Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. April 2020

Corona nicht kleinreden

23. April: UKE-Professor: Öffnung der Schulen und Kitas ist überfällig‘

Wenn Jugendliche an prominenter Stelle lesen, sie würden „quasi nicht erkranken“, was suggeriert das? Alles halb so schlimm. Die Unbedarftheit nimmt noch mehr zu. Während die Bereitschaft, sich an notwendige Regeln zu halten, weiter schwindet. Was für ein irreführendes Signal! Dabei sind es nur „manche Studien“, die darauf „hindeuten“, dass Kinder das Virus nicht übertragen können. Irritierend ist zudem, wenn zweierlei Aussagen vermengt werden: einerseits meist milde Erkrankungssymptome bei jungen Menschen – und andererseits eventuell geringere Übertragungsraten durch sie. Auch für medizinische Laien erschließt sich, dass jetzt noch keine Entwarnung ansteht. Die Öffnung von Schulen und Kitas als „überfällig“ einzufordern, erscheint wirtschaftlich geboten. Doch was zunächst einleuchtend klingt, ist allzu kurzfristig argumentiert. Denn die Infektionskurve wird im Spätsommer wieder ansteigen, prognostizieren Fachleute. Machen wir es uns nicht zu leicht. Schutzmasken dürfen zwar „schlicht, bunt oder verrückt“ sein, aber die Lockerung von Schutzmaßnahmen nicht. In einem kanadischen Kirchenchor sind 45 von 60 Menschen erkrankt, zwei von ihnen starben. Und das, so war in einem Hamburger Wochenmagazin zu lesen, obwohl bei der Probe Abstand gehalten wurde. Corona hatte sich unbemerkt durch Aerosole übertragen. Vieles ist da noch unklar. Wunderbar, wenn solide geforscht und kontrovers diskutiert wird. Aber die Gefahr kleinzureden, rächt sich eher früher als später.

Martin Hoerschelmann

Masken korrekt entsorgen

23. April: Der große Run auf die Masken. Ansturm auf Apotheken: Auch gut schützende FFP2-Modelle sind zu haben. Was es gibt, was es kostet

Es ist wohl richtig und wichtig, dass das Tragen von Schutzmasken und ggf. Schutzhandschuhen demnächst in bestimmten Situationen Pflicht ist. Aber ich appelliere an alle Nutzer, Einwegmasken und Schutzhandschuhe im Müll zu entsorgen, denn mir ist in meinem Wohnumfeld aufgefallen, dass diese Teile achtlos weggeworfen werden. Somit könnte – neben der Umweltverschandelung – vielleicht auch eine Gefahr der Übertragung auf Tiere bestehen.

Ulrich Hornig

„Angst essen Seele auf“

Vor einer Woche beschloss man in Berlin keine allgemeine Maskenpflicht einzuführen. Was sind solche Beschlüsse wert, wenn ein Bundesland nach dem anderen sich nicht daran hält? Dieselben, die noch Anfang März, als die Bahnen brechend voll waren, das Tragen von Masken ablehnten, verordnen es heute. Wie glaubwürdig ist denn das? Statt den Bürgern Hoffnung und Mut zu machen, ist das ein weiteres Signal der Ängstlichkeit. Mehr Mut, „Angst essen Seele auf“, möchte man nicht nur unserer politischen Führung zurufen. Es wird nicht auf die kleinen Wahrscheinlichkeiten geschaut, sondern auf die großen absoluten Zahlen. Von unserer Presse, die so gerne ihre Bedeutung für die Demokratie hervorhebt, hätte ich mir mehr kritische Fragen gewünscht ebenso wie von der politischen Opposition.

Frank Schröder

Maske schadet Einzelhandel

22. April: Maske tragen? Aber ja! Sie schützt uns, sie ermöglicht ein halbwegs normales Leben – und sie kann noch mehr ...

Ich vermag den Optimismus des Herrn Haider nicht zu teilen. Ich fürchte die Maskenpflicht wird dem Einzelhandel den letzten Rest geben. War vor Corona ja schon angeschlagen. Im Supermarkt ok, aber sonst? Anprobe im Klamottenladen in Socken und Maske? Verkaufsgespräch mit der Verkäuferin maskiert? Vielen Dank auch. Ich möchte ihr Antlitz sehen, sonst kann ich auch gleich im Internet kaufen. Vorm Rechner brauche ich keine Maske. Dazu passt die Randnotiz auf Seite sechs: „Deutlich weniger Kunden am Montag in der Europa Passage.“ Es wird bald keinen Grund mehr geben, zum Shoppen noch in die Innenstadt zu fahren. Auch nicht mit Maske. Die Innenstadt wird veröden, zumal die Gastronomie wohl auch bald am Ende ist. Es isst sich schlecht mit Maske.

Andreas Geisler

Barriere in der Kommunikation

Zwar müssen die Bürger nun der Verpflichtung, die Maske zu tragen, nachkommen, denn vordergründig und in der aktuellen Phase der Pandemie mag sie eine Ergänzung sein, aber keinesfalls sollten Masken landesweit künftig „auch in den Wintermonaten, in Influenzazeiten, zum Einsatz kommen“ oder „in Mode… und irgendwie Spaß machen“. Schließlich verfügen wir über eine Vielzahl an Virologen, an weltweiter Forschung und damit an Medikamenten und Schutzimpfungen, die Masken überflüssig machen. Überdies verbreitete sich auch in China und in anderen Teilen Asiens trotz immerwährenden Maskenzwangs die Epidemie. Das Maskentragen auf Dauer in den Alltag einzubeziehen, hätte Entpersonalisierung und Kommunikationsbarrieren in unserer offenen Gesellschaft zur Folge. Denn wer möchte nicht in ein offenes Gesicht schauen, Mimik und Emotionen daraus ablesen können? Wie hat sich doch die Öffentlichkeit empört, als an der Uni-Hamburg eine Muslima die Nikab ständig tragen wollte und es ihr untersagt werden sollte? Dass auch noch das „Vermummungsverbot“ bei Demonstrationen fallen müsste, steht auf einem weiteren Blatt. Oder hieße es im Fall der Fälle künftig polizeilich „Maske runter!“?

Ulrich Reppenhagen

Wichtig für den guten Ruf

21. April: ,Die Politik lässt uns Gastronomen links liegen‘. Jens Stacklies fühlt sich im Vergleich zum Einzelhandel ungerecht behandelt und verlangt zinslose Kredite

Der gute Ruf, den Hamburg weltweit genießt, beruht auch auf der fantastischen, abwechslungsreichen Gastronomie, die die Stadt zu bieten hat. Das Interview mit Jens Stacklies beleuchtet in allen Nuancen das Dilemma, in dem die Hamburger Gastroszene steckt. Es kann doch wirklich nicht sein, dass man alle Gastronomiebetriebe schließt und den dortigen Unternehmern und deren Beschäftigten keinerlei Perspektive aufzeigt, damit es weiter gehen kann. Da sollte man doch auf alle Fälle die Verhältnismäßigkeit wahren. Diese Berufsgruppe hat Bedeutendes für unsere Stadt geleistet. Die Unternehmer dieser Branche arbeiten hart, oft sechs Tage die Woche und mancher Tag hat da 14 und noch mehr Stunden. Herr Stacklies hat Recht, wenn er sich gegenüber dem Einzelhandel benachteiligt sieht. So einer kreativen Szene sollte man doch zutrauen, das sie bestmögliche Lösungen für die Einhaltung der Regeln zur Bekämpfung des Virus finden wird. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen eine Lösung finden.

Gerd Harnisch

Wer hat den Unsinn verzapft?

22. April: Durchbruch für geschützte Radwege. Rot-Grün und Volksinitiative einigen sich

Jahrelang erschöpften sich die Bemühungen des rot-grünen Senats möglichst viele Kilometer Radwege zu bauen darin, Autostraßen zu verengen und Radwege durch Aufpinseln weißer Streifen zu „erfinden“. Wunderschöne Radwege, die getrennt von Straße und Fußweg verliefen, wurden für viel Geld zurückgebaut und auf die Straße verlegt, mit der Konsequenz, dass sich jetzt Autos und Radfahrer zusammen auf der Straße drängeln. Man fragt sich als halbwegs logisch denkender Bürger, welche sogenannten „Experten“ der Senat beauftragt hat, die diese Radwege als besonders sicher bezeichnet haben? Die haben für ihre Expertise wahrscheinlich auch noch viel Geld bekommen. Warum hat man nicht gleich die Anwohner, die ja die Schwach- bzw. Gefahrenstellen ihrer Stadtteile am besten kennen, miteinbezogen? Bereits damals, als die Pläne des Senats bekannt wurden, haben etliche Bürger gegen diverse Radwegplanungen protestiert, leider ohne Erfolg. Wenn sich jetzt, nachdem „Radentscheid Hamburg“ diese Art Fahrradpolitik zu Recht kritisiert hat, langsam ein Umdenken im Senat breitmacht, ist das zwar eine positive Entwicklung, aber man muss schon die Qualifikation der verantwortlichen Sachbearbeiter in der entsprechenden Abteilung des Senats hinterfragen, die seinerzeit so einen Unsinn verzapft haben. Hoffentlich hat das Konsequenzen.

Dieter Ringsdorf