Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. April 2020

Bombastischer Protzbau

16. April: Die neue Sternbrücke kostet 125 Millionen Euro. Ab 2023 entsteht in Altona ein neues Bauwerk. Bauzeit soll vier Jahre betragen

Mit dieser bombastischen neuen Brücke wird eine ganze Region verschandelt. Wenn schon ein Neubau, warum dann nicht einer, der sich den baulichen Gegebenheiten anpasst? Noch besser wäre meiner Meinung nach aber der Erhalt der alten denkmalgeschützten Brücke mit den Kneipen und Clubs darunter. Staatsrätin Jana Schiedek spricht in diesem Fall von erheblichen finanziellen Auswirkungen. Das wäre aber doch bestimmt billiger, als 125 Millionen Euro für einen neuen Protzbau auszugeben.

Malte Gumpricht, Hamburg

Ego auf Sparflamme

16. April: Merkel: Erste Lockerungen mit ,äußerster Vorsicht‘

Von kleineren Zugeständnissen abgesehen, ist die faktische Verlängerung der Beschränkung mehr als plausibel, mag dennoch sicher hier und da individuell enttäuschen. Die Verhandelnden waren aber gleichwohl getragen von hoher Verantwortlichkeit und weiser Vernunft. Deshalb war es zwingend notwendig, egoistische Partikularinteressen einstweilen hintanzustellen, um die Bevölkerung als Ganzes nicht unnötigen Risiken auszusetzen. Unabdingbare Voraussetzung, um der Pandemie erfolgreich zu trotzen. Der künstliche Dornröschenschlaf, der nun in einer Verlängerungsphase mündet, könnte derweil durchaus seine heilsame Wirkung entfalten, wenn unisono alle, bei der Umsetzung Solidarität, Disziplin und Gemeinsinn an den Tag legten, ihren hinderlichen Ego-Anteil auf Sparflamme kochten und sich als wertvolle Mitglieder einer Schicksalsgemeinschaft verstünden.

Thomas Prohn

Politik hat richtig gehandelt

15. April: ,Zahlen rechtfertigen die Angst vor Corona nicht‘. Im Hamburger Abendblatt veröffentlichen zwei der bekanntesten Mediziner der Stadt 10 Thesen zum Umgang mit dem Virus

Die Thesen der beiden Professoren sind teilweise nur schwer nachvollziehbar. Die Intensivstationen sind derzeit nur deshalb nicht ausgelastet, weil mit 127.000 Personen erst ein sehr geringer Anteil der Bevölkerung infiziert ist. Vor Einführung der Kontaktbeschränkungen hat sich die Anzahl der Infizierten alle drei bis vier Tage verdoppelt und bei zu früher Lockerung der Einschränkungen würden wir diese Rate schnell wieder erreichen. Es bedarf nur wenig Phantasie um sich vorzustellen, wie es in den Krankenhäusern aussehen würde, wenn sich sehr schnell eine Million Menschen infiziert hätten. Nämlich genau wie in New York mit Krankenhausfluren voller Sterbender und Kühllastern voller Leichen vor den Kliniken. Dort verläuft die Infektion auch nicht wie „eine vergleichsweise harmlose Viruskrankheit“. Vor Zuständen wie in New York oder Italien hat die Bevölkerung völlig zu Recht Angst. Ich finde, dass die Politik mit ihren Maßnahmen bisher weitgehend richtig und umsichtig agiert hat.

Dr. med. Jan Wieland, Halstenbek

Warum finden sie kein Gehör?

Gut, dass es noch Stimmen wie die von den Herren Püschel und Schulte-Markwort gibt! Warum aber werden diese nicht von unserer Politik gehört...?

Constanze Meyer

Situation nicht verharmlosen

Zum wiederholten Mal ist zu lesen, dass der Leiter des Instituts der Rechtsmedizin der Universität Hamburg, Klaus Püschel, in der Corona-Krise die Ansicht vertritt, bei Covid-19 handele es sich um eine „vergleichsweise harmlose Viruserkrankung“, mit der man lernen müsse zu leben und zwar ohne Quarantäne. Da frage ich mich doch, ob ich irgendetwas verpasst habe? Angesichts der Entwicklungen in Italien, Spanien, USA, Frankreich oder Ecuador ist doch wohl jegliche Verharmlosung völlig unangebracht. Natürlich haben wir im Gegensatz zu anderen Ländern in Deutschland ein exzellentes Gesundheitssystem, hervorragende Wissenschaftler und umsichtige Politiker, denen es zu verdanken ist, dass diese Krise zumindest bisher Schlimmeres verhindert hat. Uns Bürgern wurde und wird eine Menge zugemutet. Dass nun bereits über Lockerungen nachgedacht werden kann, ist das Ergebnis unserer Disziplin und Einsicht. In unserem Land wurde nicht verharmlost und das ist gut so.

Christiane Kratzmann

Die einzigen Vernünftigen

Warum viel schreiben, ich kann es kurz machen: Klaus Püschel und Michael Schulte-Markwort – die einzigen Vernünftigen in diesem ganzen Corona-Zirkus.

Thomas Albrecht, Hamburg

Ethisch umstritten

Weshalb geht es uns Deutschen noch relativ gut? Unter anderem, weil wir früh entsprechende Maßnahmen ergriffen haben und sich viele an die „Regeln“ halten. Wenn Herrn Püschel immer wieder sagt, dass er all das für übertrieben hält, werden sich die Menschen nicht mehr daran halten. Wir haben übrigens ausreichend Intensivbetten und Beatmungsgeräte, aber kein Personal, das diese bedienen kann. Ethisch sehr umstritten ist, dass „es sowieso nur Alte und Vorerkrankte trifft, die wohl nur noch bis zum Ende des Jahres gelebt hätten“. Die ganze Welt steht Kopf, nur Herr Püschel weiß, dass dieses Virus völlig harmlos ist. Irgendwas stimmt hier nicht.

Margit Wenk, Hamburg

Immunsystem optimieren

15. April: ,Wir behandeln Patienten, die nicht zu retten sind‘. Der Palliativmediziner Matthias Thöns glaubt bei Corona nicht an Intensivmedizin, vielmehr müsse man sich um Schutz der Pflegeheime kümmern

Ich finde es richtig, dass nun auch vermehrt Mediziner zu Wort kommen, die andere Sichtweisen auf das Thema Corona aufzeigen. Herr Thöns betont, dass es nicht nur darauf ankommt, Leben zu retten. Es geht um Fragen wie Lebenswille, Lebensqualität nach einer Beatmung, schwere Begleiterkrankungen und letztendlich Zuwendung zu den meist hochaltrigen Patienten, also auch ethischen Fragen. Vermisst habe ich Artikel über die Bedeutung eines gut funktionierenden Immunsystems und wie man das über Ernährung, Bewegung etc. optimieren kann und damit Infektionen entgegnen kann. Ich finde, wir sollten langsam wieder zur „Normalität“ zurückkommen, mit Augenmaß.

Dr. Christiane Ebert, Blankenese

Apotheken: Toller Service

15. April: Die Online-Apotheken im Vergleich. Im Internet bestellte Medikamente sind mitunter deutlich günstiger

Mit Entsetzen habe ich den Artikel im Abendblatt gelesen. Im Moment hört man nahezu täglich die Klagen über nicht verfügbare Arzneimittel. Geschuldet ist dies der Abwanderung der Produktion nach Fernost aus Kostengründen, da die Krankenkassen in Deutschland die Preise in den Centbereich gedrückt haben. Da ist es m. E. der pure Hohn zu schreiben: „Nach dem Gang zur Apotheke geht es manchem schlechter als zuvor – die hohen Medikamentenpreise können einem ganz schön auf den Magen schlagen.“ Der Autor versucht den Eindruck zu erwecken, die Hälfte der Deutschen würde Arzneimittel über den Versandhandel beziehen. Der Anteil des Versandhandels bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln liegt deutlich unter fünf Prozent, bei nicht-verschreibungspflichtigen Arzneien liegt der Anteil bei ca. 20 Prozent. Die Hamburger Apotheken werden dafür gelobt, dass sie schnell begonnen haben, Desinfektionsmittel herzustellen, sind permanent vor Ort, fertigen die verschiedensten Arzneien zügig an und sind bemüht, die Versorgungsengpässe für ihre Kunden und Patienten erträglich zu halten. Die kostenlose Telefonberatung ist in den klassischen Apotheken vor Ort Standard. Für den Notfall empfiehlt der Autor die Apotheke vor Ort. Dabei denkt er sicher auch an den Nacht- und Notdienst, einen Service, den die Versandhändler gar nicht erst anbieten. Was für Herrn Matthiesen anscheinend allein „zieht“ ist der Preis.

Rainer Töbing, Altpräsident der Apothekerkammer Hamburg