Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. April 2020

Steuern für den Landkreis

20. April: Streit um Zweitwohnungen eskaliert. Landräte torpedieren Beschluss der Jamaika-Koalition, das Nutzungsverbot aufzuheben

Der Landrat will uns auch weiterhin die Nutzung unserer Zweitwohnung untersagen, aber die jährlichen Zahlungen der Zweitwohnungssteuer, die Tourismusabgabe sowie die Grundsteuer nimmt er weiter ein. Damit wird schließlich auch mit unserem Geld die Infrastruktur des Landkreises und somit auch der Krankenhäuser finanziert. Ganz zu schweigen von weiteren Zahlungen, die monatlich anfallen wie Müllabfuhr und Straßenreinigung. Auch hierüber (und auch aus unseren Einkäufen und Restaurantbesuchen) fließt indirekt Geld in Form von Steuern in den Landkreis. Mal ehrlich, die Aussage, dass 50.000 bis 100.000 Zweitwohnungsnutzer alle auf einmal wieder nach Ostholstein kämen, ist doch absolut unrealistisch. Wenn ich Anzeichen einer Corona-Erkrankung spüren würde, dann müsste ich doch nicht sofort ins Krankenhaus, sondern würde mich in mein Auto setzen und wäre binnen einer guten Stunde wieder zurück in Hamburg. Gibt es wirklich nur 24 Intensivbetten in Ostholstein? Da frage ich mich, wie der Landrat dann bisher seiner Verantwortung gegenüber den Bewohnern und Touristen nachgekommen ist. Sind wir in Zeiten wie im 19. Jahrhundert, als jeder „Landesfürst“ seine eigenen Gesetze machen durfte?

Sabine Balke

Geduld in schwierigen Zeiten

Schon seit Wochen vergeht eigentlich kein Tag, in dem im Abendblatt nicht über Zweitwohnungen, wie ich finde, recht einseitig, berichtet wird. Nach der Lektüre Ihrer Artikel, stelle ich mir jedesmal die Frage, warum es den Leuten eigentlich nicht zuzumuten ist, sich wie jeder andere Bürger auch, in diesen besonders schwierigen Zeiten in Geduld zu üben. Niemand will diesen Menschen etwas wegnehmen, schon gar nicht will man ihnen das Eigentum an ihrem Ferienhaus streitig machen, noch ihnen auf Dauer das grundgesetzlich verbürgte Recht auf Freizügigkeit nehmen. Was die Bürger wollen ist, dass sich jedermann gleichermaßen an die Regeln hält und sich in Geduld übt. Mit Neid auf andere hat dies absolut nichts zu tun.

Dieter Buchholz

Tagestouristen zulassen

18./19. April: Der Tourismus muss noch warten. Schleswig-Holstein stellt seinen Coronaplan vor. Doch Ideen für die wichtigste Branche des Landes fehlen

Logisch wäre, Tagestourismus als erstes wieder zuzulassen. Tagestouristen sind ideale Versuchskaninchen. Die Behörden können ihr Verhalten beobachten und aus bedenklichen Folgen sofort wirksame Konsequenzen ziehen. Dass Tagestouristen, wenn sie Abstand halten, kein zusätzliches Corona eintragen, ist in Hamburg und Berlin bewiesen. Anders als Dauergäste belasten sie auch das lokale Gesundheitssystem nicht. Kranke kommen gar nicht erst. Und wer im Laufe des Tages krank wird, ohne eine Übernachtung gebucht zu haben, riskiert nicht, in einer Provinzklinik hängen zu bleiben, sondern fährt schnellstens nach Hause. Unerwünscht sind Tagestouristen zurzeit in Wahrheit sowieso nur, weil sie im Land unter Corona-Bedingungen so gut wie kein Geld ausgeben können und manchmal etwas Müll zurücklassen.

Dirk Emmermann, Hamburg

Abschluss in Quebec

18./19. April: Die Reifeprüfung. Warum diskutiert Deutschland über das Abitur in Coronazeiten? Die Anführer von morgen müssen Krisen bewältigen lernen

Ich finde die Frage, ob Abiturprüfungen stattfinden sollten, durchaus legitim und keineswegs eindeutig zu beantworten. Man könnte sie nämlich auch unter dem Aspekt der Bildungsgerechtigkeit erörtern. Es gibt nicht nur privilegierte Jugendliche, „die ein Austauschjahr in Trump-Land überstanden haben“, sondern auch solche, die in einer kleinen Wohnung wohnen, in der noch drei kleine Geschwister herumwuseln, die technische Ausstattung für das E-Learning nicht wirklich komfortabel ist, und Eltern nicht bei den Vorbereitungen aufs Abitur unterstützen können. In fast keinem anderen Land hängt der schulische Erfolg eines Kindes so sehr vom Elternhaus ab wie in Deutschland. Corona-Zeiten zementieren das noch. Daneben frage ich mich natürlich auch, ob es tatsächlich die Prüfung an sich ist, die die Hochschulreife generiert. Was ist denn mit den vorangegangenen Schuljahren, in denen die Leistungen der Schüler ja auch schon bewertet wurden? Sind die überflüssig? Andere Länder machen es übrigens anders: In der Provinz Quebec in Kanada bekommen alle High-School-Absolventen ihren Abschluss ohne Prüfung, einfach aufgrund ihrer bis dahin erbrachten Leistungen. Ich wäre doch sehr überrascht, wenn deswegen gleich die Welt unterginge.

Isa Baumgart

Hauptsache, die Kasse klingelt

18./19. April: Block Gruppe bereitet Klage gegen Stadt Hamburg vor. Firmengründer im Abendblatt: ,Es darf nicht eine gesamte Branche ruiniert werden‘

Bereits der Artikel, in dem sich der Chef der Block Gruppe, Stephan von Bülow, über die angebliche „Enteignung“ von Gastronomie und Hotellerie ausgelassen hatte, hat mich sehr geärgert. Egal, ob sich Gäste und Mitarbeiter anstecken, Hauptsache, die Kasse klingelt… Der neuerliche Vorstoß, dass die Block Gruppe nun eine Klage gegen die Stadt Hamburg prüfen will, kann man nur als beschämend bezeichnen. Das die Hotellerie und Gastronomie schwer von dieser Krise getroffen wird, steht außer Frage. Das aber ausgerechnet so ein Konzern sich zu solchen Maßnahmen hinreißen lässt... Das erinnert mich an Adidas und das unwürdige Theater um die Ladenmieten. Die kriegen den Hals einfach nicht voll. Glücklicherweise gibt es in Hamburg sehr gute Alternativen zum Block House, ich jedenfalls werde nie wieder eines dieser Restaurants besuchen.

Birgit Peters

Hanseatische Tradition

18./19. April: Sternbrücke: Architekten lehnen den Entwurf ab

Mit dem geplanten Abriss der Sternbrücke setzt der Hamburger Senat konsequent eine bestimmte hanseatische Tradition fort. Schon 1974 übergab der damalige SPD-Senat – die Grünen konnten sich noch nicht beteiligen – den Altonaer Backsteinbahnhof zum Abbruch an den damaligen Kaufhof-Konzern, der an seiner Stelle den heutigen Betonklotz errichten ließ, ohne viele Türmchen und Schnickschnack. Um parteipolitisch nicht zu einseitig zu wirken: Ole von Beust (CDU), die FDP koalierte, ließ 2007 gegen ein Bürgerbegehren das Bismarckbad, einen Jugendstilbau gleich neben dem Bahnhof Altona, zum späteren Abriss verkaufen. Da es in Altona schon immer schwierig war, auf die Schnelle etwas zum Essen zu bekommen, zeugt dies von bürgernaher Politik: Dort steht heute eine stolze Filiale von Burger King. Auf diese Traditionslinie möchte man keine Rosen streuen.

Jochen Stüsser-Simpson

Rücksichtslose Laufstrategen

18./19. April: Vom Joggen in angespannten Zeiten. Keuchen, schwitzen, hecheln – Sport ist gesund. Würden sich auch nur alle an die Regeln halten. Über das Miteinander von Läufern und Gehern

Dieser Artikel spricht mir aus der Seele, denn für Fußgängerinnen und Fußgänger gleichen schöne Wege in Parks und am Wasser nicht erst seit Corona einer Aschenbahn. Stehen bleiben ist lebensgefährlich! Rücksichtslos absolvieren die Laufstrategen ihre programmierte Strecke und wehe, man weicht ihnen nicht freiwillig aus. Am besten sich ganz schlank machen, die Hände hinter dem Rücken falten und den Kopf einziehen, um niemandem seine persönliche Bestzeit zu verderben. Solange das Abbremsen als Imageverlust gilt, bleiben für Spaziergänger viele schöne Wege einfach zum Weglaufen. Im Stadtpark brettern zusätzlich die Radler mit eingebauter Vorfahrt zwischen Fußgängern, Joggern, Kindern und Hunden hindurch. Sie verlassen sich einfach darauf, dass wir weder mit der Tasche schlenkern noch spontan die Arme ausbreiten. Nicht die Muckis, sondern unser Respekt ist unsere Stärke!

Gisela Peters