Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. April 2020

Popgedudel auf allen Kanälen

29. April: Michy Reincke: NDR soll Musik aus Norddeutschland spielen. Der Hamburger Musiker fordert in der Coronakrise praktische Hilfe der Radiosender

Ich kann Michy Reincke nur zustimmen: Seit Jahren traktiert uns der NDR mit Popgedudel und subventioniert drei Großkonzerne auf Kosten der lokalen Künstler. Ein befremdliches Verhalten der Intendanten, die ihrer öffentlich-rechtlichen Verantwortung meiner Meinung nach nicht gerecht werden. Ich kenne in meinem Freundeskreis keinen, der noch Musik im Radio hört. Man macht sich lieber sein eigenes Programm.

Jürgen Wulff

Traurige Musikauswahl

Vielen Dank, dass Sie den Brief von Michy Reincke veröffentlicht haben. Ich finde diese Aktion wundervoll. Endlich spricht einer mal laut aus, wie es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk läuft. Ich finde mich dort niemals wieder, entweder laufen unentwegt die alten Lieder aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren oder eben Mainstream. Weder ein Konstantin Wecker, noch Klaus Hoffmann, noch Yared Dibaba, noch Michy Reincke, selbst Stefan Gwildis wird selten gespielt, es ist wirklich sehr traurig. Und es gibt noch so viele nicht so bekannte Künstler, die es irgendwie auch nicht ins Radio schaffen. Die sollten ebenfalls unbedingt gespielt werden, damit sie sich über Wasser halten können. Also, lieber NDR, Mut zur Flexibilität und zur Solidarität mit norddeutschen und deutschen Künstlern!

Elvira Kleinschmidt

Grandioser Vorschlag

Was für ein grandioser Vorschlag von Michy Reincke! Nach der Umsetzung kann es nur Gewinner geben: in erster Linie natürlich die einheimische Musikindustrie. Musikredakteure hätten endlich wieder die anspruchsvolle Aufgabe, vielversprechende Künstler zu entdecken. Hörer dürften sich, leider nur nachts, über Musik jenseits des Mainstreams erfreuen. Vielleicht kann dadurch die NDR-Devise „Wir machen keine Hits, wir spielen sie“ wieder umgekehrt werden.

Silke Schopmeyer, Hamburg

Weniger wäre mehr

29. April: Große UKE-Studie zu Corona bei Hamburgern. Auch Kinder im Fokus. Erkenntnisse für Debatte um Öffnung von Kitas und Schulen hilfreich

Von der Nachrichtenflut über die Coronalage fühle ich mich langsam erschlagen. Hier wäre etwas weniger bestimmt mehr. Jeden Tag von morgens bis abends in jeder Nachrichtensendung wird über die Coronalage informiert. Nach der Tagesschau folgen dann noch auf mehreren TV-Sendern Corona-Extra-Sendungen. Zudem wird auch ausführlich jeden Tag über Zeitungen und soziale Medien ausführlich informiert. Die Bevölkerung wird im wesentlichen dadurch verunsichert, dass trotz getroffener Beschlüsse auf Bundesebene, zahlreiche Länderministerpräsidenten eigene abweichende Regelungen beschließen. Ja wir haben eine massive Krise, aber ein wenig mehr Gelassenheit und Sachlichkeit, auch in der Berichterstattung, wäre für alle hilfreich

Wolfgang Grützner, Langenhorn

Gleichberechtigte Beziehung

28. April: Krise auf Kosten der Frauen. Vor allem berufstätige Mütter müssen unter Schließung von Schulen und Kitas leiden

Bezüglich der Aufgabenverteilung im Haushalt und der Kinderbetreuung gibt es auch andere Formen und Beispiele. Mein Sohn arbeitet im Schichtdienst, zurzeit im Homeoffice. Meine Schwiegertochter arbeitet halbtags. Sie haben drei Kinder. Ein schulpflichtiges Kind im Alter von acht Jahren sowie Zwillinge im Kindergartenalter von fünf Jahren. Vor Coronazeiten sowie auch gerade jetzt übernimmt mein Sohn einen Großteil der Haus- und Gartenarbeit sowie die schulische und pädagogische Betreuung der Kinder. Und das bei einer Belastung von abwechselnden Früh- Spät- und Nachtschichten. Durch eine genaue Absprache und Struktur hat die Familie trotzdem jeden Tag Zeit für gemeinsame entspannte Stunden. Ich denke mal, es kommt eher darauf an, wie gleichberechtigt eine Beziehung funktioniert und wie die täglichen Erfordernisse gehandhabt werden. Und das zeigt sich gerade in Krisenzeiten.

Gabriele Dolmer-Frenken

Respekt vor allen Müttern

28. April: Die App gegen den Lagerkoller. Zwei Väter entwickeln eine kostenlose Anwendung mit Spielideen – und der Bitte um Ergänzung

Eine App gegen Lagerkoller ist bestimmt super. Aber ich möchte doch mal meine Hochachtung für alle Mütter und Väter aussprechen, die ihren Alltag mit zwei, drei oder mehr Kindern ohne App bewältigen. Hier möchte ich unserer Tochter ein großes Kompliment machen, die mit drei Kindern, dazu noch schwanger, ihre Familie mit einem strukturierten Alltag durch die Krise führt. Dieses beobachte ich mit Abstand aus der Nähe.

Christiane Schween

Stimmen der Vernunft

27. April: Alle 133 Hamburger Coronatoten litten an schweren Vorerkrankungen. Rechtsmediziner Klaus Püschel plädiert für Kita-Öffnungen und ,Aber Christian Drosten hat gesagt …‘ ist zu geflügelten Wort in Zeiten von Corona geworden. Wie es dazu kam – und welche Auswirkungen das auf die Fokussierung auf den Mediziner hat

Mit großer Dankbarkeit habe ich Ihre Artikel auf der Titelseite zu den Ergebnissen von Herrn Püschel und die weiterführenden Informationen im Blatt gelesen. Insbesondere auch die Beschreibung von Herrn Drosten war der mit Abstand beste Artikel zu seinem Aufstieg in die Welt der Politik, den ich bisher gelesen habe. Nachdem diese kritischen Fragen es endlich auf die Titelseite geschafft haben, kann zumindest in Hamburg sich jeder selbst ein Bild der Lage machen. Als Arzt sehe ich es seit Beginn der „Corona-Krise“ als meine Pflicht in meiner näheren Umgebung an, insbesondere die bislang kaum beachteten Wissenschaftler zu erwähnen, die seit Wochen versuchen, der allgemeinen Stimmung etwas entgegenzusetzen. Vielen Dank, dass Sie diesen Stimmen der Vernunft eine Möglichkeit geben, sich zu artikulieren.

Dr. Detmar Kücken

Regeln gelten auch für Radler

28. April: Neue Regeln, härtere Strafen. An diesem Dienstag tritt eine veränderte Straßenverkehrsordnung in Kraft

Autofahrer sollen mehr Rücksicht auf Radfahrer und Fußgänger nehmen – so lässt sich das Ziel der neuen Verkehrsregeln zusammenfassen. Bei all den neuen Vorschriften und höheren Strafen vermisse ich den Hinweis, dass auch Radfahrer Verkehrsteilnehmer sind und diese sich auch an bestehende Regeln zu halten haben. Warum nicht auch mit höheren Strafen, wenn vorhandene, gute Radwege auf den Bürgersteigen nicht genutzt werden und dafür auf belebten Straßen gefahren und dadurch der fließende Verkehr behindert wird? Oder wenn in der dunklen Jahreszeit ohne Licht gefahren wird? Einbahnstraßen in der falschen Richtung befahren werden, obwohl dies nicht explizit ausgeschildert ist? Nur um ein paar Beispiele zu nennen. Wäre es nicht gut, wenn alle mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden und man sich (auch die Radfahrer) an bestehende Regeln halten würde? Es wäre doch alles so viel einfacher!

Michael Commentz

Führerschein für Radfahrer

Die veränderte STVO geht erheblich zu Lasten der Autofahrer und bevorzugt andere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer. Radfahrer haben normalerweise keine Ausbildung. Darum fällt es vielen schwer, sich an Ordnungen zu halten und diszipliniert am Straßenverkehr teilzunehmen. Dennoch werden sie durch die neuen Gesetze bevorzugt, weniger kontrolliert und bestraft. Der Fahrradfahrer trägt bei vielen Unfällen eine Mitschuld. Ein entsprechender Fahrradführerschein wäre das mindeste, um dem „schwächeren“ Verkehrsteilnehmer mehr Sicherheit zu geben.

Torsten Strube