Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. April 2020

Enkel sind keine Überträger

15. April: Corona in Pflegeheimen – große Sorgen in Hamburg und dem Norden

Die Legende von den Enkeln, die in besonderem Maß ihre Großeltern mit dem Corona-19-Virus anstecken, ist geplatzt. In den Pflegeheimen und Krankenhäusern, in denen jetzt besonders viele Menschen infiziert worden sind, hatten Kinder nun schon über Wochen überhaupt keinen Zutritt. Wie schon immer bei der Grippe sind offenkundig auch bei Corona Ärzte, Pflegepersonen und wohl auch Mit-Patienten Überträger. Ob dies völlig vermeidbar ist, ist angesichts der notwendigen körperlichen Nähe bei der Pflege fraglich. Die massive Einschränkung der Angehörigenbesuche jedenfalls ist kein geeigneter Schutz für die Patienten, sondern sie gefährdet sie, denn die seelische Gesundheit ist eine Kraft, die auch körperliche Gesundung bringen kann.

Michael Rothschuh, Hamburg

Einsamkeit macht krank

Senioren sind wegen ihres Alters und oft auch wegen weiterer Erkrankungen besonders gefährdet an Covid-19 zu erkranken. Diese Menschen sollten wir schützen, aber das heißt keineswegs wegsperren. Für viele betagte Menschen ist der Kontakt zu den Angehörigen die einzige Freude im Leben, das einzige, bei dem sie das Gefühl haben, dass das Leben sich noch lohnt. Sie leiden sehr unter der Einsamkeit. Keineswegs sind alle Älteren in der Lage, per Telefon oder sogar per Videotelefonie Kontakt zu ihren Familien zu halten und selbst wenn sie es können, ist es nur ein kümmerlicher Ersatz der Begegnung. Bei vielen Betagten tickt die Lebensuhr. Es ist keine Zeit zu warten, bis irgendwann ein Impfstoff da ist oder eine Therapie. Und auch für die Enkel und Urenkel, die schnell immer größer werden, ist der kontinuierliche Kontakt zu den Alten wichtig, und die Erinnerung daran gibt ihnen manchmal Kraft für ihr ganzes Leben. Einsamkeit macht krank und die Lebenskraft schwindet. Wir sollten den Angehörigen Kontakt zu den Senioren ermöglichen. Oft bringt schon ein kurzer Besuch ein bisschen Glück. Selbstverständlich mit Mund-Nasenschutz, selbstverständlich mit einem Abstand von zwei Meter soweit dies möglich ist, und vor allem mit viel Luftbewegung um virushaltige Luft zu verdünnen, sei es mit geöffnetem Fenster oder im Freien.

Dr. med. Johanna Schmidek

Fundierte Analyse

15. April: ,Zahlen rechtfertigen die Angst vor Corona nicht‘. Im Hamburger Abendblatt veröffentlichen zwei der bekanntesten Mediziner der Stadt 10 Thesen zum Umgang mit dem Virus

Ich könnte laut jubeln und schlage die beiden Kollegen für den Job der Gesundheitsminister vor. Eine so ruhige und fundierte Analyse der derzeitigen Situation ist in den panikgetriebenen Zeiten der Corona Sensationsmeldungen eine wohltuende Alternative. Die 10 Thesen gehören an jede Litfaßäule.

Dr. Susanne Schubert, Hamburg

Balsam auf die „Angstseele“

Wie wohltuend sind doch diese Thesen. Quasi Balsam auf die geschundene „Angstseele“ der Hamburger. Lasst, so klingt es, gesunden Sach- und Menschenverstand walten. Hören wir doch bitte auf dese beiden Fachmänner, dann wird vielleicht nicht alles sofort gut, aber doch vieles besser.

Rüdiger Steffen, Hamburg-Duvenstedt

Gewinne verschoben

15. April: Adidas erhält Milliardenkredit von staatlicher Förderbank

Wurde nicht vor einigen Monaten berichtet, dass Adidas durch Lizenz-Zahlungen an Schwesterfirmen in den Niederlanden den Gewinn in Deutschland dezimieren konnte und in den Niederlanden dafür einen weitaus niedrigeren Steuersatz bezahlen durfte? 2019 machte Adidas Milliardengewinne und zahlte die höchste Dividende der Unternehmensgeschichte aus. Deshalb wollte Adidas auch die Mietzahlungen für die Filialen vor zwei Wochen einstellen, weil es dem Unternehmen ja „so schlecht“ geht. Die Raffgier war jetzt nur noch zu toppen, von der KfW eine Kreditzusage über 2,4 Milliarden zu bekommen. Da werden Gewinne indirekt in Steueroasen verschoben und trotzdem gibt es von der Bundesregierung genehmigte günstige Kreditzusagen? Keine Bananenrepublik hätte das zugelassen.

Dietmar Johnen-Kluge

Wer sät hier Zwietracht?

14. April: Leitartikel: Es reicht, Herr Günther! So geht man nicht mit Nachbarn um

Wenn man weiß, dass die Kontrollstellen überwiegend an den allseits bekannten Ausflugszielen errichtet wurden, fragt man sich doch, was mancher Bürger daran nicht versteht, in diesen Krisenzeiten einfach mal zu Hause zu bleiben. Zumal diese Empfehlung doch in allen Medien verbreitet wurde. Es ist sicherlich überzogen und vielleicht dem Übereifer einzelner Kontrolleure zu verdanken, dass Radfahrer und Fußgänger angehalten wurden, aber das Vorgehen der Politik mit Ausländerfeindlichkeit zu vergleichen, ist deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Herr Röttger wirft der Politik vor, Zwietracht zu säen, genau das werfe ich ihm mit seinem Artikel auch vor.

Heike Beukelmann

Notwendige Verordnungen

Die Verordnungen sind, auch wenn sie vielleicht in einigen Punkten nicht immer verständlich sind, dringend erforderlich. Das hat mit Kleinstaaterei in keiner Weise etwas zu tun. Wenn sich dennoch einige Bevölkerungsteile über die Anordnungen hinwegsetzen, ist es schlicht in Ordnung, wenn diese in ihre Schranken verwiesen werden. Es gibt immer noch Leute, die mit Tricks versuchen, nach Schleswig-Holstein direkt oder über Umwege zu kommen. Diesen unbekümmerten Menschen muss Paroli geboten werden. Anders wird es nicht funktionieren. Wenn sich alle an diese Maßnahmen halten, gibt es auch keinen Anlass zu Streitereien. Es wird allen viel abverlangt. Dafür werden wir aber mit Sicherheit eines Tages belohnt werden. Wir werden trotz der Krise ein gemeinsames Leben der Menschen im ganzen Norden haben. Daran hat keiner Zweifel.

Horst Rindfleisch, Halstenbek

Argumente für Corona-Bonds

11./12./13. April: So geht Europa! Die Finanzminister einigen sich auf ein großzügiges Rettungspaket – von Eurobonds bleibt der Kontinent verschont

Der Beitrag von Herrn Iken ist einseitig auf Ablehnung der Eurobonds ausgerichtet. Diese Darstellung ist der Thematik „Rettung Europas in Folge der Corona-Pandemie“ nicht angemessen. Es fehlen zentrale Argumente für Corona-Bonds:

1. Es handelt sich um Kredite, die in der EU oder auch nur in der Eurozone als Anleihen zu tragfähigen Zinsen ausgegeben werden, kein deutsches Steuergeld wird verschenkt.

2. Die Deutsche Wirtschaft muss ein Interesse an einer Erholung in den südeuropäischen Ländern haben, gehen doch 59 Prozent der deutschen Exporte in die EU, davon 35 Prozent in die Eurozone

3. Deutsche Sparer können von der Ausgabe europäischer Bonds profitieren und endlich einen Zins auf ihre Einlagen bekommen, was angesichts der Nullzinspolitik der vergangenen Jahre ein kleiner Gewinn für Sparer sein kann. Ich habe den Verdacht, dass Herr Iken die Eurobonds ablehnt aus Angst vor den Populisten, dabei jedoch übersieht, wie wichtig ein gestärktes Europa für eine Exportnation wie Deutschland ist. Mit seiner Argumentation gibt Herr Iken den Populisten mit deren Euro-Skepsis nach, obwohl er Hilfe und Solidarität in Europa als „nötiger denn je“ einschätzt.

Peter Kühn

Italien: mit 60 in Rente

Warum können Italiener mit 60 in Rente? Warum bekommen Italiener 82 Prozent des letzten Nettoeinkommens als Rente? Warum liegt das Kurzarbeitergeld in Italien bei rund 80 Prozent?Warum muss Italien seine Target-2-Verpflichtungen von rund 380 Milliarden Euro gegenüber der deutschen Bundesbank nicht nachkommen? Und warum wird dieses alles nicht thematisiert?

Lars Bollerson