastgebern dienen, wahrlich nicht behaupten lässt.

Tomas Unglaube

Etwas mehr Gelassenheit

7. Mai: Kolumne: Ist der Zusammenhalt schon wieder vorbei?

Auf die Frage „bin ich also eine elende Spießerin, weil ich mich bisher nicht einmal mit einer Freundin zum Spazierengehen getroffen habe?“ möchte ich der Autorin antworten: Spießerin, nein, aber Sie schränken sich unnötig ein, was Ihnen sicher nicht gut tut. Es ist und war in Hamburg nie verboten, sich mit einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt zu treffen. Weder privat noch in der Öffentlichkeit. Etwas mehr Gelassenheit wäre Frau Behrmann und vielen Anderen zu wünschen. Regeln einhalten ist gut, aber bitte nicht überinterpretieren. Im Straßenverkehr ist ein Auto, was bei erlaubten 50 km/h nur 40 fährt, auch kontraproduktiv.

Dirk Hasenkox, Quickborn