Leserbriefe

Briefe an die Reaktion: 6. Mai 2020

Es kann keine Antwort geben

2./3. Mai: Das Corona-Wirrwarr: Was ist denn nun richtig? und Ein Debattenbeitrag und Corona-Wirrwarr: Das sagen die Leser

Es kann auf die Frage, was angesichts des Corona-Wirrwarrs denn nun richtig sei, keine Antwort geben, die in befriedigender Weise als Leitlinie für politisches Handeln betrachtet werden kann. Die zum Teil erschreckenden Auswirkungen der Corona-Krise, die sämtliche Bereiche menschlichen Lebens erfasst, seien es gesundheitliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche oder soziale Aspekte, müssen unter dem Gesichtspunkt des Vorrangs des Schutzes menschlichen Lebens von der Politik gegeneinander abgewogen werden. Dies ist eine schier unlösbare Aufgabe, die allen Teilen der Bevölkerung immense, zum Teil existenzielle Opfer abverlangt. Gleichwohl darf darauf hingewiesen werden, dass die bisherigen Einschränkungen ein positives Ergebnis, nämlich die Verlangsamung der Ausbreitung des Virus, gezeitigt haben. Dieser Aspekt, der der Disziplin der Bevölkerung zu verdanken ist, kann nicht genug betont werden. Der Vergleich mit anderen Ländern wie zum Beispiel Spanien oder Italien zeigt, dass der Weg, den die Bundesregierung eingeschlagen hat, zutreffend ist. Es erscheint mir bei aller Kritik über die zum Teil sich widersprechenden Aussagen der Wissenschaftler trotzdem sinnvoller zu sein, wenn in übertriebener Weise von Politikern vor den Gefahren der Epidemie gewarnt wird. Denn nur auf so kann die Bevölkerung dazu gebracht werden, die ihr auferlegten Beschränkungen wirklich ernst zu nehmen. Eine Verharmlosung würde nur das Gegenteil bewirken. Nichts wäre erschütternder, wenn infolge zunehmender Achtlosigkeit auf uns eine weitere Corona-Welle zukommen würde.

Dr. Claus Rabe

Mehr Druck auf Bürgermeister

Alles richtig, was Herr Haider schreibt. Leider macht das Abendblatt aber zu diesen Fragen keinen Druck auf die Gesundheitssenatorin und Herrn Tschentscher, die beide Öffnungen für viele Menschen – vor allem für jene in den Pflegeheimen und Krankenhäusern – verweigern und Kontaktsperren verlängern, die im Nachbarland Schleswig-Holstein intelligenter gehandhabt werden.

Kurt Breme

Sinnloser Debattenbeitrag

Was für ein sinnloser Debattenbeitrag. Außer Allgemeinplätzen werden keinerlei Lösungen aufgezeigt, sondern nur bemäkelt, dass alles so komplex und unübersichtlich ist. Und dass selbst die Experten für diese Pandemie keinen Masterplan in der Tasche haben, scheint Herrn Haider so sehr zu stören, dass er insinuiert, man könne eigentlich gar nichts mehr glauben. Was soll das? Statt die tatsächlichen oder vermeintlichen Widersprüche in einem extrem dynamischen Infektionsgeschehen aufzuzählen, hätte ich mir eine seriöse Analyse der jetzt zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen gewünscht. Aber das wäre natürlich auch wieder sehr komplex und unübersichtlich. Und man müsste sich vielleicht morgen schon wieder selbst revidieren...

Mathias Schröder, Hamburg-Altona

Fatale Entscheidungen

Es ist unverantwortlich, die Wirtschaft, die gesellschaftlichen Beziehungen, die Kultur, die Bildung, ja ein gut funktionierendes Gesamtsystem auf der völlig unzureichenden Datenbasis derart gegen die Wand zu fahren und das dringend notwendige Ausstiegsszenario in völliger Ungewissheit zu belassen. Man hat die Zeit nicht genutzt, um repräsentative Untersuchungen hinsichtlich des Ausmaßes der schon vorhandenen Durchseuchung der Bevölkerung anzustellen. Es reicht keinesfalls, nur Personen zu untersuchen, die sich krank fühlen und Symptome aufweisen und dann seitens des RKI auf immer neuer Basis verunsichernde und widersprüchliche Berechnungen anzustellen. Das ist einfach dilettantisch. Die vorhandenen Testkapazitäten werden nicht genutzt. Statt dessen werden Milliarden in eine wegen der Auflagen kränkelnde Wirtschaft gesteckt, Geld aus Steuermitteln, das erst mal wieder erwirtschaftet werden muss. Wenn wir so weiter agieren, können wir auch den Sozialstaat nicht mehr finanzieren. Viele Menschen leiden unter Vereinsamung, wichtige Operationen werden verschoben, Krankenhausbetten stehen leer, müssen aber bezahlt werden, das Bildungssystem nimmt schweren Schaden, die Familien werden mangels Kitas und Schulen sowie wegen wochenlangen Homeoffice schwer belastet, die Rechtsprechung steht still und die Rechtsordnung leidet. Das sind nur einige Beispiele, welche die Unverhältnismäßigkeit politischen Handelns belegt. Die Geschichte wird lehren, das hier im weiteren Verlauf der Krise schwere Versäumnisse vorkamen und fatale Entscheidungen in der Politik getroffen wurden. Lange wird sich die Bevölkerung und Wirtschaft das Herumwurschteln nicht mehr tatenlos anschauen.

Bernd Brahms

Der Tod ist ein Tabuthema

Sie haben recht: Niemals sollten wir nur Virologen mit ihrer Scheuklappensicht unser aller Leben bestimmen lassen. Obwohl ich auch als über 70-Jährige zur sogenannten Risikogruppe gehöre, tragen z.B. die Familien mit Kindern und alle, jetzt ohne oder mit nur geringem Einkommen, die Hauptlast. Die Politik hat es sehr schwer und die Wirtschaft, von der alles abhängt, darf nicht geopfert werden für sehr altes und krankes Leben. Tod ist heute leider ein Tabuthema, aber auch ich als alter, noch fitter und für sein Leben dankbarer Mensch denke: Die nächste Generation hat auch ein Recht arbeiten und leben zu können.

Antje Netz

Danke, Herr Haider

Ich habe schon einige Leserbrief an das Abendblatt geschrieben und mich darin über die Gleichschaltung aller Medien beschwert, alle haben nur die Meinung Drostens propagiert. Eine Gegenstimme fand keinen Platz. Endlich, endlich ist nun Herr Haider soweit und ich kann nur sagen: Danke Herr Haider, ich stimme Ihnen voll zu!

Gerald Staschke

Doku über Pharma-Lobby

Grundsätzlich möchte ich dem Abendblatt meinen Dank aussprechen, nicht nur für den sehr guten Artikel von Lars Haider, sondern auch für verschiedene Kommentare von Matthias Iken zum selben Thema. Insgesamt eine wohltuend differenzierte, sachliche und kritische Berichterstattung und Einordnung von Zahlen und Fakten in Sachen Corona! Im Jahr 2009, zu Zeiten der sogenannten Schweinegrippe, gab es eine einstündige ARTE-Dokumentation mit dem Titel „Profiteure der Angst“. Darin wurden die vielfältigen Verflechtungen von Politik und Wissenschaft (in Deutschland und Frankreich) mit der Pharmaindustrie aufgedeckt. Man ersetze in dieser sehenswerten Dokumentation das Wort „Schweinegrippe“ durch „Covid 19“ und man ist erschüttert über die Parallelen. Die elf Jahre alte TV-Doku wirkt erschreckend aktuell! Selbst einige der handelnden Personen (Prof. Drosten, damals noch in Bonn) sind dieselben. Jeder sollte diese Dokumentation sehen, um zu erkennen, wie die Pharma-Lobby Entscheidungen von Politik und Bundesbehörden wie dem RKI beeinflusst, um ihren Profit drastisch zu steigern. Einziger Unterschied: Es gab damals keinen Lockdown, dessen Auswirkungen weitaus schlimmer und nachhaltiger sein werden als eine Virus-Pandemie.

Dr. Uwe Westphal

Nur maßvolle Lockerungen

Irgendwie haben alle Leser aus ihrer Sicht Recht, wenn man davon ausgeht, dass die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit der Gesamtbevölkerung nur bei lächerlichen 0,37 Prozent liegt. Aber für die Alten und Vorerkrankten ist das Coronavirus ein „Killervirus“, wie Herr Püschel überzeugend ermittelt hat. Für diese Bevölkerungsgruppe, immerhin über 20 Prozent, liegt die Sterbewahrscheinlichkeit weit über 50 Prozent, wenn sie sich mit Sars-CoV-2 infizieren. Für viele dieser Menschen sind die verordneten Einschränkungen lebensnotwendig. Der Schutz dieser Gruppe ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Darum bitte nur maßvolle Lockerungen. Die „Alten“ sind die, die den heutigen Wohlstand aufgebaut haben, um den jetzt gezittert wird.

Gerhard Gebhardt, Hamburg-Fischbek